Mehr davon in der Verbandsliga

Derby in der sechsten Liga: Volle Ränge in der Köngener Burgschulhalle. Fotos: Rudel, Paesler (1)

Das war mal wieder ein geballtes Handball-Wochenende. Welche Erkenntnisse gab es? Die Drittligisten TV Plochingen und TV Nellingen werden es im Abstiegskampf und das BWOL-Spitzenteam TSV Neuhausen im Aufstiegsrennen schwer haben. Der TSV Deizisau ist in der Württembergliga der Männer die Mannschaft der Stunde und bei den Frauen muss der TV Reichenbach einen Rückschlag verkraften.

Ein Blick auf meinen Schreibtisch: Rechts die heutige EZ, links die morgige.

Und: Wenn man ein richtig gutes Handballspiel sehen möchte, kann man auch in die sechste Liga gehen.

Ich habe in der Samstag- und der Montagausgabe meiner Begeisterung über das Landesligaspitzenderby zwischen dem TSV Köngen und dem TSV Denkendorf am Freitagabend genug Zeilen und Raum gegeben. Deshalb, und auch weil mein Kollege Herbert Rudel eine Menge starker Fotos gemacht hat, hier noch ein paar visuelle Eindrücke von dem Spiel in der mit 600 Leuten rappelvollen Burgschulhalle.

Nur so viel noch (einmal): Wenn es tatsächlich so kommt, dass sich Köngen, Denkendorf, der TV Reichenbach und das Team Esslingen für die neu geschaffene Verbandsliga qualifizieren und aus der Württembergliga die HSG Ostfildern und die SG Hegensberg/Liebresbronn dazu kommen, dann kann man sich auf diese Liga ab der kommenden Saison wirklich freuen. Egal, wie man sonst zur Strukturreform des HVW steht.  

Super Choreo der Denkendorfer. Viele von ihnen sind zu Fuß gekommen.
Los geht’s: Die Köngener vor ihrem Fanblock.
Simon Hablizel (links) und Ralf Wagner – man kennt sich, man versteht sich.
Lukas Taxis auf dem Weg zum Tor. Es ist kein leichter.
Wurfgewaltig: Niklas Schmid.
Auszeit Denkendorf.
Christoph Müllerschön (links) und Lukas Taxis am Boden? Nur in dieser Spielszene.
Manuel Tremmel dreht ab. Zwölf Tore erzielt der Köngener Routinier beim 32:26-Sieg.
Und am Ende jubeln alle Köngener.

MadDogs: Es läuft auch
ohne Mönch und Fischer

Philipp Keppeler trifft – und Louis Mönch (links) schaut zu. Fotos: Rudel

TSV Neuhausen 34, TSV Zizishausen 25 – die MadDogs spielen in der Baden-Württemberg Oberliga eine ganz starke Saison und sind trotz großer personeller Probleme auf Wiederaufstiegskurs. Bis zur Rückkehr in die 3. Liga ist es zwar noch ein weiter Weg, aber es ist in jedem Fall beeindruckend, was sie da auf den Fildern zeigen. Das findet auch meine Kollegin und Neuhausen-Expertin Steffi Gauch-Dörre, die beim Sieg gegen Zizis für die EZ in der Egelseehalle war und zu meiner großen Freude mal wieder einen Gastbeitrag hier am Kreis schreibt – und beim Thema Personalien auch auf zwei Spieler eingeht, die der Mannschaft schon seit Saisonbeginn nicht zur Verfügung stehen.

Steffis Gastbeitrag:

MadDogs: Es läuft auch ohne Mönch und Fischer

Das war ein voller Erfolg: Trotz massiver Personalsorgen haben die Neuhausener auch im Derby gegen Zizishausen eine absolut überzeugende Leistung gezeigt! Neuzugang Ferdinand Michalik sorgte in der Abwehr für noch mehr Stabiltät. Das lässt hoffen, dass die MadDogs trotz des schmerzlichen Ausfalls von Spielmacher Timo Durst (Achilessehnenriss) und Kapitän Hannes Grundler (Innenbandriss im Knie) lange ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden werden. Anschließend hat dann auch noch Spitzenreiter SG Pforzheim/Eutingen geschwächelt und eine Niederlage in Söflingen kassiert.

Es läuft bei den Neuhausenern und sie haben Spaß. Und es macht Spaß zuzuschauen. Jeder Spieler fügt sich gekonnt ein und trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Kein Wunder also, dass sich das Trainer-Team schwer tut, bei den Heimspielen einen Spieler des Spiels zu benennen. Außenspieler Philipp Keppeler hatte es jedenfalls verdient und vor zwei Wochen Patrik Letzgus auch.

Nutzt seine Chance im Rückraum: Florian Distel.

Dass die Neuhausener in einer angespannten Personalsituation sind, liegt nicht nur an den Verletzungen (zu den Langzeitverletzten gesellen sich immer wieder noch weitere wie momentan Roman Fleisch mit einer Sprunggelenksverletzung), sondern eben auch an zwei Rückraumspielern, die eingeplant waren, einen Vertrag bei den Neuhausenern hatten und diesen nicht erfüllen wollten: Lukas Fischer und Louis Mönch.

Bei Mönch zogen sich die Gespräche und Verhandlungen über Monate und der talentierte Spieler verlor nach eigener Aussage schon fast den Spaß am Handball. Das hat er sich allerdings selbst zuzuschreiben. Nach vielem Hin und Her spielt er nun nicht wie von ihm geplant höherklassig in Konstanz, sondern läuft beim Neuhausener Ligakonkurrenten Zizishausen in der BWOL auf. Letztlich hat er sich mit seiner Entscheidung wohl selbst am meisten geschadet. Denn bei Neuhausenern läuft es eben auch ohne die zwei unbestritten talentierten Spieler rund.

Sehenswerter Heber: Julian Reinhardt erzielt gegen Zizishausen fünf Tore.

Mönchs Auftritt bei seiner Rückkehr in die Egelseehalle war sicher nicht sein bester – aber ihm fehlt halt auch die Spielpraxis. In Zizishausen fühlt er sich wohl und ist froh, in Trainer Florian Beck einen Freund an seiner Seite zu haben. Mönch hofft, dass er nun wieder zur Ruhe kommt und Spaß am Handball hat. Die nächsten anderthalb Jahre will er mindestens in Zizishausen bleiben. Einsichtig ist er jedenfalls: „Ich habe Scheiße gebaut“, sagte er nach der Derbyniederlage und zeigte Verständnis für die Pfiffe von den Zuschauerrängen: „Das war zu erwarten und ist auch verständlich.“

Schade nur, dass sich Fischer (vom TV Plochingen zum VfL Pfullingen statt nach Neuhausen) und Mönch im Sommer so kurzfristig gegen Neuhausen entschieden haben… Hätte man das gewusst, wäre der quirlige Lucca Holder, der zum TSV Schmiden zurückkehrte, vielleicht geblieben.


Oben unten und unten oben

Blick ins Ungewisse beim TV Plochingen. Fotos: Rudel, Kehle (1)

Eigentlich wollte ich heute über unser ungleiches Top-Duo TV Plochingen und TSV Neuhausen schreiben. Tu ich gleich auch noch. Aber dann passierte das, was zurzeit recht häufig passiert: Es flatterte ein Trainerwechsel in die Redaktion und damit auf die Seite. Diesmal geht es um Daniel Kraaz und das Team Esslingen.

Es ist ein bisschen eine komische Geschichte. Beim EZ-Pokal ging das Gerücht um, Kraaz würde bei dem Landesligisten aufhören. Er selbst sagte dazu nur, es habe niemand vom Verein mit ihm gesprochen. Der Verein sagte wiederum, dass auch niemand mit ihm sprechen müsse, weil Kraaz‘ Vertrag noch für die kommende Saison gelte und man mit ihm weitermache.

Daniel Kraaz ist nicht mehr lange Trainer des Team Esslingen.

Jetzt, zwei Wochen später, kommt dann doch die Nachricht: Kraaz geht am Ende der Saison. Und zwar, weil er selbst das so will. Mehr lest ihr hier.

Irgendwie passt die Geschichte. So ein richtig gutes Gefühl hatte ich bei der Kombination ehrlich gesagt schon eine Weile nicht mehr. Ich halte Daniel Kraaz für einen guten Trainer, ein angenehmer Typ ist er eh. Aber zum einen hinkt das Team seit einigen Jahren den eigenen Ansprüchen hinterher. Die Rückkehr in die Württembergliga wurde mehrfach deutlich verfehlt und jetzt wird die Qualifikation für die eingleisige Verbandsliga eine ganz enge Kiste.

Zum anderen ist auffällig: Die Esslinger sind schon seit einiger Zeit die Mannschaft im EZ-Land mit den größten Schwankungen. Wie oft hat Kraaz nach einem Spiel die Einstellung kritisiert? Dann gab es wieder richtig gute Auftritte. Zu beobachten gerade in den vergangenen zwei Wochen. Kraaz kann sich die Leistungsunterschiede nicht erklären. Die Frage ist, ob sie sein Nachfolger in den Griff bekommt. Ober er Volker Picard heißt oder anders.

Ich wünsche Daniel Kraaz und dem Team jedenfalls, dass sie sich mit der Qualifikation für die Verbandsliga voneinander verabschieden. Das wird dann übrigens eine hoch interessante Liga.

So sehr sich Dominik Eisele und die Plochinger auch strecken – gegen Balingen-Weilstetten II ist nichts zu holen.

So, jetzt doch noch einige Sätze zu Plochingen und Neuhausen. Es ist schon frappierend, was da am vergangenen Wochenende in der Schafhausäcker- und der Egelseehalle los war. Die Plochinger sind endlich mal wieder komplett, zeigen gegen eine wahrlich nicht überragende Mannschaft von Balingen-Weilstetten II aber eine ganz schwache Leistung und müssen spätestens  nach dem 29:34 aufpassen, dass sie jetzt nicht ganz tief in den Abstiegsstrudel geraten. Und die Neuhausener überzeugen trotz des Ausfalls ihrer beiden besten Spieler Hannes Grundler und Timo Durst und gewinnen das Spitzenspiel gegen die HSG Konstanz II mit 29:24.    

Die Neuhausener imponieren mir wirklich. Da stimmt es einfach. Der Glaube an die eigene Stärke ist da. Auch der daran, jetzt das Spitzenspiel beim Tabellenführer SG Pforzheim/Eutingen gewinnen zu können. Auch wenn die MadDogs dort Außenseiter sind. Wir bringen in dieser Woche noch eine Geschichte in der EZ über zwei der Spieler, die einen großen Anteil am Höhenflug der MadDogs haben.

Roman Fleisch ist in dieser Saison eine der Stützen der Neuhausener. Im Spiel gegen Konstanz II hat er sich jedoch verletzt.

Und dann haben die Lochers ja noch Ferdinand Michalik aus dem aus dem Hut gezaubert. Ich bin mal gespannt, wie sehr er der Mannschaft weiterhelfen kann. Ich habe ihn zuletzt bei Neuhausen/Erms gesehen. Der kann was – ist aber, wenn ich das richtig beobachtet habe, schon eine Weile ohne Spielpraxis.

Und Plochingen? Ich war beim Spiel gegen Balingen-Weilstetten II. Und habe da das genaue Gegenteil von dem gesehen, was ich gerade von Neuhausen beschrieben habe: Knoten im Kopf und in den Beinen, kein Selbstvertrauen. Und keiner in Sicht, der den berühmten Bock umstößt. Vor allem im Angriff wirkte das mut- und konzeptlos, was ja auch Routinier Dominik Eisele so erkannt hat. „Wir hatten keinen klaren Fahrplan“, hat er nach dem Spiel gesagt und war auch mit seiner eigenen Leistung nicht glücklich.

Starkes Foto: Maximilian Schmid-Ungerer fliegt durch die Balinger Abwehr.

Ich mache mir zum ersten Mal ernste Sorgen darüber, ob das mit dem Klassenverbleib klappt. Es sah im ersten Saisondrittel noch so gut aus. Vom jungen Christos Erifopoulos kann man wieder mehr Tore erwarten, aber nicht, dass er schon der Anführer ist, der das Team aus der Krise führt. Der erfahrene David Spiler schafft das auch nicht. Kapitän Dominik Werbitzky nicht allein. Und von einigen anderen Spielern habe ich auch schon deutlich bessere Spiele gesehen. Ich habe das Gefühl, dass sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.  

Jetzt ist Trainer Michael Schwöbel gefordert. Im Moment sehe ich auch noch nicht, wie er es schaffen will, die Mannschaft wieder zu einem Siegerteam zu machen. Nach dem desolaten Auftritt beim EZ-Pokal sprach er von zwei „super Trainingswochen“. Dann aber folgte der schwache Auftritt im ersten Pflichtspiel des Jahres.

Es ist eine große Herausforderung für Schwöbel. Ich erinnere mich aber noch an seine Zeit bei der HSG Ostfildern, wo er es auch eine schwierige Situation überwunden und – auch zu meiner Überraschung – die Mannschaft am Ende zum Aufstieg in die Württembergliga geführt hat. Und als die Plochinger Mitte November nach sieben Niederlagen unter Druck standen, haben sie gegen Haßloch Kampfgeist und Nervenstärke gezeigt und einen wichtigen Sieg geholt.

Schwöbel musste schon die Floskel „Aufgeben gilt nicht“, verwenden. Eigentlich ist das ein schlechtes Zeichen. Aber er schaute mich dabei so überzeugt an, dass ich ihm einfach mal glaube, dass er es schafft.

Aufsteiger Plochingen steht oben unten, Absteiger Neuhausener unten oben. Vorletzter in der 3. Liga und Zweiter in der BWOL. Wäre es nicht schön, wenn Plochingen in Liga drei bleibt und Neuhausen wieder hoch kommt? So sehr sich die momentane Situation bei den Mannschaften unterscheidet, beides wird nicht leicht.

Und jetzt mal schauen, welche weiteren Trainerwechsel diese Woche noch in die Redaktion flattern. Es deutet sich jedenfalls bereits etwas an…


Was macht eigentlich Marion Radonic?


„Die Jungs hören auf mich“, sagt Marion Radonic. Fotos: Rudel

Eine gerade vorgestellte internationale Studie besagt, dass Deutschland in Sachen Stellung der Frau im Berufsleben einen guten, aber keinen Spitzen-Platz einnimmt. Auch der Sport scheint in diesem Bereich Nachholbedarf zu haben. Ein Beispiel dafür ist eine der besten Handballerinnen, die das EZ-Land hervorgebracht hat: Marion Radonic.

„Ich bekomme viele Anfragen“, sagt Radonic und zeigt ein bittersüßes Lächeln. „Aber alle als Co-Trainerin.“ Diesen Posten nimmt die frühere Kreisläuferin und Abwehrspezialistin beim Württembergligisten SKV Unterensingen ein, zunächst tat sie das an der Seite von Benjamin Brack, dann an der von Steffen Rost. Früher saß sie bei der HSG Ostfildern neben Frank Illi auf der Bank. Bis zum vergangenen Sommer war sie zusätzlich zu Unterensingen auch noch beim Schweizer Frauen-Erstligisten GC Zürich tätig.

Knapp 80 Bilder gibt es von Marion Radonic im EZ-Archiv. Dieses aus dem Jahr 2009 ist das älteste.

Gefühlt jeder zweite Verein der Region sucht zurzeit einen Coach oder war in den vergangenen Wochen auf Trainersuche. Auf Marion Radonic kam niemand. Zumindest hat man diesbezüglich nichts gehört. Und als die 42-Jährige kürzlich beim EZ-Pokal aufgrund von Rosts Fehlen den SKV in der Vorrunde alleine coachte und ins Viertelfinale führte, da fiel nach Radonics Empfinden vor allem auf – dass Rost fehlte. „Wo ist Steffen, haben die Leute gefragt. Oder sie haben gesagt, dass es die Mannschaft ja auch alleine schafft“, erzählt sie. Wenn sie mit den Unterensingern in den Hallen des Landes unterwegs ist, wird sie oft für die Physiotherapeutin gehalten.

Anders herum ist die Sache mehr als üblich. Von den sieben Frauenteams im EZ-Land von der Landesliga aufwärts beispielsweise werden fünf von Männern trainiert. An der Kompetenz und Erfahrung kann das Ganze nicht liegen. „Von den Jungs in der Unterensinger Mannschaft hat keiner auch nur annähernd so hoch gespielt wie ich“, sagt Radonic.

Marion Radonic im Jahr 2010 im Bundesliga-Aufstiegsspiel des TV Nellingen gegen die SGH Rosengarten.

In Trier hat die frühere Jugendnationalspielerin Radonic Bundesliga gespielt, in Allensbach und Nellingen 2. Bundesliga. Nachdem sie beim TVN im Jahr 2011 nach drei Jahren als Leistungsträgerin aufgehört hatte, legte sie ein Jahr Pause ein, übernahm den Co-Trainerposten in Ostfildern und unterstützte dann noch drei Jahre als Spielerin das letztlich gescheiterte Handball-Projekt beim HC Wernau.  Schon als Spielerin hatte sie das, was man auch als Trainer braucht: führungs- und durchsetzungsstark, klar analysierend. Und wenn das Spiel gespielt ist, zugänglich, freundlich und verbindlich.

Im Jahr 2011 setzt sich Marion Radonic vor vollen Rängen in der Sporthalle 1 gegen die Abwehr ihres Ex-Clubs TuS Metzingen durch.

Folgerichtig schlug Radonic, die in Deizisau wohnt, schon während ihrer aktiven Zeit die Trainerlaufbahn ein. Aber nicht nur. Offensichtlich macht sie gerne Dinge parallel. Wobei praktisch ihr gesamtes Leben mit Sport zu tun hat: Die Diplom-Sportlehrerin gibt Unterricht am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Stuttgart, Böblingen und Karlsruhe, arbeitet als selbstständige Personal-Trainerin – und eben als Handball-Trainerin. Demnächst wird sie die A-Lizenz sowohl im Handball als auch in der Leichtathletik machen.

Im Jahr 2013 bejubelt Marion Radonic ein Tor für den HC Wernau im Derby gegen die HSG Deizisau/Denkendorf. Links Tine Gall.

Im Sommer vergangenen wurde dann alles ein bisschen zu viel, weshalb sie zumindest den Job in der Schweiz –  vor Zürich war sie schon bei RTV/KV Basel – aufgegeben hat. „Mir ist das zwar alles lieber als alleine zuhause zu sitzen, aber ich bin 64 000 Kilometer im Jahr gefahren“, erklärt sie. Ganz so rastlos musste es dann doch nicht mehr sein.


Die Trainerlaufbahn beginnt: Marion Radonic und Frank Illi.

Marion Radonic als Cheftrainerin im Männerbereich? „Ich glaube, das traut sich keiner“, sagt sie. Die Arbeit mit einem Frauenteam kann sie sich grundsätzlich auch vorstellen. „Aber nicht unterhalb der 3. Liga, dazu bin ich zu leistungsorientiert“, sagt sie.

Spannend wird es, wenn die Entscheidung fällt, ob Steffen Rost in Unterensingen weitermacht. In den kommenden Tagen oder Wochen will sich der frühere Deizisauer entscheiden. Falls er aufhört, müsste erste Ansprechpartnerin eigentlich Marion Radonic sein. „Die Jungs hören auf mich“, sagt sie über die Spieler. Kein Zweifel.  


Blick nach oben und nach unten

Trainerin Veronika Goldammer und der TV Nellingen haben einen wichtigen Sieg eingefahren. Foto: Rudel

Habt ihr heute EZ gelesen? Ich auch. Nach einem freien Wochenende, was bei mir nicht allzu oft vorkommt, ist das anders als sonst. Wir haben ja ohnehin viel Handball im Blatt, viel mehr als fast alle Kollegen. Aber das gibt es nur in dieser Phase des Jahres: Sportseite 1 Handball-EM, Seite 2 Volleyball und Co, Seite 3 Fußball, Seiten 4 und 5 Wintersport und Ergebnisse, Seiten 6 und 7 lokaler Handball.

Was ist mit beim Lesen aufgefallen?

–        Krass, wie die deutschen Handballer gegen Spanien verloren haben – und klasse, dass Manuel Späth wieder seine Späthlese schreibt. Analytisch und immer den Blick nach vorne. Das bereichert unser Blatt sehr!

–        Zwei ebenfalls lesenswerte Texte meiner Kollegen Karla Schairer aus Nellingen und Max Bruns aus Deizisau. Frauenhandball ist diesmal ganz groß. Die Nellingerinnen haben endlich mal wieder gewonnen und sehen in der 3. Liga Land. Und in der Württembergliga ist der TV Reichenbach wieder vor der HSG Deizisau/Denkendorf. Die beiden Teams haben so jeweils das Derby-Auswärtsspiel gewonnen. War wohl eine interessante Partie – und das Wichtigste aus EZ-Land-Sicht: Beide sind klar auf Qualifikationskurs Richtung eingleisige Württembergliga. Wenn nicht sogar noch mehr geht.

–        In der Männer-Württembergliga läuft es bei der HSG Ostfildern auch nach dem Trainerwechsel nicht rund. Da rückt die eingleisige Württembergliga in immer weitere Ferne. Wenn nicht gar der worst case in Form des Abstieges in die Landesliga passiert. Das wäre für die in den vergangenen Jahren positive Entwicklung bei der HSG ein fetter Rückschlag.

–        Ganz anders die Situation beim TSV Deizisau: Wir haben ja schon erlebt, dass Mannschaften, die den EZ-Pokal gewonnen haben, anschließend auf-, aber auch, dass sie abgestiegen sind. Jedenfalls haben die Deizisauer, denen ein Trainerwechsel ja am Ende der Saison bevorsteht, den Schwung vom Sieg in der Neckarsporthalle offenbar mitgenommen, wie man so schön sagt. Der satte 35:25-Erfolg gegen den Qualifikations-Konkurrenten Laupheim tut jedenfalls gut, in Sachen Selbstvertrauen und in SachenTabelle.

–        In der Landesliga ist die heftige Niederlage des bisherigen Zweiten TSV Denkendorf im Spitzenspiel in Unterhausen auffällig. 29:41 – was war denn da los? Und beim Team Esslingen fällt mir schon seit einiger Zeit auf, dass es wohl das Team im EZ-Land mit den größten Schwankungen ist. „Wir waren dort, aber Handball gespielt haben wir nicht“, drückte es Trainer Daniel Kraaz nach dem 20:35 in Aixheim drastisch aus. Die Frage ist auch hier: Was ist da los, dass die Mannschaft ihre Leistung so oft nicht aufs Feld bekommt?

Vielleicht gehe ich dieser Frage ein andermal nach. Jetzt mach ich mal noch was aus dem freien Tag, den ich heute noch drangehängt habe (merkt man, gell). Später in dieser Woche schreibe ich hier am Kreis mal wieder ein „Was macht eigentlich?“ Stay tuned!


Super Stimmung beim EZ-Pokal

Sieger 2020: TSV Deizisau. Fotos: Rudel

Der EZ-Pokal 2020 ist schon wieder Geschichte. Drei intensive Tage liegen hinter uns. Und das Fazit fällt, das kann man wohl sagen, fast durchweg positiv aus. Sehr positiv sogar. Was mir so ausgefallen ist:

Sport: Nicht der TV Plochingen, nicht der TSV Neuhausen, der TSV Deizisau hat gewonnen. Das wird der Mannschaft, die keine so leichte Zeit hinter sich hat und die um die Qualifikation für die eingleisige Württembergliga kämpft, gut tun. EZ-Pokal ist, glaube ich, für die Deizisauer immer was ganz Besonderes. Mit jetzt elf Siegen und dem ersten nach elf Jahren hat der Verein seine Position als Rekordsieger ausgebaut und den „Angriff“ der Neuhausener, die bei acht Siegen bleiben, abgewehrt. Gut gespielt, starkes Turnier, Gratulation nach Deizisau!

Volle Ränge in der Neckarsporthalle.

Die Neuhausener waren nicht allzu enttäuscht. Sie haben vor allem die Verletzung von Timo Durst zu verkraften. So ein Mist, das kann man nicht anders sagen. Er war der überragende Mann bei den MadDogs in der Hinrunde. Und jetzt fällt er mit einem Achillessehnenriss vermutlich ein Dreivierteljahr aus. Alles Gute für die Genesung und so gut es geht Kopf hoch, Timo!

Dazu hat Hannes Grundler im Finale einen Schlag aufs Knie bekommen. Er hatte nach einigen Wochen Verletzungspause beim EZ-Pokal sein Comeback gegeben. Und es kommt nach Timo Dursts Ausfall jetzt ohnehin gleich wieder viel auf ihn zu – falls er nicht auch wieder fehlen wird.

Das obligatorische Siegerfoto.

Der TV Plochingen war die größte Überraschung und die größte Enttäuschung des Turniers. Der Drittligist war der Top-Favorit, schied dann aber nach desolater Leistung und zwei Niederlagen aus. Die Funktionäre waren entsprechend sauer. Die Mannschaft hätte nicht nur den ersten EZ-Pokal-Sieg seit 2006 holen, sondern auch Werbung in eigener Sache machen können. Das ist ausgefallen.

Klar, der EZ-Pokal ist auch ein Teil der Vorbereitung und nicht zu hoch zu hängen. Aber das hatten sich die Plochinger anders vorgestellt. In der Liga warten nun auch schwere Wochen. Gut trainieren und schnell die Kurve kriegen, heißt es nun.

Starkes Turnier: TSV Wolfschlugen.

Auch wenn nur Platz drei rausgesprungen ist, hat mir neben Deizisau insgesamt der TSV Wolfschlugen am besten gefallen. Immerhin kam das Aus im Halbfinale gegen Deizisau erst im Siebenmeterwerfen. Schade, dass die Mannschaft in der Hinrunde so viel Pech mit Verletzungen hatte und so in der Württembergliga der Abstand zur Tabellenspitze schon acht Punkte beträgt. Aber jetzt sind viele wieder fit und von den Wolfschlugenern ist einiges zu erwarten. Wenn nicht der Aufstieg, dann einige gute Spiele.

Gut gefallen haben mir auch der TV Reichenbach, der mit sehr solidem Handball Vierter geworden ist, das Team Esslingen, der SKV Unterensingen, die HSG Ebersbach/Bünzwangen als bester Bezirksligist – aber mit Ausnahme des TVP eigentlich alle Teams. Schön, dass auch der TV Altbach wieder dabei war. Trotz des Ausscheidens hat sich auch die Mannschaft des neuen Trainers Kim Schmid gut präsentiert.

Den EZ-Pokal-Star, und somit den besten Spieler des Turniers, dürft auch in diesem Jahr wieder ihr wählen. Wie gewohnt haben wir hierfür acht Kandidaten ausgewählt, denen ihr bis zu fünf Stimmen geben könnt. Die Wahl – die hier zu finden ist – läuft noch bis zum 13. Januar.

Wieder dabei: Der TV Altbach mit dem neuen Trainer Kim Schmid.

Drumherum: Zwei Mannschaften weniger, aber mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr. Die Stimmung in der Halle war wirklich klasse, es war ein richtiges Familienfest des Handballs. Die SG Esslingen als Ausrichter hatte im Vorfeld viel Respekt vor der Aufgabe. Es ist eine kleine Spielgemeinschaft und nachdem Gogo Zocher im vergangenen Jahr überraschend verstorben war, gab es erst einmal eine gewisse Unsicherheit. Aber: Chapeau! Die SG mit ihren vielen „grünen Weibchen und Männchen“ hat das sensationell gemacht. Auch, das habe ich immer wieder gehört, im Andenken an Gogo Zocher, der den EZ-Pokal unbedingt machen wollte.

Ich fand die SGE klasse und ich habe auch ausnahmslos positive Reaktionen mitbekommen. Nicht nur, dass die kulinarische Versorgung und alles Organisatorische gestimmt hat, das Helferteam hat so viel Spaß und Freundlichkeit ausgestrahlt und damit einen großen Anteil an der super Stimmung an den drei Tagen. Von meiner Seite war auch die Zusammenarbeit im Vorfeld und während des Turniers klasse. Vielen Dank, perfekt gemacht.

Immer gute Laune bei der SGE.

Einen super Job, und das darf ich ja ruhig mal erwähnen, haben auch meine Kollegen und Mitarbeiter von der EZ gemacht. So viel online war noch nie! Was das Angebot betraf und auch die Abrufzahlen. Am Finaltag ist der Live-Blog aufgrund von Serverproblemen leider für eine Weile ausgestiegen, aber insgesamt war das echt stark, was die Jungs – in diesem Fall waren es Jungs – abgeliefert haben. Meine Sport-Kollegin Karla Schairer und ich hatten so alle Freiräume, uns um andere Dinge zu kümmern. Wir – und unsere Sport-Reporterin Steffi Gauch-Dörre – haben einige Geschichten im Block, die wir in den kommenden Wochen in der EZ bringen werden.

Im Einsatz für den Live-Blog: EZ-Volontär Jan Geißler mit den Kollegen.

Trainer: Der EZ-Pokal ist ja eh eine Trainer- und Spielerbörse. So viele Themen wie diesmal gab es aber wohl noch nie. Ich habe dazu heute in der EZ ja auch ein bisschen was geschrieben. Wobei ich mich, das ist auch mein Stil, bei Spekulationen eher zurückhalte. Natürlich kann man drauf kommen, wohin Sinisa Mitranic von der SG Hegensberg/Liebersbronn wechselt. Aber da sollen die Vereine mal schön einen Knopf dranmachen und es dann vermelden. Und dann vermelden und begleiten wir das journalistisch.

Noch gibt Sinisa Mitranic bei der SG Hegensberg/Liebersbronn die Taktik vor.

Und manchmal ist an Gerüchten ja auch nichts dran. Das Team Esslingen macht nicht mit Daniel Kraaz weiter? Wurde vom Verein gleich mal dementiert. Steffen Rost hört in Unterensingen auf? Es ist noch keine Entscheidung gefallen, sagte er mir persönlich.

2021: Auf den EZ-Pokal 2021 können wir uns schon jetzt freuen. Im TSV Denkendorf steht bereits der Ausrichter fest und ich bin mir sicher, dass es die Denkendorfer klasse machen werden. Und wir ziehen nach Weil um. Die Schwächen der Neckarsporthalle haben wir ja auch diesmal erlebt, auch wenn es mir insgesamt dort gut gefällt und es schön ist, dass wir die Halle seit so vielen Jahren nutzen können. Es ist um die Halle Weil zwar noch nicht alles fertig, aber OB Jürgen Zieger hat unserem Chefredakteur Gerd Schneider versprochen, dass es klappt. Das ist doch mal ein Wort.

Ich hoffe, auch ihr habt euch beim EZ-Pokal 2020 wohlgefühlt, viele hat man ja dort gesehen. Eine gute Woche und einen erfolgreichen Start ins (Handball-)Jahr!    


Wer gewinnt den EZ-Pokal?

Sieger 2019: TSV Neuhausen. Fotos: Rudel (3), Paesler

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und wünsche das Beste für 2020! Für die aktiv Teilnehmenden beim EZ-Pokal hoffe ich, dass das Kulinarik-Sport-Verhältnis in den vergangenen Tagen ein bisschen mehr in Richtung Sport ging als bei mir. EZ-Handballpokal, 26. Ausgabe, 4. bis 6. Januar. Die Tage von Samstag bis zum Montag in der Neckarsporthalle sind lang. Auch für die Mitglieder der EZ-Sport- und Onlineredaktion. Aber wir müssen ja „nur“ zuschauen, den Live-Blog im Internet füllen, Zeitungsseiten produzieren und noch ein paar Geschichten in den Block bekommen. Die Beilage ist schon lange gedruckt, ihr habt sie in der Silvesterausgabe gefunden. In der Halle wird es auch noch ausreichend viele geben.

Auf dem Hallenboden geht es um Erkenntnisse für die Rest-Saison und natürlich um den Turniersieg. Wer gewinnt den EZ-Pokal? Das war die Frage in meinem allerersten Blog-Beitrag – auch schon vor neun Jahren – und das ist sie auch heute. Die Frage ist tatsächlich so schwer zu beantworten wie seit Jahren nicht mehr. Der TSV Neuhausen als Ex- und der TV Plochingen als Neu-Drittligist haben die (Favoriten-)Rollen getauscht.

Im Finale setzten sich die Neuhausener vor einem Jahr gegen den TSV Wolfschlugen durch.

Aber schaut man die Tabellen genau an, dann liegen der Drittliga-Drittletzte Plochingen und der BWOL-Zweite Neuhausen nicht so weit auseinander. Ich halte das Rennen für einigermaßen offen. Die Neuhausener fühlen sich in der neuen Rolle des Jägers pudelwohl, wie mir sowohl Trainer Markus Locher als auch Kapitän Hannes Grundler erzählt haben. Sie werden ihren Offensivhandball auf das Parkett legen und haben offensichtlich richtig Lust darauf, den vierten Pokalsieg in Folge und den neunten innerhalb von elf Jahren zu holen.

Die Plochinger hingegen sind gestärkt von einer Halbserie 3. Liga, was schon was macht mit einer Mannschaft. Zudem wollen sie zeigen, dass sie der neue Handballchef im EZ-Land-Ring sind. Coach Michael Schwöbel hat sich jedenfalls klar so geäußert – in der Beilage nachzulesen. Für das Turnier ist das gut, es riecht nach Traumfinale Plochingen gegen Neuhausen.

Kapitän Dominik Webitzky und der TV Plochingen wollen es diesmal wissen.

Aber da sind ja noch immerhin fünf Württembergligisten. Dem TSV Wolfschlugen traue ich da am meisten zu. Nicht nur, weil die Mannschaft von Trainer Veit Wager in der Liga als Dritter am besten dasteht und einen guten Kader hat, sondern weil sie auch eine echte EZ-Pokal-Mannschaft ist.

Im vergangenen Jahr standen die Wolfschlugener im Finale und sie sind der bislang letzte Gewinner, der nicht Neuhausen heißt – im Jahr 2016 war das. Finalgegner war damals der TSV Deizisau. Die Deizisauer sind der Rekordsieger, in der laufenden Runde läuft aber nicht alles rund, zudem ist der Verein bereits auf der Suche nach einem neuen Trainer für die kommende Saison. Aber wer weiß, vielleicht haut die Mannschaft von Olaf Steinke ja einen raus. Der Zeitpunkt würde passen, denn der letzte Deizisauer Sieg ist genau zehn Jahre her.

Auch die HSG Ostfildern sucht einen Trainer, allerdings sofort. Auch hier bin ich gespannt, wie sich die Mannschaft in der Neckarsporthalle präsentiert. Das gilt aber auch für alle anderen und nicht nur die, die realistischerweise um den Sieg  mitspielen. Denn das Schöne am EZ-Pokal ist ja auch, dass immer wieder unterklassigere Mannschaften positiv auf sich aufmerksam machen.

EZ-Volontär Jan Geißler bei den letzten Vorbereitungen am Live-Blog. Ihr werdet abwechselnd ihn und Online-Redakteur Patrick Kuolt an den drei Turniertagen in der Sprecherkabine beim Tickern sehen.

Ich freu mich auf den EZ-Pokal. Die Vorbereitungen bei uns in der Redaktion sind so gut wie abgeschlossen, die fleißigen Helfer der SG Esslingen stehen auch gut da, in der Halle sind noch ein paar Sachen zu tun.

An dieser Stelle schon mal ein fettes Dankeschön an die SGE! Wenn beim Turnier selbst alles so gut läuft wie bei der Zusammenarbeit während der Vorbereitung, wird es ein klasse EZ-Pokal.

Ich werde mich während der drei Turniertage hier am Kreis wieder zurückhalten, meine Kollegen von der Online-Redaktion werden euch im Live-Blog bestens auf dem Laufenden halten. Aber man sieht sich eh in der Halle, gell!   


Pfiffe und ihre Folgen

Vor ungefähr einem Jahr habe ich in der EZ die Aktion „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ gestartet. Ausgegangen ist das von einem Text hier im Blog. Es war klasse, wie groß und positiv die Reaktionen waren, heute hängt in vielen Hallen das Plakat zu der Aktion.

In den vergangenen Tagen hat mich das Thema Schiedsrichter wieder beschäftigt, auf unterschiedliche Weise. Es war mir klar, dass die Aktion das Thema zwar ein bisschen ins Bewusstsein rückt und sensibilisiert, dass sich nachhaltig aber nicht so arg viel ändern würde. Mir war trotzdem wichtig, es zu machen. Und die Reaktionen haben mir Recht gegeben.

Auch in Plochingen hängt das Plakat. Fotos: Paesler (2), Rudel, Strohmaier.

Auch in der Egelseehalle in Neuhausen hängt das „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“-Plakat, links hinter dem linken Tor. Im Spiel gegen die TSG Söflingen aber habe ich dort vor einer Woche wieder einen unschönen Fall von Schirigeschimpfe erlebt. Die Jungs auf dem Feld waren richtig gut. Und hätte man eine Statistik über die umstrittenen und falschen Entscheidungen geführt, die es in jedem Spiel und bei den besten Unparteiischen gibt, dann wäre die wahrscheinlich eher leicht zugunsten der Neuhausener ausgefallen. Trotzdem, was da manche erwachsene Menschen während der 60 Minuten so alles in Richtung der Schiedsrichter gebrüllt haben, war einfach nur peinlich. Schade, das tut dem Handball nicht gut.

Lösen lässt sich das Ganze wohl nicht und es ist ganz sicher kein Neuhausener Problem – mein Eindruck war wohl (leider) eher repräsentativ. Aber vielleicht sollten die Vereine doch mal (wieder) auf ihre in dieser Richtung allzu engagierten Fans zugehen.

„Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ auch in Wolfschlugen.

Das andere Schiri-Thema: Die Referees sind Teil des Spiels und wir sind froh, dass wir sie haben. Aber auch Schiedsrichter sind nicht immer gleich gut. Wie Handballer nicht immer in Topform sind, so ist das auch bei den Unparteiischen. Da würde auch keiner aus ihrer Zunft widersprechen. Auch wenn sie stark pfeifen, müssen sie sich Dinge anhören, die sie auch dann nicht verdient haben, wenn sie keinen guten Tag erwischen.

Am Samstag in Nellingen hat sich TVN-Trainerin Veronika Goldammer ziemlich über das Schiedsrichterinnen-Duo aufgeregt. Mein Kollege Jakob de Santis, der für die EZ in der Halle war, fand, dass sie teilweise damit Recht hatte. Das darf (und muss man vielleicht) dann auch ganz sachlich schreiben.

In Reichenbach hing das Plakat zuerst.

Wir Journalisten berichten objektiv. Generell sind wir mit Kritik an Schiris zurückhaltend, vor allem, wenn wir nicht selbst vor Ort sind und die Aussagen der Beteiligten überprüfen oder mit der eigenen Einschätzung abgleichen können. Aber wenn es ein Thema des Spiels ist – im positiven wie im negativen Sinne -, lassen wir das nicht aus. Das sind wir dem Sport, der journalistischen Objektivität, aber auch den Schiris selbst schuldig. Alles immer sehr seriös.

Und noch ein etwas unscharfes Beweisfoto aus Denkendorf.

Und vergessen wir nie: Handballer sind Menschen, Schiris sind Menschen. Und am Ende ist es immer ein Spiel. Das wissen Trainer wie Veronika Goldammer, das wissen wir Journalisten. Und daran sollten auch die Hallenbesucher denken, bevor sie irgendwelche Dinge hereinrufen, die sie in einem anderen Umfeld vermutlich nicht von sich geben würden.

So, das war es von mir wieder für eine Weile mit dem Thema Schiedsrichter. Eine gute Vorweihnachtszeit allen und bis zum Fest den Mannschaften noch ein paar Punkte und den Fans ein paar schöne Spiele.

P.S. Gerade waren Bianka und Timo Zocher von der SG Esslingen hier. Wir haben in stimmungsvoller Atmosphäre die Auslosung zum EZ-Pokal vom 4. bis 6. Januar in der Neckarsporthalle gemacht. Gruppen und Spielplan werden in der Mittwochausgabe der EZ veröffentlicht.


Erneuter Neustart in Deizisau

In der kommenden Saison ist Olaf Steinke nicht mehr Trainer des TSV Deizisau. Foto: Rudel

„Die Saison frisst ihre Trainer“, sagt Olaf Steinke. In der Württembergliga geht es in der laufenden Runde um die Qualifikation für die eingleisige Klasse ab der kommenden Spielzeit – und da ist der Druck besonders groß. Frank Ziehfreund musste bei der HSG Ostfildern bereits gehen und ist damit nicht allein in der Liga. Der TSV Deizisau und Steinke haben in dieser Woche bekanntgegeben, dass sie sich am Ende der Saison trennen werden. Hoffentlich nach geschaffter Qualifikation. Ich habe das in der heutigen Printausgabe der EZ kommentiert. Falls ihr es noch nicht gelesen habt, hier nochmal mein Kommentar:

Erneuter Neustart

Den Zeitpunkt früh zu wählen, wenn man die Zusammenarbeit zum Saisonende beenden möchte, ergibt Sinn. Daher haben die Handballer des TSV Deizisau und Trainer Olaf Steinke richtig gehandelt, die Trennung bereits jetzt zu verkünden. So können beide Seiten frühzeitig planen. Warum sich die Wege nach zwei Jahren überhaupt trennen, obwohl beide Seiten betonen, wie gut die Zusammenarbeit sei, ist dagegen nicht ganz leicht nachzuvollziehen.


Nach dem Abstieg aus der Baden-Württemberg Oberliga im Sommer 2018 wollten die Deizisauer einen Umbruch und vor allem Kontinuität. Nun muss der Verein in der neu geschaffenen, eingleisigen Württembergliga – falls die Qualifikation gelingt – erneut einen Neuaufbau starten. Offensichtlich ist das Vertrauen, sich im dann sportlich noch schwereren Umfeld zu behaupten, nicht allzu groß – dagegen aber die Befürchtung, dass die Mannschaft in Abstiegsgefahr geraten könnte, woraufhin dann fast zwangsläufig eine Trainerdiskussion beginnen würde. Wie zum Beispiel kürzlich beim Ligakonkurrenten HSG Ostfildern geschehen, der Frank Ziehfreund während der zweiten Saison der – bis dahin offensichtlich guten – Zusammenarbeit beurlaubt hat.


So handeln die Deizisauer und ihr Trainer irgendwie aus Angst vor der eigenen Courage. Und müssen nun hoffen, dass die Mannschaft vor dem erneuten Trainerwechsel zumindest so gut dasteht, dass Steinkes Nachfolger kein allzu großes Abenteuer eingehen muss. Eine Eingewöhnungsphase benötigt es dennoch, davon kann auch Steinke aus seiner Anfangszeit in Deizisau berichten. Nun sollte der Verein den Neuen zumindest so schnell finden, dass die momentanen Spieler und potenziellen Zugänge wissen, was auf sie zukommt. Sonst wird der Neustart noch schwerer.


Ostfilderner Happy End

So freuen sich die Ostfilderner nach dem Sieg bei den Berghandballern. Fotos: Paesler (2), Rudel (3)

Hinter den Handballern der HSG Ostfildern liegt eine alles andere als leichte Woche. Aber es gab ein gutes Ende – das bis am Freitagabend so um Viertel vor zehn kaum zu erwarten war.

Nach fünf Niederlagen in Folge hatten sich der Verein und Trainer Frank Ziehfreund sowie sein Assistent Michel Jäger getrennt. In gegenseitigem Einvernehmen, wie es so schön heißt. Wie es genau ablief, ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Offensichtlich hatten beide Seiten den Eindruck, dass es nicht so weitergehen konnte wie bisher. Dann kamen wohl ebenso beide Seiten zu der Erkenntnis, dass eine Trennung das Beste ist. Beiden Seiten fiel das offensichtlich nicht leicht.

Und mit etwas Bewegungsunschärfe.

Die Trennung kam überraschend und nicht überraschend zugleich. Überraschend, weil die Konstellation Ziehfreund-Ostfildern zu passen schien und ja auch die erste Saison nach dem Aufstieg – der noch unter Vorgänger Michael Schwöbel gelungen war – sehr gut war. (Intern) weniger überraschend war es möglicherweise, weil wohl neben den Niederlagen in den vergangenen Wochen schon durchschien, dass es nicht mehr so ganz passte. Böse Worte, auch das schien allen wichtig, gab es aber überhaupt nicht.

Nun ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Frank Ziehfreund und Michel Jäger werden noch eine Weile an der Sache zu knabbern haben und irgendwann wieder in das Thema Trainertätigkeit einsteigen. Und in Ostfildern wird weiterhin Handball gespielt.

In der ersten Hälfte schauen die Ostfilderner Wolfgang Zeh und der SG noch hinterher.

Wobei die HSG zunächst nicht in Ostfildern, sondern bei der SG Hegensberg/Liebersbronn gespielt hat. Und mit 30:28 gewonnen hat. Für das Interimstrainerduo Magnus Gründig/Marco Gassmann war es ein Einstand nach Maß. Die beiden gehen mit einer Mischung aus Demut und Selbstbewusstsein an die Sache ran. Die Traineryoungster – 23 und 24 Jahre alt –  wissen, dass sie die Mannschaft nur so lange betreuen, bis ein neuer Chefcoach gefunden ist. Und das ist für sie auch in Ordnung. Aber sie wissen auch, dass man in der Szene registrieren wird, wie sie ihre Sache machen. Irgendwann wollen sie den nächsten Schritt gehen.

Beim Derby auf dem Esslinger Berg sah es lang danach aus, dass ihr Debüt in die Hose gehen würde. In der ersten Hälfte liefen die Ostfilderner permanent hinterher. Dem Gegner, und was das Ergebnis betrifft. Dann kam ab der 40. Minute die für viele überraschende Wende. Die nicht für alle überraschende Wende. Gründig und Gassmann erklärten nach dem Spiel jedenfalls, dass sie darauf spekuliert hatten, dass die Akteure von Hegensberg/Liebersbronn aufgrund des dünneren Kaders nachlassen würden.

Im Derby gibt es viele (zu-) packende Szenen.

So kam es auch. Aber das erklärt nur teilweise, warum die HSG-Handballer dann auch wieder die passende Körpersprache und den Glauben an das eigene Können an den Tag legten, was sie beides zuvor und auch in den vergangenen Wochen nicht gezeigt hatten. „Wir haben in der Pause offensichtlich die richtigen Worte gefunden“, sagte Gassmann vergnügt.

Einer, der schon zuvor dabei war, und nun gemeinsam mit den beiden Interimstrainern auf der Bank saß, war besonders emotional. Während des Spiels und auch danach. Betreuer Matthias Dunz. „Diese kämpferische Leistung zu zeigen nach den vielen Niederlagen, dass muss man erst mal schaffen“, sagte er, „Hut ab vor der Mannschaft.“

Die muss nun zeigen, dass sie neben der richtigen Einstellung auch ihr spielerisches Potenzial wieder länger als gut zwanzig Minuten auf das Parkett bringen kann. Denn es ist kein Automatismus, dass es im letzten Spiel der Jahres  – und vermutlich unter Gründig/Gassmann – bei der SG Langenau/Elchingen wieder einen (glücklichen) Sieg gibt.

Die Vereinsführung muss derweil einen neuen Trainer suchen. Viele sind derzeit nicht ohne Verein, ein paar aber schon: Stefan Haigis, Ralf Rascher, Lars Schwend, Daniel Mayr, Jochen Masching, um einige zu nennen. Letzterer Name wurde am Rande des Derbys eifrig diskutiert – weil er eben zuletzt bei Hegensberg/Liebersbronn tätig war.

Bei Hegensberg/Liebersbronn hängt viel an Fabian Sokele.

Das Thema aus übergeordneter EZ-Handballland-Sicht war in den vergangenen Tagen die HSG Ostfildern. Aber am Freitagabend im Derby hat ja auch die SG Hegensberg/Liebersbronn mitgespielt. Und bei der SG macht man sich nach der Niederlage eigene Gedanken. Darüber vor allem, warum man dieses Spiel gegen einen sicherlich besonders motivierten, aber doch geschwächten Gegner verloren hat. Durch einen Sieg hätte die Mannschaft einen Satz Richtung Tabellenmittelfeld gemacht und den nun nach Pluspunkten gleichgezogenen Gegner auf Abstand gehalten.

So sehr sich die Mannschaft von Trainer Sinisa Mitranic nach dem schwachen Saisonstart – gegen starke Gegner allerdings – gefangen hat, diese Niederlage war ärgerlich. Was den Hauptgrund betrifft, so dürften die HSG-Coaches Gründig/Gassmann wahrscheinlich Recht haben: Der SG-Kader ist einfach zu dünn.

Wolfgang Zeh machte – vor allem in der ersten Hälfte – ein gutes Spiel, Arne Helms setzte Akzente, Henning Richter übernahm Verantwortung. Am Ende aber hängt zu viel von Fabian Sokele ab. Ostfildern stellte auf eine Sokeles Kreise einengende 5:1-Abwehr um – und hatte die SG fast schon geknackt. Dazu stand Sokele sehr lange auf dem Spielfeld und wurde am Ende, in der entscheidenden Spielphase, müde. Dass er zwei seiner vier Siebenmeter, davon einen ganz wichtigen kurz vor Schluss beim Stand von 28:29, verwarf, ist auch eine Sache der Konzentration.

Dass für Hegensberg/Liebersbronn die Saison schwer werden würde, war allerdings zu erwarten. Und insgesamt macht es die Mannschaft gut und hat allemal das Zeug dazu, eine ordentliche Runde mit zumindest der Qualifikation für die Verbandsliga zu spielen.

Von Ostfildern war mehr zu erwarten. Jetzt sind sie bei der HSG aber erst einmal froh, das Derby und damit das Spiel eins nach dem Trainerwechsel gewonnen zu haben. Frank Ziehfreund wird es vermutlich von daheim aus mitverfolgt und sich bei allem Frust über die Erlebnisse der vergangenen Woche gefreut haben.