Bittere Erkenntnis

Neustart mit Veronika Goldammer. In der kommenden Saison spielt der TV Nellingen in der 3. Liga. Fotos: Rudel

Was für ein Handball-Wochenende. Da schlägt der TV Plochingen in der BWOL in wirklich beeindruckender Weise die SG Köndringen/Teningen und erklimmt Platz zwei – ebenso wie eine Klasse darunter der TSV Deizisau durch den Derbysieg in Wolfschlugen. Ganz stark.

Das Thema im EZ-Handball-Land ist aber die Entwicklung bei den Frauen des TV Nellingen. Nach drei Spielzeiten in der Bundesliga und davor zwölf Saisons in der 2. Bundesliga zieht der Verein das Team zurück und tritt in der kommenden Runde in der 3. Liga an, wo einstmals das eigene zweite Team beheimatet war. Es ist eine traurige Entwicklung, die der TVN aber nicht exklusiv hat, wie ich in meinem Kommentar für die Dienstagausgabe der EZ schreibe und den ich hier ranhänge.

Es ist schade für die Region. Ich beobachte das Geschehen in der Sporthalle 1 schon seit vielen Jahren, lange davon war ich bei fast jedem Heimspiel und auch bei den (Nicht-) Aufstiegsdramen in Buchholz und Celle war ich damals dabei. Seit einiger Zeit berichtet vor allem meine Kollegin Karla Schairer von den Hornets, sie hat auch den Text zum Rückzug geschrieben.

Ich hoffe, dass die Nellingerinnen zumindest in absehbarer Zeit wieder in der 2. Bundesliga spielen. Denn da haben sie sich offensichtlich wohl gefühlt. Und da gab es viele schöne Spiele. Und da haben auch noch mehr Spielerinnen aus Nellingen und der Region in der Sporthalle 1 gespielt. Alles Gute jedenfalls Veronika Goldammer, die als Trainerin den Neustart rocken soll.

So haben die Nellingerinnen 2004 den (zweiten) Aufstieg in die 2. Bundesliga gefeiert. 15 Jahre waren sie jetzt Zweit- und Bundesligist.

Hier also mein Kommentar. Wie ist eure Meinung?

Bittere Erkenntnis

Noch acht Spiele, dann endet in Nellingen eine 15-jährige Ära mit Bundesliga- und Zweitligahandball. Eine Ära mit packenden Begegnungen, Integrationsfiguren, Aufstiegsspielen – und dem Sprung ins Oberhaus im Jahr 2016. Dieser, so sehr und zurecht er von den Nellingerinnen und ihren Fans gefeiert wurde, tat dem Verein letztlich nicht gut. Das ist eine bittere Erkenntnis, die vorher schon andere Clubs gemacht haben.
Spitzen-Frauenhandball ist – vor allem langfristig – schwer zu finanzieren, wenn man nicht einen potenten Top-Sponsor oder Mäzen hat. Einige Vereine sind gekommen, eine Zeit lang geblieben, und wieder gegangen. Nun auch Nellingen. Der Aufstieg kam einigermaßen überraschend, die Strukturen waren nicht mitgewachsen. Einen hauptamtlichen Geschäftsführer hatte der Verein gut zwei Jahre zuvor wieder abgeschafft. Auch seither hat es der TVN nicht geschafft, die Strukturen, den Etat und damit das Team fit für eine mittelfristige Zukunft in der höchsten deutschen Spielklasse zu machen. Durch den Abstieg des zweiten Teams von der 3. Liga in die fünftklassige Württembergliga fehlte das Sprungbrett zwischen der guten Jugendarbeit und dem Bundesligateam. Die Folge: Im momentanen Team steckt wenig Nellingen. Dadurch und durch die vielen Niederlagen gingen auch die Zuschauerzahlen zurück.
Die Chance im Rückzug gleich in die 3. Liga liegt in der Rückkehr zu den Tugenden, die der TV Nellingen eigentlich schon lange für sich beansprucht: Wieder ein Team aufzubauen, das die Region repräsentiert und in dem sich die Jugendarbeit wiederfindet. Gleichzeitig muss der Verein seine Hausaufgaben machen und die Strukturen professionalisieren. Damit vielleicht irgendwann wieder eine Ära zumindest in der 2. Bundesliga beginnen kann. Eine Liga, in der Nellingen die schönste Zeit hatte.


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