Keine Pfiffe gegen Pfiffe

Manchmal muss ein Schiedsrichter auch eine Karte zeigen. Fotos: Rudel

Bei den meisten Handballteams im EZ-Land läuft es, wie ein Blick in die Montagausgabe zeigt. „Am Ende fehlt das Glück“ (Plochinger Unentschieden) und „Erster Dämpfer für Wolfschlugen“ (Niederlage in Wangen) sind da als Überschriften zu lesen. Es überwiegen aber Formulierungen wie „Tabellenspitze“ (Wolfschlugener Frauen), „Wichtiger Heimsieg“ (HeLi-Frauen), „Masching glücklich“ (HeLi-Männer) oder „Team Esslingen triumphiert“ (Sieg beim Zweiten). Und nicht zu vergessen die „Hochspannung“ beim Tag der offenen Tore in Deizisau (41:40-Sieg gegen Langenau/Elchingen).

Läuft also, da kann ich mich schnell einem anderen Thema widmen. „Tag des offenen Tores“ klingt zwar auch nicht schlecht. Wir haben uns in der EZ-Sportredaktion aber aktuell ein anderes Motto ausgesucht: „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“!


Ich habe ja an dieser Stelle kürzlich über Schiedsrichter und den manchmal bedenklichen Umgang mit ihnen in den Hallen geschrieben („Pfiffe gegen Pfiffe“). Das Echo war groß – ihr habt es wahrscheinlich mitbekommen. Die Reaktionen waren so enorm und fast ausschließlich positiv, dass wir uns – auch inspiriert von einigen Kommentare in den sozialen Medien – entschlossen haben, es einfach mal zu versuchen: Wir ermutigen unsere Leser, also euch, und alle Zuschauer am kommenden Wochenende einfach mal auf das Schimpfen und allzu heftiges Kritisieren der Schiris zu verzichten. Was haltet ihr davon? Macht ihr mit?

Ich weiß, das ist ein Experiment und es wird die Handball-Welt nicht verändern. Aber wir wollen einfach mal das Bewusstsein schärfen: Dafür, dass wir die Schiedsrichter brauchen. Dass es bestimmt keinen Spaß macht, sich Woche für Woche beschimpfen zu lassen. Dass die Unparteiischen zwar Fehler machen – aber die Spieler und Trainer auch. Und vor allem: Dass der Respekt voreinander nicht verloren gehen darf.

Im Dialog. Eine Szene aus dem Frauenbundesliga-Spiel zwischen Nellingen und Göppingen.

Ich habe in den vergangenen Tagen mit vielen Menschen aus dem Handball und darüber hinaus über das Thema diskutiert. Vielen gefällt es auch nicht, was da teilweise  in den Hallen passiert. Ein paar Leute haben auch erzählt, wie Schiedsrichter manchmal nicht ganz vorbildlich auftreten. Kommt vor und keiner wird das bestreiten. Aber in aller Regel tun sie ihr Allerbestes und meistens machen sie es auch gut. Und: wir brauchen sie eben.

Was man auch nicht vergessen darf: Es gibt ja genügend Beispiele von Akteuren, die beide Seiten kennen: Selbst spielen und Spiele leiten, oft an einem Wochenende. Es gibt sogar Familien, in denen es aktive Handballer und Schiedsrichter gibt. Die Fleischs etwa: Holger Fleisch ist ehemaliger deutscher Schiedsrichter des Jahres, die Söhne Hendrik und Roman sind in der 3. Liga zuhause – Hendrik als Schiri, Roman beim TSV Neuhausen als Außenspieler.

Immer im Zentrum des Geschehens: Der Ball!

Holger Fleischs langjähriger Partner Jürgen Rieber, heute Schiedsrichter-Lehrwart des DHB, ist einer von einigen Handballfreunden und Experten, die ich (leicht) davon überzeugen konnte, die Aktion „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ zu unterstützen. Mehr dazu gibt es im Verlauf der Woche in der EZ zu lesen. Lasst euch überraschen.

Und unterstützt die Aktion auch, indem ihr davon erzählt – und am Wochenende mitmacht! Und vielleicht auch darüber hinaus.


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