Der Ball ruht

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Der Ball nicht nur im Handball ruht. Das ist mit Sicherheit die richtige Entscheidung, wenngleich die Absagen und ihre Folgen auch den Sport vor große Herausforderungen stellen.

Wir werden in der Sportredaktion der EZ noch einige Tage damit beschäftigt sein, zu schildern, wie die Verbände und die Sportler mit der Situation umgehen. Aber der Sportteil wird dünner. Wie lange, kann noch niemand abschätzen.

Bleibt gesund und helft denen, die Hilfe brauchen! Hoffentlich geht es bald weiter. In den Hallen, auf den Plätzen, und dann auch wieder hier am Kreis.


Interessante Konstellation bei HeLi

Die Bank der SG Hegensberg/Liebersbronn: Henning Richter (ganz links), Simon Hablizel (Nummer 4). Fotos: Rudel

Wer sich für verschiedene Trainerkonstellationen interessiert, der muss sich die Südstaffel der Handball-Württembergliga anschauen. Vier Mannschaften aus dem EZ-Land sind dort in dieser Saison dabei, und alle vier liefern ein anderes Beispiel.

Am Unspektakulärsten ist die Situation beim TSV Wolfschlugen: Veit Wager war in der vergangenen Saison der Trainer, er ist es in der laufenden und wird es auch in der kommenden sein. Zwischen den anderen drei Teams gibt es spannende Verbindungen: Die HSG Ostfildern hat sich während der Runde von Frank Ziehfreund getrennt, spielt mit der Interimslösung Marco Gassmann und Magnus Gründig die Runde zu Ende, bis dann im Sommer Sinisa Mitranic übernimmt –  der wiederum vor drei Wochen vorzeitig bei der SG Hegensberg/Liebersbronn gehen musste.

Es wird noch komplizierter: Bei HeLi übernimmt zur neuen Saison Olaf Steinke, der beim TSV Deizisau vom Noch-TG-Nürtingen-Frauentrainer Stefan Eidt beerbt wird. Hegensberg/Liebersbronn wird derzeit von Henning Richter gemeinsam mit Simon Hablizel und unter Mithilfe von Fabian Sokele trainiert. Noch Fragen?

Henning Richter (rechts) als Spieler, wie man ihn kennt: immer voller Einsatz und immer Zug zum Tor.

HeLi ist der größte Wackelkandidat der genannten Teams, was die Ligazugehörigkeit in der kommenden Saison betrifft. Zu gerne wäre die Mannschaft in der wiedereingeführten Verbandsliga dabei, im Moment aber steht sie auf dem vorletzten Platz, der den Abstieg in die Landesliga – und damit de facto zwei Ligen nach unten – bedeuten würde.

Auf Richter/Hablizel/Sokele kommen also herausfordernde Wochen zu. Aber das Trio geht die Sache mit viel Herzblut an. Mir hat gefallen, wie mir Richter nach der 25:33-Niederlage gegen Tabellenführer TSV Heiningen grinsend erzählt hat, was er sich hat einfallen lassen: Die Spielweise soll eine Mischung aus den Ex-Trainern Jochen Masching und Mitranic mit ein paar Ideen von ihm sein.

Henning Richter (links) und Simon Hablizel beratschlagen sich.

Richter, den es nach dem Ende seiner aktiven Karriere in die Trainerrichtung zieht, wird im Sommer wieder ins zweite Glied rücken. Während sich Hablizel auf seinen Haupt-Trainerjob beim möglicherweise künftigen SG-Konkurrenten TSV Köngen konzentrieren und als Spieler nach Wolfschlugen wechseln wird, werden Richter und Sokele Steinkes Assistenten.

Nach eigener Aussage befürchtet Richter nicht, dass er bis dahin das Chefcoach-Sein so sehr verschmeckt hat, dass er dann keine Lust mehr auf die zweite Reihe hat. Zudem will er ja noch ein bisschen spielen. Er sieht die Zeit also als Lehrjahre. „Ich bin voller Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit Olaf Steinke, ich brenne darauf“, erklärte er mir, „die Gespräche mit ihm waren so gut, er ist so analytisch.“

Ab Sommer der Neue auf dem Berg: Olaf Steinke.

Das kann ich bestätigen. Steinke befasst sich schon mit dem Thema HeLi, ohne – da bin ich mir sicher – Deizisau zu vernachlässigen. Er war am Samstag in der Halle an der Römerstraße, bevor er mit Deizisau nach Gerhausen fuhr und dort wie versprochen einem zukünftigen Club Schützenhilfe im Abstiegskampf leistete. Auf dem Weg zum Ausgang hat er mir mal kurz in ein paar Minuten erklärt, wie sich das HeLi-Spiel von Mitranic zu Richter verändert hat und signalisiert, dass er für die Zukunft auch ein paar Ideen hat. Vorfreude also auch bei ihm. Auch das wird in der kommenden Saison eine interessante Trainerkonstellation.


TSV Neuhausen – Phase gut überstanden

Der Ball ist durch die Neuhausener Abwehr durch – aber dahinter steht ja noch Magnus Becker. Fotos. Rudel

Ein Text, zwei Überschriften. „Hinten sicher, vorne schnell“, steht über dem Artikel in der heutigen EZ über das Spiel des TSV Neuhausen in der Baden-Württemberg Oberliga gegen den HC Neuenbürg. Die Online-Version, die schon am Vorabend im Netz war, ist nachrichtlicher überschrieben: „TSV Neuhausen ist wieder Zweiter.“

Die beiden Varianten weisen auf zwei verschiedene Punkte hin, die wichtig sind über die Neuhausener zu wissen: Sie stehen durch den 36:25-Sieg gegen Neuenbürg und die 29:32-Niederlage der HSG Konstanz II beim TSV Weinsberg wieder auf Platz zwei. Das – ganz wichtig – ist ein Aufstiegsplatz! Und sie spielen trotz der personellen Probleme einen soliden und schnellen Handball.

Es ist insgesamt beeindruckend, wie die MadDogs in den vergangenen Wochen den Ausfall erst von Hannes Grundler und dann von Timo Durst und dem gerade erst wiedergenesenen Grundler weggesteckt haben. Und immer noch auf Aufstiegskurs sind.

Ohne das Leistungsträger-Duo hat die Mannschaft von den sechs Spielen im Jahr 2020 drei gewonnen und drei verloren. Das sieht jetzt nicht ganz nach Spitzenteam aus. Aber wenn man bedenkt, dass eine der Niederlagen beim souveränen Tabellenführer SG Pforzheim/Eutingen (22:24) und die anderen beiden auch gegen Top-Teams waren (nur der Auftritt bei Köndringen/Teningen war nicht so gut) – und wenn man dazu nimmt, dass in dieser Phase ein deutlicher 29:24-Erfolg gegen eben den größten Aufstiegskonkurrenten Konstanz sowie zuletzt ein Sieg gegen Verfolger Neuenbürg gelang, dann kann man sagen: Phase gut überstanden.

Insgesamt funktioniert die Defensive der MadDogs.

Denn zumindest Kapitän Grundler kehrt nun wieder zurück. Und die Neuhausener haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie sich auch auf die Breite ihres Kaders verlassen können. Und dass dieser Kader gut zusammengestellt ist. Patrik Letzgus, Florian Distel und Roman Fleisch – der auch zwischenzeitlich gefehlt hat – haben ihre Chance genutzt. Und in den Texten unserer Neuhausen-Expertin Steffi Gauch-Dörre habe ich auch lobend Namen wie Philipp Keppeler, Luis Sommer oder Moritz Hipp gelesen. Und natürlich Torwart-Routinier Magnus Becker. Daniel Roos, unser Berichterstatter aus der Mannschaft, hat mir zudem berichtet, dass „Aushilfskraft“ Ferdinand Michalik auch immer besser in die Mannschaft integriert wird, vor allem in der Abwehr.

Das alles heißt nicht, dass das Gewinnen in den kommenden Wochen viel leichter wird. Es bleibt eng. Aber Neuhausen ist noch dabei und kann auch immer mal mit einem Ausrutscher eines Konkurrenten rechnen. Der jüngste Sieg der Pforzheimer beim Vorletzten TSB Schwäbisch Gmünd (33:32) war auch nicht gerade glanzvoll. Insgesamt ist die Leistungsdichte im oberen Tabellendrittel so hoch, dass sich die Mannschaften gegenseitig die Punkte wegnehmen. Jetzt fahren die Neuhausener nach Herrenberg, dann kommen Weilstetten und Weinsberg.

Luis Sommer steigt hoch und hat das Tor fest im Blick.

Ich glaube, es hat sich ausgezahlt, dass die MadDogs in den vergangenen Wochen nicht nur gefloskelt haben, dass sie von Spiel zu Spiel schauen anstatt sich zu sehr mit dem Thema Wideraufstieg zu befassen, sondern dass sie das gelebt haben. So zumindest mein Eindruck.  Trainer Markus Locher wird da die richtigen Worte gefunden haben. Wie die Spieler ohnehin, so ebenfalls mein Eindruck, mit seinem Umgang mit ihnen sehr zufrieden sind.

Die Mannschaft bringt einfach – oder auch nicht so einfach – aufs Feld, was sie kann. Und das ist jedem Fall gut anzuschauen und ist auch meistens erfolgreich.

Es sieht nicht schlecht aus. Zumindest besser, als man es vor ein paar Wochen befürchten musste. Und besser, als es der 3:3-Lauf aussagt, wenn man die Geschichte hinter den Ergebnissen anschaut. Ich wünsche den Jungs jedenfalls, dass sie es zurück in die 3. Liga schaffen. Aber lasst euch jetzt bloß nicht unter Druck setzen da oben auf den Fildern!

Und den Jungs des TV Plochingen wünsche ich, dass sie drinbleiben in Liga drei. Aber das ist ein anderes Thema. Und zurzeit kein ganz so erfreuliches.


Anruf nach Kroatien

Hanna Hojczyk und der TV Nellingen müssen sich im Abstiegskampf mächtig strecken. Fotos: Rudel

Am vergangenen Wochenende haben die Handballer nicht Handball gespielt, sondern waren bei der Fasnet unterwegs. Alle Handballer? Nein, von der 3. Liga aufwärts wurde Handball gespielt. Für das EZ-Land hieß das: Der TV Plochingen, der TV Nellingen und die Frauen des TSV Wolfschlugen waren im Einsatz. Dazu, warum auch immer, die Landesliga-Frauen der SG Hegensberg/Liebersbronn.

Das Ergebnis von drei Mal Abstiegskampf und einem Spiel gegen den Tabellenführer: Zwei wichtige Siege, zwei Niederlagen. Immerhin. Wobei die HeLi-Frauen trotz des Erfolges in Winterbach Letzter bleiben, die Plochinger trotz des Sieges in Blaustein Vorletzter. Die Nellingerinnen stehen nach der Niederlage gegen Allensbach auch auf dem vorletzten und damit einem Abstiegsplatz. Die Wolfschlugenerinnen haben bei Metzingen II verloren. Nicht schlimm, das ist der Tabellenführer, der neben vielen hoch talentierten Spielerinnen auch eine frisch gebackene Weltmeisterin auf dem Feld hatte.

David Spiler (rechts, neben TVP-Trainer Michael Schwöbel) spielt mittlerweile schon wieder in Kroatien.

Auf der Lokalsportseite in der EZ haben wir heute also die Spielberichte von Nellingen, Wolfschlugen und HeLi. Und dazu einen Text über den TV Plochingen. Der hat schon am Freitagabend in Blaustein gewonnen. In dem Text dazu in der Samstagausgabe hatten wir schon vermeldet, dass sich David Spiler – 134-facher slowenischer Nationalspieler – nach wenigen Wochen wieder aus Plochingen verabschiedet hat. Ich habe dann nochmal nachgefragt. Bei Dieter Hermann vom TVP-Management. Bei Spiler selbst konnte ich das nicht, denn er spielt mittlerweile schon in Kroatien.

Wo genau, steht heute auch in der EZ. Das ist ein Beispiel dafür, dass man einer Information, die in der Zeitung steht, nicht immer ansieht, dass es gar nicht so leicht war, sie zu beschaffen. Beim TVP wussten sie, dass sich Spiler nach Kroatien verabschiedet hat, wo er zuvor schon bei verschiedenen Vereinen gespielt hatte. Aber wohin genau?

Was also tun? Das Internet, zumindest auf deutsch- und englischsprachigen Seiten, gab dazu nichts her. Also ein Anruf bei der netten kroatischstämmigen Nachbarin. „Duhu, kannst du mir einen Gefallen tun?“ Konnte sie. Ein Anruf in Kroatien, die dortige Kontaktperson holte Erkundigungen bei handballinteressierten Mitmenschen ein – zwei Rückrufe später konnte der Text auf EZ-Seite 13 ergänzt werden: „…ist bereits bei RK Bjelovar in der ersten kroatischen Liga untergekommen…“ Bjelovar war immerhin schonmal Champions-League-Sieger. Oder Europapokalsieger der Landesmeister, wie das damals hieß. Denn das war 1972. Danke jedenfalls nach Kroatien für die Hilfe!

Vroni Goldammer dirigiert das Hornets-Team von der Bank aus.

Spiler wird den Plochingern jedenfalls nicht mehr helfen, den Klassenverbleib zu schaffen. Wobei er eben keine große Hilfe war. Die Gründe dafür sind nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Aber das macht eigentlich nichts. Weil es nichts daran ändert, dass es halt nicht geklappt hat. Interessant fand ich den Satz von Dieter Hermann: „Wir waren vielleicht noch nicht so weit, einen Halbprofi zu beschäftigen.“ Bestätigt fühlen dürfen sich nun diejenigen im Umfeld der Plochinger und in der Handballszene überhaupt, die die Sache von Anfang an skeptisch gesehen haben. Ich finde trotzdem, dass es einen Versuch wert, zumal das Problem nicht war, dass Spiler irgendwie arrogant oder so aufgetreten ist.

Mir tat er in den Spielen, in denen ich ihn gesehen habe, fast schon leid. Er hat ganz offensichtlich selbst gemerkt, dass er nicht das bringt, was der Verein von ihm und er selbst von sich erwartet. Also hat er versucht, anders auf dem Spielfeld den Anführer zu geben. Das kam bei den Kameraden aber auch nicht so richtig gut an. Was ebenso verständlich ist wie sein Versuch, zu helfen. Das Kapitel Spiler (ich muss schon wieder nach dem ersten Schreiben des Namens das „e“ rausmachen…) und TVP ist nun jedenfalls beendet.

Leonie Dreizler hatte im Spiel gegen Allensbach eine hundertprozentige Quote von der Siebenmeterlinie, konnte sonst wegen einer Verletzung aber nicht helfen.

Ich hoffe, dass bei den Plochingern das Kapitel 3. Liga am Ende der Saison nicht schon wieder beendet ist. Eine Niederlage gegen Mitaufsteiger und Schlusslicht Blaustein wäre ein großer Rückschlag gewesen. So ist ein Nicht-Abstiegsplatz nur einen Punkt entfernt. Es wird schwer, ist aber machbar. Die Parallele zu den Nellinger Frauen, deren Niederlage gegen Allensbach ich am Samstag angeschaut habe: Auch da ist der Abstand nicht groß (zwei Punkte) und auch da wäre der Klassenverbleib für die weitere Entwicklung sehr wichtig.

Bei den Plochingern, weil das Umfeld weiter mitwächst und die Bedingungen in der kommenden Saison wohl nochmal besser wären. Bei den Nelllinerinnen, weil das junge Team Potenzial hat und mit der Erfahrung der ersten Saison in der dritthöchsten Spielklasse in der kommenden Runde vermutlich etwas besser dastehen würde. Und so vielleicht auch noch die eine oder andere etwas erfahrenere Verstärkung geholt werden könnte.

Auch Chiara Baur versucht alles – kann die Niederlage aber nicht verhindern.

Das Spiel gegen Allensbach aber hat gezeigt: Es wird sehr schwer, meinem Gefühl nach noch schwerer als für die Plochinger. Die Liga besteht eben vor allem aus deutlich erfahreneren Teams.

Ein Unterschied zwischen Plochingen und Nellingen ist mir am Samstag auch nochmal aufgefallen: Während Plochingen zurzeit die Hanball-Boomtown im EZ-Land ist und die Ränge bei den Heimspielen sehr gut gefüllt sind (auch mit Nicht-Plochingern), müssen die Nellingerinnen das Vertrauen des Publikums, das jahrelang Bundesliga- und Zweitligahandball erlebt hat, erst zurückgewinnen. Mit Ausnahme des Derbys gegen Wolfschlugen muss bei den Spielen nur eines von drei Tribünenteile ausgezogen werden. Gegen Allensbach waren gerade einmal 250 Zuschauer in der Sporthalle 1.

Es wäre schön, wenn sich das wieder ändert. Aber dazu, das wissen sie bei den Hornets, muss das Team vorlegen. 


Über Radonic und Mitranic

Nicht mehr im HeLi-Schwarzweiß: Sinisa Mitranic: Foto: Rudel

Zwei Handball-Themen haben mich in dieser Woche beschäftigt, in der Handball ja eigentlich nicht so ein großes Thema ist. Über den Grund darüber hat wiederum meine Kollegin Karla Schairer eine lesenswerte Geschichte geschrieben: Handball und Fasnet.

Die zwei Themen, die ich meine: Sinisa Mitranic ist nicht mehr Trainer der SG Hegensberg/Liebersbronn und Marion Radonic wird Cheftrainerin der Männermannschaft des SKV Unterensingen. Dazu ein paar Gedanken:

„Die Liga frisst ihre Trainer“, hat Olaf Steinke, Noch-Coach des TSV Deizisau, im vergangenen Herbst gesagt, als es mit den Beurlaubungen in der Württembergliga los ging. In einer Saison, in der viele Teams den Druck verspüren, sich für die eingleisige Württembergliga zu qualifizieren. Und manche, nicht in die Landesliga abzurutschen und damit in der kommenden Saison sogar zwei Ligen unter einigen ihrer jetzigen Gegnern zu spielen.

Immerhin die Hälfte der vier EZ-Land-Clubs in Liga fünf hat es mittlerweile erwischt. Aktuell Steinkes zukünftigen Club Hegensberg/Liebersbronn und vor Weihnachten schon die HSG Ostfildern – die nächste Mannschaft des frischen Ex-HeLi-Trainers Mitranic. Das bedeutet auch, dass nur eine „unserer“ vier Württembergliga-Teams in die kommende Saison mit dem Trainer gehen wird, mit dem sie auch in die aktuelle gestartet ist. Jedenfalls wurde Veit Wagers Vertrag beim TSV Wolfschlugen gerade verlängert.

Die Sache Mitranic und HeLi ist irgendwie nicht gut gelaufen. Man habe sich „zum Abschied umarmt“ sagte mir Abteilungsleiter Christian Scharl am Montag. Auch Mitranic betonte, dass er im Guten von der SG gegangen sei. Ob die Serie von zehn Niederlagen etwas damit zu tun hat, dass Mitranic vor einigen Wochen angekündigt hatte, den Verein am Ende der Saison schon wieder verlassen zu wollen, ist schwer zu beantworten. Vielleicht auch gar nicht. Nicht ganz glücklich waren aber wohl einige auf dem Berg über seine Aussage: „Ich hoffe, dass es besser wird. Aber glauben tue ich es angesichts dieses Kaders nicht.“

Ich schätze an Sinisa Mitranic seine offene und ehrliche Art. Er ist kein Mann der Floskeln. Und man muss ihm wohl auch zu Gute halten, dass er bei seiner Aussage den momentanen Kader mit den vielen verletzten und angeschlagenen Spielern meinte. Denn er ist ja vor der Saison mit den vorhandenen Handballern angetreten, um zumindest die Qualifikation für die neu geschaffene Verbandsliga zu schaffen. Ich verstehe aber, dass niemand bei HeLi einen solchen Satz gerne lesen möchte. Und die Tabellensituation lässt sich auch nicht wegdiskutieren.

HeLi steht auf einem Abstiegsplatz. Das wollte dort keiner. Die Frauen des Vereins sind schon am Ende der vergangenen Saison abgestiegen und stehen jetzt in der Landesliga ganz hinten. Die Männer haben sich bislang in der Württembergliga gehalten, ein Abstieg in die Landesliga würde den Aufschwung der vergangenen Jahre, der kontinuierlich guter Arbeit entsprang, endgültig abwürgen.

Deshalb wünsche ich den Interimstrainern Henning Richter und Simon Hablizel, dass sie die Mannschaft in die Verbandsliga führen. Dass dann ein personeller Umbruch her muss, wissen die Verantwortlichen.

Schaffen es die Berghandballer in die Verbandsliga, würden sie dort in der EZ-Land-Superliga antreten. Und vermutlich auf Ostfildern (mit Mitranic), den TSV Köngen, den TV Reichenbach, den TSV Denkendorf und das Team Esslingen treffen. Und auf den SKV Unterensingen. Zwar hat die Mannschaft des scheidenden Trainers Steffen Rost noch die Chance, die Qualifikation für die Württembergliga zu schaffen. Aber realistisch betrachtet wird das sehr schwer.

Bald-SKV-Trainerin Marion Radonic neben Noch-SKV-Trainer Steffen Rost. Foto: Luithardt

Im Sommer übernimmt dann beim SKV die Deizisauerin Marion Radonic vom Deizisauer Steffen Rost. Ich habe mich echt gefreut, als ich erfahren habe, dass Marion Cheftrainerin wird. Weil ich glaube, dass sie das kann. Dass sie das sogar sehr gut kann. Und weil ich ja hier am Kreis erst vor Kurzem etwas über sie geschrieben habe. Thema war, dass sich keiner traut, einer Frau einen Cheftrainerposten bei einem Männerteam zu geben. Jetzt traut sich ein Verein.

Der Text im Blog hat, so hat mir Marion erzählt, einiges bewirkt. Sie hat viele Reaktionen bekommen – und sechs Angebote. Drei von Frauen- und drei von Männerteams. Das im wahrsten Sinne naheliegendste in Unterensingen hat sie angenommen. Ich habe mit Marion ein Interview geführt, das, wie ich finde, sehr lesenswert ist. Darin kann man erkennen, dass sie die Aufgabe selbstbewusst und voller Vorfreude angeht. Und dass in Sachen Emanzipation auch im Sport noch viel Luft nach oben ist. Würde Radonic Mario mit Vornamen heißen und die Frauen des SKV Unterensingen übernehmen, wäre das jedenfalls kein Thema für ein Interview.

Mir hat es großen Spaß gemacht, das Interview zu führen. Ich wünsche ihr, dass es klappt in Unterensingen und dass sie nicht allzu viele blöde Sprüche zu hören bekommt. Vielleicht wäre es für sie sogar leichter, wenn die Mannschaft in der kommenden Saison nicht in der Württemberliga antritt. Auch wenn sie das als Leistungssportlerin, als die ich sie seit vielen Jahren kenne, niemals so sagen würde.

Für den Fall, dass es sportlich beim SKV nicht laufen sollte, hat Marion übrigens völlig zurecht die Einstellung (der Satz steht nicht im Interview): „Bei einem Mann als Trainer ist die Chance genauso groß, dass es funktioniert oder dass es nicht funktioniert.“

Ein schönes Wochenende allen. Handballfrei oder (wie für mich) in der Halle etwa in Nellingen.


Mehr davon in der Verbandsliga

Derby in der sechsten Liga: Volle Ränge in der Köngener Burgschulhalle. Fotos: Rudel, Paesler (1)

Das war mal wieder ein geballtes Handball-Wochenende. Welche Erkenntnisse gab es? Die Drittligisten TV Plochingen und TV Nellingen werden es im Abstiegskampf und das BWOL-Spitzenteam TSV Neuhausen im Aufstiegsrennen schwer haben. Der TSV Deizisau ist in der Württembergliga der Männer die Mannschaft der Stunde und bei den Frauen muss der TV Reichenbach einen Rückschlag verkraften.

Ein Blick auf meinen Schreibtisch: Rechts die heutige EZ, links die morgige.

Und: Wenn man ein richtig gutes Handballspiel sehen möchte, kann man auch in die sechste Liga gehen.

Ich habe in der Samstag- und der Montagausgabe meiner Begeisterung über das Landesligaspitzenderby zwischen dem TSV Köngen und dem TSV Denkendorf am Freitagabend genug Zeilen und Raum gegeben. Deshalb, und auch weil mein Kollege Herbert Rudel eine Menge starker Fotos gemacht hat, hier noch ein paar visuelle Eindrücke von dem Spiel in der mit 600 Leuten rappelvollen Burgschulhalle.

Nur so viel noch (einmal): Wenn es tatsächlich so kommt, dass sich Köngen, Denkendorf, der TV Reichenbach und das Team Esslingen für die neu geschaffene Verbandsliga qualifizieren und aus der Württembergliga die HSG Ostfildern und die SG Hegensberg/Liebresbronn dazu kommen, dann kann man sich auf diese Liga ab der kommenden Saison wirklich freuen. Egal, wie man sonst zur Strukturreform des HVW steht.  

Super Choreo der Denkendorfer. Viele von ihnen sind zu Fuß gekommen.
Los geht’s: Die Köngener vor ihrem Fanblock.
Simon Hablizel (links) und Ralf Wagner – man kennt sich, man versteht sich.
Lukas Taxis auf dem Weg zum Tor. Es ist kein leichter.
Wurfgewaltig: Niklas Schmid.
Auszeit Denkendorf.
Christoph Müllerschön (links) und Lukas Taxis am Boden? Nur in dieser Spielszene.
Manuel Tremmel dreht ab. Zwölf Tore erzielt der Köngener Routinier beim 32:26-Sieg.
Und am Ende jubeln alle Köngener.

MadDogs: Es läuft auch
ohne Mönch und Fischer

Philipp Keppeler trifft – und Louis Mönch (links) schaut zu. Fotos: Rudel

TSV Neuhausen 34, TSV Zizishausen 25 – die MadDogs spielen in der Baden-Württemberg Oberliga eine ganz starke Saison und sind trotz großer personeller Probleme auf Wiederaufstiegskurs. Bis zur Rückkehr in die 3. Liga ist es zwar noch ein weiter Weg, aber es ist in jedem Fall beeindruckend, was sie da auf den Fildern zeigen. Das findet auch meine Kollegin und Neuhausen-Expertin Steffi Gauch-Dörre, die beim Sieg gegen Zizis für die EZ in der Egelseehalle war und zu meiner großen Freude mal wieder einen Gastbeitrag hier am Kreis schreibt – und beim Thema Personalien auch auf zwei Spieler eingeht, die der Mannschaft schon seit Saisonbeginn nicht zur Verfügung stehen.

Steffis Gastbeitrag:

MadDogs: Es läuft auch ohne Mönch und Fischer

Das war ein voller Erfolg: Trotz massiver Personalsorgen haben die Neuhausener auch im Derby gegen Zizishausen eine absolut überzeugende Leistung gezeigt! Neuzugang Ferdinand Michalik sorgte in der Abwehr für noch mehr Stabiltät. Das lässt hoffen, dass die MadDogs trotz des schmerzlichen Ausfalls von Spielmacher Timo Durst (Achilessehnenriss) und Kapitän Hannes Grundler (Innenbandriss im Knie) lange ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden werden. Anschließend hat dann auch noch Spitzenreiter SG Pforzheim/Eutingen geschwächelt und eine Niederlage in Söflingen kassiert.

Es läuft bei den Neuhausenern und sie haben Spaß. Und es macht Spaß zuzuschauen. Jeder Spieler fügt sich gekonnt ein und trägt seinen Teil zum Erfolg bei. Kein Wunder also, dass sich das Trainer-Team schwer tut, bei den Heimspielen einen Spieler des Spiels zu benennen. Außenspieler Philipp Keppeler hatte es jedenfalls verdient und vor zwei Wochen Patrik Letzgus auch.

Nutzt seine Chance im Rückraum: Florian Distel.

Dass die Neuhausener in einer angespannten Personalsituation sind, liegt nicht nur an den Verletzungen (zu den Langzeitverletzten gesellen sich immer wieder noch weitere wie momentan Roman Fleisch mit einer Sprunggelenksverletzung), sondern eben auch an zwei Rückraumspielern, die eingeplant waren, einen Vertrag bei den Neuhausenern hatten und diesen nicht erfüllen wollten: Lukas Fischer und Louis Mönch.

Bei Mönch zogen sich die Gespräche und Verhandlungen über Monate und der talentierte Spieler verlor nach eigener Aussage schon fast den Spaß am Handball. Das hat er sich allerdings selbst zuzuschreiben. Nach vielem Hin und Her spielt er nun nicht wie von ihm geplant höherklassig in Konstanz, sondern läuft beim Neuhausener Ligakonkurrenten Zizishausen in der BWOL auf. Letztlich hat er sich mit seiner Entscheidung wohl selbst am meisten geschadet. Denn bei Neuhausenern läuft es eben auch ohne die zwei unbestritten talentierten Spieler rund.

Sehenswerter Heber: Julian Reinhardt erzielt gegen Zizishausen fünf Tore.

Mönchs Auftritt bei seiner Rückkehr in die Egelseehalle war sicher nicht sein bester – aber ihm fehlt halt auch die Spielpraxis. In Zizishausen fühlt er sich wohl und ist froh, in Trainer Florian Beck einen Freund an seiner Seite zu haben. Mönch hofft, dass er nun wieder zur Ruhe kommt und Spaß am Handball hat. Die nächsten anderthalb Jahre will er mindestens in Zizishausen bleiben. Einsichtig ist er jedenfalls: „Ich habe Scheiße gebaut“, sagte er nach der Derbyniederlage und zeigte Verständnis für die Pfiffe von den Zuschauerrängen: „Das war zu erwarten und ist auch verständlich.“

Schade nur, dass sich Fischer (vom TV Plochingen zum VfL Pfullingen statt nach Neuhausen) und Mönch im Sommer so kurzfristig gegen Neuhausen entschieden haben… Hätte man das gewusst, wäre der quirlige Lucca Holder, der zum TSV Schmiden zurückkehrte, vielleicht geblieben.


Oben unten und unten oben

Blick ins Ungewisse beim TV Plochingen. Fotos: Rudel, Kehle (1)

Eigentlich wollte ich heute über unser ungleiches Top-Duo TV Plochingen und TSV Neuhausen schreiben. Tu ich gleich auch noch. Aber dann passierte das, was zurzeit recht häufig passiert: Es flatterte ein Trainerwechsel in die Redaktion und damit auf die Seite. Diesmal geht es um Daniel Kraaz und das Team Esslingen.

Es ist ein bisschen eine komische Geschichte. Beim EZ-Pokal ging das Gerücht um, Kraaz würde bei dem Landesligisten aufhören. Er selbst sagte dazu nur, es habe niemand vom Verein mit ihm gesprochen. Der Verein sagte wiederum, dass auch niemand mit ihm sprechen müsse, weil Kraaz‘ Vertrag noch für die kommende Saison gelte und man mit ihm weitermache.

Daniel Kraaz ist nicht mehr lange Trainer des Team Esslingen.

Jetzt, zwei Wochen später, kommt dann doch die Nachricht: Kraaz geht am Ende der Saison. Und zwar, weil er selbst das so will. Mehr lest ihr hier.

Irgendwie passt die Geschichte. So ein richtig gutes Gefühl hatte ich bei der Kombination ehrlich gesagt schon eine Weile nicht mehr. Ich halte Daniel Kraaz für einen guten Trainer, ein angenehmer Typ ist er eh. Aber zum einen hinkt das Team seit einigen Jahren den eigenen Ansprüchen hinterher. Die Rückkehr in die Württembergliga wurde mehrfach deutlich verfehlt und jetzt wird die Qualifikation für die eingleisige Verbandsliga eine ganz enge Kiste.

Zum anderen ist auffällig: Die Esslinger sind schon seit einiger Zeit die Mannschaft im EZ-Land mit den größten Schwankungen. Wie oft hat Kraaz nach einem Spiel die Einstellung kritisiert? Dann gab es wieder richtig gute Auftritte. Zu beobachten gerade in den vergangenen zwei Wochen. Kraaz kann sich die Leistungsunterschiede nicht erklären. Die Frage ist, ob sie sein Nachfolger in den Griff bekommt. Ober er Volker Picard heißt oder anders.

Ich wünsche Daniel Kraaz und dem Team jedenfalls, dass sie sich mit der Qualifikation für die Verbandsliga voneinander verabschieden. Das wird dann übrigens eine hoch interessante Liga.

So sehr sich Dominik Eisele und die Plochinger auch strecken – gegen Balingen-Weilstetten II ist nichts zu holen.

So, jetzt doch noch einige Sätze zu Plochingen und Neuhausen. Es ist schon frappierend, was da am vergangenen Wochenende in der Schafhausäcker- und der Egelseehalle los war. Die Plochinger sind endlich mal wieder komplett, zeigen gegen eine wahrlich nicht überragende Mannschaft von Balingen-Weilstetten II aber eine ganz schwache Leistung und müssen spätestens  nach dem 29:34 aufpassen, dass sie jetzt nicht ganz tief in den Abstiegsstrudel geraten. Und die Neuhausener überzeugen trotz des Ausfalls ihrer beiden besten Spieler Hannes Grundler und Timo Durst und gewinnen das Spitzenspiel gegen die HSG Konstanz II mit 29:24.    

Die Neuhausener imponieren mir wirklich. Da stimmt es einfach. Der Glaube an die eigene Stärke ist da. Auch der daran, jetzt das Spitzenspiel beim Tabellenführer SG Pforzheim/Eutingen gewinnen zu können. Auch wenn die MadDogs dort Außenseiter sind. Wir bringen in dieser Woche noch eine Geschichte in der EZ über zwei der Spieler, die einen großen Anteil am Höhenflug der MadDogs haben.

Roman Fleisch ist in dieser Saison eine der Stützen der Neuhausener. Im Spiel gegen Konstanz II hat er sich jedoch verletzt.

Und dann haben die Lochers ja noch Ferdinand Michalik aus dem aus dem Hut gezaubert. Ich bin mal gespannt, wie sehr er der Mannschaft weiterhelfen kann. Ich habe ihn zuletzt bei Neuhausen/Erms gesehen. Der kann was – ist aber, wenn ich das richtig beobachtet habe, schon eine Weile ohne Spielpraxis.

Und Plochingen? Ich war beim Spiel gegen Balingen-Weilstetten II. Und habe da das genaue Gegenteil von dem gesehen, was ich gerade von Neuhausen beschrieben habe: Knoten im Kopf und in den Beinen, kein Selbstvertrauen. Und keiner in Sicht, der den berühmten Bock umstößt. Vor allem im Angriff wirkte das mut- und konzeptlos, was ja auch Routinier Dominik Eisele so erkannt hat. „Wir hatten keinen klaren Fahrplan“, hat er nach dem Spiel gesagt und war auch mit seiner eigenen Leistung nicht glücklich.

Starkes Foto: Maximilian Schmid-Ungerer fliegt durch die Balinger Abwehr.

Ich mache mir zum ersten Mal ernste Sorgen darüber, ob das mit dem Klassenverbleib klappt. Es sah im ersten Saisondrittel noch so gut aus. Vom jungen Christos Erifopoulos kann man wieder mehr Tore erwarten, aber nicht, dass er schon der Anführer ist, der das Team aus der Krise führt. Der erfahrene David Spiler schafft das auch nicht. Kapitän Dominik Werbitzky nicht allein. Und von einigen anderen Spielern habe ich auch schon deutlich bessere Spiele gesehen. Ich habe das Gefühl, dass sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind.  

Jetzt ist Trainer Michael Schwöbel gefordert. Im Moment sehe ich auch noch nicht, wie er es schaffen will, die Mannschaft wieder zu einem Siegerteam zu machen. Nach dem desolaten Auftritt beim EZ-Pokal sprach er von zwei „super Trainingswochen“. Dann aber folgte der schwache Auftritt im ersten Pflichtspiel des Jahres.

Es ist eine große Herausforderung für Schwöbel. Ich erinnere mich aber noch an seine Zeit bei der HSG Ostfildern, wo er es auch eine schwierige Situation überwunden und – auch zu meiner Überraschung – die Mannschaft am Ende zum Aufstieg in die Württembergliga geführt hat. Und als die Plochinger Mitte November nach sieben Niederlagen unter Druck standen, haben sie gegen Haßloch Kampfgeist und Nervenstärke gezeigt und einen wichtigen Sieg geholt.

Schwöbel musste schon die Floskel „Aufgeben gilt nicht“, verwenden. Eigentlich ist das ein schlechtes Zeichen. Aber er schaute mich dabei so überzeugt an, dass ich ihm einfach mal glaube, dass er es schafft.

Aufsteiger Plochingen steht oben unten, Absteiger Neuhausener unten oben. Vorletzter in der 3. Liga und Zweiter in der BWOL. Wäre es nicht schön, wenn Plochingen in Liga drei bleibt und Neuhausen wieder hoch kommt? So sehr sich die momentane Situation bei den Mannschaften unterscheidet, beides wird nicht leicht.

Und jetzt mal schauen, welche weiteren Trainerwechsel diese Woche noch in die Redaktion flattern. Es deutet sich jedenfalls bereits etwas an…


Was macht eigentlich Marion Radonic?


„Die Jungs hören auf mich“, sagt Marion Radonic. Fotos: Rudel

Eine gerade vorgestellte internationale Studie besagt, dass Deutschland in Sachen Stellung der Frau im Berufsleben einen guten, aber keinen Spitzen-Platz einnimmt. Auch der Sport scheint in diesem Bereich Nachholbedarf zu haben. Ein Beispiel dafür ist eine der besten Handballerinnen, die das EZ-Land hervorgebracht hat: Marion Radonic.

„Ich bekomme viele Anfragen“, sagt Radonic und zeigt ein bittersüßes Lächeln. „Aber alle als Co-Trainerin.“ Diesen Posten nimmt die frühere Kreisläuferin und Abwehrspezialistin beim Württembergligisten SKV Unterensingen ein, zunächst tat sie das an der Seite von Benjamin Brack, dann an der von Steffen Rost. Früher saß sie bei der HSG Ostfildern neben Frank Illi auf der Bank. Bis zum vergangenen Sommer war sie zusätzlich zu Unterensingen auch noch beim Schweizer Frauen-Erstligisten GC Zürich tätig.

Knapp 80 Bilder gibt es von Marion Radonic im EZ-Archiv. Dieses aus dem Jahr 2009 ist das älteste.

Gefühlt jeder zweite Verein der Region sucht zurzeit einen Coach oder war in den vergangenen Wochen auf Trainersuche. Auf Marion Radonic kam niemand. Zumindest hat man diesbezüglich nichts gehört. Und als die 42-Jährige kürzlich beim EZ-Pokal aufgrund von Rosts Fehlen den SKV in der Vorrunde alleine coachte und ins Viertelfinale führte, da fiel nach Radonics Empfinden vor allem auf – dass Rost fehlte. „Wo ist Steffen, haben die Leute gefragt. Oder sie haben gesagt, dass es die Mannschaft ja auch alleine schafft“, erzählt sie. Wenn sie mit den Unterensingern in den Hallen des Landes unterwegs ist, wird sie oft für die Physiotherapeutin gehalten.

Anders herum ist die Sache mehr als üblich. Von den sieben Frauenteams im EZ-Land von der Landesliga aufwärts beispielsweise werden fünf von Männern trainiert. An der Kompetenz und Erfahrung kann das Ganze nicht liegen. „Von den Jungs in der Unterensinger Mannschaft hat keiner auch nur annähernd so hoch gespielt wie ich“, sagt Radonic.

Marion Radonic im Jahr 2010 im Bundesliga-Aufstiegsspiel des TV Nellingen gegen die SGH Rosengarten.

In Trier hat die frühere Jugendnationalspielerin Radonic Bundesliga gespielt, in Allensbach und Nellingen 2. Bundesliga. Nachdem sie beim TVN im Jahr 2011 nach drei Jahren als Leistungsträgerin aufgehört hatte, legte sie ein Jahr Pause ein, übernahm den Co-Trainerposten in Ostfildern und unterstützte dann noch drei Jahre als Spielerin das letztlich gescheiterte Handball-Projekt beim HC Wernau.  Schon als Spielerin hatte sie das, was man auch als Trainer braucht: führungs- und durchsetzungsstark, klar analysierend. Und wenn das Spiel gespielt ist, zugänglich, freundlich und verbindlich.

Im Jahr 2011 setzt sich Marion Radonic vor vollen Rängen in der Sporthalle 1 gegen die Abwehr ihres Ex-Clubs TuS Metzingen durch.

Folgerichtig schlug Radonic, die in Deizisau wohnt, schon während ihrer aktiven Zeit die Trainerlaufbahn ein. Aber nicht nur. Offensichtlich macht sie gerne Dinge parallel. Wobei praktisch ihr gesamtes Leben mit Sport zu tun hat: Die Diplom-Sportlehrerin gibt Unterricht am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Stuttgart, Böblingen und Karlsruhe, arbeitet als selbstständige Personal-Trainerin – und eben als Handball-Trainerin. Demnächst wird sie die A-Lizenz sowohl im Handball als auch in der Leichtathletik machen.

Im Jahr 2013 bejubelt Marion Radonic ein Tor für den HC Wernau im Derby gegen die HSG Deizisau/Denkendorf. Links Tine Gall.

Im Sommer vergangenen wurde dann alles ein bisschen zu viel, weshalb sie zumindest den Job in der Schweiz –  vor Zürich war sie schon bei RTV/KV Basel – aufgegeben hat. „Mir ist das zwar alles lieber als alleine zuhause zu sitzen, aber ich bin 64 000 Kilometer im Jahr gefahren“, erklärt sie. Ganz so rastlos musste es dann doch nicht mehr sein.


Die Trainerlaufbahn beginnt: Marion Radonic und Frank Illi.

Marion Radonic als Cheftrainerin im Männerbereich? „Ich glaube, das traut sich keiner“, sagt sie. Die Arbeit mit einem Frauenteam kann sie sich grundsätzlich auch vorstellen. „Aber nicht unterhalb der 3. Liga, dazu bin ich zu leistungsorientiert“, sagt sie.

Spannend wird es, wenn die Entscheidung fällt, ob Steffen Rost in Unterensingen weitermacht. In den kommenden Tagen oder Wochen will sich der frühere Deizisauer entscheiden. Falls er aufhört, müsste erste Ansprechpartnerin eigentlich Marion Radonic sein. „Die Jungs hören auf mich“, sagt sie über die Spieler. Kein Zweifel.  


Blick nach oben und nach unten

Trainerin Veronika Goldammer und der TV Nellingen haben einen wichtigen Sieg eingefahren. Foto: Rudel

Habt ihr heute EZ gelesen? Ich auch. Nach einem freien Wochenende, was bei mir nicht allzu oft vorkommt, ist das anders als sonst. Wir haben ja ohnehin viel Handball im Blatt, viel mehr als fast alle Kollegen. Aber das gibt es nur in dieser Phase des Jahres: Sportseite 1 Handball-EM, Seite 2 Volleyball und Co, Seite 3 Fußball, Seiten 4 und 5 Wintersport und Ergebnisse, Seiten 6 und 7 lokaler Handball.

Was ist mit beim Lesen aufgefallen?

–        Krass, wie die deutschen Handballer gegen Spanien verloren haben – und klasse, dass Manuel Späth wieder seine Späthlese schreibt. Analytisch und immer den Blick nach vorne. Das bereichert unser Blatt sehr!

–        Zwei ebenfalls lesenswerte Texte meiner Kollegen Karla Schairer aus Nellingen und Max Bruns aus Deizisau. Frauenhandball ist diesmal ganz groß. Die Nellingerinnen haben endlich mal wieder gewonnen und sehen in der 3. Liga Land. Und in der Württembergliga ist der TV Reichenbach wieder vor der HSG Deizisau/Denkendorf. Die beiden Teams haben so jeweils das Derby-Auswärtsspiel gewonnen. War wohl eine interessante Partie – und das Wichtigste aus EZ-Land-Sicht: Beide sind klar auf Qualifikationskurs Richtung eingleisige Württembergliga. Wenn nicht sogar noch mehr geht.

–        In der Männer-Württembergliga läuft es bei der HSG Ostfildern auch nach dem Trainerwechsel nicht rund. Da rückt die eingleisige Württembergliga in immer weitere Ferne. Wenn nicht gar der worst case in Form des Abstieges in die Landesliga passiert. Das wäre für die in den vergangenen Jahren positive Entwicklung bei der HSG ein fetter Rückschlag.

–        Ganz anders die Situation beim TSV Deizisau: Wir haben ja schon erlebt, dass Mannschaften, die den EZ-Pokal gewonnen haben, anschließend auf-, aber auch, dass sie abgestiegen sind. Jedenfalls haben die Deizisauer, denen ein Trainerwechsel ja am Ende der Saison bevorsteht, den Schwung vom Sieg in der Neckarsporthalle offenbar mitgenommen, wie man so schön sagt. Der satte 35:25-Erfolg gegen den Qualifikations-Konkurrenten Laupheim tut jedenfalls gut, in Sachen Selbstvertrauen und in SachenTabelle.

–        In der Landesliga ist die heftige Niederlage des bisherigen Zweiten TSV Denkendorf im Spitzenspiel in Unterhausen auffällig. 29:41 – was war denn da los? Und beim Team Esslingen fällt mir schon seit einiger Zeit auf, dass es wohl das Team im EZ-Land mit den größten Schwankungen ist. „Wir waren dort, aber Handball gespielt haben wir nicht“, drückte es Trainer Daniel Kraaz nach dem 20:35 in Aixheim drastisch aus. Die Frage ist auch hier: Was ist da los, dass die Mannschaft ihre Leistung so oft nicht aufs Feld bekommt?

Vielleicht gehe ich dieser Frage ein andermal nach. Jetzt mach ich mal noch was aus dem freien Tag, den ich heute noch drangehängt habe (merkt man, gell). Später in dieser Woche schreibe ich hier am Kreis mal wieder ein „Was macht eigentlich?“ Stay tuned!