Marco Gaßmann ist der Trainer der Saison

Foto: Rudel

Im Fußball haben wir das Showdown-Wochenende vor uns und vielleicht werden auch zum Beispiel die Denkendorfer Handballer die Fußballer ihres Vereins am Spielfeldrand unterstützen, wenn sie um den letzten Punkt für den Aufstieg in die Bezirksliga kämpfen. Die Handballer sind dagegen schon fertig – eigentlich wäre das Spiel der Nellinger Frauen gegen Ketsch am Samstag das letzte im EZ-Land gewesen. Aber es fiel aus, wie so manches in der nun abgelaufenen Saison.

Aber: Wir haben wieder eine Saison zu Ende bekommen. Zwar mit einigen coronabedingten Schwierigkeiten, etwa einem ziemlich zerstückelten Spielplan und unzähligen Unter-der-Woche-Nachholspielen – aber wir haben eben eine Saison durchbekommen. Mit Auf- und Absteigern und allem, was dazu gehört.

Und wir haben nach einem Jahr Pause wieder einen Trainer der Saison im EZ-Land gewählt. Beziehungsweise ihr habt ihn gewählt. Zumindest ein paar von euch. Die Wahlbeteiligung lag bei weitem unter dem der Jahre zuvor. Das enttäuscht mich schon ein bisschen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass eben viele auch froh waren, dass die Runde rum ist und sich deshalb erst mal nicht mehr so sehr mit dem Thema Handball beschäftigt haben.

Ich werde mir jedenfalls für das kommende Jahr etwas anderes überlegen, vielleicht eine klassische Abstimmung auf der EZ-Homepage ohne Kommentare im Blog oder auf Facebook. Mal sehen.

Aber es wurde gewählt und es gab einen Sieger und den gilt es auch zu feiern. Ich habe heute mit Marco Gaßmann telefoniert. Und bevor ich hier alles noch mal widergebe, lest doch einfach selbst – der Text über den Erfolgscoach der HSG Ostfildern ist nicht hinter der Paywall (wobei ich ja hoffe, dass ihr alle EZ-Abonnenten seid).

Nur so viel noch: Es hat durchaus der Favorit gewonnen. Meister in der Verbandsliga im ersten Jahr als Chefcoach – Chapeau. Aber es hätten alle verdient gehabt – sonst hätte ich sie ja nicht nominiert. Und ja, ich hätte auch noch mehr Trainer nominieren können wie etwa Reichenbachs Volker Haiser (wie auf Facebook angemahnt). Aber ich musste nun mal eine Auswahl treffen – und ich habe auch gehört, dass viele sie nicht schlecht fanden.

Spannend ist auch (oder kann man sogar sagen, pikant?), dass Zweiter hinter Marco Gaßmann Köngens Sinisa Mitranic geworden ist. Völlig zurecht natürlich auch. In Ostfildern ist er nicht glücklich geworden – dort war er Gaßmanns Chef. Der spricht heute aber sehr wohlwollend über den Kollegen, auch im Text in der EZ nachzulesen.   

So. Wie immer nach der Wahl zum Trainer der Saison mache ich jetzt am Kreis Sommerpause. In der Redaktion bleibt derweil genug zu tun – wobei auch ich irgendwann die Aussicht auf ein bisschen Urlaub habe. Genießt die Zeit, wenn was ist, meldet euch (sigor.paesler@ez-online.de) – ansonsten lass ich wieder im September zum Start der Saison 2022/2023 was von mir lesen.


Wer wird der Trainer der Saison?

Gute Stimmung am vergangenen Freitag zum (Fast-) Saisonabschluss in der Schelztorhalle. Jetzt fehlt noch die Wahl zum Trainer der Saison, dann ist Sommerpause. Fotos: Rudel, Kehle (1), Paesler (1).

Diesen Satzanfang hört man in diesen Tagen häufiger: „Endlich können wir wieder . . .“ Genau: Endlich können wir wieder den Handball-Trainer der Saison wählen. Theoretisch hätten wir das im Jahr 2021 auch machen können, die Handball-Saison gab dazu aber einfach zu wenig her.

Jetzt haben wir – endlich – wieder eine halbwegs normale Runde gespielt. Mit vielen Einschränkungen, mit viel Mehrarbeit für die Vereinsverantwortlichen, mit mehr Stress für Trainer und Spieler und mit jeder Menge Nachholspielen an vielen Abenden. Es sind alle froh, dass wir die Saison zu Ende spielen durften. Dass es Aufsteiger gab, dass es Absteiger gab – okay, die Absteiger selbst sind wohl weniger glücklich. Viele sind nun aber wohl auch froh, dass die Runde rum ist. Ich gestehe, dass da auch der eine oder andere Sportredakteur dazu gehört, der  Abend für Abend bis halb elf am Rechner gesessen, Spielberichte ins System getippt und Seiten belichtet hat.

Aber: Wir wählen wieder. Es gilt, den Nachfolger zu suchen für – erinnert ihr euch noch? Es gilt, den Nachfolger zu suchen für Steffen Irmer-Giffoni, der im Jahr 2020 Trainer der Saison war. Damals hat er sich bei den Frauen des TSV Denkendorf verabschiedet, die nun leider zu den Absteigern gehören. Zu den wenigen im EZ-Land. Und so sind bei den Kandidaten, die ihr hier zur Wahl habt, nicht nur Meister, sondern auch Klassenverbleibsschaffer dabei.

Die Wahl funktioniert wie seit Jahren – und zwar so: Der Schreiber des Blogs stellt Kandidaten vor, ihr entscheidet. Ihr könnt über die Kommentarfunktion hier „am Kreis“ und in den Kommentaren bei Facebook abstimmen. Gerne mit einer kurzen Begründung. Aber bitte nur einmal, entweder im Blog oder auf Facebook, bitte fair bleiben. Gewählt werden kann bis zum kommenden Montag, 30. Mai, um 23.59 Uhr. Das Ergebnis gebe ich dann am kommenden Tag bekannt, verbunden mit einem Text über den Sieger.

Hier ein paar Zeilen über die Kandidaten Marco Gaßmann, Steffen Klett, Markus Locher/Alexander Trost, Johannes Martin und Sinisa Mitranic in alphabetischer Reihenfolge. Es sind vier Trainer und ein Trainerduo – und gleich zwei davon vom TSV Köngen. Darüber habe ich ein bisschen nachgedacht. Aber es ist keine Vereinswahl, sondern eine Trainerwahl, und wenn in einem Club zwei Coaches einen guten Job machen, sollen auch beide die Chance bekommen, dafür die entsprechende Anerkennung zu bekommen.

Marco Gaßmann (HSG Ostfildern)

Der Mann wird in dieser Woche 27 Jahre alt und ist damit jünger als manch einer seiner Spieler. In seine erste komplette Saison als Cheftrainer ging er mit den Worten: „Wir treten an, um aufzusteigen.“ Und gemeinsam mit der Mannschaft lieferte er. Die HSG spielte nicht jedes Spiel supersouverän, aber war mit Abstand die beste der Liga und ist damit verdienter Meister der Verbandsliga. Was sie auszeichnete: Enge Spiele entschied sie für sich. Lange in Erinnerung bleiben wird der grandiose 36:14-Sieg gegen den damaligen Tabellenführer TV Steinheim Anfang März, den die Ostfilderner damit praktisch aus dem Aufstiegsrennen kegelten. Gaßmann hat offensichtlich die richtigen Worte gegenüber den Spielern gefunden, ein akribischer Handballarbeiter ist er ohnehin.

Steffen Klett (TSV Wolfschlugen)

Die Wolfschlugener zählten in der Württembergliga zum Kreis der Aufstiegskandidaten. Und dann erwischte es die Mannschaft dicke, was Verletzungen betraf. Auf jeden Fall dicker als manchen, auch von Corona gebeutelten Konkurrenten. Dass die Wolfschlugener hinter dem verdienten Meister VfL Waiblingen trotzdem den zweiten Aufstiegsplatz belegen, ist auch das Verdienst von Steffen Klett. Er war vor der Saison etwas überraschend als Nachfolger von Veit Wager präsentiert worden und formte aus einem starken ein Aufstiegs-Team. Mit viel Engagement, Leidenschaft, Wissen – und als es ganz eng wurde, setzte er sich selbst mit Trikot auf die Bank. Immerhin ein Saisontor trug er zum Aufstieg bei, der in der Halle des Nachbarn TSV Deizisau gefeiert wurde.

 Markus Locher/Alexander Trost (TSV Neuhausen)

Zwischen Markus Locher und Alexander Trost funktioniert es einfach. Und zwischen Markus Locher, Alexander Trost und der Neuhausener Mannschaft funktioniert es. Den Aufstieg am grünen Tisch nahmen die MadDogs als Geschenk an und machten das beste draus. Der Gang in die Abstiegsrunde überraschte nicht. Doch dann waren die Neuhausener da und schafften sicher den Klassenverbleib. Im x-ten Jahr in Neuhausen erreicht Locher die Mannschaft immer noch mit seiner emphatischen und leidenschaftlichen Art und seinem großen Wissen in Sachen Handball. Trost wurde vom Spieler über den Co- zum gleichberechtigten Trainer-Partner. Die beiden können Teamarbeit und haben so einen entscheidenden Anteil daran, dass Neuhausen die Nummer eins im EZ-Land bleibt.

Johannes Martin (TSV Köngen)

Im vorletzten Spiel gegen den härtesten Konkurrenten hat es das Team erwischt: Es gab den ersten Punktverlust der Saison. Am Ende 39:1 Zähler – souveräner als die Köngener Verbandsliga-Frauen kann man nicht aufsteigen. Trainer Johannes Martin wusste, dass er starke Einzelspielerinnen hat. Aber daraus muss man erst einmal ein erfolgreiches Team formen. Das hat er ebenso geschafft, wie dafür zu sorgen, dass die Spielerinnen nach jeden Sieg wieder motiviert und konzentriert in die nächste Begegnung gestartet sind. Johannes Martin und die Köngener Frauen – das ist eine Erfolgsgeschichte.

Sinisa Mitranic (TSV Köngen)

Unter Alen Dimitrijevic hatten die Köngener Verbandsliga-Männer meistens gut gespielt – und meistens verloren. Dann kam Trainerroutinier Sinisa Mitranic, änderte nicht viel, aber genug, um das Pendel umschlagen zu lassen. Neun von elf Spielen hat die Mannschaft unter ihm gewonnen und damit den Klassenverbleib geschafft. Und dafür gesorgt, dass sich der Mann, der eigentlich endgültig mit dem Trainerdasein aufhören wollte, zum Weitermachen überreden ließ. „Ich habe in Köngen den Spaß am Handball wiedergefunden“, sagt er nach den aus seiner Sicht weniger erfreulichen beiden Stationen davor. Und die Handball-Szene, allen voran die in Köngen, darf Spaß daran haben, dass ein Typ wie Mitranic weiterhin in den Hallen anzutreffen ist.


Klassenverbleibstage

Das erste Foto nach dem Spielende in Neuhausen – nicht ganz scharf mit dem Handy gemacht, aber die Emotionen sind drauf. Fotos: Paesler, Rudel (1)

Klar, der VfB war irgendwie überall das Thema. Auch optisch. Nicht nur in der Arena am Wasen, auch an vielen anderen Sportstätten der Region sah man am Wochenende Menschen mit roten Brustringen. Und zu Wochenbeginn viele mit Ringen unter den Augen. Aber auch verbal wurde gerne zu den Wasenkickern Bezug genommen. Und irgendwie haben sich alle daran gehalten. Zumindest fast alle. Es waren für die hiesigen Clubs Klassenverbleibstage.

Während der VfB seine Glückgefühle gegen Köln erspielte, war ich dabei, wie die Esslinger Bundesliga-Wasserballer ebenfalls den Klassenverbleib klargemacht haben. Das war ein bisschen weniger emotional, weil zu erwarten und mit dem Playoff-Sieg gegen Krefeld eine insgesamt ziemlich unbefriedigende Saison ein gutes Ende genommen hat. Anschließend war ich in Neuhausen. Und da gab es wieder ganz großes Gefühlskino. Für einige Fans zum zweiten Mal innerhalb weniger Stunden, denn einige kamen direkt vom VfB.

Dass es für die MadDogs in dieser Drittliga-Saison nur um den Klassenverbleib gehen würde, war klar. Und dass der geschafft wurde, bedeutet eine gelungene Runde. Gelungen war auch das letzte Heimspiel mit dem 31:29-Sieg gegen Zweibrücken. Zumindest für die Neuhausener. Denn auf der anderen Seite muss ich mit jeder Menge Respekt festhalten: Dass eine Mannschaft wie Zweibrücken absteigt, ist der Wahnsinn. Okay, ich habe nur das eine Spiel gesehen. Aber das war einfach super. Aber: Die Neuhausener haben dagegengehalten. Und am Ende haben sie die Gunst der Stunde genutzt, als die Zweibrückener mit dem Denken angefangen und vor allem im Angriff die entscheidenden paar Prozent nachgelassen haben.

Die Fans in der Egelseehalle gehen mit.

Man sieht: Die Neuhausener Mannschaft lebt. Sie macht Spaß. Und wir dürfen uns auf eine weitere Saison Dritlliga-Handball in der Egelseehalle freuen.

Was die Plochinger Schafhausäckerhalle betrifft, ist das weit weniger sicher. Und zwar nicht, weil Hallenteile auf das Spielfeld zu fallen drohen und die Halle deshalb vergangene Woche für den Ballsport geschlossen wurde. Die Plochinger Mannschaft hat während der Saison nicht immer gelebt, nicht nur bei der Heimklatsche gegen Neuhausen konnte man das beobachten. Aufgewacht ist sie erst gegen Ende – und richtig da war sie in der Abstiegsrunde. Ein schwaches Spiel dort (in Kirchzell) aber wird vermutlich den Abstieg in die BWOL bedeuten, den bitteren Abstieg. Obwohl der TVP in Pforzheim gewonnen und damit – ohne eigenes Mitwirken – am kommenden Samstag noch eine Chance hat.

Es ist verrückt: Vor dem letzten Spieltag sind die Plochinger in ihrer Abstiegsrundengruppe Erster, trotzdem wird es vermutlich nicht reichen.

Denn es ist kaum damit zu rechnen, dass Kirchzell oder Willstätt nicht ihren Matchball verwerten und gewinnen werden. Eine der Mannschaften müsste gegen einen abgeschlagenen Gegner einen Punkt lassen, damit die Plochinger Drittligist bleiben. Am Ende werden denen wohl doch die zu vielen schlechten Spiele auf die Füße fallen. Denn hätten sie gegen Willstätt – in der regulären Saison – und gegen Kirchzell – in der Abstiegsrunde – trotz jeweils eines Sieges nicht den direkten Vergleich verloren, wären die Rechenspiele jetzt andere.

Die Besten zweier bärenstarker Mannschaften unter sich: Timo Durst (am Ball) und Zweibrückens Philipp Kockler.

Sollte es runtergehen, wäre das nicht ganz unverdient. Sollte es doch noch irgendwie reichen, stünde die Mannschaft beim Blick auf den sich abzeichnenden Kader in der kommenden Saison vermutlich besser da als in der bald abgelaufenen. Auch das wäre verrückt. Aber erst heißt es ja abwarten und hoffen.

Das müssen in der Verbandsliga zum Glück weder der TSV Denkendorf, noch die SG Hegensberg/Liebersbronn und der TSV Köngen. Dieser Part kommt in der merkwürdigen Konstellation der HSG WiWiDo zu, die als Zehnter nun noch bangen muss, was von oben runterkommt und ob sie wiederum in die Landesliga müssen. Wobei das schon sehr bitter wäre: mit 24:24 Punkten absteigen. Das hätte für das EZ-Land-Trio genauso gegolten. Aber gut so, dass alle drei drinbleiben.

Und auch gut so, dass es nun am Freitag im Saisonabschluss-Derby zwischen dem Team Esslingen und Heli um nichts mehr geht. Zumindest sportlich. Um dieses Thema werde ich mich in dieser Woche auch noch kümmern. Im Vorfeld und am Freitag vor Ort in der Schelze.  


Knurren in Nellingen

Der Lichtblick im Nellinger Spiel: Chiara Baur. Fotos: Rudel (4)/Kehle

Es liegt mal wieder ein Handball-Wochenende hinter uns, das es in sich hatte. Und das, obwohl für einzelne Teams die Saison schon beendet ist – Stichwort Aufstieg des TSV Wolfschlugen in die BWOL. Zwei Hauptthemen hatte das Wochenende: Alle drei Drittligisten aus dem EZ-Land hatten in der Abstiegsrunde ein Heimspiel und alle drei haben gewonnen. Und in der Verbandsliga spitzt sich der Abstiegskampf zu – so ungefähr übrigens auch die Überschrift heute in der EZ.

Drei Drittligisten haben ein Heimspiel, davon zwei am Sonntagabend. Da heißt es in der Redaktionsplanung: Abwägen. Das Ergebnis: Ich bin nach Nellingen gegangen, unsere Mitarbeiterin Steffi Gauch-Dörre ist nach Plochingen gegangen und nach Neuhausen haben wir „nur“ unseren Fotografen geschickt.

Evi Valsama ist eine der Nellinger Talente – und hat zurzeit viele Spiele zu absolvieren.

Die Entscheidung war insofern richtig, als dass die Nellingerinnen einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib gemacht haben, die Plochinger einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib gemacht haben und die Neuhausener einen großen Schritt in Richtung Klassenverbleib gemacht haben. Aber: Hätten die Plochinger verloren, wären sie so gut wie weg vom Fenster gewesen, hätten die Nellingerinnen verloren, wäre es für sie sehr schwierig geworden und hätten die Neuhausener verloren, wäre für sie trotzdem noch alles drin gewesen.

Einer von mehreren Lichtblicken im Neuhausener Spiel: Philipp Keppeler.

Ich werde am kommenden Samstag so vermutlich das Vergnügen haben, von der endgültigen Sicherung der MadDogs zu berichten. Aus Plochingen berichtete Steffi an diesem Sonntag Erstaunliches und Erfreuliches: Angesichts gewisser personeller Probleme überzeugen beim TVP gerade in der entscheidenden Phase der Saison Spieler, von denen man das über den bisherigen Verlauf der Saison nicht uneingeschränkt sagen kann. Und die Mannschaft hat sich vom schwachen Auftritt in Kirchzell nicht aus der Ruhe bringen lassen und durch den Sieg im Rückspiel die Chance auf den Klassenverbleib am Leben gehalten. Mehr noch: Ich glaube, jetzt klappt es auch.

Hat sich gut bei den MadDogs eingefunden: Simon Kosak.

Die Situation in Nellingen war eine ganz andere. Auch die Hornets haben das Hinspiel bei Gegner TG Pforzheim verloren. Und auch sie haben das Rückspiel gewonnen und dadurch beste Chancen, in der kommenden Runde in der 3. Liga zu spielen. Aber im Gegensatz zu den Männern aus Neuhausen und Plochingen war vor der Saison nicht zu erwarten gewesen, dass sie in die Entscheidungsspiele müssen. Und im Gegensatz zu den Neuhausenern und den Plochingern sind sie dem nervlich kaum gewachsen.

Ich kann es nicht anders sagen: Ich habe selten ein schwächeres Handballspiel gesehen. Die sichtbar unterlegenen Pforzheimerinnen haben gekämpft, die Nellingerinnen waren gehemmt und haben sich nur so irgendwie zum wichtigen Sieg durchgewurstelt. Dazu kamen – ihr wisst, ich bin Schiri-Freund und schreibe das nur ungern – Unparteiische, die nie ein Gefühl für das Spiel bekommen haben. Das kommt auch mal vor. Insgesamt haben wohl die Hornets-Fans Recht behalten, die nicht wie ich vom Grillen mit Freunden aufgestanden und in die Halle gegangen sind. Gerade mal gut 150 Zuschauer waren da, und das beim vielleicht wichtigsten Spiel der Saison.

Grund zur Freude beim TV Plochingen.

Bin ich zu hart? Ich schreibe ja auch, und das natürlich viel lieber, wenn ich gut finde, was ich sehe – und das war in meiner langen Geschichte als Handballberichterstatter wahrscheinlich sogar kaum so oft wie über Nellingen.

Was ich in diesem Zusammenhang auch noch erwähnen muss: Mein extra zum Spiel lanciertes Porträt über Nellingens Mit-Trainer Dieter Döffinger hat großen Spaß gemacht. Kein einfacher Typ, ein guter Typ – ich hoffe und habe zu meiner Freude dahingehende Rückmeldungen bekommen, dass ich ihn mit meinem Text gut getroffen habe. Irgendwie hat mich Dieter Döffinger und auch meine Herangehensweise an seine Person an zwei Trainer erinnert, mit denen ich zuvor zu tun hatte, die ich sehr schätze, die ich gerne getroffen und über die ich gerne geschrieben habe: Stefan Haigis und Huub Stevens. Wer alle drei kennt, persönlich oder aus dem Fernsehen, wird es verstehen. Der Knurrer von Nellingen? So weit würde ich nicht gehen. Das Geknurre kam am Samstag in der Sporthalle 1 vor allem von den spärlich besetzten Rängen.

Oskar Neudeck hat in dieser Saison nicht immer überzeugt – gegen Kirchzell aber schon.

Noch über den Abstiegskampf in der Verbandsliga zu schreiben, schenke ich mir jetzt. Das mache ich diese Woche noch in der gedruckten Zeitung (und damit natürlich auch im Online-Angebot der Eßlinger Zeitung) und es bleibt auch hier am Kreis noch die Gelegenheit dazu. Nur so viel: Zwischen HeLi, Denkendorf, Köngen und WiWiDo – in der Tabelle in dieser Reihenfolge – bleibt es spannend und beteiligt sind dabei drei Teams aus dem EZ-Land.


Das Wochenende des Aufstiegsjubels

Jubel eins: Die HSG Ostfildern in Altenstadt. Fotos: oh

Montags kurz vor zehn abends in Süddeutschland (wer versteht die Werbeanspielung noch?). Ein langer Arbeitstag, der nicht richtig enden wollte – aber irgendwie muss ich nach diesem Handball-Wochenende noch was schreiben. Wenn es dann erst morgen fertig wird, auch gut.

Ich habe heute wieder unser Fußball-Nachspiel geschrieben – der Klassiker in der EZ-Sportberichterstattung. Habt ihr als Handballer es gelesen? Der Einstieg lautete: „Es war zwar kein Fußball-Wochenende der Entscheidungen. Das blieb den Handballern der Region vorbehalten, die im Saisonendspurt allerdings auch schon einige Meter weiter sind.“

Genau, im Fußball sind am Wochenende einige Vorentscheidungen gefallen. Das gilt für den Handball auch, wenn man etwa den Sieg der Köngener Männer oder die Niederlage der Denkendorfer Frauen anschaut. Oder vielleicht auch den Sieg der Neuhausener Drittliga-Männer. Aber im ein oder anderen Fall kann man das „Vor“ vor dem „Entscheidung“ weglassen. Gleich bei drei Köngener Teams, den Kreisliga B-Männern, den Bezirksklasse-Frauen und den Verbandsliga-Frauen. Und bei den Verbandsliga-Männern der HSG Ostfildern.

Jubel zwei: Der TSV Köngen in Unterhausen.

In der Montagausgabe der EZ geht es ja recht eng zu. Das liegt vor allem daran, dass es – das wurde mir kürzlich erst wieder bestätigt – in Deutschland keine solche Breite in der Handballspitze gibt wie hier. Was also tun? Wir haben vom Aufstieg der Köngener Frauen und der Ostfilderner Männer berichtet und ein Jubelbild veröffentlicht  – und ziehen in dieser Woche noch mit zwei Aufstiegsgeschichten nach. Die zu Köngen habe ich schon anrecherchiert, die zu Ostfildern wird auch noch.

Die Köngener Frauen haben die Nicht-Qualifikation zur eingleisigen Württembergliga korrigiert. Und das so was von souverän. Auch das Spitzenspiel bei der SG Ober-/Unterhausen haben sie gewonnen und damit ihre weiße Weste behalten und sich vorzeitig die Meisterschaft gesichert. Es wird in der Mittwochausgabe der EZ noch genauer nachzulesen sein, aber auch ohne große Veränderungen im Team dürfte es auch in der Württembergliga für eine ordentliche Rolle reichen. Wobei sich die Köngenerinnen durchaus noch mit ihren Bekannten beim TSV Denkendorf und TV Reichenbach unterhalten dürfen, worauf es da ankommt.

Ostfildern, da dürften sich alle einig sein und das habe ich in den vergangenen Wochen auch immer wieder gehört, ist der verdiente Meister der Verbandsliga. Das Projekt HSG unterscheidet sich durchaus ein bisschen von dem der anderen Vereine in der Region, ist aber ein spannendes. Die Mannschaft ist souverän durch die Saison gelaufen. Was sie aber vielleicht am meisten ausgezeichnet hat: Auch wenn es auf dem Spielfeld nicht so souverän war, hat sie sich durchgesetzt.

Jetzt könnte man Abstriche beim jüngsten 32:32 beim bisherigen Schlusslicht TV Altenstadt machen. Nur durch die Schützenhilfe des Team Esslingen gegen den TV Steinheim, der seit dem Abbrennen seiner Halle und der anschließenden Klatsche in Ostfildern ziemlich durch ist, hat die HSG den Aufstieg vorzeitig sicher. Vorzeitig heißt in diesem Fall aber, dass sie es sonst eben im nächsten Spiel gemacht hätten.

Nun wird es ein Schaulaufen, begleitet schon von Gedanken an die kommende Saison. Das wird richtig spannend. Manuel Späth wird nach seiner Rückkehr aus Hamburg der mit weitem, weitem Abstand prominenteste Spieler der Württembergliga sein. Er ist ein Trumpf, aber weiß wie alle seine zukünftigen Mitspieler, dass einer allein die Liga nicht rocken kann. Handball ist und bleibt ein Mannschaftssport.

Ziemlich sicher werden die Ostfilderner in der Württembergliga auf den TSV Deizisau treffen und möglicherweise auch auf den TSV Wolfschlugen – obwohl der am Wochenende einen großen Schritt Richtung BWOL gemacht hat. Warum das Duell der beiden Teams am kommenden Sonntag nun höchst wahrscheinlich doch nicht das Endspiel um den Aufstieg wird, lest ihr in dieser Woche noch in der EZ. Wie ihr es kennt, in Form einer Personality-Geschichte. Auch die steht bei mir in den kommenden Arbeitstagen auf der Agenda. Und das hier mache ich morgen fertig. Dienstagvormittag in Süddeutschland ist auch okay, statt Montagabend, 22:18 Uhr.


Fehler im System

Nachdem mein Kommentar zum Text über die Abstiegsrunde des TV Nellingen noch nicht online ist, nutze ich die Gelegenheit, ihn einfach hier im Blog zu bringen. Was meint ihr dazu?

Fehler im System

Die Abstiegsrunde in der 3. Handball-Liga nach dem momentanen Muster war kein guter Wurf.

Es ist richtig: Lösen die Handballerinnen des TV Nellingen ihre Aufgaben in der Abstiegsrunde, zu der sie durchaus selbstbewusst antreten können, dann bleiben sie in jedem Fall in der 3. Liga. Es ist grundsätzlich auch gut, das es der Deutsche Handball-Bund (DHB) wie andere Verbände den Vereinen angesichts der Coronapandemie erleichtert, Spiele zu verlegen oder abzusagen. Und es stimmt, dass Lösungen für den Auf- und Abstieg gesucht werden mussten, die ohne die Pandemie nicht nötig gewesen wären.
Aber: Dass Teams zu so – nicht nur für sie selbst – wichtigen Wettbewerben wie einer Abstiegsrunde nicht antreten, obwohl sie das personell könnten, ist unsportlich und unfair gegenüber den Konkurrenten, die um ihre sportliche Chance spielen und bangen. Dass der DHB den Vereinen aber überhaupt die Gelegenheit gibt, dies zu tun, ist ein Fehler im System.


Die momentane Regelung mit der Abstiegsrunde, in die die Punkte mit Konkurrenten aus der eigenen vorherigen Staffel mitgenommen werden, und den daraus resultierenden Rechenspielen am Ende der regulären Saison, war ein Versuch – aber kein guter Wurf. Das dürften sie selbst bei den Männern des TV Plochingen so sehen, die in einer normalen Saison vermutlich längst abgestiegen wären und nun gute Chancen haben, Drittligist zu bleiben. Der DHB muss aus dieser Situation lernen – oder hoffen, dass die Pandemie in Zukunft keine Experimente erfordert, die scheitern können.


Anständige Spieler, gute Schiedsrichter

So muss es sein: Die Handballerinnen spielen Handball und der Schiri arbeitet im Hintergrund. So gesehen am Samstag in Nellingen. Fotos: Rudel, Paesler

Was gab es in den vergangenen Wochen wieder Diskussionen über die Handball-Schiedsrichter. Naja, die gibt es ja in jedem Spiel, egal, wie gut die Damen oder Herren ihren Job machen. Das ist eins meiner Lieblingsthemen, wie ihr nicht erst seit „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ wisst.

Beim Verbandsliga-Derby zwischen der SG Hegensberg/Liebersbronn und dem Team Esslingen vor drei Wochen etwa hallte nicht nur – und hallt bis heute – der Zwist zwischen einigen Fans beider Mannschaften nach. Auch auf den Text meines Kollege Andreas Pflüger, in dem er, ganz sachlich, festgehalten hatte, dass das Unparteiischen-Duo mit einigen unglücklichen Entscheidungen die Hektik im Spiel zumindest begünstigte, zog ein paar Reaktionen nach sich. Aber alles geklärt und alles gut.

Sachlich formulierte Kritik muss möglich sein, gegenüber Handballern, Trainern, Schiedsrichtern und Journalisten. Lob aber auch. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle an diesem Nach-dem-Handball-Wochenende-Montag einfach mal festhalten: Ich war am Freitag beim Verbandsliga-Derby zwischen Köngen und Ostfildern und am Samstag beim Frauen-Drittligaspiel zwischen Nellingen und Allensbach. Und sowohl die Herren Kai-Peter König und Thomas Leykauf aus Flein und Biberach als auch André Geiss und Marco Kretzler (Kronau/Östringen) fand ich richtig klasse.

Freitagabend in Köngen: Der Mann in Rot hat alles im Blick.

Die beiden Duos hatten einen unterschiedlichen Stil, der von beiden war gut. König/Leykauf kommunizierten viel, zogen ihre Linie durch und zeigten in einigen Situationen Fingerspitzengefühl. HSG-Coach Marco Gaßmann meinte hinterher, er hätte sich den einen oder anderen Pfiff anders gewünscht. Aber welcher Trainer kann das nach einem Spiel nicht sagen? Eine gewisse Fehlerquote muss man allen zugestehen, Spielern, Trainern wie Schiedsrichtern.

Als ich in der Halbzeit einem der beiden auf dem Weg zur Kabine von meinem Presseplätzle aus kurz zurief „alles im Griff“, bekam ich die einfache, nette und schwäbische Antwort: „Ach, die send ja au oaständig.“

Geiss und Kretzler in der 3. Liga kamen sehr professionell rüber. Ganz ruhig und sich ihrer Sache sicher. Sie kommunizierten auch, aber vor allem miteinander. Als ich mir mit Hallensprecher, Spielleiter und was weiß ich sonst noch beim TVN Bernd Aichele einig war, dass da was gepfiffen wurde, was da nicht war, hab ich einen Blickkontakt zwischen den Schiris beobachtet. „Da war nix“ schien der eine zu signalisieren, der nicht gepfiffen hatte. „Okay“, nickte der andere. Nichts passiert, die neue Szene wird neu bewertet. Auch Aichele fand nicht alles gut, ein bisschen Vereinsbrille hat man ja schon. Aber er ist selbst Schiedsrichter und konnte wohl mit dem Auftritt der Kollegen sehr gut leben.

Ich fand es sehr angenehm. Ein Wochenende, zwei gute Handballspiele und vier gute Schiedsrichter.

Habt eine gute Woche. Nächstes Wochenende stehen wieder spannende Spiele an – aber nicht erst dann: Am Mittwoch treffen sich die zweiten Mannschaften von Team und HeLi zum kleinen Derby. Alle „oaständig“ bleiben bitte!


Erster und Drittletzter – gar nicht so weit voneinander entfernt

Kein leichtes Spiel für Reichenbachs Alexander Stammhammer im Derby gegen Köngen. Fotos: Rudel

Am Freitagabend erwartet der TSV Köngen in der Handball-Verbandsliga die HSG Ostfildern. Es ist eines dieser Spiele, die zeigen, welche verrückte Geschichten der Sport schreiben kann – in diesem Fall im Vorfeld. Die Köngener haben in der laufenden Saison 17 Spiele absolviert, sieben davon gewonnen und zehn verloren. Das ist freilich keine gute Bilanz, aber nach dem drittletzten Platz sieht das auch nicht aus. Ist aber so.

Ostfildern dagegen hat ebenfalls 17 Begegnungen hinter sich, davon 14 gewonnen und drei verloren – und ist Erster. Dass am Freitag die Favoritenrollen zwar klar verteilt ist, es aber doch nicht ganz so klar ist, zeigt ein Blick auf die Bilanz des Jahres 2022 – und damit die nach dem letzten Aufeinandertreffen, in dem im für beide Mannschaften letzten Spiel in 2021 die HSG deutlich mit 30:24 gewann.

Vor dem Spiel setzen beide Teams ein Zeichen – es gibt Wichtigeres als Handball.

Beide Mannschaften sind mit einer Niederlage ins Jahr gestartet – Ostfildern daheim gegen die die MTG Wangen, in deren „Hölle Süd“ die Köngener anschließend gewannen. Die Bilanz 2022: Ostfildern sieben Spiele, davon sechs gewonnen – Köngen ebenfalls sieben Spiele, davon fünf gewonnen.

Das klingt jetzt nicht mehr nach so einem großen Unterschied, zumal die Köngener auch unerwartete Erfolge eingefahren haben: Der gegen Wangen eben und am Sonntag der mit 32:27 beim TV Reichenbach. Die Niederlagen gab es gegen Kirchheim und ganz knapp gegen den Nachbarn aus Denkendorf, der übrigens am Samstag einen ganz wichtigen Sieg gegen WiWiDo geschafft hat.

Köngens Niklas Schmid wirft mit Wucht aufs Tor.

Es ist also angerichtet für ein möglicherweise spannendes Spiel am Freitag. Zusätzlich Brisanz, aber das will ich hier gar nicht so groß ausdappen, liegt freilich in den Personalien der beiden Trainer. Köngens bislang sehr erfolgreicher „Feuerwehrmann“ Sinisa Mitranic war zuvor Marco Gaßmanns Chef bei der HSG, ehe sich die Spielgemeinschaft von ihm trennte und Gaßmann beförderte. Das Ganze ging nicht ganz reibungslos und nicht ohne Emotionen ab – und es ist nun am Freitag auch das Duell der Generationen und überhaupt der Herangehensweise. Ich kenne beide aber gut genug, dass ich mir sicher bin, dass sie nicht nachkarten und sich die Hand geben werden.

Jubel beim TV Plochingen.

Zum Abschluss für heute noch was sehr Erfreuliches – und ein Thema, das uns auch noch in den kommenden Wochen beschäftigen wird: Sowohl der TV Plochingen als auch der TSV Neuhausen sind erfolgreich in die Abstiegsrunde der 3. Liga gestartet – die der DHB offiziell „Klassenverbleibsrunde“ nennt. Die Neuhausener sind auswärts beim mutmaßlich stärksten Gegner HSG Bieberau/Modau angetreten und haben mit 34:31 gewonnen. Damit hat die Mannschaft schon 6:0 Punkte und wirklich beste Chancen. Aber bloß nicht nachlassen, heißt das Motto.

Axel Goller zeigt gegen Großsachsen wieder mal ein starkes Spiel.

Gut sieht es auch für den TVP nach dem 28:22-Heimauftakt gegen Germania Großsachsen aus. Tabellenführer! Das Gefühl hatten die Plochinger schon lange nicht mehr, auch wenn es jetzt nur in einer Fünfergruppe ist. Mein Kollege Dominic Berner war in der Halle und erzählt von einem über weite Strecken selbstbewussten Auftritt. Vielleicht wird ja doch noch alles gut für unsere Drittligisten. Nach dem Ende ihrer regulären Saison am kommenden Samstag sind dann auch die Frauen des TV Nellingen in der Abstiegsrunde gefordert. Und auch für sie sehe ich gute Chancen, den Klassenverbleib zu schaffen.

Gute Woche allen, vielleicht schaut ihr euch an deren Ende ja das Derby in Köngen an.


Pikard: Ich würde es vielleicht nicht mehr machen

Helis Noah Herda beim Wurf. Team-Trainer Volker Pikard (hinten, kniend) beobachtet die Szene. Fotos: Jörn Kehle

Kaum zu glauben, aber aus verschiedenen Gründen hatte es das, also DAS, Esslinger Stadtderby zwischen der SG Hegensberg/Liebersbronn und dem Team Esslingen seit sieben Jahren nicht mehr gegeben. Über das am Samstagabend an der Römerstraße wird man in der hiesigen Handballszene aber noch eine Weile reden. Und es wird wohl fast eben diese Weile brauchen, bis alle Emotionen verraucht sind. Es war klar, dass es heiß werden würde. Es war klar, dass es umkämpft sein würde. Aber, sagen wir mal so: Der Autor dieser Zeilen lag mit seiner Einschätzung im Vorfeld, zwischen den beiden Spielgemeinschaften gebe es eine „Rivalität mit einer freundschaftlichen Note“ nicht ganz richtig. Zumindest, was dieses Spiel betrifft. Es gibt auf beiden Seiten Leute, die sich schätzen, es gibt welche, die sich mögen, es gibt welche, die schon immer sticheln.

Die Stichler haben nun ein bisschen mehr Futter bekommen. Das hat auch mit der Szene 29 Sekunden vor Schluss zu tun. Aber nicht ausschließlich, wie der erklärt, der sie ausgelöst hat. Bei einer Fünf-Tore-Führung eben zu diesem Zeitpunkt nahm Team-Trainer Volker Pikard eine Auszeit. Da, das ist klar, ging es nicht mehr um taktische Anweisungen, um den Vorsprung über die Zeit zu bekommen. „Ich habe lange mit mir gerungen, dann habe ich mich dazu entschieden“, erklärt der Coach – und bezeichnet es angesichts des sicheren Sieges als Reaktion „auf einen respektlosen Instagram-Post von Hegensberg/Liebersbronn am Freitag“. Eine Provokation als Reaktion auf eine Provokation.

Die Team-Spieler Marco Adelt (links) und Jakob Guhl nehmen Fabian Sokele in die Zange.

Er wisse nicht, von wem dieser Post kam und ob er in der SG-Mannschaft bekannt sei, sagt Pikard. Jedenfalls ist er mittlerweile gelöscht. Seine Reaktion aber ist in der Welt. HeLi-Trainer Armin Dobler, der sich im Vorfeld sehr wertschätzend über den Kollegen geäußert hatte, wollte die Sache gleich nach Spielschluss mit Pikard klären. Das Gespräch fiel offensichtlich kurz aus. Am heutigen Montag, der Ärger ist noch nicht ganz abgeklungen, sagt Dobler: „Für mich bleibt das ein unsportliches Verhalten.“ Was dem vorausgegangen sei, habe er nicht mitbekommen und sei für ihn auch nicht entscheidend: „Ich versuche, mich aufs Sportliche zu konzentrieren. Vor und während des Spiels lag darauf auch der Fokus.“

Pikard hat derweil einige Reaktionen auf die Aktion bekommen – in der Natur der Sache und des Blickwinkels liegend positive wie negative. „Ich wäre vielleicht auch sauer gewesen“, zeigt er ein gewisses Verständnis für die andere Seite. Und antwortet auf die Frage, ob er es wieder tun würde: „Ich glaube, vielleicht nicht.“

Auch Henning Richter hat einen schweren Stand.

Dabei hätte das Sportliche nach dem 30:25-Sieg des Teams alleine genug Stoff für Diskussionen gegeben. Etwa die Frage, ob die Rote Karte gegen Marcel Planitz in der 23. Minute gerechtfertigt war. Für die meisten bei HeLi war sie das nicht und auch mein Kollege Andreas Pflüger, der in der Halle war (und selbst ehemaliger Handballer ist) bezeichnetet die Szene als „harmlose Abwehraktion“. Pikard sah das anders. „Ich hätte vielleicht nicht Rot gegeben, aber das wird nach der neuen Regelauslegung oft so entschieden“, sagt er, „aber zwei Minuten waren es mindestens, es war ein Stoßen in der Luft.“

Beide Trainer betonen indes, dass sie die Stimmung drumherum und etwa die Gesänge beider Fanlager in Ordnung fanden. Und auch ein gewisses Maß an Emotionen. Die Heli-Anhänger müssen erdulden, dass sich das Team nun wieder als die Nummer eins des Esslinger Handballs fühlt und feiert. Wobei gerade Pikard betont, dass der Unterschied wahrlich nicht groß sei. In Zahlen: Drei Tabellenplätze und aufgrund der unterschiedlichen Zahl an Spielen ein Minus- beziehungsweise drei Pluspunkte.

Und am Ende jubelt an der Römerstraße das Team.

Auszeit-Nehmer Pikard hofft indes, „dass sich die Wogen bald glätten“. Er wolle auch noch mal mit Dobler das Gespräch suchen. Immerhin haben die beiden Spielgemeinschaften auch gemeinsame Projekte wie das Marktplatzturnier oder den kommenden EZ-Pokal. Und überhaupt ein gemeinsames Interesse, den Esslinger Handball voranzubringen. Dafür sind Derbys durchaus gut. Und das Salz in der Suppe. Derbys mit Emotionen. Aber in einem fairen Rahmen.

Pikard präzisiert noch, in welchem Zeitraum er sich das Glätten der Wogen vorstellt. Bis zum nächsten Aufeinandertreffen dauert es keine sieben Jahre, sondern laut Plan knapp zehn Wochen. Letzter Spieltag, 20. Mai, 20 Uhr 15, Schelztorhalle.


Solidarität in verschiedenen Dimensionen

Ein Kuvert von den Denkendorfern für die Steinheimer. Fotos: TSV Denkendorf (1), Rudel

Es sind Zeiten, wie wir sie in dieser Generation noch nicht erlebt haben. Bei allem, was in der Welt passiert, gibt es aber auch noch die kleinen Dramen, die keine große Aufmerksamkeit auf sich ziehen, für die Betroffenen aber sehr wohl große Dramen sind. Die Überschrift „Enttäuschung und Solidarität“ über dem Text meiner Mitarbeiterin Laura Dobler in der heutigen EZ-Ausgabe bezieht sich auf etwas, das die Handballszene beschäftigt, speziell die in Steinheim im Kreis Heidenheim – und dort natürlich die gesamte Gemeinde.

Die Wentalhalle in Steinheim ist in der Nacht zum Samstag abgebrannt. Am Samstagabend hatten die dort beheimateten Verbandsliga-Handballer ein Auswärtsspiel, und zwar beim TSV Denkendorf. In vielen Hallen und auch auf vielen Fußball-Plätzen, etwa in Baltmannsweiler, gab es am Wochenende Schweigeminuten und Solidaritätsbekundungen für die Ukraine. In Denkendorf haben sie spontan beschlossen, einen Teil der Einnahmen aus dem Heimspiel den Steinheimern zu überlassen. Eine ganz andere Dimension, aber eine schöne Geste. Eine, wie ich finde, die man nicht mit dem großen Ganzen vergleichen darf, aber die gut ist.

So sehr sich die Denkendorfer auch mühen, Steinheim ist zu stark.

Wenn man auf die Homepage der Steinheimer Handballer schaut, dann sieht man dort ein Statement, mit dem sich der Verein für die überwältigende Solidarität bedankt. Und Fotos der Halle von früher und von Samstag. Es kann sich wohl jeder Sportler ausmalen, was es bedeutet, von einer Nacht auf die andere keine Trainings- und Spielstätte mehr zu haben.

Die Farben stimmen fast: Die Fußballer beim Kreisliga-B-Spitzenspiel in Baltmannsweiler denken an die Ukraine.

Auch die nächste Partie der TV-Handballer findet laut Spielplan auswärts statt. Es ist die Top-Begegnung des Spieltages bei der HSG Ostfildern. Zweiter gegen Erster. In Denkendorf haben die Steinheimer überzeugt und deutlich mit 38:28 gewonnen. Darauf bezog sich der Begriff „Enttäuschung“ in der Überschrift, aus Denkendorfer Sicht natürlich. Mal sehen, wie es am Samstag in der Körschtalhalle sein wird. Die Ostfilderner jedenfalls, da bin ich mir sicher, werden auch mit den Steinheimern mitfühlen. Und trotzdem in der Partie alles geben. Das nächste Heimspiel der Steinheimer ist gegen den TV Reichenbach geplant. Der sich übrigens klammheimlich auf Platz drei hochgearbeitet haben. Also wieder ein Spitzenspiel. Wo auch immer und ob überhaupt es stattfinden wird.

Zu einem anderen Thema: Eine erstaunliche Entwicklung haben die Drittliga-Handballer des TV Plochingen hingelegt. Es sah sehr lange so aus, als könnte der im vergangenen November als Trainer verpflichtete Christian Hörner die Wende mit der Mannschaft nicht schaffen. Hörner aber wiederholte nach jeder Niederlage, dass er die TVP-Handballer bis zur Abstiegsrunde in die Spur bekommen wolle. Die beginnt Ende März – und mittlerweile hat die Mannschaft drei Siege auf dem Konto und ist auch nicht mehr Letzter. Die jüngste Bilanz liest sich gar ganz hervorragend: Drei Siege aus vier Spielen.

Geballte Faust bei Plochingens Trainer Christian Hörner – völlig zurecht.

Schwer wird es in der Abstiegsrunde trotzdem. Aber vor allem der 30:28-Sieg am Samstag gegen die TSG Söflingen dürfte mächtig Auftrieb geben. Aufgrund von Coronafällen wollten die Plochinger das Spiel absagen, aber die Söflinger wollten das nicht und der DHB lehnte den Antrag ab. Das steigerte die Motivation nur – und es wurde tatsächlich ein Sieg.

Das Spannende und Brisante daran: Stand vor dem Spiel wären die Plochinger und Söflinger gemeinsam in eine Abstiegsrundengruppe gegangen, in der man gegen seinen bisherigen Ligakonkurrenten nicht mehr antritt, aber die Punkte mitnimmt. Das kann eine Hypothek oder ein Vorteil sein. Und es führt dazu, dass die Mannschaften sich jetzt eben vor allem auf die Spiele gegen diese Konkurrenten konzentrieren. Durch den Plochinger Sieg aber hat sich die mögliche Konstellation schon wieder geändert – nun wären tatsächlich der TVP und der TSV Neuhausen in einer Gruppe. Gemeinsam mit HSG Rodgau Nieder-Roden, SV 64 Zweibrücken, HSC Coburg II und HSG Friesenheim/Hochdorf II. Nur zwei der sechs Konkurrenten bleiben Drittligist.

Das passende Bild zur EZ-Überschrift: „Mehr Kampf als Taktik“.

3:1-Punkte hieße es da für Neuhausen. Aber es kann sich auch wieder ändern. Plochingen spielt als nächstes beim Letzten Günzburg, Neuhausen erwartet Balingen-Weilstetten II, das gerade auf den Abstiegsrundenplatz sieben abgerutscht ist. Es bleibt spannend.

Und heute Abend geht es für mich noch zum Drittliga-Frauen-Derby zwischen dem TSV Wolfschlugen und dem TV Nellingen. Spielbeginn 20.30 Uhr. Da muss ich es ganz schön laufen lassen, denn der Text wird morgen in der EZ sein. Und ziemlich schnell, ihr kennt das, online.