Treue Routiniers

Die dynamische Florence Koutny wirft auch in der kommenden Saison Tore für die HSGDD - wen wundert's? Fotos: Rudel
Die dynamische Florence Koutny wirft auch in der kommenden Saison Tore für die HSGDD – wen wundert’s? Fotos: Rudel

Am Ende rief noch Abteilungsleiter Joachim Steimle vom abstiegsbedrohten Landesligisten Team Esslingen an und verkündete den Zugang von Marco Adelt vom TSV Deizisau für die kommende Saison. Beim Team haben sie ja nach der Verpflichtung von Trainer Vasile Oprea viel vor – Klassenverbleib erstmal vorausgesetzt.

Ansonsten war in dieser Woche bei den Frauen-Teams im EZ-Land einiges los. Zunächst mal hat Württembergligist TSV Wolfschlugen einen Nachfolger für den am Saisonende nach einem Jahr schon wieder scheidenden Trainer Torsten Findeis gefunden: Rouven Korreik kommt von der SG Schorndorf. Wahrscheinlich übernimmt er das Team weiter als Württembergligist, mit dem Aufstieg sieht es ja nicht mehr so gut aus.

Auch Torhüterin Alexandra Brändle geht aus Wolfschlugen weg, sie wechselt eins höher in die BWOL zur HSG Deizisau/Denkendorf. Bei der HSG tut sich einiges. Trainer Veit Wager hat ja schon zugesagt, aber Sina Stumpp versucht es beim wahrscheinlich zukünftigen Drittligisten SC Korb, Meike Fritz hört auf, Bianca Ionita geht zur Polizei nach Bruchsal und Minnette Flaig wird in Bremen Schiffsbau studieren. Interessante Berufe haben sie da bei der HSGDD.

Eigentlich wollte ja auch Urgestein Florence Koutny in den Handball-Ruhestand gehen und an Jüngere übergeben. Dabei ist sie gerade mal 29. Aber wie das mit „eigentlich“ eben so ist: Wenn man so zu einem Verein gehört, dann kann noch so viel Arbeit, elterliche Gastronomie, Freund und Freunde sein – dann bleibt man. Zumal Flo, wie sie mir erzählt hat, gehofft hatte, dass Sina Stumpp ihren Part im Team übernimmt. Tut sie aber nicht.

„Wenn man so lange dabei ist, dann will man nicht zuschauen, wie es den Bach runter geht“, sagt Koutny – hat dann aber doch gleich eingeschränkt, dass das Team in der nächsten Runde schon ganz ordentlich sein wird. Jochen Luik, der Spielleiter, hat auch schon angekündigt, dass es das mit Zugängen noch nicht war und baut zudem darauf, dass sich die jetzigen Spielerinnen so weiterentwickelt haben, „dass wir auf jeden Fall kein schlechteres Team haben werden“.

Koutny will zumindest im Training etwas kürzer treten, bleibt sonst aber – wie wir sie kennen – mit vollem Engagement dabei. „Wer kann schon bei seinem Heimatverein vor der Haustür BWOL spielen?“, fragt sie. Immerhin hat sie bei zwei Aufstiegen ihren Teil dazu beigetragen. Sie weiß aber auch: „Es ist nicht einfach in diesem Umfeld, Spielerinnen zu bekommen, die für den Spaß spielen.“ Mit Geld können sie bei der HSGDD nicht um sich werfen.

Es könnte um die HSG bald einsam werden, wenn Wolfschlugen nicht auf- und gleichzeitig Wernau absteigt. Dann gäbe es im EZ-Land zwar weniger Konkurrenz um Spielerinnen, die BWOL spielen wollen. Aber so recht wäre das Flo dann auch nicht. „Ich fahre lieber zum Derby nach Wernau als nach Steißlingen“, sagt sie. Da geht es morgen hin.

Die dynamische Christine Gall wirft auch in der kommenden Saison Tore für den HCW - wen wundert's?
Die dynamische Christine Gall wirft auch in der kommenden Saison Tore für den HCW – wen wundert’s?

So richtig gut sieht es für die Wernauerinnen aber nicht aus. Sie sind Drittletzter und vier Teams steigen ab. Mit etwas Glück nur drei. Um sicherzugehen, müssen sie zwei Konkurrenten überholen, vor ihnen liegen mit jeweils drei Pluspunkten mehr Lahr und Ottersweier – auch nicht gerade Leichtgewichte. Malsch eins davor ist schon fast nicht mehr einzuholen.

Aber auch die Wernauerinnen lassen sich den Optimismus nicht nehmen. Ich hatte heute Routinier Tine Gall am Telefon – und die strahlt mit ihrer Art ja immer Zuversicht aus. Immerhin hat der neue Trainer Robert Schenker unabhängig von der Ligazugehörigkeit für die kommende Runde zugesagt. Mit den Spielerinnen laufen die Gespräche. Gall jedenfalls hat angedeutet, zu bleiben, „wenn ich verletzungsfrei bleibe“. Sie hat gerade einen Kreuzbandriss hinter sich und findet sich selbst „noch ziemlich langsam“. Aber das wird. „Ich bin nach Wernau gegangen, um hier etwas mit aufzubauen“, sagt sie. „Und wenn wir absteigen, dann will ich wieder aufsteigen.“ So was will man hören.

Schönes Handball-Wochenende allen. In Plochingen findet am Sonntag ja das Württembergliga-Spitzenspiel gegen Wolfschlugen statt. Da geht mein Kollege hin. Ich sehe morgen mal wieder Wasserball – und freu mich schon drauf. Handball im Wasser sozusagen.


Neuhausen ist nicht Köln

Frey-Flug: Philipp Freys Tore sind für die MadDogs wichtig. Foto: Rudel
Frey-Flug: Philipp Freys Tore sind für die MadDogs wichtig. Foto: Rudel

Der TSV Neuhausen ist nicht der VfB Stuttgart. Und der TSV Neuhausen ist nicht der 1. FC Köln. Wie ich zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis komme? Die Maddogs stecken wie die VfB-Fußballer im Tabellenkeller, haben am Wochenende aber durch einen Sieg gegen ein Mittelfeldteam Mut gefasst. Und Neuhausen ist wie Köln eine Fasnet- beziehungsweise Karneval-Hochburg, die Neuhausener Handballer können im Gegensatz zum FC aber nach den verrückten Tagen gewinnen. Die fünfte Jahreszeit ist vorbei, was man auch daran merkt, dass in der Vorschau in der Samstag-Ausgabe nicht mehr steht, dass einem Team Spieler „wegen Verletzung und Fasching“ fehlen.

„Nach der Fasnet gewinnen wir immer“, sagte Neuhausens Torhüter Hans Herrmann jedenfalls nach dem 23:20 gegen die HSG Konstanz. Nur noch ein Punkt ist ein Nicht-Abstiegsplatz entfernt, das müsste doch zu machen sein. Zumal Philipp Frey wieder dabei ist. Wie wichtig der Flügelflitzer ist, merkt man erst, wenn er fehlt. Ich habe ja hier kürzlich über Spieler geschrieben, die den Unterschied machen können – Frey ist so einer. Zehn Tore hat er gegen Konstanz geworfen. Davon zwar sechs Siebenmeter, aber die muss man ja auch erst mal reinmachen, vor allem in engen Spielsituationen.

Also, die MadDogs sind wieder dabei. Jetzt sollten sie aber nachlegen. Am Samstag geht es nach Horkheim. Der TSB steht in der Tabelle zwar hinter Konstanz, aber ist immer ein schwerer Gegner. Und die Neuhausener haben in dieser Saison auch erst ein Mal zwei Spiele in Folge gewonnen. Wobei das bei einem Kellterteam nicht viel bedeuten muss.

Dass zwei drunter in der Württembergliga Spitzenreiter TSV Wolfschlugen das Derby gegen den TSV Zizishauen gewonnen hat, ruft ebenso wenig übermäßiges Staunen hervor wie die Niederlage der Reichenbacher in Blaustein. Aber auch hier hat eine Mannschaft Mut geschöpft: Der Vorletzte HSG Ostfildern hat das Kellerduell gegen die SG Ober-/Unterhausen (mit dem zukünftigen Zizishausen-Trainer Holger Breitenbacher) gewonnen. Der Drittletzte Ober-/Unterhausen hat jetzt nur noch zwei Punkte mehr als die HSG. Der Sieg war sowas von wichtig – um selbst an die Rettung zu glauben, und um den Gegner nicht enteilen zu lassen. Denn für das Noch-Breitenbacher-Team wird es auch eng.

In diesem Zusammenhang ist es manchmal interessant zu schauen, wie es die andere Seite sieht. Die geschätzten Kollegen vom Reutlinger General-Anzeiger haben bei dem Spiel natürlich Ober-/Unterhausen und nicht Ostfildern im Blick. Unter der Überschrift „Seelenlos im Kellerduell“ ist in der heutigen Ausgabe die Rede davon, dass die SG „von einem Mitabstiegskandidaten vorgeführt“ worden sei. Da immer zwei Teams in der Halle stehen, haben die Ostfilderner wohl einiges richtig gemacht. Jetzt geht es zum Zehnten nach Gerhausen. Und in Plochingen steigt am kommenden Sonntag das Spitzenspiel gegen Wolfschlugen.


„Wurfgewalt aus dem Rückraum“

Ich darf euch heute eine Geschichte über Neuhausens Timo Flechsenhar mit obiger Überschrift ans Herz legen. Geschrieben von unserer MadDogs-Expertin Steffi Gauch-Dörre. EZ, Seite 17!

Foto: Rudel
Foto: Rudel


Faschingsferien auch hier – wenn auch nicht bei mir…
Feiert schön, bis nächste Woche!


Balsam-Spiele

Starkes Bild, starkes Spiel: Deizisaus Marcel Killat wirft auf das Willstätter Tor. Foto: Rudel
Starkes Bild, starkes Spiel: Deizisaus Marcel Killat wirft auf das Willstätter Tor. Foto: Rudel

Was für ein gutes Wochenende für die Handballer im EZ-Land – vor allem für die, die Punkte und Erfolgserlebnisse wirklich gebrauchen können gab es einige Balsam-Spiele. Exemplarisch für andere steht heute in der EZ (Seite 23) über dem Text vom 30:27-Sieg des Team Esslingen gegen die SG Kuchen/Gingen „Wir können es noch“.

Der Esslinger Landesligist hat den ersten Sieg unter dem neuen Trainer Vasile Oprea eingefahren, und ich bin mir sicher, dass sich sein Vorgänger Thomas Freiwald auch sehr darüber freut. Das Team ist weiterhin Vorletzter, aber das wird schon.

Gleiches gilt für die HSG Ostfildern eine Klasse drüber. „Land in Sicht“ hat Co-Trainer Matthias Wichary nach dem 29:26 beim SC Vöhringen ausgerufen – und unsere Mitarbeiterin hat natürlich gleich die Überschrift draus gemacht (Seite 22).

Zu toppen ist das nur durch das, was meine Kollegin Steffi Gauch-Dörre über ihren Text zum 33:22-Kantersieg des TSV Deizisau in der BWOL gegen den TV Willstätt geschrieben hat: „Unfassbar gut“. Also das muss wirklich richtig klasse gewesen sein, denn bei uns in der Redaktion gilt die Regel, dass man mit Superlativen oder sonst besonders ausdrucksstarken Vokabeln vorsichtig umgehen soll. Denn wann man eine ordentliche Vorstellung als Weltklasse bezeichnet, was will man dann noch schreiben, wenn es wirklich Weltklasse ist? Okay, ich habe in der heutigen EZ auch von Weltklasse geschrieben, allerdings betraf das einen gewissen Herrn Alaba in einer anderen Sportart. Und das war Weltklasse. Andere Geschichte.

Für die Deizisauer freut es mich jedenfalls, weil sie nach bislang richtig guter Saison eine kleine Durststrecke zu durchlaufen hatten. Gefreut habe ich mich gestern auch für den Württembergligisten TV Reichenbach. Was macht man, wenn man drei Mal in Folge gegen ein Team, das hinter einem steht, nur ein Unentschieden geholt hat? Man schlägt eine Mannschaft, die vor einem steht. Das 29:28 gegen HV RW Laupheim tut den TVR-Spielern auch deshalb gut, weil das Spiel auch mit einem 29:29 hätte enden und sie sich darüber nicht hätten beklagen können. Die Erleichterung war entsprechend groß.

Nur beim Drittligisten TSV Neuhausen hat es mal wieder nicht geklappt mit einem überraschenden Punktgewinn. Und auch die MadDogs sind Vorletzter und damit in Abstiegsgefahr. Der Realitätssinn der Neuhausener aber gibt Anlass zur Hoffnung. Torhüter Hans Hermann, der nach Auswärtsspielen immer bei uns anruft, jedenfalls drückte sich nach dem 25:29 in Nußloch klar aus. „Die einzelnen Fehler, die wir gemacht habe, zeugen eher von einem Rückschritt“, hat er gesagt. Trotzdem blickt er positiv in die Zukunft und zwar aus einem einfachen Grund: Jetzt ist Fasnet. „Und danach kommt Neuhausen immer gestärkt zurück.“ Na dann los.


Kollektiv und Individualisten

Marco Neusser ist für den TSV Deizisau ein Gewinn. Foto: Rudel
Marco Neusser ist für den TSV Deizisau ein Gewinn. Foto: Rudel

Heute auf Seite 17 der EZ steht meine Geschichte über Marco Neusser vom TSV Deizisau. Wir machen das ja generell gerne, etwas weg von der 1:0-Berichterstattung, Personal-Geschichten interessieren immer. Und es macht auch Spaß, sie zu schreiben.

Am vergangenen Sonntag konnte Neusser die Niederlage des BWOL-Aufsteigers in Schwetzingen nicht verhindern. Er hat kein Tor erzielt, wobei das auch nicht zu seinen Hauptaufgaben zählt. Trotzdem habe ich das Hinspiel gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen als Einstieg für die Geschichte gewählt. Denn damals hat Neusser, obwohl es nach über einem Jahr Pause erst wieder sein zweites Spiel war, den Unterschied gemacht.

„XY macht den Unterschied“. Das ist eine Überschrift, die auch in der EZ immer mal wieder zu lesen ist. Bei verschiedenen Sportarten. Aber geht das heute überhaupt noch so? In einer Zeit, in der das Kollektiv immer wichtiger wird, in der Taktiktreue immer entscheidender wird, in der Fitness genauso wichtig ist wie Talent und Können. Oder anders ausgedrückt: In der Talent und Können die Grundvoraussetzungen sind, ein Spieler ohne Fitness aber durchs Raster fällt.

Im Handball ist es vielleicht nicht ganz so extrem wie im Fußball, aber auch hier haben Tempo und Athletik in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Man muss sich nur mal Spiele von früher anschauen. Oder die Statur der Spieler. Am deutlichsten ist es bei den Kreisläufern: Früher waren das die Wendigen, heute sind es die Brecher. Auch Marco Neusser, der ja nicht gerade ein Hüne ist, hat in dem spielfreien Jahr viel Zeit im Kraftraum verbracht hat. Das kommt ihm heute zugute.

Wie ist das nun mit dem Kollektiv und den Individualisten? Sagen wir mal so: Ein nicht funktionierendes Kollektiv kann nicht gewinnen, aber am Ende ist es immer noch so, dass ein guter Einzelspieler für die entscheidende Aktion sorgen kann. Dass muss nicht immer ein Leistungsträger sein, sondern auch mal einer, der an diesem Tag über sich hinaus wächst. Aber die Wahrscheinlichkeit ist natürlich größer, dass es ein starker Typ ist. Bei Neussers Deizisauern etwa Dennis Prinz oder Frieder Gänzle, bei den Neuhausenern Timo Flechsenhar, bei den Plochingern natürlich Daniel Brack oder bei den Wolfschlugenern Florian Falk.

Marco Neusser ist da eher der Typ, der vielleicht nicht für das entscheidende Tor sorgt, sondern der dem Spiel in einer entscheidenden Phase eine andere Richtung geben kann. Auch die sind wichtig. Die Idealvorstellung ist natürlich ein funktionierendes Kollektiv mit überragenden Einzelkönnern – der Traum jedes Trainers.


Liebe Freunde des Handball-Sports,
ich komme heute nicht zum Schreiben, darf euch aber schonmal Manuel Späths fünfte und letzte „Späthlese“ ans Herz legen, die morgen in der EZ auf Seite 15 und online hier nachzulesen ist.
sip


Tasten hauen statt Handball schauen

Und, habt ihr auch alle Handball-WM geguckt? Ich auch nicht. Zu Hause habe ich kein Sky und in der Redaktion ist der Fernseher bei größeren Sportveranstaltungen zwar an, aber wirklich draufschauen tut auch keiner – es müssen die Seiten gefüllt werden. Bei Fußballspielen führt das dazu, dass man zumindest manchmal noch die Zeitlupe der Tore mitbekommt, nachdem man im Hintergrund gehört hat, wie die leise gestellte Stimme des Kommentators etwas lauter geworden ist. Aber beim Handball fallen halt viel mehr Tore.

Am Montag während des Achtelfinales gegen Ägypten war es dann auch noch so, dass fast mit dem Anpfiff des Spiels der Handballer die Meldung vom VfB Stuttgart kam, dass der Verein die Stelle des Finanzvorstandes neu besetzt hat. Also, recherchieren und in die Tasten hauen statt Handball schauen. Heute bei Deutschland gegen Kroatien war das ähnlich, auch ohne neue VfB-Funktionäre.

Unser EZ-Handball-WM-Kolumnist Manuel Späth macht das ganz anders. Er schaut teilweise drei Spiele gleichzeitig. Gestern war seine vierte „Späthlese“ in der EZ und das Feedback, das sowohl er als auch wir bekommen, ist durchweg sehr positiv. Der Mann versteht was vom Handball und kann es auch in Worte fassen. Noch eine „Späthlese“ haben wir für Anfang kommender Woche ausgemacht, in der Manu seine Gesamtbilanz ziehen wird.

Im Interview, das ich vor der WM mit ihm geführt habe, hat Manu gemeint, das Viertelfinale wäre ein gutes Ergebnis für die deutschen Handballer. Aber wie es manchmal so ist: Wenn es gut läuft, steigen die Ansprüche – und so ist dann das Verpassen des Halbfinale eine Enttäuschung. „Aus der Traum“ steht deshalb über der „Späthlese“ Nummer vier. Vom heutigen Auftritt der deutschen Mannschaft dürfte er auch nicht allzu begeistert gewesen sein – nach dem bisschen, was ich dann doch noch gesehen habe.

Es gibt übrigens noch einige weitere WM-Kolumnisten bei anderen Zeitungen oder im Netz. Ganz spannend finde ich, was Stefan Krezschmar bei Sport1 schreibt.

Pascal Hens schreibt beim Spox.com:

Oliver Roggisch bei sportal.de…

…der Österreicher Conny Wilczynski bei Handball-World.

Und klar, Bob Hanning ist auf bob.hanning.de zu lesen.

Mein Kollege Matthias Foede von den „Neuen Westfälischen“ in Bielefeld, einem Partner unserer G14+-Kooperation, schildert in seiner Kolumne „Maat im Emirat“ über seine persönlichen Eindrücke in Katar.

Am Sonntag ist die WM vorbei – hoffentlich kann man das nächste Turnier wieder bei ARD und ZDF sehen.


Weichenstellungen

Es ist Ende Januar und es häufen sich die Meldungen oder Gerüchte, was sich bei den Handballern in Richtung kommender Saison so tut. Erschwert wird das bei einigen Mannschaften dadurch, dass nicht klar ist, in welcher Liga sie spielen werden.

Immer wieder Timo Flechsenhar. Mit seinen sieben Toren kann der Rückraumspieler aber nicht verhindern, dass die MadDogs gegen das Schlusslicht verlieren. Fotos: Rudel
Immer wieder Timo Flechsenhar. Mit seinen sieben Toren kann der Rückraumspieler aber nicht verhindern, dass die MadDogs gegen das Schlusslicht verlieren. Fotos: Rudel

Zu einem der Haupt-Sorgenkinder im EZ-Land ist in diesem Zusammenhang wieder Drittligist TSV Neuhausen geworden – der allerdings schon viele Weichen für die kommende Saison gestellt hat. Der jetzt Vorletzte Neuhausen hat dafür gesorgt, dass der Letzte TSV Friedberg den ersten Auswärtssieg der Saison feiern konnte.

Ich werde aus den MadDogs nicht so richtig schlau. Da erwecken sie immer wieder durch starke Leistungen den Eindruck, dass sie die Kurve gekriegt haben – und dann so was. Meine geschätzte Kollegin Steffi Gauch-Dörre hat sich das Drama in der Egelseehalle angeschaut und darüber geschrieben.

Ich war zeitgleich in Reichenbach, wo ich auch Zeuge eines interessanten Spiels geworden bin. Zur Halbzeit hätte ich wie wohl viele in der Halle keinen Pfifferling mehr auf den Württembergliga-Vorletzten HSG Ostfildern gesetzt. Wäre nicht geschehen, was dann geschehen ist, hätte mein Text in der heutigen EZ wohl einen Tenor wie „so reicht es nicht in der Württembergliga“ bekommen. Aber die HSG hat sich – auch oder vielleicht sogar vor allem begünstigt durch das Schwächeln der Reichenbacher – ein 25:25 erkämpft.

Der Abstand zum Drittletzten beträgt immer noch vier und zum Viertletzten sieben Pluspunkte. Aber auf jeden Fall haben die Ostfilderner Selbstvertrauen aus dem Spiel geschöpft. Ich hab die HSG in dieser Saison zum dritten Mal gesehen – und zum ersten Mal habe ich Trainer Michael Schwöbel nach dem Spiel lächelnd erlebt.

Reichenbachs Chauncey Strohmaier setzt sich schön durch. Im Verlauf des Spiels gegen Ostfildern gelingt das aber immer weniger.
Reichenbachs Chauncey Strohmaier setzt sich schön durch. Im Verlauf des Spiels gegen Ostfildern gelingt das aber immer weniger.

Ganz anders Reichenbachs Daniel Hebisch. Der ehemalige Zweitligaspieler befindet sich in der ersten schwierigen Phase seiner noch jungen Trainer-Karriere. Wie erhofft zu einem vorderen Tabellenplatz wird es nicht reichen, absteigen wird der TVR aber auch nicht. Und da es in diesem Verein relativ stressfrei zugeht und sie dort mit seiner Arbeit zufrieden sind, wurde der Vertrag mit Hebisch gleich mal verlängert.

Allerdings steht den Reichenbachern wie manchen anderen Vereinen in der Region ein Umbruch bevor. Der eine oder andere Routinier wird oder könnte aufhören. Jochen Masching etwa beteiligt sich an dem höchst spannenden Projekt bei der SG Hegensberg/Liebersbronn. Ich werde das wie viele andere auch mit Interesse beobachten, zumal ja auch das Team Esslingen mit Vasile Oprea durchstarten möchte (zuerst aber mal den Klassenverbleib in der Landesliga schaffen muss). Es entwickelt sich was im Esslinger Handball.

Auch drumherum tut sich einiges. Der HC Wernau sucht einen neuen Trainer, nachdem Markus Ilitsch die Option auf eine weitere Saison gekündigt hat, die Wernauer Frauen sind in Robert Schenker ja schon fündig geworden. Es lohnt sich aber auch der Blick über die EZ-Land-Grenze hinaus, genauer zu den Württembergligisten TSV Zizishausen und SKV Unterensingen. Zizis hat sich für die kommende Saison die Dienste von Holger Breitenbacher gesichert. Ich mag den Kerl, mit dem ich zu meiner Tübinger Zeitungs- und Reutlinger Radiozeitzeit zu tun hatte. Da war er als Urgestein des Zweit- und Bundesligisten VfL Pfullingen immer ein guter Ansprechpartner. Und ein Sympathieträger. Und in Unterensingen hört Benjamin Brack auf. Ich bin da nicht so im Thema, aber warum sollen sie dort nicht der bisherigen Co-Trainerin Marion Radonic das Vertrauen schenken?

Es bleibt spannend. Auch bei der WM in Katar. Ich muss an dieser Stelle nochmal betonen, wie gut mir Manuel Späths Kolumne „Späthlese“ gefällt. Ich bin schon ein paar Mal drauf angesprochen worden: Ja, Manuel schreibt das wirklich selbst, ich fungiere hier nicht als Ghostwriter. Macht er klasse, oder?

Manuel Späth schreibt weiter kräftig seine "Späthlese".
Manuel Späth schreibt weiter kräftig seine „Späthlese“.

Die Handball-WM war übrigens auch gestern in der Brühlhalle in Reichenbach Thema. „Hoschs gsea?“ war eine der üblichen Fragen. „Noi, I han koi Sky“, eine häufige Antwort. Bundesliga-Schiri Holger Fleisch, der zum Sohn-Gucken da war, hat die Spiele gesehen, wie er mir erzählt hat. Er hat auch berichtet, dass er neuerdings auch hier am Kreis häufiger reinschaut. Freut mich, willkommen!


Was macht eigentlich Frank Illi?

So kannte man Frank Illi zuletzt: Beobachtend - und manchmal auch gestikulierend - an der Seitenlinie der HSG Ostfildern. Fotos: Rudel
So kannte man Frank Illi zuletzt: Beobachtend – und manchmal auch gestikulierend – an der Seitenlinie der HSG Ostfildern. Fotos: Rudel

Kaum zu glauben, dass der Mann seit gut eineinhalb Jahren aus dem Handballgeschäft raus ist. „Ich bin gut informiert, lese alles, besorge mir die neusten DVDs“, sagt Frank Illi und die Begeisterung ist ihm anzuhören. Im Sommer 2013 hat er als Trainer beim damaligen Landesligisten HSG Ostfildern aufgehört, um kürzer zu treten und sich mehr um Familie und Arbeit kümmern zu können. Das tut er immer noch. Deshalb ist eine baldige Rückkehr auf die Bank auch nicht angedacht. Eine spätere, macht der gerade 38-Jährige klar, aber auf jeden Fall. „Ich werde wieder etwas machen, aber nicht in diesem Sommer.“

Das hat einen Grund: Gerade ist Illi, der in Ruit wohnt, bei einer Druckerei in Wolfschlugen zum Geschäftsführer aufgestiegen. Das verlangt die volle Konzentration. Anfragen gab es nach seinem Weggang von der HSG einige. Und in einem Fall hat er auch schwer nachgedacht: Unterensingens Trainer Benjamin Brack hatte ihn gefragt, ob er und Marion Radonic, die in Ostfildern Illis Assistentin war, nicht Co-Trainer werden wollten. „Das wäre spannend gewesen“, erklärt Illi. Zumal er mit Brack seit gemeinsamen Wolfschlugener Spielerzeiten befreundet ist. Illi sagte schweren Herzens ab, Radonic zu – wer weiß, vielleicht wird sie nun sogar Bracks Nachfolger bei dem Württembergliga-Spitzenteam.

lang ist's her: Frank Illi im Jahr 2000 im schrillen Trikot des TB Ruit.
lang ist’s her: Frank Illi im Jahr 2000 im schrillen Trikot des TB Ruit.

Etwas näher ist Illi dem Handball aber doch wieder gekommen: Er greift mittlerweile jeden Dienstag bei den M-32-Senioren der HSG selbst wieder zum Ball und begleitet seine sechsjährige Tochter, die bei den Minis aktiv ist und demnächst ihr erstes Spielfest hat.

Bei der HSG hat er in dieser Saison erst ein Mal zugeschaut, und prompt hat er gegen den TSV Blaustein einen von bislang nur zwei Siegen gesehen. „Es freut mich, dass die Mannschaft wider meinen Erwartungen den Wiederaufstieg in die Württembergliga geschafft hat“, sagt er. „Dass es dort schwer werden würde, war jedem klar. Das ist ein gewaltiger Sprung.“ Allzu viel Kontakt zur Mannschaft hat er nicht – auch, um zu verhindern, dass es wieder zu sehr juckt. Auch die Arbeit von seinem Nachfolger Michael Schwöbel kann er daher nicht genau bewerten. „Ich denke, er macht eine gute Arbeit und holt das Optimale raus“, sagt er jedoch.

Frank Illi setzt im Dress des TSV Wolfschlugen zum Kunstwurf an - das war im Jahr 2007.
Frank Illi setzt im Dress des TSV Wolfschlugen zum Kunstwurf an – das war im Jahr 2007.

Den Klassenverbleib traut Illi der HSG auf jeden Fall zu, zumal schon der Vorletzte in die Relegation darf: „Den Platz sollte die Mannschaft sicherlich schaffen.“ Wünschen würde er es seinen ehemaligen Schützlingen auf jeden Fall. Es ist sein Verein. Mit Ausnahme der Zeit in Wolfschlugen hat er von klein an in den verschiedenen Konstellationen – TB Ruit, HaSpo Ostfildern, HSG Ostfildern – für den Verein gespielt.

Illi genießt die Abende mit der Familie, aber sein Sport fehlt ihm. „Ich bin Handballer durch und durch, das ist mein Hobby, mein Leben“, erklärt er. Deshalb wird man ihn, nachdem sich bei der Arbeit alles eingespielt hat, auch wieder in der Halle sehen. An Anfragen wird es nicht mangeln, zumal sich Illi ja ständig auf dem Laufenden hält.