Der Magier, der Marktplatz – und Mimi

Vlado Szenzel, der heute 80 Jahre alt wird, vor vier Jahren beim Esslinger Marktplatzturnier. Foto: Rudel
Vlado Szenzel, der heute 80 Jahre alt wird, vor vier Jahren beim Esslinger Marktplatzturnier. Foto: Rudel

Frisch Auf Göppingen ist zum ersten Mal beim Marktplatzturnier dabei. Aber wie man seit heute weiß, muss Michael Kraus zuschauen. Foto: Rudel
Frisch Auf Göppingen ist zum ersten Mal beim Marktplatzturnier dabei. Aber wie man seit heute weiß, muss Michael Kraus zuschauen. Foto: Rudel

Eigentlich wollte ich ja wie gewohnt bis Anfang September Sommerpause machen. Aber Vlado Stenzel wird heute 80 Jahre alt. Und am Wochenende ist Marktplatzturnier. Ein Muss für die Handball-Fans und auch für mich. Als es in der Redaktion darum ging, wer sich um die Veranstaltung journalistisch kümmert, habe ich jedenfalls ganz schnell den Finger gehoben.

Und dann kam eben diese Eilmeldung rein: „Nationalspieler Michael Kraus ist wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln vom Deutschen Handballbund suspendiert worden. Dem 30-Jährigen werden drei Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse vorgeworfen, teilte der Verband am Mittwoch mit.“ Ich habe sofort umgeplant. Mehr dazu morgen in der EZ!

Wie das Marktplatzturnier und Vlado Stenzel für mich zusammen gehören? Ganz einfach: Vor vier Jahren war er in Esslingen als Zuschauer dabei und ich habe mich mit ihm unterhalten. Ein hoch interessanter Typ mit jeder Menge mehr oder weniger verrückten Ideen. Aus gegebenem Anlass habe ich hier einfach noch mal meine Geschichte von damals angehängt. Viel Spaß beim Lesen.

Auch dieses Mal werde ich wieder einige Zeilen vom Markplatzturnier und drumherum zusammenkriegen. Die große Vorschau ist heute schon in der EZ (Seite 17). Am Freitag werde ich beim Eröffnungsspiel in Deizisau zwischen Frisch Auf Göppingen und HC Kriens-Luzern sein ein einen aktuellen Mehrspalter für die Samstagausgabe schreiben. Und für den Montag wird es fast eine ganze Seite geben – hoffentlich mit Bildern vom sonnendurchfluteten Marktplatz. Denn das hat auch Göppingens Manuel Späth vor seinem Fast-Heimspiel betont: „Ich hoffe, dass das Wetter gut wird und wir nicht in Schelztorhalle umziehen müssen.“

Und wenn doch: Nicht nur „unser“ Manu aus Ostfildern freut sich auf das Turnier, auch die Macher und die Fans dürfen sich freuen, dass Frisch Auf endlich mal mitspielt. Leider wird Mimi Kraus nun nicht dabei sein. Ich bin mal gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Aber wie gesagt, viel mehr kann man dazu noch nicht sagen.

Was ich sonst noch vorhabe beim Marktplatzturnier? Kann ich ruhig verraten, wobei ich natürlich nicht weiß, ob ich auch alle Geschichten gebacken bekommen – und einige werden auch nicht auf der Seite für Montag Platz haben, sondern später erscheinen: Ich möchte mich mit dem dreifachen spanischen Weltmeister Jaume Fort unterhalten, der früher ja mal bei Frisch Auf im Tor stand und jetzt die Nationalmannschaft von Südkorea trainiert, die auf dem Markplatz mitspielt. Dann hoffe ich, dass DHB-Präsident Bernhard Bauer nicht wie im vergangen Jahr absagen muss und dass er sich ein paar Minuten für den EZ-Mann Zeit nimmt.

Mit Lars Schwend, dem Trainer des TSV Wolschlugen, möchte ich mich über seine neue Tätigkeit als Bildungsreferent des DHB unterhalten. Und dann ist Jochen Masching vom TV Reichenbach da, dessen Mannschaft zwar leider nicht mitspielt, der in seiner Funktion als (fast fertiger) Filmstudent aber an einem Imagefilm über Frisch Auf arbeitet. Spannende Sache das.

So, ich hoffe, das hier bekommen trotz eigentlicher Am-Kreis-Pause ein paar mit – lasst mich doch einfach wissen, ob ihr am Wochenende auch auf dem Marktplatz dabei seid.
Und jetzt wie angekündigt, der Magier:

Der Reformator und die Trägheit der Masse

Der frühere Bundestrainer Vlado Stenzel kämpft auch in Esslingen für einfachere Handball-Regeln (Eßlinger Zeitung vom 26. Juli 2010)

Von Sigor Paesler

Esslingen – Für Holger Fleisch und
Jürgen Rieber war es so etwas wie
das höchste erlangbare Lob. „Die
haben gut gepfiffen“, sagte Vlado
Stenzel über das Handballschiedsrichter-
Duo aus Nellingen, fügte
dann aber – fast ein bisschen über
sich selbst erschrocken – an: „Die
haben mich überrascht.“ Ansonsten
sind von dem früheren Bundestrainer,
der die deutsche Nationalmannschaft
1978 in Kopenhagen zum
Weltmeistertitel geführt hatte, üblicherweise
Sätze zu hören wie dieser:
„Die Schiedsrichter entscheiden
das Spiel, nicht die Sportler.“

Am Freitag wurde Stenzel 76 Jahre
alt. Doch statt zuhause in Wiesbaden
zu feiern, kam der Kroate nach
Esslingen zum Marktplatzturnier,
wo er in den 60er-Jahren schon mal
mit Medvescak Zagreb im Finale
stand. Er kam, um Handball zu sehen,
um über Handball zu diskutieren
– und um für seine Ideen zur Reformation
seines geliebten Sports zu
werben. Denn das tut er unermüdlich
und und so leidenschaftlich, wie
er früher an der Seitenlinie mitlebte.
Handball war sein Sport, Handball
ist sein Sport. Aber wenn es nach
ihm ginge, wäre der Handball der
Zukunft nicht mehr der der Gegenwart.
„In Deutschland ist Handball
populär, aber fragen sie die Leute in
anderen Ländern mal danach“, sagt
er. „Da kennen sie Basketball und
Fußball, aber nicht Handball. Unser
Sport muss bekannter werden.“ Er
wird konkreter: „In Amerika kommen
wir nicht durch, in England
nicht und auch nicht in Bayern – da
sind die Leute etwas simpler gestrickt.“
Heißt für Stenzel: Die Regeln
müssen nachvollziehbarer sein,
damit sich der Sport auch dort
durchsetzt. Württemberg hat der
selbst ernannte Handball-Forscher
höflicherweise bei der Beschreibung
der Handball-Diaspora ausgenommen.
Auf Nachfrage wird er aber
auch hier deutlich: „Es gibt Göppingen
und ein bisschen Balingen, aber
ansonsten ist in Süddeutschland
praktisch kein Leistungshandball
vorhanden, das ist Überlebenskunst.“
Der Mann hat seine Meinung,
und er vertritt sie.

Und er macht Vorschläge. Zum Teil
sind sie ziemlich radikal. Sein Ausgangspunkt:
„Es gibt keine Ballsportart,
bei der es so viele Regeln
gibt, nach denen man so oder so
pfeifen kann.“ Also müssen sie vereinfacht
und teilweise ganz abgeschafft
werden. Als Vorbilder dienen
Stenzel die Sportarten, die es
weltweit zu mehr Popularität geschafft
haben und seiner Meinung
nach präziser sind: „Die Regeln, die
man vom Fußball und vom Basketball
übernehmen kann, muss man
übernehmen.“ Beispielsweise ist er
für die Einführung der Vorteilsregel
– wie im Fußball. Und dafür, dass
nur im Angriff gewechselt werden
darf – wie im Basketball. Zudem
fordert er die Abschaffung des Zeitspiels
(„die blödeste Regel überhaupt“)
und des „Mists mit den
Zweiminutenstrafen“. Der frühere
Torhüter hat noch unzählige weitere
Ideen auf Lager, die er zum Teil
schon mit Mannschaften ausprobiert
hat.

Stenzel bekommt in der Szene Gehör,
weil es Stenzel ist, der „Magier“,
der so viel für den deutschen
Handball getan hat. So sagt er selbst
und nicht ganz zu Unrecht: „Ich
denke, dass es auch mein Werk ist,
dass Deutschland heute in der Weltspitze
ist. Ich habe etwa die eingleisige
Bundesliga durchgesetzt.“ Aber
im Gegensatz zu früher („alles was
ich wollte, habe ich geschafft“) bekommt
er heute vor allem Ablehnung
für seine Vorschläge. „Vlado,
das war nix“, schreibt etwa ein
Handball-Fan in einem Internet-Forum.
Der Reformator zuckt mit den
Schultern und haut wieder einen
Spruch raus: „Ich habe nicht erwartet,
dass die Masse intelligent ist.
Die meisten denken mit den Muskeln
und sind zu sehr im System.“
Er selbst, gibt er zu, wurde auch erst
zum Handball-Theoretiker, nachdem
er sich von der vordersten Trainerreihe
verabschiedet hatte.

Stenzel aber ist Optimist und glaubt
weiter fest daran, den Handball voranbringen
zu können. „Seine Zeit
ist vorbei“, hat der jetzige Bundestrainer
Heiner Brand mal über seinen
früheren Nationalcoach gesagt.
Der aber winkt ab und grinst: „Heiner
ist meiner Meinung, auch wenn
er es nicht offen sagt.“ Und er ist
überzeugt: „Durch meine Schimpferei
hat sich schon ein bisschen geändert.“
So oder so bleibt es der Sport,
der sein Leben ist. „Die Spannung
ist es, die den Handball ausmacht“,
sagt Stenzel mit leuchtenden Augen,
die sich dann noch mal verfinstern:
„Aber die Spannung machen
die Schiedsrichter.“ Vielleicht mit
Ausnahme von Holger Fleisch und
Jürgen Rieber.


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6 Antworten auf „Der Magier, der Marktplatz – und Mimi“

  1. Liebe Fans des Handballsports!

    Entgegen der Aussage in der heutige Esslinger Zeitung ist das Highlight Event FrischAuf Göppingen gegen HC Kriens-Luzern am Freitag in Deizisau NICHT AUSVERKAUFT! Beeilt euch und holt euch eure Karte im Vorverkauf oder an der Abendkasse!

    Euer TSV Deizisau Handball

  2. Übrigens, ich habe heute Abend den Hinweis bekommen, dass das vorgezogene Marktplatzturnierspiel zwischen Frisch Auf und Kriens am Freitag (19.30 Uhr) in der Deizisauer Ertinger-Halle doch nicht ausverkauft ist. Also, hingehen, Abendkasse nutzen und Handball schauen.

  3. Zum Marktplatzturnier gibt es auch eine Facebook Seite! Dort gibts aktuelle Informationen und Bilder rund um das Marktplatztunier! Außerdem läuft ein Gewinnspiel, bei dem man 1×2 VIP Karten für den Samstag und 1×2 Freikarten für Sonntag gewinnen kann! Hier der Facebook Link 😉 https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=818539671491790&id=244382288907534
    Ich selbst freue mich schon tierisch wieder dabei sein zu dürfen als Helfer am Grill und am Sonntag als Spieler 🙂

      1. huch, jetzt hab ich die Maschings verwechselt – sorry. Schon geändert! Image ist doch nichts Schlechtes, oder? Aber ich freue mich auch auf einen Dokumentarfilm! So, muss jetzt weitermachen.