Ein Tabellenführer, der keiner ist

So macht ein Montagvormittag Spaß. Am Ende des Urlaubs noch mal frei, Handwerker im Haus, Kaffee auf dem Tisch und die EZ. Zeitunglesen, so wie alle anderen auch – okay, die meisten anderen sind jetzt wohl irgendwo im Gschäft.

Es gibt ja die zwei Sorten Zeitungsleser: Die, die den Sportteil gar nicht beachten, und die, die sich zuerst den Sportteil krallen. Ich gehöre, auch schon berufsbedingt, klar zur zweiten Gattung. Auch, wenn ich, etwa auf Reisen, ein anderes Blatt in die Hand bekomme. Und auch wenn mich die Politik ebenfalls interessiert. Aber die kommt später.

Wie alle Handballinteressierten im EZ-Land habe ich die Seite 23 vor mir liegen. Und zwei Dinge fallen da besonders auf: Zum einen der Text mit der Überschrift „Das Team stürzt den Tabellenführer“. Na also, das Team Esslingen kommt in der Landesliga so langsam in Fahrt. Ich sachja, die Esslinger kratzen noch am Aufstieg. Nach nicht so dollem Start haben sie jetzt 10:6 Punkte und stehen in der Staffel 1 auf Platz fünf. Mit Blick nach oben.

Das Interessanteste aber ist in der Tabelle zu lesen, die über der Landesliga steht. Württembergliga. Wer steht da ganz vorne? Der TV Plochingen. Unglaublich. TV Plochingen, ein Tabellenführer, der keiner ist. Denn, das Prozedere ist mittlerweile geklärt, der Mannschaft werden am Ende der Saison ja noch vier Punkte abgezogen. Trotzdem, die 14:4, die jetzt dastehen, hat sich die Mannschaft von Daniel Brack erarbeitet. Respekt. Nach dem Durcheinander mit dem Abstieg und dann doch nicht und der schwierigen Mannschaftszusammenstellung sollte es nur um den Klassenverbleib gehen. Und dann das.

Ausgerechnet nach dem Sieg in Unterensingen steht der TVP oben. Nach dem Sieg von Daniel Brack gegen Benjamin Brack. Ich hatte mich mit den Brüdern ja vor meinem Urlaub zusammengesetzt und für die Samstagausgabe eine Geschichte gemacht. Hat Spaß gemacht, ich hoffe, das Lesen hat auch Spaß gemacht.

Dass Plochingen in der WL so gut dasteht, war nicht zu erwarten. Dass sich nach ein paar Spielen die Spreu vom Weizen trennt, schon. Und mit Ausnahme des TVP stehen die Mannschaften auch ungefähr da, wo sie erwartet wurden. Die ersten fünf Teams haben 14:4 oder 13:3 Punkte, dabei drei aus dem EZ-Land plus der TSV Zizishausen aus der Nachbarschaft. Plochingen eins, Wolfschlugen zwei, Deizisau vier. Das Derby Deizisau gegen Wolfschlugen hat ganz offensichtlich gehalten, was man sich von einem Derby zweier Spitzenteams erwartet. Und ging gerecht 30:30 aus.

Im Derby der unteren Tabellenhälfte war es deutlicher. Reichenbach gegen stark geschwächte Wernauer 34:25. Den schwach gestarteten Reichenbachern tun die Punkte gut. Für den HCW wird es Zeit, dass die angekündigten Verstärkungen kommen. Drei aus der 3. Liga sollen kommen, wie Trainer Markus Illitsch angekündigt hat. Wie komme ich jetzt auf H2Ku? Man darf gespannt sein.
Was ist euch aufgefallen am Handball-Wochenende? War jemand in Unterensingen? Ich schätze schon. Ich genieße jetzt meinen Rest-Urlaub, blättere mal zum Politikteil vor, schau, was die Handwerker machen und wünsch euch eine gute Woche.


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6 Antworten auf „Ein Tabellenführer, der keiner ist“

  1. Ja, das Lesen der Brack-Story war interessant… Nur eine Passage ist an Ironie wohl kaum zu überbieten:

    “ Er[Brack] hat die Mannschaft mit überschaubaren Mitteln von einem Abstiegskandidaten in der Landesliga zu einem geachteten Team in der Württembergliga gemacht. „Ich glaube, dass es im gesamten Bezirk Esslingen/Teck in den vergangenen Jahren keinen Verein gegeben hat, der eine solche Entwicklung genommen hat“, sagt Benjamin Brack selbst.“

    Ein Schelm, wem da beim Stichwort SKV Unterensingen nicht sofort die im Vergleich zu den beschriebenen Landesligazeiten runderneuerte Mannschaft mit einigen hochkarätigen und hochbezahlten Neuzugängen einfällt…

  2. Ich war in Unterensingen und wurde Zeuge eines (sportlich nicht immer hochklassigem aber) kampfbetonten Derbys in einem würdigen Rahmen: volle Halle und v.a. in HZ 2 klasse Stimmung, die, auch wenn es auf dem Platz hier und da etwas (zu) hitzig wurde immer fair war. Zur besonderen Atmosphäre haben nicht nur die Bruderduelle (Brack/Brack, Hablizel/Hablizel)
    beigetragen, sondern auch die Begegnung von vielen ehemaligen
    Mannschaftskameraden der von Stefan Haigis trainierten Scharnhäuser/Ostfilderner B/A-Jugend aus 2000/01 auf und neben dem Spielfeld (D. Brack, B. Brack, Topic, Briem, Sieger, Eisenbeil, Hackius, Zoll…sorry wenn ich jemand vergessen hab 🙂 ) Das sind die Spiele, die die Württembergliga so interessant machen: guter Sport in heimischen Gefilden und viele Begegnungen abseits des Platzes. Ich freu mich auf die kommenden Derbys 🙂

    1. Ich habe am WE Deizisau gegen Wolfschlugen gesehen und bin hochzufrieden wieder nach Hause. Ein Handballkrimi mit allem was dazugehört. Spannung, Stimmung , Emotionen und nicht zuletzt ein sehr hohes Niveau. Diese beiden Mannschaften, wenn sie vom Verletzungspech verschont bleiben, reden um die Meisterschaft ein gewichtiges Wörtchen mit. Solche Derbys sind das Salz in der Suppe.Eine rappelvolle Halle und frenetisch mitgehende Zuschauer machen Handball so attraktiv. Ich freue mich schon auf die nächsten Spiele in der WL.