Falsches Signal

Mimi Kraus wurde vom Vorwurf des Verstoßes gegen die Meldepflicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur freigesprochen und darf schon morgen wieder für Frisch Auf Göppingen spielen. Foto: Rudel
Mimi Kraus wurde vom Vorwurf des Verstoßes gegen die Meldepflicht der Nationalen Anti-Doping-Agentur freigesprochen und darf schon morgen wieder für Frisch Auf Göppingen spielen. Foto: Rudel

Ich denke, ich lasse das Ende der Am-Kreis-Sommerpause diesmal schleichend auslaufen. Habe sie beim Marktplatzturnier ja eh nicht durchgehalten. Richtig loslegen will ich hier wieder Mitte September mit meiner Saisonprognose. Aber es passieren immer wieder Dinge, die ein paar Zeilen wert sind. Zum einen hatte ich doch Recht mit meiner Vermutung, dass Dagur Sigurdsson Bundestrainer wird. Auf meine Frage danach im Interview am Rande des Marktplatzturniers hat DHB-Präsident Bernhard Bauer noch abgewehrt. Konnte er wohl nicht anders, obwohl es meinen Informationen nach damals schon auf den Isländer herausgelaufen ist.

Ja, und dann kam heute der Freispruch für Mimi Kraus. Ziemlich überraschend. Ich hab hier einfach mal den ersten Agentur-Überblick angehängt, der gegen Mittag gelaufen ist. Und meinen Kommentar, der morgen ebenso in der Printausgabe der EZ erscheint wie ein ausführlicher Text inklusive Vorschau auf das morgige Auswärtsspiel von Frisch Auf.

Was haltet ihr von der Sache?

(dpa) – Handballer Michael Kraus ist vom Vorwurf des Verstoßes gegen Anti-Doping-Regeln freigesprochen worden. Das entschied die Anti-Doping-Kommission des Deutschen Handballbundes (DHB) nach der Verhandlung am Mittwoch in Hamburg, teilte der Verband am Donnerstag mit. Zugleich wurde die Suspendierung des Nationalspielers aufgehoben. Er ist bereits an diesem Wochenende wieder für seinen Club Frisch Auf Göppingen spielberechtigt. Die Entscheidung der fünfköpfigen Anti-Doping-Kommission fiel einstimmig.
Dem 30-Jährigen war vorgeworfen worden, dreimal innerhalb von 18 Monaten nicht für Dopingkontrollen angetroffen worden zu sein. „Beim Kontrollversäumnis am 20. November 2013 ist Michael Kraus kein Verschulden nachzuweisen. Damit gibt es keine Grundlage für eine Sperre“, erlärte Anja Matthies, DHB-Vizepräsidentin Recht und Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission (ADK). Bei der mehr als zweistündigen Verhandlung waren sowohl der Kontrolleur als auch Kraus und seine Freundin angehört worden.
Laut Nationaler Anti-Doping-Agentur (NADA) war Kraus in den vergangenen sechs Jahren 24 Mal kontrolliert worden. Alle Tests sind negativ ausgefallen. Kraus hatte betont, kein Dopingvergehen begangen zu haben.

Kommentar:
Von Sigor Paesler
Falsches Signal
Der Freispruch für Michael Kraus vom Vorwurf eines Anti-Doping-Kontrollversäumnisses kommt überraschend. Nach dem Bekanntwerden des Falls und der Suspendierung war schnell von einem möglichen Karriereende des Göppinger Handball-Nationalspielers die Rede – nun scheinen alle Beteiligten froh und erleichtert zu sein, dass ein Schlupfloch gefunden wurde, um den 30-Jährigen, der als sympathischer Kerl und schlampiges Genie gilt, freizusprechen. Eine möglicherweise nicht funktionierende Haus-Klingel? Zweifel bleiben. Und zwei weiterhin klare Verstöße gegen die Meldepflicht. Nicht umsonst droht die Nationale Anti-Doping-Agentur eine Sperre nicht nach einem, sondern erst nach drei Versäumnissen an und und spricht bei jedem einzelnen Vergehen klare Warnungen aus. Die haben Kraus und sein Umfeld jedoch nicht ausreichend alarmiert und ihn dazu veranlasst, sich professioneller zu verhalten.
So sehr die Freude bei Kraus und den Göppingern sowie die Erleichterung bei den Verbandsfunktionären verständlich ist, so schön es für alle Beteiligten ist, dass der Spielmacher nun wieder seinem Sport nachgehen kann, und so unwahrscheinlich es ist, dass Kraus tatsächlich ein Doping-Vergehen verschleiern wollte: Das Urteil ist ein falsches Signal. Die unklaren Begleitumstände bei der Kontrolle am 20. November 2013 hätten zu einem geringen Strafmaß führen müssen, nicht aber zu einem Freispruch.


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Eine Antwort auf „Falsches Signal“

  1. Ich bin auch der Meinung das dies ein falsches Signal ist und er hätte bestraft werden müssen, wenn ich mir hier auch ein mildes Urteil sozusagen als „allerletzten Schuß vor den Bug“ hätte Vorstellen können.
    Aber es läuft doch (leider) überall so, sobald irgendwelche höheren Interessen ins Spiel kommen kann man das Recht beugen.