Handballtor und goldener Käfig

Als ich am vergangenen Donnerstag gerade die zwei überregionalen EZ-Seiten für die Freitagausgabe geplant hatte, flatterte eine Meldung herein, die mich dazu brachte, nochmal etwas umzuplanen. Seite eins, das werden auch die Handballer verstehen, blieb im Zeichen des bevorstehenden Fußball-Länderspiels gegen Irland in Köln, wohin ich einen Tag später auch aufgebrochen bin. Auf Seite zwei hieß eine Überschrift dann: „Heinevetter will sich nicht entschuldigen“. Strafen und so werden bei uns normalerweise nicht so groß gefahren, denn das kommt ja jede Woche vor. Diese Geschichte fand ich aber schon interessant.

Der Torwart der Berliner Füchse wehrt sich gegen eine Strafe von 1000 Euro durch die HBL und will sogar einen Anwalt einschalten. Und zwar nicht, weil ihm die Strafe zu hoch ist, sondern weil er findet, dass der Verband an ihm „ein Exempel“ statuieren will. An dem Mann scheiden sich bestimmt die Geister. Ich habe beim Esslinger Markplatzturnier im Sommer auch meine Erfahrungen mit ihm gemacht. Hier geht es schlicht darum, dass sich ein Handballer nach dem Spiel in der Wortwahl vergriffen hat und dafür bestraft wird. Und wie so oft ist die Sache nicht so einfach. Heinevetter sagte nach dem 21:21 der Füchse gegen die Rhein-Neckar Löwen in ein TV-Mikro, er fühle sich von den Schiedsrichtern „verarscht“. Die beiden hatten in der letzten Sekunde nicht erkannt, dass Löwen-Spieler Patrick Groetzki bei seinem Ausgleichstreffer im Kreis gestanden war. Die Fernseh-Bilder gaben Heinevetter Recht. Und Groetzki gab es laut Heinevetter auch zu.

Aber „verarscht“? Das impliziert für mich, dass die Schiris absichtlich falsch entschieden haben, was Heinevetter ihnen gar nicht vorwirft. Wer schonmal ein Spiel geleitet hat oder regelmäßig zuschaut, weiß, wie schwer das mit dem Kreis zu erkennen ist. Die TV-Kamera – so eine da ist – zeigt das dann gnadenlos. Von daher ist Heinevetters Ärger zu verstehen. Und es ist auch schwierig in der Medienwelt, wenn man Sekunden nach der Schlusssirene schon ein Mikro unter der Nase hat. Aber dass der Verband dem Torhüter der Nationalmannschaft, der eine Vorbildfunktion hat, das nicht durchgehen lässt, ist meiner Meinung nach auch richtig. Zumal der Verband darauf hinweist, dass die Situation nach dem hektischen Spiel berücksichtigt worden sei – der Strafenkatalog hätte bis zu 5000 Euro ermöglicht.

Von daher hätte Heinevetter besser daran getan, die Strafe einfach zu akzeptieren. Ob dann die explizite Entschuldigung, die von ihm verlangt wurde und die er verweigert, noch nötig gewesen wäre, wäre dann nicht mehr so wichtig gewesen. Dass er gleichzeitig darauf hinweist, dass die Schiris einen Fehler gemacht haben, ist sein gutes Recht.

Einen Satz des streitbaren Füchse-Keepers fand ich aber auch interessant. Er meinte, die Schiedsrichter sollten zu ihrem Fehler stehen. „Stattdessen sitzen sie in einem goldenen Käfig, den sie selber gar nicht wollen, und dürfen nichts sagen, obwohl sie gern reden würden.“ Das ist schon fast ein Lieblingsthema von mir. Ich habe auch schon erlebt, dass Unparteiische nach dem Spiel nicht mit mir geredet haben, mit dem Hinweis, sie dürften das nicht. Dabei hatte ich nur eine ganz harmlose Frage. Ich habe vor ein paar Wochen mal mit dem Bundesliga-Schiri des Jahres und DHB-Lehrwart Jürgen Rieber gesprochen. Der sagte, entgegen der verbreiteten Meinung dürften Schiedsrichter nach dem Spiel durchaus mit Presseleuten und anderen reden. Zumindest, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Es wäre (oder ist?) auch wirklich eine dumme Vorschrift. Das bestätigt mich noch mal darin darin, dass ich mal eine größere Geschichte oder ein Interview mit Jürgen Rieber machen will. Hab ich schon seit einiger Zeit vor – wenn man so einen kompetenten Mann schon vor der Haustür hat. Also, kommt bald.

Und sonst? Mir ist aufgefallen, dass es am Wochenende bislang einige Unentschieden gab. Und mehr Siege als Niederlagen der Handballer im EZ-Land. Einige Spiele sind aber heute noch, unter anderem das der Neuhausener Maddogs gegen Flein. Meine Kollegin Steffi Dörre ist wie meistens dort. Bin mal gespannt, was sie berichtet – morgen (Seite 22) in der EZ nachzulesen.


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2 Antworten auf „Handballtor und goldener Käfig“

  1. Ich hab dazu noch einen Kommentar unseres Kooperationspartners „Neue Westfälische“ gefunden:

    Von Torsten Ziegler
    Es geht um 1.000 Euro. So viel soll Silvio Heinevetters Entgleisung nach dem jüngsten 21:21 seiner Füchse Berlin gegen die Rhein-Neckar Löwen kosten. Er fühlte sich verarscht, wütete Heinevetter. Und so berechtigt er auf einen Lapsus der Unparteiischen beim Ausgleich in der Schlusssekunde hinwies, so unstrittig war seine Wortwahl verätzt. Es ist deshalb nur konsequent, dass die Handball-Liga HBL mit ihrem Geschäftsführer Frank Bohmann den Torwart sanktioniert. Zumal bei Heinevetter immer etwas mehr auf dem Spiel steht als nur die Durchsetzung der Regeln.
    Der Berliner gefällt sich in der Rolle des Rebellen. Gerne lotet Heinevetter aus, wie weit er es treiben darf. Das traf schon auf die Auseinandersetzung mit dem Ex-DHB-Präsidenten Ulrich Strombach zu. Diesmal diskreditiert er Schiedsrichter, will aber die Geldstrafe dafür nur akzeptieren, wenn HBL-Boss Bohmann ebenfalls zahlt – weil dieser eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung bei Facebook zur Diskussion gestellt hatte.
    Natürlich dürfen die Muskelspielchen des Nationaltorwarts nicht strafmindernd wirken. Insgeheim wird er sich damit auch abgefunden haben. Heinevetters Währung ist die Unantastbarkeit, die er wieder einmal – bis zu einem gewissen Grad – demonstriert hat.