Rot für Nummer 18 – Teil zwei

Ausschnitt des Spielberichtsbogens, der in der Nellinger Sporthalle 1 für Aufsehen gesorgt hat - und nicht nur dort.
Ausschnitt des Spielberichtsbogens, der in der Nellinger Sporthalle 1 für Aufsehen gesorgt hat – und nicht nur dort.

Jürgen Rieber kann erklären, was passiert ist und was hätte passieren müssen. Foto: Rudel
Jürgen Rieber kann erklären, was passiert ist und was hätte passieren müssen. Foto: Rudel

Wenn einer genau weiß, ob da am Samstag in der Sporthalle 1 zu Nellingen nach dem nicht berechtigten Einsatz der Trierin Jana Kordel alles korrekt abgelaufen ist, dann ist es Jürgen Rieber. Jürgen Rieber ist zwar seit kurzem nicht mehr Bundesliga-Schiedsrichter, aber er ist immer noch und immer mehr als Schiedsrichter-Lehrwart des DHB der Herr über die Regeln.

Was war passiert? Lest es einfach nochmal nach.

Die Sache hat in der Schiri-Szene für eine Menge Wirbel gesorgt und wurde heiß diskutiert. Rieber, der schon am selben Abend beim Bundesliga-Derby zwischen Balingen und Göppingen davon mitbekommen hat, bringt Licht ins Dunkel. Also: „Die Rote Karte mit Bericht war falsch“, erklärt er. Und er erklärt auch, warum: „Da die Spielerin nicht auf dem Spielbericht stand, ist sie wie eine Zuschauerin zu behandeln.“ Und Zuschauer können nunmal keine Rote Karte bekommen. Wäre ja noch schöner. Rieber betont nochmal: „Wer nicht auf dem Spielbericht steht, kann nicht disqualifiziert werden.“

Den Schiedsrichtern Oliver Dauben und David Rohmer aus Köln brachte ihr Schnapszahl-Auftritt – es war ihr 111. Spiel auf DHB-Ebene – kein Glück. Alles haben sie aber nicht falsch gemacht. „Der Fehler lag bei den Trierern und deshalb muss es eine Bestrafung der Bank geben“, erklärt Rieber. Das ist passiert.

Um zu vermeiden, dass es in so einem Fall den Chef-Trainer trifft, steht der übrigens bei den Offiziellen nie an erster Stelle (OA), sondern meistens an zweiter (OB). Auch interessant.

Und man sollte auch nicht vergessen: Die Schiris lagen daneben und werden sich das wohl im Kreis der Kollegen auch anhören müssen – aber den Fehler haben die Verantwortlichen aus Trier gemacht. Auch dort wird es wohl Diskussionen geben.

Der Verstoß fiel ja auf, nachdem Jana Kordel eine Zweiminutenstrafe bekommen hatte. Ich habe Rieber gefragt, was passiert wäre, wenn sie ein Tor erzielt hätte. Also: Wenn der Verstoß sofort festgestellt worden wäre, wäre der Treffer annulliert worden – eher unwahrscheinlich. „Sobald wieder angepfiffen ist, zählt ein Tor“, stellt Rieber klar. Also auch, wenn es von jemandem erzielt wird, der gar nicht spielen darf. Der Mann ist echt regelfest.

Der geschädigte Verein hätte in so einem Fall die Möglichkeit, Protest gegen die Spielwertung einzulegen. Faustregel: War die Szene spielentscheidend, wird wahrscheinlich auf Wiederholung entschieden, war sie es nicht, nicht.

Beim Frauen-Zweitligaspiel in Nellingen war das alles weniger ein Problem: Es handelte sich um eine Zeitstrafe und das Spiel war zweieinhalb Minuten vor Schluss längst zugunsten der Nellingerinnen entschieden. Nervig war nur, dass die Schiris ewig für ihre Entscheidung gebraucht haben. Nicht zwei oder drei, sondern weit über zehn Minuten. Besonders souverän war das nicht.

Zugute halten muss man den beiden allerdings, dass die Regel, die sie angewendet haben und die keine war, tatsächlich mal gegolten hat. Und so fand auch Nellingens Trainer und Ex-Bundesliga-Spieler Pascal Morgant, dass am Ende alles in Ordnung war. Dass er sich getäuscht hat, wird er verschmerzen können. Spätestens beim Blick auf die Tabelle, wo die Hornets nach zwei Spielen ganz oben stehen.

Mit einer Sache bin ich in meinem Text, der heue in der EZ auf Seite 21 als Anhang zu meinem Spielbericht und auch hier im Blog steht, völlig richtig gelegen: Wie hat der Paesler geschrieben? „Es war eine Szene, die in die Schiedsrichter-Ausbildung eingehen könnte.“ Und was sagt Rieber? „Das wird auf dem nächsten Lehrgang thematisiert.“

Oliver Dauben und David Rohmer wissen jetzt auf jeden Fall, wie in so einem Fall zu handeln ist. Jürgen Rieber weiß es eh. Und die Am-Kreis-Leser jetzt auch.


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2 Antworten auf „Rot für Nummer 18 – Teil zwei“