Super Stimmung beim EZ-Pokal

Sieger 2020: TSV Deizisau. Fotos: Rudel

Der EZ-Pokal 2020 ist schon wieder Geschichte. Drei intensive Tage liegen hinter uns. Und das Fazit fällt, das kann man wohl sagen, fast durchweg positiv aus. Sehr positiv sogar. Was mir so ausgefallen ist:

Sport: Nicht der TV Plochingen, nicht der TSV Neuhausen, der TSV Deizisau hat gewonnen. Das wird der Mannschaft, die keine so leichte Zeit hinter sich hat und die um die Qualifikation für die eingleisige Württembergliga kämpft, gut tun. EZ-Pokal ist, glaube ich, für die Deizisauer immer was ganz Besonderes. Mit jetzt elf Siegen und dem ersten nach elf Jahren hat der Verein seine Position als Rekordsieger ausgebaut und den „Angriff“ der Neuhausener, die bei acht Siegen bleiben, abgewehrt. Gut gespielt, starkes Turnier, Gratulation nach Deizisau!

Volle Ränge in der Neckarsporthalle.

Die Neuhausener waren nicht allzu enttäuscht. Sie haben vor allem die Verletzung von Timo Durst zu verkraften. So ein Mist, das kann man nicht anders sagen. Er war der überragende Mann bei den MadDogs in der Hinrunde. Und jetzt fällt er mit einem Achillessehnenriss vermutlich ein Dreivierteljahr aus. Alles Gute für die Genesung und so gut es geht Kopf hoch, Timo!

Dazu hat Hannes Grundler im Finale einen Schlag aufs Knie bekommen. Er hatte nach einigen Wochen Verletzungspause beim EZ-Pokal sein Comeback gegeben. Und es kommt nach Timo Dursts Ausfall jetzt ohnehin gleich wieder viel auf ihn zu – falls er nicht auch wieder fehlen wird.

Das obligatorische Siegerfoto.

Der TV Plochingen war die größte Überraschung und die größte Enttäuschung des Turniers. Der Drittligist war der Top-Favorit, schied dann aber nach desolater Leistung und zwei Niederlagen aus. Die Funktionäre waren entsprechend sauer. Die Mannschaft hätte nicht nur den ersten EZ-Pokal-Sieg seit 2006 holen, sondern auch Werbung in eigener Sache machen können. Das ist ausgefallen.

Klar, der EZ-Pokal ist auch ein Teil der Vorbereitung und nicht zu hoch zu hängen. Aber das hatten sich die Plochinger anders vorgestellt. In der Liga warten nun auch schwere Wochen. Gut trainieren und schnell die Kurve kriegen, heißt es nun.

Starkes Turnier: TSV Wolfschlugen.

Auch wenn nur Platz drei rausgesprungen ist, hat mir neben Deizisau insgesamt der TSV Wolfschlugen am besten gefallen. Immerhin kam das Aus im Halbfinale gegen Deizisau erst im Siebenmeterwerfen. Schade, dass die Mannschaft in der Hinrunde so viel Pech mit Verletzungen hatte und so in der Württembergliga der Abstand zur Tabellenspitze schon acht Punkte beträgt. Aber jetzt sind viele wieder fit und von den Wolfschlugenern ist einiges zu erwarten. Wenn nicht der Aufstieg, dann einige gute Spiele.

Gut gefallen haben mir auch der TV Reichenbach, der mit sehr solidem Handball Vierter geworden ist, das Team Esslingen, der SKV Unterensingen, die HSG Ebersbach/Bünzwangen als bester Bezirksligist – aber mit Ausnahme des TVP eigentlich alle Teams. Schön, dass auch der TV Altbach wieder dabei war. Trotz des Ausscheidens hat sich auch die Mannschaft des neuen Trainers Kim Schmid gut präsentiert.

Den EZ-Pokal-Star, und somit den besten Spieler des Turniers, dürft auch in diesem Jahr wieder ihr wählen. Wie gewohnt haben wir hierfür acht Kandidaten ausgewählt, denen ihr bis zu fünf Stimmen geben könnt. Die Wahl – die hier zu finden ist – läuft noch bis zum 13. Januar.

Wieder dabei: Der TV Altbach mit dem neuen Trainer Kim Schmid.

Drumherum: Zwei Mannschaften weniger, aber mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr. Die Stimmung in der Halle war wirklich klasse, es war ein richtiges Familienfest des Handballs. Die SG Esslingen als Ausrichter hatte im Vorfeld viel Respekt vor der Aufgabe. Es ist eine kleine Spielgemeinschaft und nachdem Gogo Zocher im vergangenen Jahr überraschend verstorben war, gab es erst einmal eine gewisse Unsicherheit. Aber: Chapeau! Die SG mit ihren vielen „grünen Weibchen und Männchen“ hat das sensationell gemacht. Auch, das habe ich immer wieder gehört, im Andenken an Gogo Zocher, der den EZ-Pokal unbedingt machen wollte.

Ich fand die SGE klasse und ich habe auch ausnahmslos positive Reaktionen mitbekommen. Nicht nur, dass die kulinarische Versorgung und alles Organisatorische gestimmt hat, das Helferteam hat so viel Spaß und Freundlichkeit ausgestrahlt und damit einen großen Anteil an der super Stimmung an den drei Tagen. Von meiner Seite war auch die Zusammenarbeit im Vorfeld und während des Turniers klasse. Vielen Dank, perfekt gemacht.

Immer gute Laune bei der SGE.

Einen super Job, und das darf ich ja ruhig mal erwähnen, haben auch meine Kollegen und Mitarbeiter von der EZ gemacht. So viel online war noch nie! Was das Angebot betraf und auch die Abrufzahlen. Am Finaltag ist der Live-Blog aufgrund von Serverproblemen leider für eine Weile ausgestiegen, aber insgesamt war das echt stark, was die Jungs – in diesem Fall waren es Jungs – abgeliefert haben. Meine Sport-Kollegin Karla Schairer und ich hatten so alle Freiräume, uns um andere Dinge zu kümmern. Wir – und unsere Sport-Reporterin Steffi Gauch-Dörre – haben einige Geschichten im Block, die wir in den kommenden Wochen in der EZ bringen werden.

Im Einsatz für den Live-Blog: EZ-Volontär Jan Geißler mit den Kollegen.

Trainer: Der EZ-Pokal ist ja eh eine Trainer- und Spielerbörse. So viele Themen wie diesmal gab es aber wohl noch nie. Ich habe dazu heute in der EZ ja auch ein bisschen was geschrieben. Wobei ich mich, das ist auch mein Stil, bei Spekulationen eher zurückhalte. Natürlich kann man drauf kommen, wohin Sinisa Mitranic von der SG Hegensberg/Liebersbronn wechselt. Aber da sollen die Vereine mal schön einen Knopf dranmachen und es dann vermelden. Und dann vermelden und begleiten wir das journalistisch.

Noch gibt Sinisa Mitranic bei der SG Hegensberg/Liebersbronn die Taktik vor.

Und manchmal ist an Gerüchten ja auch nichts dran. Das Team Esslingen macht nicht mit Daniel Kraaz weiter? Wurde vom Verein gleich mal dementiert. Steffen Rost hört in Unterensingen auf? Es ist noch keine Entscheidung gefallen, sagte er mir persönlich.

2021: Auf den EZ-Pokal 2021 können wir uns schon jetzt freuen. Im TSV Denkendorf steht bereits der Ausrichter fest und ich bin mir sicher, dass es die Denkendorfer klasse machen werden. Und wir ziehen nach Weil um. Die Schwächen der Neckarsporthalle haben wir ja auch diesmal erlebt, auch wenn es mir insgesamt dort gut gefällt und es schön ist, dass wir die Halle seit so vielen Jahren nutzen können. Es ist um die Halle Weil zwar noch nicht alles fertig, aber OB Jürgen Zieger hat unserem Chefredakteur Gerd Schneider versprochen, dass es klappt. Das ist doch mal ein Wort.

Ich hoffe, auch ihr habt euch beim EZ-Pokal 2020 wohlgefühlt, viele hat man ja dort gesehen. Eine gute Woche und einen erfolgreichen Start ins (Handball-)Jahr!    


Wer gewinnt den EZ-Pokal?

Sieger 2019: TSV Neuhausen. Fotos: Rudel (3), Paesler

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen und wünsche das Beste für 2020! Für die aktiv Teilnehmenden beim EZ-Pokal hoffe ich, dass das Kulinarik-Sport-Verhältnis in den vergangenen Tagen ein bisschen mehr in Richtung Sport ging als bei mir. EZ-Handballpokal, 26. Ausgabe, 4. bis 6. Januar. Die Tage von Samstag bis zum Montag in der Neckarsporthalle sind lang. Auch für die Mitglieder der EZ-Sport- und Onlineredaktion. Aber wir müssen ja „nur“ zuschauen, den Live-Blog im Internet füllen, Zeitungsseiten produzieren und noch ein paar Geschichten in den Block bekommen. Die Beilage ist schon lange gedruckt, ihr habt sie in der Silvesterausgabe gefunden. In der Halle wird es auch noch ausreichend viele geben.

Auf dem Hallenboden geht es um Erkenntnisse für die Rest-Saison und natürlich um den Turniersieg. Wer gewinnt den EZ-Pokal? Das war die Frage in meinem allerersten Blog-Beitrag – auch schon vor neun Jahren – und das ist sie auch heute. Die Frage ist tatsächlich so schwer zu beantworten wie seit Jahren nicht mehr. Der TSV Neuhausen als Ex- und der TV Plochingen als Neu-Drittligist haben die (Favoriten-)Rollen getauscht.

Im Finale setzten sich die Neuhausener vor einem Jahr gegen den TSV Wolfschlugen durch.

Aber schaut man die Tabellen genau an, dann liegen der Drittliga-Drittletzte Plochingen und der BWOL-Zweite Neuhausen nicht so weit auseinander. Ich halte das Rennen für einigermaßen offen. Die Neuhausener fühlen sich in der neuen Rolle des Jägers pudelwohl, wie mir sowohl Trainer Markus Locher als auch Kapitän Hannes Grundler erzählt haben. Sie werden ihren Offensivhandball auf das Parkett legen und haben offensichtlich richtig Lust darauf, den vierten Pokalsieg in Folge und den neunten innerhalb von elf Jahren zu holen.

Die Plochinger hingegen sind gestärkt von einer Halbserie 3. Liga, was schon was macht mit einer Mannschaft. Zudem wollen sie zeigen, dass sie der neue Handballchef im EZ-Land-Ring sind. Coach Michael Schwöbel hat sich jedenfalls klar so geäußert – in der Beilage nachzulesen. Für das Turnier ist das gut, es riecht nach Traumfinale Plochingen gegen Neuhausen.

Kapitän Dominik Webitzky und der TV Plochingen wollen es diesmal wissen.

Aber da sind ja noch immerhin fünf Württembergligisten. Dem TSV Wolfschlugen traue ich da am meisten zu. Nicht nur, weil die Mannschaft von Trainer Veit Wager in der Liga als Dritter am besten dasteht und einen guten Kader hat, sondern weil sie auch eine echte EZ-Pokal-Mannschaft ist.

Im vergangenen Jahr standen die Wolfschlugener im Finale und sie sind der bislang letzte Gewinner, der nicht Neuhausen heißt – im Jahr 2016 war das. Finalgegner war damals der TSV Deizisau. Die Deizisauer sind der Rekordsieger, in der laufenden Runde läuft aber nicht alles rund, zudem ist der Verein bereits auf der Suche nach einem neuen Trainer für die kommende Saison. Aber wer weiß, vielleicht haut die Mannschaft von Olaf Steinke ja einen raus. Der Zeitpunkt würde passen, denn der letzte Deizisauer Sieg ist genau zehn Jahre her.

Auch die HSG Ostfildern sucht einen Trainer, allerdings sofort. Auch hier bin ich gespannt, wie sich die Mannschaft in der Neckarsporthalle präsentiert. Das gilt aber auch für alle anderen und nicht nur die, die realistischerweise um den Sieg  mitspielen. Denn das Schöne am EZ-Pokal ist ja auch, dass immer wieder unterklassigere Mannschaften positiv auf sich aufmerksam machen.

EZ-Volontär Jan Geißler bei den letzten Vorbereitungen am Live-Blog. Ihr werdet abwechselnd ihn und Online-Redakteur Patrick Kuolt an den drei Turniertagen in der Sprecherkabine beim Tickern sehen.

Ich freu mich auf den EZ-Pokal. Die Vorbereitungen bei uns in der Redaktion sind so gut wie abgeschlossen, die fleißigen Helfer der SG Esslingen stehen auch gut da, in der Halle sind noch ein paar Sachen zu tun.

An dieser Stelle schon mal ein fettes Dankeschön an die SGE! Wenn beim Turnier selbst alles so gut läuft wie bei der Zusammenarbeit während der Vorbereitung, wird es ein klasse EZ-Pokal.

Ich werde mich während der drei Turniertage hier am Kreis wieder zurückhalten, meine Kollegen von der Online-Redaktion werden euch im Live-Blog bestens auf dem Laufenden halten. Aber man sieht sich eh in der Halle, gell!   


Pfiffe und ihre Folgen

Vor ungefähr einem Jahr habe ich in der EZ die Aktion „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ gestartet. Ausgegangen ist das von einem Text hier im Blog. Es war klasse, wie groß und positiv die Reaktionen waren, heute hängt in vielen Hallen das Plakat zu der Aktion.

In den vergangenen Tagen hat mich das Thema Schiedsrichter wieder beschäftigt, auf unterschiedliche Weise. Es war mir klar, dass die Aktion das Thema zwar ein bisschen ins Bewusstsein rückt und sensibilisiert, dass sich nachhaltig aber nicht so arg viel ändern würde. Mir war trotzdem wichtig, es zu machen. Und die Reaktionen haben mir Recht gegeben.

Auch in Plochingen hängt das Plakat. Fotos: Paesler (2), Rudel, Strohmaier.

Auch in der Egelseehalle in Neuhausen hängt das „Keine Pfiffe gegen Pfiffe“-Plakat, links hinter dem linken Tor. Im Spiel gegen die TSG Söflingen aber habe ich dort vor einer Woche wieder einen unschönen Fall von Schirigeschimpfe erlebt. Die Jungs auf dem Feld waren richtig gut. Und hätte man eine Statistik über die umstrittenen und falschen Entscheidungen geführt, die es in jedem Spiel und bei den besten Unparteiischen gibt, dann wäre die wahrscheinlich eher leicht zugunsten der Neuhausener ausgefallen. Trotzdem, was da manche erwachsene Menschen während der 60 Minuten so alles in Richtung der Schiedsrichter gebrüllt haben, war einfach nur peinlich. Schade, das tut dem Handball nicht gut.

Lösen lässt sich das Ganze wohl nicht und es ist ganz sicher kein Neuhausener Problem – mein Eindruck war wohl (leider) eher repräsentativ. Aber vielleicht sollten die Vereine doch mal (wieder) auf ihre in dieser Richtung allzu engagierten Fans zugehen.

„Keine Pfiffe gegen Pfiffe“ auch in Wolfschlugen.

Das andere Schiri-Thema: Die Referees sind Teil des Spiels und wir sind froh, dass wir sie haben. Aber auch Schiedsrichter sind nicht immer gleich gut. Wie Handballer nicht immer in Topform sind, so ist das auch bei den Unparteiischen. Da würde auch keiner aus ihrer Zunft widersprechen. Auch wenn sie stark pfeifen, müssen sie sich Dinge anhören, die sie auch dann nicht verdient haben, wenn sie keinen guten Tag erwischen.

Am Samstag in Nellingen hat sich TVN-Trainerin Veronika Goldammer ziemlich über das Schiedsrichterinnen-Duo aufgeregt. Mein Kollege Jakob de Santis, der für die EZ in der Halle war, fand, dass sie teilweise damit Recht hatte. Das darf (und muss man vielleicht) dann auch ganz sachlich schreiben.

In Reichenbach hing das Plakat zuerst.

Wir Journalisten berichten objektiv. Generell sind wir mit Kritik an Schiris zurückhaltend, vor allem, wenn wir nicht selbst vor Ort sind und die Aussagen der Beteiligten überprüfen oder mit der eigenen Einschätzung abgleichen können. Aber wenn es ein Thema des Spiels ist – im positiven wie im negativen Sinne -, lassen wir das nicht aus. Das sind wir dem Sport, der journalistischen Objektivität, aber auch den Schiris selbst schuldig. Alles immer sehr seriös.

Und noch ein etwas unscharfes Beweisfoto aus Denkendorf.

Und vergessen wir nie: Handballer sind Menschen, Schiris sind Menschen. Und am Ende ist es immer ein Spiel. Das wissen Trainer wie Veronika Goldammer, das wissen wir Journalisten. Und daran sollten auch die Hallenbesucher denken, bevor sie irgendwelche Dinge hereinrufen, die sie in einem anderen Umfeld vermutlich nicht von sich geben würden.

So, das war es von mir wieder für eine Weile mit dem Thema Schiedsrichter. Eine gute Vorweihnachtszeit allen und bis zum Fest den Mannschaften noch ein paar Punkte und den Fans ein paar schöne Spiele.

P.S. Gerade waren Bianka und Timo Zocher von der SG Esslingen hier. Wir haben in stimmungsvoller Atmosphäre die Auslosung zum EZ-Pokal vom 4. bis 6. Januar in der Neckarsporthalle gemacht. Gruppen und Spielplan werden in der Mittwochausgabe der EZ veröffentlicht.


Erneuter Neustart in Deizisau

In der kommenden Saison ist Olaf Steinke nicht mehr Trainer des TSV Deizisau. Foto: Rudel

„Die Saison frisst ihre Trainer“, sagt Olaf Steinke. In der Württembergliga geht es in der laufenden Runde um die Qualifikation für die eingleisige Klasse ab der kommenden Spielzeit – und da ist der Druck besonders groß. Frank Ziehfreund musste bei der HSG Ostfildern bereits gehen und ist damit nicht allein in der Liga. Der TSV Deizisau und Steinke haben in dieser Woche bekanntgegeben, dass sie sich am Ende der Saison trennen werden. Hoffentlich nach geschaffter Qualifikation. Ich habe das in der heutigen Printausgabe der EZ kommentiert. Falls ihr es noch nicht gelesen habt, hier nochmal mein Kommentar:

Erneuter Neustart

Den Zeitpunkt früh zu wählen, wenn man die Zusammenarbeit zum Saisonende beenden möchte, ergibt Sinn. Daher haben die Handballer des TSV Deizisau und Trainer Olaf Steinke richtig gehandelt, die Trennung bereits jetzt zu verkünden. So können beide Seiten frühzeitig planen. Warum sich die Wege nach zwei Jahren überhaupt trennen, obwohl beide Seiten betonen, wie gut die Zusammenarbeit sei, ist dagegen nicht ganz leicht nachzuvollziehen.


Nach dem Abstieg aus der Baden-Württemberg Oberliga im Sommer 2018 wollten die Deizisauer einen Umbruch und vor allem Kontinuität. Nun muss der Verein in der neu geschaffenen, eingleisigen Württembergliga – falls die Qualifikation gelingt – erneut einen Neuaufbau starten. Offensichtlich ist das Vertrauen, sich im dann sportlich noch schwereren Umfeld zu behaupten, nicht allzu groß – dagegen aber die Befürchtung, dass die Mannschaft in Abstiegsgefahr geraten könnte, woraufhin dann fast zwangsläufig eine Trainerdiskussion beginnen würde. Wie zum Beispiel kürzlich beim Ligakonkurrenten HSG Ostfildern geschehen, der Frank Ziehfreund während der zweiten Saison der – bis dahin offensichtlich guten – Zusammenarbeit beurlaubt hat.


So handeln die Deizisauer und ihr Trainer irgendwie aus Angst vor der eigenen Courage. Und müssen nun hoffen, dass die Mannschaft vor dem erneuten Trainerwechsel zumindest so gut dasteht, dass Steinkes Nachfolger kein allzu großes Abenteuer eingehen muss. Eine Eingewöhnungsphase benötigt es dennoch, davon kann auch Steinke aus seiner Anfangszeit in Deizisau berichten. Nun sollte der Verein den Neuen zumindest so schnell finden, dass die momentanen Spieler und potenziellen Zugänge wissen, was auf sie zukommt. Sonst wird der Neustart noch schwerer.


Ostfilderner Happy End

So freuen sich die Ostfilderner nach dem Sieg bei den Berghandballern. Fotos: Paesler (2), Rudel (3)

Hinter den Handballern der HSG Ostfildern liegt eine alles andere als leichte Woche. Aber es gab ein gutes Ende – das bis am Freitagabend so um Viertel vor zehn kaum zu erwarten war.

Nach fünf Niederlagen in Folge hatten sich der Verein und Trainer Frank Ziehfreund sowie sein Assistent Michel Jäger getrennt. In gegenseitigem Einvernehmen, wie es so schön heißt. Wie es genau ablief, ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Offensichtlich hatten beide Seiten den Eindruck, dass es nicht so weitergehen konnte wie bisher. Dann kamen wohl ebenso beide Seiten zu der Erkenntnis, dass eine Trennung das Beste ist. Beiden Seiten fiel das offensichtlich nicht leicht.

Und mit etwas Bewegungsunschärfe.

Die Trennung kam überraschend und nicht überraschend zugleich. Überraschend, weil die Konstellation Ziehfreund-Ostfildern zu passen schien und ja auch die erste Saison nach dem Aufstieg – der noch unter Vorgänger Michael Schwöbel gelungen war – sehr gut war. (Intern) weniger überraschend war es möglicherweise, weil wohl neben den Niederlagen in den vergangenen Wochen schon durchschien, dass es nicht mehr so ganz passte. Böse Worte, auch das schien allen wichtig, gab es aber überhaupt nicht.

Nun ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Frank Ziehfreund und Michel Jäger werden noch eine Weile an der Sache zu knabbern haben und irgendwann wieder in das Thema Trainertätigkeit einsteigen. Und in Ostfildern wird weiterhin Handball gespielt.

In der ersten Hälfte schauen die Ostfilderner Wolfgang Zeh und der SG noch hinterher.

Wobei die HSG zunächst nicht in Ostfildern, sondern bei der SG Hegensberg/Liebersbronn gespielt hat. Und mit 30:28 gewonnen hat. Für das Interimstrainerduo Magnus Gründig/Marco Gassmann war es ein Einstand nach Maß. Die beiden gehen mit einer Mischung aus Demut und Selbstbewusstsein an die Sache ran. Die Traineryoungster – 23 und 24 Jahre alt –  wissen, dass sie die Mannschaft nur so lange betreuen, bis ein neuer Chefcoach gefunden ist. Und das ist für sie auch in Ordnung. Aber sie wissen auch, dass man in der Szene registrieren wird, wie sie ihre Sache machen. Irgendwann wollen sie den nächsten Schritt gehen.

Beim Derby auf dem Esslinger Berg sah es lang danach aus, dass ihr Debüt in die Hose gehen würde. In der ersten Hälfte liefen die Ostfilderner permanent hinterher. Dem Gegner, und was das Ergebnis betrifft. Dann kam ab der 40. Minute die für viele überraschende Wende. Die nicht für alle überraschende Wende. Gründig und Gassmann erklärten nach dem Spiel jedenfalls, dass sie darauf spekuliert hatten, dass die Akteure von Hegensberg/Liebersbronn aufgrund des dünneren Kaders nachlassen würden.

Im Derby gibt es viele (zu-) packende Szenen.

So kam es auch. Aber das erklärt nur teilweise, warum die HSG-Handballer dann auch wieder die passende Körpersprache und den Glauben an das eigene Können an den Tag legten, was sie beides zuvor und auch in den vergangenen Wochen nicht gezeigt hatten. „Wir haben in der Pause offensichtlich die richtigen Worte gefunden“, sagte Gassmann vergnügt.

Einer, der schon zuvor dabei war, und nun gemeinsam mit den beiden Interimstrainern auf der Bank saß, war besonders emotional. Während des Spiels und auch danach. Betreuer Matthias Dunz. „Diese kämpferische Leistung zu zeigen nach den vielen Niederlagen, dass muss man erst mal schaffen“, sagte er, „Hut ab vor der Mannschaft.“

Die muss nun zeigen, dass sie neben der richtigen Einstellung auch ihr spielerisches Potenzial wieder länger als gut zwanzig Minuten auf das Parkett bringen kann. Denn es ist kein Automatismus, dass es im letzten Spiel der Jahres  – und vermutlich unter Gründig/Gassmann – bei der SG Langenau/Elchingen wieder einen (glücklichen) Sieg gibt.

Die Vereinsführung muss derweil einen neuen Trainer suchen. Viele sind derzeit nicht ohne Verein, ein paar aber schon: Stefan Haigis, Ralf Rascher, Lars Schwend, Daniel Mayr, Jochen Masching, um einige zu nennen. Letzterer Name wurde am Rande des Derbys eifrig diskutiert – weil er eben zuletzt bei Hegensberg/Liebersbronn tätig war.

Bei Hegensberg/Liebersbronn hängt viel an Fabian Sokele.

Das Thema aus übergeordneter EZ-Handballland-Sicht war in den vergangenen Tagen die HSG Ostfildern. Aber am Freitagabend im Derby hat ja auch die SG Hegensberg/Liebersbronn mitgespielt. Und bei der SG macht man sich nach der Niederlage eigene Gedanken. Darüber vor allem, warum man dieses Spiel gegen einen sicherlich besonders motivierten, aber doch geschwächten Gegner verloren hat. Durch einen Sieg hätte die Mannschaft einen Satz Richtung Tabellenmittelfeld gemacht und den nun nach Pluspunkten gleichgezogenen Gegner auf Abstand gehalten.

So sehr sich die Mannschaft von Trainer Sinisa Mitranic nach dem schwachen Saisonstart – gegen starke Gegner allerdings – gefangen hat, diese Niederlage war ärgerlich. Was den Hauptgrund betrifft, so dürften die HSG-Coaches Gründig/Gassmann wahrscheinlich Recht haben: Der SG-Kader ist einfach zu dünn.

Wolfgang Zeh machte – vor allem in der ersten Hälfte – ein gutes Spiel, Arne Helms setzte Akzente, Henning Richter übernahm Verantwortung. Am Ende aber hängt zu viel von Fabian Sokele ab. Ostfildern stellte auf eine Sokeles Kreise einengende 5:1-Abwehr um – und hatte die SG fast schon geknackt. Dazu stand Sokele sehr lange auf dem Spielfeld und wurde am Ende, in der entscheidenden Spielphase, müde. Dass er zwei seiner vier Siebenmeter, davon einen ganz wichtigen kurz vor Schluss beim Stand von 28:29, verwarf, ist auch eine Sache der Konzentration.

Dass für Hegensberg/Liebersbronn die Saison schwer werden würde, war allerdings zu erwarten. Und insgesamt macht es die Mannschaft gut und hat allemal das Zeug dazu, eine ordentliche Runde mit zumindest der Qualifikation für die Verbandsliga zu spielen.

Von Ostfildern war mehr zu erwarten. Jetzt sind sie bei der HSG aber erst einmal froh, das Derby und damit das Spiel eins nach dem Trainerwechsel gewonnen zu haben. Frank Ziehfreund wird es vermutlich von daheim aus mitverfolgt und sich bei allem Frust über die Erlebnisse der vergangenen Woche gefreut haben.


Sechs Wochen bis zum EZ-Pokalfinale

So war es nach dem EZ-Pokalfinale 2019: Neuhausen jubelt, Wolfschlugen ist enttäuscht. Und einige Zuschauer haben sichtlich ihren Spaß. Foto: Rudel

Das Super-Handballwochenende ist Geschichte. Es war in diesem Fall fast schon Glück – rein aus Platzgründen natürlich –, dass die Fußballer unterhalb der Landesliga nicht gespielt haben. Denn so hatten wir in der Montagausgabe der EZ ausreichend Raum, um die Berichte der vielen EZ-Land-Handballteams unterzubringen. Ich glaube, das gab es noch nie, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern: Alle 17 Teams von der Landesliga aufwärts waren im Einsatz, dabei kein Derby – maximaler Handballumfang also. Allzu gut war die Bilanz allerdings nicht: Sieben Siege, zehn Niederlagen.

Auch die EZ-Reporter hatten Niederlagen zu beschreiben, bei den Drittligisten TV Plochingen (32:33 gegen TuS Dansenberg) und TV Nellingen (29:31 gegen HCD Gröbenzell) ging es spannend zu, der Frustfaktor war in den beiden Hallen jedoch sehr unterschiedlich.

So sah der Bildschirm in der EZ-Sportredaktion irgendwann am Freitagnachmittag aus: eine ganze Seite Handballvorschauen.

In der Dienstagausgabe haben wir wie immer die unteren Handballklassen im Blatt, in der Mittwochausgabe den Jugendhandball. Und diesmal: das Teilnehmerfeld des EZ-Pokals 2020!

Ich finde, wir haben ein sehr schönes Feld beisammen. Ich will noch nicht alles verraten. Aber: 14 Mannschaften sind am Start, der Titelverteidiger ist dabei, der Vorjahresfinalist, der Rekordsieger und ein Neuling mit einem bekannten Mann an der Seitenlinie. Heute in sechs Wochen ist Finaltag in der Neckarsporthalle.

Nach dem Jubiläumsturnier 2019 – wir haben 25 Jahre EZ-Pokal gefeiert – dürfen wir uns auch auf die Ausgabe 2020 freuen. Ich tu es jedenfalls. Die SG Esslingen, die diesmal unser Ausrichter-Partner ist, ist mit Feuereifer bei der Vorbereitung dabei, die Zusammenarbeit macht Spaß. Das wird!

Jetzt dürfen wir gespannt darauf sein, wie es sportlich wird. Denn es dürfte ein recht ausgeglichenes Turnier werden, in dem der Titelverteidiger diesmal von der Papierform her nicht der Top-Favorit ist. Das ligahöchste Team wird den Turniersieg aber auch nicht so im Vorbeigehen schaffen.

Bis es so weit ist, ist zum einen noch einiges an Vorbereitung nötig, bei der SG und bei der EZ. In Kürze nehmen wir die Gruppenauslosung vor und wir arbeiten an der Sonderbeilage zum Turnier. Denn nachdem wir das vor einem Jahr anlässlich des Jubiläums zum ersten Mal gemacht haben und das Heftle gut ankam, machen wir es wieder.

Zum anderen stehen für die Mannschaften bis zum Jahresende noch ein paar wichtige Spiele an. Zum Beispiel für die HSG Ostfildern, bei der in der Württembergliga gerade ziemlich der Wurm drin ist. Am Freitagabend geht es zum Derby auf den Berg zur SG Hegensberg/Liebersbronn. Zu Saisonbeginn und noch vor ein paar Wochen hätte ich vorausgesagt, die HSG ist da der Favorit. Jetzt reist Ostfildern aber als Drittletzter zum drei Plätze besseren Zehnten. Und steht unter Druck.

Ich werde am Freitag in der Halle sein und nach dem Spiel (Beginn 20.15 Uhr) Vollgas geben, um noch ein paar ordentliche Zeilen ins Blatt zu bringen.

Morgen schreibe ich aber erst einmal etwas zum EZ-Pokal.    


Plochingen ist wieder dabei

Puh, da müssen wir durch: Christos Erifopoulos. Fotos: Rudel

Ich weiß nicht, wer beim TV Plochingen am Ende am meisten geschafft war. Vielleicht war es Michael Schwöbel. Mental war das Spiel des Handball-Drittligisten gegen die TSG Haßloch anstrengend. Aber wie Schwöbel da an der Seitenlinie auf- und abgetigert ist und gestenreich Anweisungen gab –  da hat er schon ein paar Meter gemacht. Zumal sich die Spieler zwischendurch ja mal ausruhen durften. Der Trainer nicht.

Immer unter Strom: Michael Schwöbel.

Nun ist Schwöbel keiner, der stets ruhig auf seinem Bänkle sitzt, aber so wie am Samstag hab ich ihn noch nie erlebt. Es zeigt, wie wichtig dieses Spiel für die Plochinger war. Wie wichtig der Sieg am Ende war. Wie wichtig es war, die erste Krise in der dritthöchsten Spielklasse zu bewältigen. Nach drei Siegen aus den ersten fünf Spielen hatte der Aufsteiger sieben Niederlagen in Serie kassiert – jetzt sieht die Bilanz mit 8:18 Punkten schon besser aus. 8:18 Punkte haben in der Tabelle gleich vier Mannschaften. Zehn Teams sind besser, nur zwei schlechter. Da sieht man, wie eng es in der Liga zugeht. Und dass die Plochinger wieder dabei sind. Unten dabei, aber dabei.

Es war kein hochklassiges Spiel. Aber es war eine überzeugende Leistung. Bei der vor allem in der Anfangsphase einiges zugunsten der Plochinger lief. Das könnt ihr aber ausführlich in meinem EZ-Text nachlesen. Ich habe übrigens auch für die Kollegen der Rheinpfalz in Neustadt ein paar Zeilen geschrieben. Ähnlicher Text, ganz anderer Einstieg. Woran man sieht, wie nahe Jubel und Frust beieinanderliegen.

Ganz stark gegen Haßloch: Henrik Bischof.

Plochingens Christos Erifopoulos jedenfalls konnte mit den Haßlochern, die nach der nun dritten Niederlage in Folge vom TVP den vorletzten Tabellenplatz übernommen haben, nachfühlen: „So ist es uns in der Woche davor in Oppenweiler gegangen. Wenn man schlecht ins Spiel findet, wird es ganz schwer.“ Vor allem, wenn das Gewicht eines Negativlaufes auf einem lastet.

Verletzungsbedingt der Alleinunterhalter am Kreis: Philipp Gollmer.

Den haben die Plochinger nun erst einmal gestoppt. Sie haben es endlich wieder geschafft, die Leidenschaft an den Tag zu legen, ohne die es nicht geht, und gleichzeitig einen kühlen Kopf zu bewahren und taktisch die Linie zu halten. Dazu hat Erifopoulos seinen Beitrag geleistet. Der junge Deutsch-Grieche hat wieder ein gutes Spiel gemacht und damit gezeigt, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Henrik Bischof war zudem vor allem in der Anfangsphase stark. Bei ihm war da im Gegensatz zu seinen Kameraden keine Unsicherheit zu spüren. Neuzugang David Spiler braucht noch ein bisschen, zumal er noch angeschlagen war und Schwöbel seine Pause, nachdem er ihn  nach der Anfangsphase vom Spielfeld genommen hatte, verlängerte. Denn es lief auch ohne den Slowenen gut.

Am Samstag nicht viel im Einsatz: David Spiler.

Die Plochinger werden bis zum Saisonende kämpfen müssen. Die nächsten Rückschläge werden kommen. Man darf nicht vergessen, dass Haßloch ein Gegner war, der ebenfalls hinten drin steckt. Aber den muss man erst einmal schlagen und im Gegensatz zum TVP ist es eine gestandene und körperlich großgewachsene Drittligamannschaft, die vor zwei Jahren in der Liga noch oben mitgespielt hat. Und es hat ja jeder damit gerechnet – naja, nach dem super Start haben vielleicht ein paar geträumt -, dass der TVP gegen den Abstieg kämpfen wird.

3. Liga in Plochingen macht jedenfalls Spaß. Gut gefallen hat mir auch, dass die Halle trotz der Niederlagenserie gut gefüllt war. Am Ende waren nur die nicht gerade wenigen Gästefans nicht happy.

Am Samstag geht es für den TVP gleich mit dem nächsten Heimspiel weiter. Gegen Dansenberg. Das ist der Vierte. Aber mit der Außenseiterrolle haben die Plochinger in der laufenden Saison ja auch gute Erfahrungen gemacht. Gerne erinnern sie sich an den Auftaktsieg gegen Pfullingen mit Ex-Trainer Daniel Brack. Der VfL steht nach dem Sieg im Spitzenspiel gegen Balingen auf Platz zwei.   

Michael Schwöbel wird am Samstag wieder seine Meter machen.


Die Hornets machen wieder Spaß

Spielt jetzt schon eine wichtige Rolle im TVN-Gefüge: Chiara Baur. Fotos. Rudel

Es war fast wie in alten Zeiten. Ich sitze neben Hallensprecher Hans A. Schatz, die Spielfeldbegrenzung keine zwei Meter vor mir und es spielt ein Team des TV Nellingen mit einigen Eigengewächsen gut und um den Sieg. Naja, der Altersunterschied zu den Spielerinnen ist etwas größer als damals zu Zeiten von Steffi Urbisch, Sandra Faustka und Bäbel Lang. Vroni Goldammer aber ist noch da, nicht auf ihrem Stammplatz auf der Tribüne rechts neben mir. Mittlerweile ist sie Trainerin des ersten Nellinger Teams und steht gestikulierend auf der gegenüberliegenden Seite neben der Bank.

Aber die alten Zeiten sind vorbei. Es hat sich viel getan, seit der TVN in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga gegen Metzingen, Weibern oder Bensheim gespielt hat. Das Team ist in die Bundesliga aufgestiegen, und spielt nach dem Rückzug jetzt in der 3. Liga. Die vergangenen Wochen waren geprägt von Umbruch, von der Suche nach Spielerinnen. Von Unsicherheit. Der Start des jungen Teams in der 3. Liga war nicht prickelnd. Jetzt aber, nach ein paar Wochen, kann man festhalten: Der TV Nellingen ist in der Liga angekommen. Trotz 3:9 Punkten und Platz zehn von zwölf. So langsam kristallisiert sich heraus, wo das Team sportlich steht. Was es kann. Wo es besser werden muss. Und wo es hingehen kann.

Und vor allem: Die Hornets machen wieder Spaß.

Umkämpftes Derby: Marlene Kriessler (Mitte), Harriet Seckinger (links), Mara Seitzer (rechts).

Trotz der 25:28-Niederlage im Derby gegen den TSV Wolfschlugen bin ich mir sicher: Die Hornets werden das Ziel Klassenverbleib schaffen, sie werden in der laufenden Saison noch einige Spiele gewinnen. Und sie werden, wenn die Talente bleiben und vielleicht die eine oder andere Spielerin dazukommt, ihren Weg auch über den kommenden Sommer hinaus machen.

Denn: Es gibt eine Menge Unerfahrenheit, die noch zu Niederlagen führt. Aber es gibt eine Menge Talent, das zu Siegen führen wird. In den vergangenen Wochen gab es dafür einige Fingerzeige, viele auch im Spiel gegen Wolfschlugen. Nach dem schwachen Saisonstart und dem ersten Sieg gab es einen überraschenden Punkt gegen Spitzenreiter Regensburg und nun in Allensbach und gegen Wolfschlugen zwei Niederlagen nach einer verspielten Führung.

Starkes Spiel: Leonie Dreizler.

Das ist das typische Indiz dafür, dass es an Erfahrung und Cleverness fehlt. Deshalb bemängelte Trainerin Goldammer (das habe ich in meinem Text für die EZ nicht zitiert) nach dem Spiel auch: „Man sieht, was die Mannschaft im Stande ist zu leisten, aber ein Spiel dauert eben 60 Minuten.“

Was mich an den guten 45 Minuten vor allem beeindruckt hat, war die Abwehr. Zwischen 17 und 20 Jahre alt sind die Spielerinnen, die da im Mittelblock stehen – was sie abgeliefert haben war taktisch, läuferisch und kämpferisch erste Sahne. Es wirkte fast schon routiniert.

Die Konstante in Nellingen: Trainerin Veronika Goldammer.

Vorne fehlt noch die Durchschlagskraft, leichte Tore gibt es wenig. Aber vor allem Chiara Baur und Leonie Dreizler haben mich mit einer guten Wurftechnik und einem klasse Bewegungsablauf überzeugt. Aber alle anderen auch.

Nur eben in Phasen wie der nach der Pause, als Wolfschlugen aufgedreht hat, vor allem kämpferisch noch was draufgelegt hat, fehlt noch die Vorangeherin, die die Kohlen aus dem Feuer holt. Zu hektisch sind dann die Aktionen. Schwupps ist der Gegner vorbeigezogen. Und die Nellingerinnen finden zu spät wieder in die Spur. Stellen sich auch zu spät auf taktische Umstellungen des Gegners ein. Zumindest in Allensbach und gegen Wolfschlugen war das so. Ich glaube, Chiara Baur kann diese Vorangeherin werden. Sie wird ohnehin ihren Weg gehen.

Das sind die Dinge, bei denen es Woche für Woche einen Lernerfolg geben wird. Das Potenzial ist da. Und wenn jetzt auch wieder ein paar mehr Zuschauer kommen, die vielleicht mittlerweile mitbekommen haben, dass es sich lohnt, den TVN-Mädels zuzuschauen, dann könnte es fast wieder wie in alten Zeiten werden. In Liga drei halt. Aber das muss ja nicht ewig so bleiben.

Linda Leukert kämpft sich durch.

Ein paar Sätze zu Wolfschlugen müssen aber auch noch sein: Mich hat das Team schon gegen den schwächeren TV Möglingen überzeugt. Gegen Nellingen sind die Wolfschlugenerinnen nach einem Sechs-Tore-Rückstand (10:16) wieder ins Spiel zurückgekommen, haben sich reingekämpft. Sie glauben an sich und an das, was sie tun. In der Tabelle stehen sie auf Platz zwei. Man kann festhalten: So direkt nach dem Aufstieg ist Wolfschlugen schon ein richtiger Drittligist. Nellingen braucht noch ein bissle, aber bange ist mir da auch nicht.

So, kommt gut durch die Woche. Ich mache jetzt zwei Wochen Urlaub – eigentlich schon ab heute ;-).


Basis und Weltklasse

Derby zwischen Köngen und Reichenbach – müssen die Amateurvereine in Zukunft die Leistungssport-Förderung mitfinanzieren?

Gestern flatterte eine Pressemitteilung des Deutschen Handball-Bundes ins Email-Postfach der Sportredaktion. „Grundsatzbeschluss pro Strukturreform“, war sie überschrieben. Es stand nicht viel Konkretes drin, aber dass der DHB nun offiziell beschlossen hat, seine Strukturreform voranzutreiben, Arbeitsgruppen zu bilden und das Ding bis 2021 durchzuhaben.

Für Diskussionen sorgt die angepeilte Reform dennoch schon. Dass sie nötig ist, bestreitet wohl niemand. Dennoch sind nicht alle mit allem glücklich, was da geplant ist. Wobei, das Zauberwort soll auch hier „Mitnehmen“ heißen. Die Vereine und Landesverbände sollen mitgenommen werden. Und für den HVW ist Hans Artschwager ja vorne mit dabei.

Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es vor allem um drei Elemente: Die Zahl der Landesverbände soll auf zehn reduziert werden, es soll im Leistungssport in Trainer investiert werden, damit Deutschland international wieder nach ganz oben kommt – und für die Finanzierung soll eine so genannte Lizenzgebühr eingeführt werden. Da vor allem regt sich Widerspruch. Wenn es ums Geld geht, ist der Protest nicht weit.

Auch ich bin noch in der Meinungsfindung. Deshalb das Einfache zuerst: Dass es – unter anderem – die historisch gewachsene Aufteilung in einen württembergischen, einen badischen und einen südbadischen Landesverband in Zukunft nicht mehr geben soll, macht einfach nur Sinn. Andere Sport-Verbände haben das schon lange durch und spielen unter einem baden-württembergischen Dach. Wobei es auch da teilweise heftige Diskussionen gab und es einige auch nicht geschafft haben, die Tischtennisspieler etwa. Da haben sich die Südbadener quer gestellt.

Das anzupacken, halte ich für richtig und überfällig. Allerdings werden sich einige, die das auch so sehen, in ihrer Meinung bestätigt fühlen, dass der HVW mit seiner Strukturreform auf den übergeordneten DHB hätte warten können. Im Südwesten ist die Reform beschlossen und greift ab der kommenden Saison, was auf die laufende bereits mächtige Auswirkungen hat. Wir haben es ausführlich diskutiert.

Erst DHB-Reform, dann eine Spielklassenreform im neuen BW-Verband – das hätte schon Sinn gemacht. Vor allem, was die Einteilung der Ligen betrifft, die dann regional sinnvoller hätten gestaltet werden können. Aber das ist ums Eck, vielleicht gibt es ja irgendwann ein Reförmle der Reform.

Für nicht so einfach halte ich die Sache mit der Lizenzgebühr. Gut ist, dass der Leistungssport gestärkt werden soll. Und zwar nicht im Sinne der finanziellen Unterstützung der A-Nationalmannschaften, sondern bei der Nachwuchsförderung. Das würden wohl fast alle unterschreiben. Aber dass die Basis dafür bezahlen soll, dass es die Nationalteams wieder in die absolute Weltspitze schaffen, wird heftigen Widerstand hervorrufen.

10 Euro pro aktivem Spieler und Jahr – Jugend ausgenommen – sind angedacht. Wohin das Geld genau fließen soll, ist noch nicht klar (zumindest mir nicht). Auch zurück in den Breiten-, aber wohl vor allem in den Leistungssport. Gerecht ist das nicht. Beide Bereiche sollten sich selbst finanzieren können und eher die Vereine für die Ausbildung der Top-Talente entschädigt werden. Gehobenen Amateursport zu finanzieren, ist schwer genug. Das können die Macher bei den vielen Clubs im EZ-Land bestätigen.

Auf der anderen Seite ist die Frage, wo das Geld sonst herkommen soll. Von zusätzlichen Sponsoren? Durch einen Aufschlag auf die Eintrittspreise in der Bundesliga und der 2. Bundesliga – auch das wird diskutiert. Oder durch höhere Preise bei allen Spielen? Oder… Wenn die Nationalteams Erfolg haben, kann das auch eine Sogwirkung auf die Basis haben – so eine andere Argumentation.

Im Fußball ist es eher anders herum. Da gibt es Transferleistungen von der Bundesliga und dem DFB zu den Amateuren – auch wenn das teilweise eine Milchmädchenrechnung ist. Aber das ist von der Einnahmenseite nicht vergleichbar.

Handball ist Handball – und zumindest auf struktureller Ebene wird sich da einiges verändern. Hören wir uns an, wie die Diskussion weitergeht. Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen.  


Ein Handball-Wochenende in Bildern

Drittligist Plochingen verliert gegen Hochdorf (Baden!), Ostfildern gewinnt überraschend das Württembergliga-Derby gegen Deizisau, Köngen setzt sich im Landesligaspitzenderby in Denkendorf durch und Neuhausen fegt schließlich Baden-Baden, noch besser bekannt als Sandweier, im Spitzenspiel der BWOL aus der Halle. Und dazu noch der Punktgewinn der Nellinger Drittliga-Frauen gegen Tabellenführer Regensburg. Was für ein Handball-Wochenende.

Die Analysen und Berichte sind in der EZ nachzulesen. Jakob de Santis (Neuhausen), Kerstin Dannath (Denkendorf), Max Bruns (Scharnhausen) und ich (Plochingen) waren in den Hallen vor Ort. Unser Fotograf Herbert Rudel musste am Samstagabend ganz schön Gas geben, denn drei der Spiele liefen parallel. Und weil er dabei schöne Fotos gemacht hat, gibt es nun hier statt viel Text ein Handball-Wochenende in Bildern. Viel Spaß damit.

Neuzugang David Spiler wird in Plochingen begrüßt. Fotos: Rudel
Marvin Fuß stemmt sich gegen die Niederlage.
Maximilian Schmid-Ungerer zeigt ebenfalls Normalform.
Spiler in seinem ersten Spiel für den TVP im Einsatz.
Neuhausens Leon Papst zieht ab.
Philipp Keppeler ist im Anflug.
Wo dieser Ball wohl hinfliegt, fragen sich Timo Durst und die Baden-Badener Verteidiger.
Hannes Grundler spielt nochmal ab.
Pascal Reitnauer zeigt im Derby vollen Einsatz.
Jonas Reinold hofft, dass der Ball reingeht.
Timo Flechsenhar (rechts) bringt seine Erfahrung ein.
Moritz Grimm kennt keinen Schmerz.
Die Denkendorfer Abwehr scheint in dieser Situation schwer überwindbar.
Routiniers unter sich: Lukas Taxis (links) und Frieder Gänzle
Christian Dobler überwindet Manuel Vogel im Köngener Tor.
Köngens Trainer Simon Hablizel – später darf er jubeln.