Härtere Linie vorgeben

Es war gestern kein guter Abend für den Handball auf den Fildern. Mit 31:22 hat Drittligist TSV Neuhausen die TSG Großbieberau aus der Halle gefegt – zumindest trifft das auf die letzten Minuten zu. Ein wichtiger Sieg. Thema war aber nur die schwere Verletzung von Markus Fuchs. Wie er da auf dem Boden lag und Schmerzen hatte, das ging jedem in der Halle durch Mark und Bein. Das Knie war ausgekugelt, einer, der sich auskennt, sprach von einem „Totalschaden“ im Knie.

Es stellt sich die Frage: Wie kam es dazu? Unser Fotograf Herbert Rudel hat die Szene fotografiert, man sieht auf den Bildern recht deutlich, wie der Gegenspieler Fuchs von hinten mit dem Knie umrennt. Er wollte ihn bestimmt nicht absichtlich verletzen, aber so übermütig, wie er da reingeht, muss er wissen, was da passieren kann. Das zumindest ist mein Eindruck nach dem, was ich gesehen habe und was die Fotos von Herbert Rudel zeigen.

Ich habe mich entschlossen, keines der Bilder heute in der EZ zu veröffentlichen. Es sieht schlimm aus und das muss man nicht zeigen. Es ist nicht das erste Mal in den vergangenen Wochen, dass ich von schlimmen Verletzungen im Handball mitbekomme. Ich denke da etwa an Wernaus Oliver Beiser. Auch beim Team Esslingen gab es kürzlich eine heftige Szene. Ich hab viel mit Trainern und Spielern über das Thema gesprochen. Und es erhärtet sich mein Eindruck, dass hier irgendwas schief läuft. Wie gesagt, keiner will den anderen absichtlich verletzen und die Großbieberauer haben Fuchs auch gleich gute Besserung gewünscht. Aber es wird ruppiger. Wenn ich sehe, dass derselbe Spieler, der an Fuchs Verletzung beteiligt war, wenige Sekunden nach der Verletzungsunterbrechung schon wieder Philipp Frey im Sprung schubst, dann fehlt mir dafür das Verständnis.

Gerade dieses Stoßen in der Luft gehört von Seiten der Schiedsrichter härter bestraft. Da kann so viel passieren. Und passiert auch. Ich weiß, dass ihnen da so ein bisschen die Handhabe fehlt und die beiden Frauen gestern – jeweils ein Kopf kleiner als der kleinste Spieler – haben die schwierige Aufgabe insgesamt auch klasse gelöst. Das ist eine Sache des Verbandes, der da meiner Meinung nach eine klare und härtere Linie vorgeben muss, um die Gesundheit der Sportler zu schützen. Wenn ich anschaue, dass VfB-Verteidiger Cristian Molinaro im Bundesligaspiel in Leverkusen Rot sieht, weil er den Fuß zu hoch hat und Andre Schürrle unabsichtlich am Kopf trifft (ich hab‘s live gesehen), dann ist der Fußball in diesem Bereich weiter. Auch wenn zumindest in der Bundesliga auch bei den Handballern teilweise konsequenter gepfiffen wird.

Vielleicht sollten auch die Trainer mehr Einfluss nehmen. Natürlich ist der Grad schmal. So hat mir Neuhausens Spieler Daniel Hebisch, der selbst eine schwere Verletzung hinter sich hat, gestern versucht zu erklären, warum das Spiel gerade kurz nach der Verletzung von Fuchs besonders ruppig war. Alle seien geschockt gewesen, aber keiner wollte sich vorwerfen lassen, dass das Match verloren geht, weil er jetzt zu lasch rangeht. Okay, es geht um was. Aber statt die Spieler nur heiß zu machen, sollte man ihnen schon näher bringen, dass man einige Dinge einfach bleiben lässt, wie etwa so Aktionen wie damals der unnötige Schubser, der zu Beisers Verletzung geführt hat. Ich hab das Video gesehen, bäh.

Vielleicht tut sich ja mal was, aber ganz lassen sich Verletzungen nie ausschließen. Markus Fuchs jetzt erst einmal alles Gute, wenig Schmerzen, schnelle Genesung und eine möglichst schnelle Rückkehr in die Halle!


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10 Antworten auf „Härtere Linie vorgeben“

  1. danke für den Hinweis, das habe ich übersehen, ich denke, ich habe es zum Ausdruck gebracht, dass ich es nicht genau registriert hatte in Anbetracht der Bilder…allerdings ist gelb und da bleibe ich dabei, nicht die entsprechende Konsequenz für dieses Foul, auch nicht in der 5. Minute.

  2. Kompliment für den Blog, Herr Paesler, in dem Sie sicherlich dem Großteil der Zuschauer des gestrigen Spiels aus der Seele gesprochen haben. Verwiesen auf den 1. Kommentar des Mad Dogs-Fans, auch ich habe vor dem Spiel die Hompage der Groß Bieberauer gelesen und auch mir kam der Artikel, der auf die Gefährlichkeit des wohl besten Kreisläufers der Liga, Markus Fuchs, hinwies und wie dem zu begegnen sei, sofort wieder vor Augen. Das mag ein blöder Zufall sein…vielleicht auch nicht. Die beiden Schiedsrichterinnen waren über 60 Minuten gesehen sicherlich nicht schlechter als ihre bislang dagewesenen männlichen Kollegen, aber in dieser Szene gab es, soweit ich dies mitbekommen habe, nicht mal gelb…und das geht gar nicht, ich unterstelle keine Absicht zur Verletzung des Spielers, aber Absicht zum groben Foul und das erfordert eine entsprechende Konsequenz, auch in der 5. Spielminute…der Gesundheit der Spieler zu liebe. Da halfen den beiden Mädels auch keine 55 ordentlich gepfiffenen Minuten.

  3. War Oliver Beiser in der jüngsten Vergangenheit auch verletzt? Oder war das nicht Dennis Ulbrich?
    Für Markus Fuchs auf jeden Fall gute Besserung und hoffentlich ist er bald wieder zurück!

  4. Ich hab eben mit Markus Fuchs telefoniert. Mann, hat der Glück gehabt. Die Kernspintomographie hat ergeben, dass lediglich ein Innenband geschädigt ist. Knochen, Kreuzbänder und Meniskus haben die Aktion ausgehalten, bei der das komplette Knie rausgesprungen ist. Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass das überhaupt geht. Und jetzt kann ich kaum glauben, dass dann so wenig kaputt ist. Der Kerl hat halt eine gute Muskulatur. Und er hatte, wie er mir erzählt hat, das große Glück, dass Großbieberau einen ziemlich kompetenten Mannschaftsarzt dabei hatte. Ein „gutes Gefühl“ sei es gewesen, als das Knie wieder reingeflutscht ist. Gutes Gefühl – der hat Nerven. Aber das sind doch mal positive Nachrichten.

  5. „Seine Defensive hat der Spielertrainer eingehend gewarnt vor dem Zusammenspiel der Haupttorschützen Simon Wohlrabe (77 Tore) und Markus Fuchs (95), dem vielleicht besten Kreisläufer der Liga.“ http://www.tsggrossbieberau.de/

    Ich will da nicht unnötig etwas unterstellen, aber es bekommt schon einen Beigeschmack. Zumal die TSG schon gegen Leutershausen so hart gespielt und damit fast gewonnen hat – laut Spielbericht.

    Ihren Genesungswünschen kann ich mich nur anschließen.