Der Magier, der Marktplatz – und Mimi

Vlado Szenzel, der heute 80 Jahre alt wird, vor vier Jahren beim Esslinger Marktplatzturnier. Foto: Rudel
Vlado Szenzel, der heute 80 Jahre alt wird, vor vier Jahren beim Esslinger Marktplatzturnier. Foto: Rudel

Frisch Auf Göppingen ist zum ersten Mal beim Marktplatzturnier dabei. Aber wie man seit heute weiß, muss Michael Kraus zuschauen. Foto: Rudel
Frisch Auf Göppingen ist zum ersten Mal beim Marktplatzturnier dabei. Aber wie man seit heute weiß, muss Michael Kraus zuschauen. Foto: Rudel

Eigentlich wollte ich ja wie gewohnt bis Anfang September Sommerpause machen. Aber Vlado Stenzel wird heute 80 Jahre alt. Und am Wochenende ist Marktplatzturnier. Ein Muss für die Handball-Fans und auch für mich. Als es in der Redaktion darum ging, wer sich um die Veranstaltung journalistisch kümmert, habe ich jedenfalls ganz schnell den Finger gehoben.

Und dann kam eben diese Eilmeldung rein: „Nationalspieler Michael Kraus ist wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln vom Deutschen Handballbund suspendiert worden. Dem 30-Jährigen werden drei Meldepflicht- und Kontrollversäumnisse vorgeworfen, teilte der Verband am Mittwoch mit.“ Ich habe sofort umgeplant. Mehr dazu morgen in der EZ!

Wie das Marktplatzturnier und Vlado Stenzel für mich zusammen gehören? Ganz einfach: Vor vier Jahren war er in Esslingen als Zuschauer dabei und ich habe mich mit ihm unterhalten. Ein hoch interessanter Typ mit jeder Menge mehr oder weniger verrückten Ideen. Aus gegebenem Anlass habe ich hier einfach noch mal meine Geschichte von damals angehängt. Viel Spaß beim Lesen.

Auch dieses Mal werde ich wieder einige Zeilen vom Markplatzturnier und drumherum zusammenkriegen. Die große Vorschau ist heute schon in der EZ (Seite 17). Am Freitag werde ich beim Eröffnungsspiel in Deizisau zwischen Frisch Auf Göppingen und HC Kriens-Luzern sein ein einen aktuellen Mehrspalter für die Samstagausgabe schreiben. Und für den Montag wird es fast eine ganze Seite geben – hoffentlich mit Bildern vom sonnendurchfluteten Marktplatz. Denn das hat auch Göppingens Manuel Späth vor seinem Fast-Heimspiel betont: „Ich hoffe, dass das Wetter gut wird und wir nicht in Schelztorhalle umziehen müssen.“

Und wenn doch: Nicht nur „unser“ Manu aus Ostfildern freut sich auf das Turnier, auch die Macher und die Fans dürfen sich freuen, dass Frisch Auf endlich mal mitspielt. Leider wird Mimi Kraus nun nicht dabei sein. Ich bin mal gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Aber wie gesagt, viel mehr kann man dazu noch nicht sagen.

Was ich sonst noch vorhabe beim Marktplatzturnier? Kann ich ruhig verraten, wobei ich natürlich nicht weiß, ob ich auch alle Geschichten gebacken bekommen – und einige werden auch nicht auf der Seite für Montag Platz haben, sondern später erscheinen: Ich möchte mich mit dem dreifachen spanischen Weltmeister Jaume Fort unterhalten, der früher ja mal bei Frisch Auf im Tor stand und jetzt die Nationalmannschaft von Südkorea trainiert, die auf dem Markplatz mitspielt. Dann hoffe ich, dass DHB-Präsident Bernhard Bauer nicht wie im vergangen Jahr absagen muss und dass er sich ein paar Minuten für den EZ-Mann Zeit nimmt.

Mit Lars Schwend, dem Trainer des TSV Wolschlugen, möchte ich mich über seine neue Tätigkeit als Bildungsreferent des DHB unterhalten. Und dann ist Jochen Masching vom TV Reichenbach da, dessen Mannschaft zwar leider nicht mitspielt, der in seiner Funktion als (fast fertiger) Filmstudent aber an einem Imagefilm über Frisch Auf arbeitet. Spannende Sache das.

So, ich hoffe, das hier bekommen trotz eigentlicher Am-Kreis-Pause ein paar mit – lasst mich doch einfach wissen, ob ihr am Wochenende auch auf dem Marktplatz dabei seid.
Und jetzt wie angekündigt, der Magier:

Der Reformator und die Trägheit der Masse

Der frühere Bundestrainer Vlado Stenzel kämpft auch in Esslingen für einfachere Handball-Regeln (Eßlinger Zeitung vom 26. Juli 2010)

Von Sigor Paesler

Esslingen – Für Holger Fleisch und
Jürgen Rieber war es so etwas wie
das höchste erlangbare Lob. „Die
haben gut gepfiffen“, sagte Vlado
Stenzel über das Handballschiedsrichter-
Duo aus Nellingen, fügte
dann aber – fast ein bisschen über
sich selbst erschrocken – an: „Die
haben mich überrascht.“ Ansonsten
sind von dem früheren Bundestrainer,
der die deutsche Nationalmannschaft
1978 in Kopenhagen zum
Weltmeistertitel geführt hatte, üblicherweise
Sätze zu hören wie dieser:
„Die Schiedsrichter entscheiden
das Spiel, nicht die Sportler.“

Am Freitag wurde Stenzel 76 Jahre
alt. Doch statt zuhause in Wiesbaden
zu feiern, kam der Kroate nach
Esslingen zum Marktplatzturnier,
wo er in den 60er-Jahren schon mal
mit Medvescak Zagreb im Finale
stand. Er kam, um Handball zu sehen,
um über Handball zu diskutieren
– und um für seine Ideen zur Reformation
seines geliebten Sports zu
werben. Denn das tut er unermüdlich
und und so leidenschaftlich, wie
er früher an der Seitenlinie mitlebte.
Handball war sein Sport, Handball
ist sein Sport. Aber wenn es nach
ihm ginge, wäre der Handball der
Zukunft nicht mehr der der Gegenwart.
„In Deutschland ist Handball
populär, aber fragen sie die Leute in
anderen Ländern mal danach“, sagt
er. „Da kennen sie Basketball und
Fußball, aber nicht Handball. Unser
Sport muss bekannter werden.“ Er
wird konkreter: „In Amerika kommen
wir nicht durch, in England
nicht und auch nicht in Bayern – da
sind die Leute etwas simpler gestrickt.“
Heißt für Stenzel: Die Regeln
müssen nachvollziehbarer sein,
damit sich der Sport auch dort
durchsetzt. Württemberg hat der
selbst ernannte Handball-Forscher
höflicherweise bei der Beschreibung
der Handball-Diaspora ausgenommen.
Auf Nachfrage wird er aber
auch hier deutlich: „Es gibt Göppingen
und ein bisschen Balingen, aber
ansonsten ist in Süddeutschland
praktisch kein Leistungshandball
vorhanden, das ist Überlebenskunst.“
Der Mann hat seine Meinung,
und er vertritt sie.

Und er macht Vorschläge. Zum Teil
sind sie ziemlich radikal. Sein Ausgangspunkt:
„Es gibt keine Ballsportart,
bei der es so viele Regeln
gibt, nach denen man so oder so
pfeifen kann.“ Also müssen sie vereinfacht
und teilweise ganz abgeschafft
werden. Als Vorbilder dienen
Stenzel die Sportarten, die es
weltweit zu mehr Popularität geschafft
haben und seiner Meinung
nach präziser sind: „Die Regeln, die
man vom Fußball und vom Basketball
übernehmen kann, muss man
übernehmen.“ Beispielsweise ist er
für die Einführung der Vorteilsregel
– wie im Fußball. Und dafür, dass
nur im Angriff gewechselt werden
darf – wie im Basketball. Zudem
fordert er die Abschaffung des Zeitspiels
(„die blödeste Regel überhaupt“)
und des „Mists mit den
Zweiminutenstrafen“. Der frühere
Torhüter hat noch unzählige weitere
Ideen auf Lager, die er zum Teil
schon mit Mannschaften ausprobiert
hat.

Stenzel bekommt in der Szene Gehör,
weil es Stenzel ist, der „Magier“,
der so viel für den deutschen
Handball getan hat. So sagt er selbst
und nicht ganz zu Unrecht: „Ich
denke, dass es auch mein Werk ist,
dass Deutschland heute in der Weltspitze
ist. Ich habe etwa die eingleisige
Bundesliga durchgesetzt.“ Aber
im Gegensatz zu früher („alles was
ich wollte, habe ich geschafft“) bekommt
er heute vor allem Ablehnung
für seine Vorschläge. „Vlado,
das war nix“, schreibt etwa ein
Handball-Fan in einem Internet-Forum.
Der Reformator zuckt mit den
Schultern und haut wieder einen
Spruch raus: „Ich habe nicht erwartet,
dass die Masse intelligent ist.
Die meisten denken mit den Muskeln
und sind zu sehr im System.“
Er selbst, gibt er zu, wurde auch erst
zum Handball-Theoretiker, nachdem
er sich von der vordersten Trainerreihe
verabschiedet hatte.

Stenzel aber ist Optimist und glaubt
weiter fest daran, den Handball voranbringen
zu können. „Seine Zeit
ist vorbei“, hat der jetzige Bundestrainer
Heiner Brand mal über seinen
früheren Nationalcoach gesagt.
Der aber winkt ab und grinst: „Heiner
ist meiner Meinung, auch wenn
er es nicht offen sagt.“ Und er ist
überzeugt: „Durch meine Schimpferei
hat sich schon ein bisschen geändert.“
So oder so bleibt es der Sport,
der sein Leben ist. „Die Spannung
ist es, die den Handball ausmacht“,
sagt Stenzel mit leuchtenden Augen,
die sich dann noch mal verfinstern:
„Aber die Spannung machen
die Schiedsrichter.“ Vielleicht mit
Ausnahme von Holger Fleisch und
Jürgen Rieber.


Volltreffer und voll daneben

Hab ich's nicht gesagt? Die Neuhausener bejubeln den Wiederaufstieg in die 3. Liga. Foto: Rudel
Hab ich’s nicht gesagt? Die Neuhausener bejubeln den Wiederaufstieg in die 3. Liga. Foto: Rudel

Puh, das war knapp. Durch die 28:29-Niederlage der Wolfschlugener Handball-Frauen in Steißlingen fällt die letzte Entscheidung der Saison im EZ-Land am Donnerstag ohne direkte Beteiligung eines EZ-Land-Teams. Während die Wolfschlugenerinnen (ohne Trainer Veit Wager) auf Mallorca chillen, sind sie darauf angewiesen, dass das Ergebnis im Spiel zwischen Ketsch II und Steißlingen genau so läuft, dass sie als lachende Dritte den Aufstieg in die BWOL schaffen. So riesig groß ist die Chance nicht, aber sie ist vorhanden.

Es ist also eher wahrscheinlich, dass die Wolfschlugenerinnen in der Württembergliga bleiben, da können sie dann in der kommenden Saison unter dem neuen Trainer Thorsten Findeis einen weiteren Anlauf starten. Bevor ich mich in die Am-Kreis-Sommerpause verabschiede, möchte ich hier noch wie gewohnt meine Saisonprognose vom Rundenstart auf den Prüfstand stellen. Ich finde, ich war gar nicht so schlecht. Wer’s nochmal nachlesen will, was ich damals geschrieben habe, bitteschön: 11.September 2013.

Zu Bundesligist Frisch Auf Göppingen und Zweitligist TV Nellingen hatte ich keine Meinung, Nellingen II sah ich in der 3. Frauen-Liga vor einer schweren Saison – am Ende war der Abstieg.

Bei den Männern des TSV Neuhausen lag ich mit meiner mutigen Aussage richtig. „Trotz verpatztem Heimauftakt klappt es wieder“, habe ich in Bezug auf den Wiederaufstieg in die 3. Liga geschrieben – es war eng, hat aber geklappt.

In der BWOL der Frauen habe ich der HSG Deizisau/Denkendorf einen guten Mittelfeldplatz vorausgesagt und vermutet, dass der HC Wernau „relativ weit oben mitspielen“ wird. Die HSG ist Fünfter geworden – passt. Die HCW-Frauen haben lange vorne mitgespielt, dann gab es große Verletzungsprobleme und am Ende Rang sieben. Knapp daneben.

Die schon erwähnten Wolfschlugenerinnen habe ich in der Württembergliga „im vorderen Drittel“ erwartet. Falls am Donnerstag nicht doch noch die frohe Kunde gen Ballermann geschickt werden kann (was ich den Mädels natürlich wünsche), lag ich zumindest nicht falsch – Platz zwei (und die Teilnahme an der Aufstiegsrelegation) ist im vorderen Drittel.

Zur EZ-Land-Liga, der Württembergliga der Männer: „Eine der beiden Mannschaften schafft den Aufstieg“, habe ich über den TSV Deizisau und den TSV Wolfschlugen geschrieben. „Und das dürfte vielleicht ein bisschen eher Deizisau sein“. Tärä – Deizisau ist Meister und Aufsteiger geworden, gefeiert wurde nach dem letzten Spiel bei den Wolfschlugenern, die nach einer von Verletzungen geprägten Saison nur Siebter geworden sind. Aber ohne zu weit vorwegzugreifen: In der kommenden Runde ist Wolfschlugen wieder voll da und ein Aufstiegskandidat, da bin ich mir sicher.

Dem TV Reichenbach und dem TV Plochingen trotz einiger Fragezeichen nach dem Ligazugehörigkeitshickhack und dem Punkteabzug habe ich den Klassenverbleib zugetraut. Reichenbach hat das viel souveräner geschafft als erwartet und Plochingen hat lange für die von mir vermutete „positive Überraschung“ mit einigen richtig guten und unerwarteten Ergebnissen gesorgt. Dass sich der HC Wernau trotz „Hammer-Auftaktprogramm“ „irgendwo im Mittelfeld einpendelt“, hat nicht hingehauen. Die Mannschaft muss in die Landesliga runter.

Von der Landesliga hoch kommt die HSG Ostfildern. Da lag ich richtig daneben. Während ich mich beim Team Esslingen, das in der Aufstiegsrelegation an der HSG gescheitert ist, wegen der unbekannten Ligastaffel um eine Aussage gedrückt habe, waren meine Worte über Ostfildern: „Ich glaube, mehr als ein guter Platz im oberen Drittel ist nicht drin.“ Wie gerne stelle ich fest, dass es ganz anders gekommen ist.

Halten wir fest: Es war wieder eine interessante Handball-Saison, auch für den Blog-Schreiber. Es hat viel Spaß gemacht, viel Zeit gekostet, und es war schön zu sehen, wie ihr mitgemacht habt – gerade zuletzt bei der Wahl zum Trainer der Saison. Und halten wir auch fest: Es gab mehr Auf- als Abstiege, in der kommenden Runde ist das Handball-Niveau im EZ-Land noch höher: 2. Bundesliga Frauen, 3. Liga Männer, ein Mal BWOL Männer, drei Mal BWOL Frauen (mindestens), vier Mal Württembergliga Männer, zwei Mal Württembergliga Frauen (wahrscheinlich), zwei Mal Landesliga Männer und vier Mal Landesliga der Frauen. Wow.

So, jetzt verabschiede ich mich in die Pause. Kommt gut über den Sommer. Und wenn es etwas gibt in Sachen Handball: Meldet euch hier oder über Facebook.


Daniel Mayr ist Trainer der Saison

Die Blog-Leser haben Daniel Mayr zum Trainer der Saison im EZ-Land gemacht. Foto: Rudel
Die Blog-Leser haben Daniel Mayr zum Trainer der Saison im EZ-Land gemacht. Foto: Rudel

Bevor ich zur Verkündung des Ergebnisses komme, erst einmal ein riesen Kompliment: Ihr habt mich mit euerm Abstimmen in den vergangenen Tagen schwer auf Trab gehalten – die Resonanz war überragend. Vielen Dank dafür, so macht ihr mich zu einem glücklichen Am-Kreis-Blogger.

88 Stimmen und einige tausend Zugriffe auf der Blog-Seite und auf der Facebook-Seite, die Community Im EZ-Handball-Land lebt.

Und die in Reichenbach feiert. Denn das für mich durchaus überraschende Ergebnis lautet: Daniel Mayr ist Trainer der Saison im EZ-Land

1. Daniel Mayr (TV Reichenbach) 47,06 %
2. Veit Wager (TSV Wolfschlugen) 25,88 %
3. Michael Schwöbel (HSG Ostfildern) 9,41 %
4. Alexandr Prasolov (TSV Neuhausen) 8,24 %
Daniel Brack (TV Plochingen) 8,24 %
6. Mike Wolz (TSV Deizisau) 1,18 %

Hier nochmal der „Siegertext“ vom vorherigen Post: „Der TV Reichenbach schloss die Württembergliga-Saison einen Platz hinter dem TVP als Sechster ab. Das war ein Ergebnis, das sich die Reichenbacher erwünscht hatten, mit dem aber in der zweiten Runde nach dem Aufstieg nicht unbedingt zu rechnen war. Mayr, ein echter Reichenbacher, hat die Mannschaft insgesamt von der Bezirksliga in die Württembergliga geführt und dort etabliert. Das ist bei einem kleineren Verein wie dem TVR ähnlich hoch einzuschätzen wie ein absoluter Spitzenplatz bei einem anderen. Mayr hat in Reichenbach viel Aufbauarbeit geleistet und hinterlässt seinem Nachfolger Daniel Hebisch eine funktionierende Mannschaft.“

Überrascht hat mich vor allem das Ergebnis von Wolz, der zumindest bei mir persönlich deutlich weiter oben liegt. Aber wie manche eben schon geschrieben haben: Verdient hätten es alle. Und ein bisschen – oder auch ein bisschen mehr – hat die Wahl auch mit der Vernetzung zu tun. Die Reichenbacher sind nicht nur aktive Handballer, sie sind auch wild im weltweiten Netz unterwegs. Und so hat Mayr den anfangs führenden Veit Wager noch dicke überholt. 40 Stimmen von 85 – ein krasses Ergebnis. Gratulation dazu, Daniel Mayr.

Ich habe eben mit ihm telefoniert. Sein erster Satz war: „Ich habe das interessiert beobachtet.“ Und dann hat er sich natürlich gefreut.

Da wir bei der EZ ja crossmedial arbeiten, schreibe ich das Ergebnis auch für die morgige Print-Ausgabe zusammen (Seite 17), da könnt ihr noch ein bissle was nachlesen. Jetzt aber erst nochmal Danke fürs Mitmachen.

Dem knapp unterlegenen Veit Wager wünsche ich am Samstag im Relegationsspiel viel Glück. Anfang kommender Woche melde ich mich hier dann nochmal und verabschiede mich dann in die Sommerpause (nur hier, in der Redaktion gibt es bis Anfang September genug zu tun).

Und an dieser Stelle auch noch ein spezieller Dank an den TSV Deizisau, hab mich über das Kärtle aus der Sonne (siehe unten) sehr gefreut.
Bild (41)


Wer ist der Trainer der Saison?

Das virtuelle EZ-Land-Trainer-der-Saison-Wahllokal ist geschlossen. Das Ergebnis wird in Kürze bekanntgegeben. Danke fürs Mitmachen – überragend!

Während Mallorca schon von Handballerinnen und Handballern aus ganz Deutschland bevölkert wird, sind die Frauen des TSV Wolfschlugen die Einzigen im EZ-Land, die immer noch spielen müssen. Oder dürfen, denn es fehlt ihnen noch ein Sieg bis zum Aufstieg in die Baden-Württemberg Oberliga. Oder eine Niederlage, bis zur großen Enttäuschung. Ich habe heute mit Trainer Veit Wager gesprochen. Das Interview, das daraus entstanden ist, ist – falls nachrichtentechnisch nichts dazwischen kommt – für die Mittwochausgabe der EZ geplant.

Mit der angekündigten Wahl zum Trainer der Saison im EZ-Land will ich aber nicht warten. Denn vielleicht fällt die endgültige Entscheidung für die Wolfschlugenerinnen erst eine Woche später ohne TSV-Beteiligung.

Sodele. Ich hatte ja angekündigt, drei bis vier Trainer auszuwählen und zur Wahl vorzuschlagen. Jetzt sind es sechs geworden: Daniel Brack, Daniel Mayr, Alexandr Prasolov, Michael Schwöbel, Veit Wager und Mike Wolz. Zu allen (in alphabetischer Reihenfolge) noch ein paar Worte – und ihr könnt dann hier über die Kommentarfunktion oder auf der EZ-Handballpokal-Seite auf Facebook (die Umbenennung hat FB noch nicht gebacken bekommen) abstimmen. Einfach, indem ihr den Namen eures Favoriten in das Kommentarfeld schreibt, gerne mit ein paar Worten der Begründung.

Daniel Brack

Daniel Brack vom TV Plochingen. Fotos: Rudel
Daniel Brack vom TV Plochingen. Fotos: Rudel

Der ehemalige Bundesliga-Spieler mit dem Trainergen ist vor einem Jahr aus der Schweiz zum Württembergligisten TV Plochingen gekommen. Als dann der Zwangsabstieg wegen einem Passvergehen im Raum stand, gab es schnell Gerüchte, er würde wieder abspringen. Tat er aber nicht. Und als die Mannschaft dann doch in der Württembergliga antreten durfte (mit der Bürde, dass am Ende der Runde vier Punkte abgezogen werden würden), legte er sich ins Zeug. Der Kader war klein, der Saisonstart nahe. Was dann geschah, darf ruhig als große Leistung betrachtet werden: Der TVP spielte vorne mit. Wäre der Punkteabzug nicht im Hinterkopf gewesen, hätte die Mannschaft vielleicht sogar ganz vorne angreifen können. Am Ende Platz fünf in einer Saison, zu deren Anfang viele den TVP als Abstiegskandidaten sahen, ist stark. Und das ist nicht nur Bracks Verdienst, aber er hat einen sehr großen Anteil daran. In der kommenden Saison könnte es noch besser laufen.

Daniel Mayr

Daniel Mayr (links) vom TV Reichenbach.
Daniel Mayr (links) vom TV Reichenbach.

Der TV Reichenbach schloss die Württembergliga-Saison einen Platz hinter dem TVP als Sechster ab. Das war ein Ergebnis, das sich die Reichenbacher erwünscht hatten, mit dem aber in der zweiten Runde nach dem Aufstieg nicht unbedingt zu rechnen war. Mayr, ein echter Reichenbacher, hat die Mannschaft insgesamt von der Bezirksliga in die Württembergliga geführt und dort etabliert. Das ist bei einem kleineren Verein wie dem TVR ähnlich hoch einzuschätzen wie ein absoluter Spitzenplatz bei einem anderen. Mayr hat in Reichenbach viel Aufbauarbeit geleistet und hinterlässt seinem Nachfolger Daniel Hebisch eine funktionierende Mannschaft. Deshalb ist er hier nominiert.

Alexandr Prasolov

Alexandr Prasolov vom TSV Neuhausen.
Alexandr Prasolov vom TSV Neuhausen.

Der Mann, der früher selbst ein klasse Handballer war (unter anderem in Pfullingen) kam zu Saisonbeginn mit viel Vorschusslorbeeren aus Schmiden zum TSV Neuhausen, der gerade aus der 3. Liga in die BWOL abgestiegen war. Die Aufgabe war nicht einfach: Die Zeit, die ein neuer Trainer und eine neue Mannschaft brauchen, gerade wenn es auch noch in eine neue Liga geht, hatte er eigentlich nicht. Wer direkt wiederaufstiegen will, braucht von Anfang an die Punkte. Und tatsächlich standen die Maddogs nicht gleich ganz vorne. Sie blieben aber in Lauerstellung und arbeiteten ruhig an der Verbesserung ihres Spiels. Je länger die Saison dauerte, desto stabiler wurde das Mannschaftsgefüge. Und die Erfolge stellten sich ein. Auch durch Patzer der Konkurrenz (unter anderem Pfullingen) landete die Mannschaft schließlich auf einem Aufstiegsplatz, und gab den nicht mehr her. Mittlerweile spielen die Neuhausener einen sehr soliden Prasolov-Handball, hinter dem das ganze Team steht. Der Wiederaufstieg ist geschafft – und damit ist die Konstellation Prasolov und TSV Neuhausen bislang eine Erfolgsgeschichte.

Michael Schwöbel

Michael Schwöbel von der HSG Ostfildern.
Michael Schwöbel von der HSG Ostfildern.

Auch er war neu im Job und hat direkt den Aufstieg geschafft. Bei Michael Schwöbel kam allerdings dazu, dass er beim Landesligisten HSG Ostfildern seinen ersten Cheftrainerposten übernahm. Und das auch noch beim Heimatclub, was auch eine gefährliche Konstellation sein kann. Lassen wir doch den Trainerkollegen Thomas Freiwald sprechen, dessen Team Esslingen in der Aufstiegsrelegation an der HSG gescheitert ist. „Das Feuer, das er als junger Trainer mitbringt, gefällt mir. Und die Bereitschaft, die Mannschaft emotional zu pushen“, sagte Freiwald im EZ-Interview über Schwöbel. Wer seinen Club im ersten Trainerjahr in die Württembergliga zurückgeführt hat, muss viel richtig gemacht haben.

Veit Wager

Veit Wager vom TSV Wolfschlugen.
Veit Wager vom TSV Wolfschlugen.

Okay, noch ist er in dieser Saison kein Aufstiegstrainer, aber das kann am Samstag ja noch werden (siehe oben). So oder so hat er die Wolfschlugener Frauen zu einem erfolgreichen Team geformt, das in der zweiten Saison nach dem Aufstieg in der Württembergliga schon wieder dicht vor dem Aufstieg steht. Viel Handballsachverstand und eine akribische Vorbereitung sagt man ihm nach. Er macht in Wolfschlugen so einen guten Job, dass sie ihn bei der HSG Deizisau/Denkendorf unbedingt haben wollten. Hat geklappt.

Mike Wolz

Mike Wolz vom TSV Deizisau.
Mike Wolz vom TSV Deizisau.

Auch Wolz kam, sah und stieg auf. Früher hat er mal selbst Tore für den TSV Deizisau geworfen, über einige Umwege kam er zurück und machte den TSV zumindest wieder zur Nummer zwei im EZ-Land. Die Württembergliga-Meisterschaft und der Aufstieg in die BWOL kamen ziemlich souverän zustande, beim Showdown in Wolfschlugen hielten auch die Nerven. Die Deizisauer Mannschaft trägt eindeutig Wolz‘ Handschrift, vor allem in der Abwehr. Was ihn auch ausmacht: Das Team hatte schon die beste Defensive der Liga, der Trainer sah aber immer noch Luft nach oben und forderte die Spieler immer weiter. So einen braucht es, um Erfolg zu haben. Und den hatte er mit Deizisau.

So, jetzt bin ich gespannt, was ihr denkt. Wer wird der Trainer der Saison im EZ-Land? Nur keine Zurückhaltung.


Karriere-Beender

Thomas Holl hört auf - ein Glück nur für die Gegner des TV Plochingen.
Thomas Holl hört auf – ein Glück nur für die Gegner des TV Plochingen.

Das Ende der Saison, das für die meisten Handballer im EZ-Land ja erreicht ist, ist immer auch die Zeit der Abschiede. Wobei meine Erfahrung lehrt, dass in keinem Sport wie im Handball so viele Namen, die die Vereine in die Liste der Abgänge schreiben, irgendwann wieder in einem Spielbericht auftauchen. Und sei es in der zweiten Mannschaft.
Alexander Wahl bestreitet am Sonntag sein letztes Spiel für den TSV Deizisau.
Alexander Wahl bestreitet am Sonntag sein letztes Spiel für den TSV Deizisau.

Das wird auch den einen oder anderen betreffen, der in diesem Jahr seine Karriere beendet. Aber erst einmal hören einige auf, die sich einen guten Namen gemacht und uns mit guten Spielen begeistert haben. Dabei ist es vermehrt so, dass nicht nur Altersgründe eine Rolle spielen. Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Handballer im besten Handballer-Alter aufhören, weil sie sonst ihre berufliche Karriere nicht gebacken kriegen. Ist ja auch klar, vier Mal die Woche Training, jedes Wochenende auf Achse – das ist mit der sich immer mehr verdichtenden Arbeitswelt schwer zu vereinbaren. Und wenn ein Amateur-Sportler vor der Frage steht, eine berufliche Chance zu ergreifen oder weiter diese für den Handball zu opfern, wird er sich manchmal – oder auch öfter – schweren Herzens für den Beruf entscheiden. Der Verein findet das dann schade, wird es aber verstehen. Vielleicht gibt es ja eine Familie zu ernähren und/oder ein Häusle abzuzahlen. Das alles gibt es aber auch in anderen Sportarten, ich erinnere mich an Geschichten aus dem Wasserball oder dem Drittliga-Fußball, bei denen talentierte Sportler ihre Karriere für den Beruf aufgegeben haben.

Aber wie gesagt, wenn in der Klammer hinter den Abgänger-Namen nicht ein anderer Vereinsname auftaucht, sondern „Karriere beendet“ steht, gibt es ja immer noch den Weg zurück. Einige Karriere-Beender gibt es auch jetzt wieder. Meine Geschichte über Marion Radonic kürzlich – mit dem schönen Freisteller – habt ihr in der EZ vielleicht gelesen. Dazu fallen mir Namen ein wie Martin Rapp, Alexander Wahl, Thomas Holl, Wolfgang Kroll, Joshua Munz, Kai Bohle und Michael Hackius. Es sind noch mehr, dürft ihr gerne ergänzen.

Michael Hackius war nicht nur im EZ-Land aktiv, aber auch. Jetzt hat er aufgehört.
Michael Hackius war nicht nur im EZ-Land aktiv, aber auch. Jetzt hat er aufgehört.

Hackius hat zwar zuletzt nicht mehr im EZ-Land gespielt, sondern beim SKV Unterensingen, er hat aber hier vor allem beim TSV Deizisau seine Spuren hinterlassen. Und auch beim TV Neuhausen/Erms waren sie mit ihm zufrieden, wie ich mitbekommen habe.
Wolfgang Kroll war nur kurz in Wolfschlugen, ich habe nur Bilder aus seiner Neuhausener Zeit im Archiv gefunden. Fotos: Rudel
Wolfgang Kroll war nur kurz in Wolfschlugen, ich habe Bilder aus seiner Neuhausener Zeit im Archiv gefunden. Fotos: Rudel

Kroll ist für mich so ein Rückkehrer-Kandidat. Er war zuletzt beim TSV Wolfschlugen, davor beim TSV Neuhausen – ich habe nie so richtig verstanden, warum sie ihn da haben gehen lassen. Mal sehen, ob er wieder auftaucht – er könnte der einen oder anderen Mannschaft helfen. Mir hat jedenfalls immer gefallen, wie er gespielt hat. Wenn er andere Pläne hat, wünsche ich ihm dabei viel Glück. Und was es etwa heißt, mal ein freies Wochenende zu haben – glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede.

Rapp und Wahl dürfen am Sonntag nochmal ran im letzten Saisonspiel der Deizisauer. Die Luft ist raus, der Aufstieg geschafft. Deshalb geht es im Rückspiel um die Württemberg-Meisterschaft gegen den SV Remshalden nach der 14-Tore-Klatsche im Hinspiel nur noch darum, eine Leistung zu zeigen, nach der das Saisonabschlussbier gut schmeckt.

Da geht es für die Frauen des TSV Wolfschlugen noch um mehr, deshalb schicken wir unseren Fotografen am Sonntag auch nicht nach Deizisau, sondern nach Wolfschlugen. Ob die Wolfschlugenerinnen den Sprung in die BWOL noch schaffen? Ich würde es ihnen wünschen, und auch Trainer Veit Wager, der ja dann in der kommenden Saison mit der HSG Deizisau/Denkendorf gegen seinen Ex-Club spielen würde.

Veit Wager bringt mich zum letzten Punkt für heute: Ich hab ja schon die Wahl zum Handball-Trainer des Jahres im EZ-Land angekündigt. Kommende Woche werde ich meine Vorauswahl bekanntgeben, über die ihr dann hier oder auf Facebook abstimmen könnt. Ob Veit Wager dabei ist? Darüber mache ich mir Anfang kommender Woche Gedanken. Seid ihr in einer der Hallen, in denen es noch um was geht? Wenn ja, wünsche ich spannende Unterhaltung.


Lasst Bilder sprechen

Ja steigen denn jetzt alle auf? Nach dem TSV Deizisau nun die nächsten zwei Mannschaften aus dem EZ-Land. Und es können noch weitere folgen.

Manuel Späth (Hallo Manu, ich weiß, du liest hier mit) hat sich am Wochenende besonders gefreut. Ich hab’s bei Facebook gelesen, aber ich hätte es mir auch so gedacht. Die beiden früheren Vereine des Kreisläufers von Frisch Auf Göppingen haben den Aufstieg geschafft. Der TSV Neuhausen in die 3. Liga und die HSG Ostfildern in die Württembergliga. Ich freue mich für beide – und an das Team Esslingen, das der HSG durchaus überraschend unterlegen ist: Dieses sympathische Team (!?!) schafft es dann eben in der kommenden Saison.

Und weil mir heute etwas die Energie für viele Worte fehlt (fragt mal in der Mercedesstraße in Stuttgart nach warum), lasse ich hier ein paar Bilder von unserem Fotografen Herbert Rudel aus Neuhausen und Ostfildern sprechen. Das erste ist gleich mein Lieblingsbild.
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mad1
mad3
mad5
ofi1
ofi2
ofi3


„Jetzt reden wir vom Aufsteigen“

Vielleicht ist er morgen Abend schon der Neuhausener Aufstiegstrainer: Alexandr Prasolov. Foto: Rudel
Vielleicht ist er morgen Abend schon der Neuhausener Aufstiegstrainer: Alexandr Prasolov. Foto: Rudel

Der Handball-Blog-Schreiber hat sich in den vergangenen Tagen vor allem mit Fußball beschäftigt. Morgen ist mein Interview mit VfB-Kapitän Christian Gentner im Blatt – also unbedingt EZ kaufen. Aber nicht nur wegen Gentner. Meine Kollegin Stefanie Dörre hat sich mit Trainer Alexandr Prasolov von den Handballern des TSV Neuhausen unterhalten, der morgen Abend den Aufstieg in die 3. Liga schaffen kann. Wir drucken das in der morgigen Ausgabe als Fließtext ab, hier für euch gibt es aber jetzt weltexklusiv die Version als Wortlaut-Interview. Die EZ kauft ihr ja alle trotzdem oder habt sie eh abonniert.

Bevor es losgeht darf ich aber nicht vergessen, darauf hinzuweisen, dass noch weitere Entscheidungen anstehen. Die Frauen des TSV Wolfschlugen und des TSV Neuhausen haben Relegations-Rückspiele vor sich, in Scharnhausen kommt es zum Männer-Landesliga-Relegations-Derby zwischen der HSG Ostfildern und dem Team Esslingen. Gewinnt die HSG, spielt sie in der kommenden Runde in der Württembergliga, gewinnen die Esslinger (wie im Bezirkspokalfinale), fehlt ihnen noch ein Sieg am kommenden Samstag gegen Bad Saulgau.

Sodele, jetzt aber das Gespräch Dörre – Prasolov. Viel Vergnügen.

Ihre Mannschaft ist in der komfortablen Situation, dass sie es selbst in der Hand hat und die Konkurrenten auf einen Ausrutscher hoffen müssen.

Prasolov: Wir haben gekämpft, eine gute Rückrunde gespielt und die Konkurrenten haben verloren. Deshalb stehen wir jetzt da und haben eine sehr gute Chance aufzusteigen. Wir werden nicht auf die anderen Mannschaften schauen, sondern im entscheidenden Spiel noch einmal alles geben.

Sie lobten vor der Saison die Qualität im Team. Anfangs lief es aber nicht optimal?

Prasolov: Das stimmt. Im Team gibt es viel Qualität. Deshalb stehen wir jetzt auch auf Platz zwei. Zudem ist die Erfahrung einiger Spieler wichtig. Dass es anfangs nicht so gut lief, hat mehrere Gründe: Der Abstieg, der neue Trainer und verletzte Spieler. Zum Beispiel waren Philipp Schöbinger nach seinem Auslandsaufenthalt und Philipp Frey sowie Dominik Eisele nach ihren Verletzungen noch nicht in der Form, in der sie jetzt sind. Bis die 5-1-Abwehr verinnerlicht war, hat es Zeit gebraucht.

Wann war Ihnen klar, dass der direkte Wiederaufstieg machbar ist?

Prasolov: Vor einigen Wochen war ich noch nicht so optimistisch. Das bin ich erst, seit wir auf dem zweiten Platz stehen. Davor haben wir auch innerhalb der Mannschaft nicht oft vom Aufstieg gesprochen. Wir wollten immer von Spiel zu Spiel das Beste geben, ohne Druck. Das haben wir geschafft. Jetzt reden wir vom Aufsteigen.

Für die TSG Söflingen geht es um nichts mehr.

Prasolov: Ja, das stimmt. Die Mannschaft kann locker bei uns aufspielen. Söflingen wird aber kämpfen und ein gutes Spiel machen. Wir müssen guten Handball zeigen, um zu gewinnen.

Wie nervös sind Sie?

Prasolov: Bis jetzt bin ich noch nicht nervös. Vielleicht kommt das noch … Es ist wichtig, dass wir unser Bestes geben und nicht nur Aufstieg, Aufstieg, Aufstieg im Kopf haben. Eine gewisse Anspannung ist natürlich da. Aber der Spaß muss auch dabei sein. Den hatte die Mannschaft beim Sieg in Oftersheim.

Was spricht denn abgesehen von der guten Ausgangslage dafür, dass es klappt?

Prasolov: Die Rückrunde war sehr gut und wir haben uns stetig weiterentwickelt. Wir haben zeitweise auf eine 6-0-Abwehr umgestellt, weil Simon Wohlrabe geschäftlich selten da war und Timo Durst mit seinem Handbruch ausfiel. Ich muss sagen, die Umstellung hat sehr gut funktioniert. Die Mannschaft hat diese schwierige Situation sehr gut gemeistert und gegen direkte Konkurrenten gewonnen. Da haben wir Selbstvertrauen gewonnen.

Falls die Mannschaft den Aufstieg schafft, sind zu den bereits feststehenden Neuzugängen Daniel Roos, Luca Holder und ihr Sohn Alexej weitere Verstärkungen nötig?

Prasolov: Wir haben das noch nicht entschieden. Aber ich glaube, dass wir mit dieser Mannschaft in der 3. Liga bestehen können. Wir haben eine gute Bank.

Warum wollen Sie unbedingt in die 3. Liga?


Prasolov: Ich weiß, dass die Mannschaft in der 3. Liga spielen kann. Unser Ziel war oben mit-spielen und ein Platz zwischen drei und fünf. Ich habe den Aufstieg nicht als Ziel ausgegeben. Aber ein siebter oder achter Rang wäre für ein Team mit der Qualität und Erfahrung zu wenig.

Was ist ihr Verdienst am Erfolg?

Prasolov: Für mich ist Disziplin wichtig. Wenn wir konzentriert spielen und geduldig im Angriff sind, hat jede Mannschaft Probleme gegen uns. Die Mannschaft hat einen Schritt nach vorne gemacht. Wenn es in der Hinrunde einmal schlecht lief, gingen die Köpfe nach unten, die Kampfbereitschaft ließ nach. Jetzt zeigt die Mannschaft, dass sie nach Fehlern direkt wieder umschaltet und daraus lernt.

Sind die Strukturen im Verein wieder bereit für die 3. Liga?

Prasolov: Ich war in diesen Bereich bisher nicht sehr involviert. Aber ich denke, dass der Verein gut und breit aufgestellt ist. Alle haben ihre Erfahrungen in dieser Liga.

Wer hat das Sagen im Team?

Prasolov: Die Spieler denken mit und die Leistungsträger bringen ihre Erfahrung ein. Sie übernehmen Verantwortung. Während einer Auszeit ist es OK für mich, wenn diese Spieler ihre Ideen einbringen.


Weiter so

So seh'n Aufsteiger aus - das Deizisauer Team verliert nach der Schlusssirene die Bodenhaftung.
So seh’n Aufsteiger aus – das Deizisauer Team verliert nach der Schlusssirene die Bodenhaftung.

Trainer Mike Wolz (links) und Kapitän Dennis Prinz - das nächste Gläschen wurde auf herkömmliche Weise geleert. Fotos: Rudel
Trainer Mike Wolz (links) und Kapitän Dennis Prinz – das nächste Gläschen wurde auf herkömmliche Weise geleert. Fotos: Rudel

Das hatte ich, glaube ich, auch noch nicht: Zwei Kommentare in einer EZ-Ausgabe. Und ich denke, mindestens den Nerv von Robert Seifried habe ich damit getroffen. „Erst schafft der VfB den Klassenverbleib und dann wir den Aufstieg, was will man mehr“, hat mir der Handball-Abteilungsleiter des TSV Deizisau gestern gesagt – und so habe ich ihn in meinem Text über Meisterschaft und Aufstieg der Deizisauer auf Seite 22 auch zitiert. Daneben steht mein Kommentar zu den Deizisauern. Und auf Seite 1 eben der zum VfB.

Mit dem Kommentar zum Deizisauer Aufstieg in die BWOL habe ich mich leichter getan, weil ich da im Gegensatz zu dem über den VfB und seinen mit Ach und Krach geschafften Klassenverbleib nur Positives schreiben konnte. „Kein ‚weiter so‘“ steht auf Seite 1, auf Seite 22 hätte ich statt „Solide“ auch „Weiter so“ schreiben können.

Es war gestern Abend in Wolfschlugen jedenfalls einer der Termine, die man auch als langgedienter Sportjournalist eine Weile in Erinnerung behält. Emotionen sind das, was den Sport so schön machen, und eben auch meinen Beruf. Was gestern auch klasse war: Die Deizisauer mussten richtig was tun, um den direkten Aufstieg zu schaffen. Sie mussten am letzten Spieltag in Wolfschlugen gewinnen – und die Wolfschlugener haben genau das getan, was man erwarten durfte: Sie haben Vollgas gegeben und den Deizisauern nichts geschenkt. Das wollten die auch gar nicht, denn so schmeckte der Triumph noch ein bisschen süßer. Kapitän Dennis Prinz etwa war auch gar nicht böse. „Respekt an die Wolfschlugener“, sagte er mit glasigen Augen und das Trikot mehr mit Bier als mit Schweiß getränkt. War ‘ne ganz schöne Sauerei in der Halle. Die 800 Zuschauer trugen ihren Teil zu einem echten Handballfest bei. Klasse.

Eine Gegebenheit muss ich hier noch kurz schildern: Ich saß direkt hinter Wolfschlugens Wolfgang Kroll, der das (vorrübergehend?) letzte Spiel seiner Handball-Karriere auf der Tribüne verfolgte. Als Mitte der zweiten Hälfte ein paar Wolfschlugener Zuschauer auf die Schiedsrichter und einen mit Schmerzen am Boden liegenden Deizisauer Spieler einschimpften, rief er sie zur Raison. Kein Vorwurf an die Fans, Emotionen gehören auch in diesem Fall dazu, aber das war schon fair im Hexenkessel von Wolfgang Kroll. War überhaupt ein nettes Grüppchen mit viel Handballsachverstand, bei dem ich da gesessen bin.

Zurück zu den Deizisauern. Ich hab’s in meinem Kommentar geschrieben (habt ihr doch alle gelesen oder?): Der Aufstieg ist absolut verdient. In der BWOL wird es aber nicht leicht. Wenn sie jedoch ihren Weg weitergehen, die Mannschaft sinnvoll aber nicht zu sehr verstärken (ist schon im Gange; siehe EZ Seite 22) und im Hintergrund weiter solide arbeiten, dann wird das was. Deshalb „Weiter so“ oder eben „Solide“.

Für den Handball im EZ-Land ist der Deizisauer Aufstieg jedenfalls klasse – und es können ja noch mehr werden. Denn in einigen anderen Hallen, in denen noch gespielt wurde, gab es vielversprechende Ergebnisse: Die Wolfschlugener Frauen haben mit ihrem Sieg gegen Nordheim einen ersten, großen Schritt ebenfalls in Richtung BWOL gemacht. Die Männer der HSG Ostfildern haben das erste Relegationsspiel in Bad Saulgau auch gewonnen. So kommt es am kommenden Samstag gleich zwei Mal zum Showdown: Die HSG erwartet zu Spiel zwei und zum Derby das Team Esslingen. Und in der BWOL hat der TSV Neuhausen die Voraussetzung geschaffen, mit einem Sieg gegen Söflingen den Aufstieg in die 3. Liga klarzumachen. Tolle Spiele. Und viel Arbeit für die EZ-Sportredaktion. Aber Arbeit, die Spaß macht.

Ich bin am kommenden Samstag übrigens auch beruflich unterwegs. In München. Beim Fußball. Kann auch guter Sport sein.


Voll fokussiert

Trainer Mike Wolz kommt morgen in der EZ zu Wort und will am Sonntag mit seinen Deizisauern aufsteigen. Foto: Rudel
Trainer Mike Wolz kommt morgen in der EZ zu Wort und will am Sonntag mit seinen Deizisauern aufsteigen. Foto: Rudel

Auch wenn die Relegation erst beginnt, können wir am Ende des Wochenendes sogar zwei hochkarätige Aufsteiger im EZ-Land haben: Den TSV Deizisau und den TSV Neuhausen. Das wär doch mal was. Der Plan ist allerdings realistisch gesehen ein anderer: Neuhausen gewinnt sein Spiel in der BWOL zwar, macht die Rückkehr in die 3. Liga aber erst eine Woche später und unter großem Jubel in eigener Halle klar. Denn ich glaube nicht, dass sowohl der VfL Pfullingen als auch die SG Lauterstein verlieren – und das wäre nötig, damit die Maddogs vorzeitig feiern können. Und außerdem wäre dann unsere Planung für die kommende Woche für die Katz. Aber das nur am Rande.

Zum Thema Neuhausen und Spannung, das Video hier vom vergangenen Samstag in Wangen müsst ihr gesehen haben: Wangen – Neuhausen
In der Württembergliga wird am Sonntag definitiv eine Entscheidung fallen, denn es ist der letzte Spieltag. Nicht mehr im Kampf gegen den Abstieg, der HC Wernau muss in der Landesliga neu aufbauen. Bei Spitzenreiter Deizisau aber ist die Nervosität spürbar. Gewinnen die Deizisauer in Wolfschlugen, sind sie durch. Aber das ist noch lange nicht gesagt, denn die Wolfschlugener sind zwar nur Siebter, stehen damit aber weit unter Wert da. Hätten sie nicht solch ein Verletzungspech während der Saison gehabt, könnte das am Sonntag sogar ein Duell des Ersten gegen den Zweiten sein. Und jetzt sind alle Spieler wieder fit.

Dennoch: Wenn die Deizisauer ihr Leistungsvermögen auf das Parkett bringen, können sie es schaffen. Morgen ist auf Seite 21 der EZ das angekündigte Interview mit Deizisaus Trainer Mike Wolz zu lesen – und drunter eine knackige, informative Vorschau auf die anderen Begegnungen, mit wenig goldener Ananas (der Begriff kommt in einem Zitat trotzdem vor). Wolz ist voll fokussiert auf das Wolfschlugen-Spiel. Wie kürzlich bei Thomas Freiwald und Michael Schwöbel habe ich eine Frage nicht mehr im Print untergebracht. Zur Einstimmung bekommt ihr sie hier:

Für viele ist die Württembergliga die interessanteste Liga in der Region. Was reizt Sie an der Baden-Württemberg Oberliga?
Mike Wolz: Ich habe mir über den Reiz der BWOL noch keinen großen Kopf gemacht, da bin ich ehrlich. Wir sind alle sehr fokussiert auf dieses eine Spiel und machen uns dann hinterher die Gedanken, in welcher Liga wir in der kommenden Saison unterwegs sein werden. Es ist der sportliche Reiz, den ein Sportler hat: Wenn man einen Aufstieg geschafft hat, dann muss man die nächste Liga angehen. Und sie hat auch Mannschaften aus der, wenn auch nicht unmittelbaren, Umgebung. Vorausgesetzt der TSV Neuhausen steigt in die 3. Liga auf, hätten wir immer noch Spiele gegen Lauterstein, Pfullingen und Söflingen, was man im erweiterten Rahmen als Derbys sehen kann. Es macht aber erst Sinn, sich darüber einen Kopf zu machen, wenn wir den Sonntag hinter uns haben.

Na, wie sieht’s aus mit Vorfreude? Ich bin jedenfalls gespannt auf Sonntag, ich werde mir das in der mit Sicherheit gut gefüllten Halle in Wolfschlugen anschauen und für die EZ-Montag-Ausgabe berichten.

Apropos Freiwald und Schwöbel: Morgen beginnt auch die Aufstiegsrelegation in der Landesliga. Schwöbels HSG Ostfildern startet in Bad Saulgau, Team-Trainer Freiwald wird mit Sicherheit als Spion in der Halle sitzen, denn eine Woche später tritt er mit seiner Mannschaft bei der HSG an – ehe wieder eine Woche später Bad Saulgau in die Schelztorhalle kommt.

Auch bei den Frauen geht es los: Der TSV Wolfschlugen startet das Unternehmen Aufstieg in die BWOL gegen den TSV Nordheim – und auch bei den Frauen geht es für den TSV Neuhausen um etwas: Die Madcats (klasse Name!) wollen in die Württembergliga hoch und müssen dazu erst einmal bei der SG Kuchen/Gingen gewinnen. Viel Erfolg allen!


Die entscheidenden Spiele

Deiziaus Vincent Hummel auf dem Weg zum gegnerischen Tor - und in Richtung BWOL. Foto: Rudel
Deiziaus Vincent Hummel auf dem Weg zum gegnerischen Tor – und in Richtung BWOL. Foto: Rudel

Kann sein, dass es jetzt ein bisschen einseitig ist. Aber es stehen nunmal gerade zwei Mannschaften im Fokus des EZ-Handball-Landes. Zwei Mannschaften, die sich am vergangenen Wochenende eine ausgezeichnete Ausgangslage erarbeitet haben – die wahrscheinlich dazu führen wird, dass es das große Derby in der kommenden Saison wieder höchstens im Finale des EZ-Pokals geben wird.

Der TSV Deizisau hat in der Württembergliga mit „viel Kampf und Krampf“, wie mein Kollege Hannes Kern über seinen heutigen Artikel geschrieben hat, den SC Vöhringen mit 29:24 geschlagen und damit ungeachtet der Tatsache, dass die Verfolger ihre Aufgaben auch gelöst haben, die Tabellenführung in der BWOL verteidigt. Damit kommt es am kommenden Sonntag um 17 Uhr zum Saison-Abschluss-Showdown. Hier die entscheidenden Paarungen:

TSV Wolfschlugen – TSV Deizisau
TSB Schwäbisch Gmünd – TV Reichenbach
TSV Zizishausen – SG Ober-/Unterhausen

Deizisau ist Spitzenreiter mit 46:12 Punkten, Schwäbisch Gmünd und Zizishausen haben dahinter jeweils 45:13, Der Vierte TSV Heiningen ist abgeschlagen. Der Erste steigt auf, der Zweite kommt in die (schwere) Relegation.

Die Deizisauer haben es also selbst in der Hand, nur die Nervosität kann ihnen noch einen Strich durch die Rechnung machen. Und während sie dabei zumindest auf den ernsthaften Versuch der Schützenhilfe durch die Reichenbacher in Schwäbisch Gmünd hoffen dürfen, werden die Wolfschlugener ihnen bestimmt nichts schenken. Nicht nur, weil sie räumlich zwischen Deizisau und Zizishausen liegen, sondern auch, weil sie sich mit einer ordentlichen Leistung von ihrem Publikum in die Sommerpause verabschieden wollen.

Ich werde mich in dieser Woche doppelt um die Deizisauer kümmern: Zunächst werde ich versuchen, Trainer Mike Wolz ans Rohr zu bekommen, um ein Interview für die Samstag-Ausgabe zu machen. Ja und dann werde ich am Sonntag in der Halle in Wolfschlugen sein. Ich freu mich schon drauf. Solche Termine machen Spaß und es gibt eine Menge zu schreiben – egal, wie es ausgeht.

Zu den Neuhausenern: Sie stehen als Zweiter auch auf einem Aufstiegsplatz, weil es in der BWOL von dort direkt hoch in die 3. Liga geht. Allerdings haben sie diesen Rang nicht verteidigt, sondern nach dem eigenen superknappen 30:29-Sieg in Wangen nur deshalb jetzt inne, weil der VfL Pfullingen das Spitzenspiel gegen die SG Lauterstein mit 23:27 verloren hat. „Samstag, 21.41 Uhr, Pfullinger Kurt-App-Halle: Aus und vorbei. Aufstieg ade“, schreibt mein Kollege Manfred Kretschmer heute im „Reutlinger General-Anzeiger“ und beendet seinen Text mit den Worten: „Aufstieg ade. Außer, es geschieht ein Handball-Wunder.“

Die Neuhausener werden natürlich vorsichtig sein und den Schampus noch im Keller lassen, denn ihr Vorsprung beträgt jetzt einen Punkt, bei noch zwei ausstehenden Spielen. Man braucht keinen Computer, um auszurechnen, dass die Maddogs noch nicht durch sind. Aber sie haben es jetzt selbst in der Hand, um am Ende sagen zu können, dass dieser drittletzte der entscheidende Spieltag war. Auch die Lautersteiner, die punktgleich mit Pfullingen jetzt Dritter sind, sind noch im Rennen – wohingegen Tabellenführer SG Nußloch mit sechs Punkten Vorsprung schon durch ist. Hier lauten die entscheidenden Rest-Paarungen:

3. Mai, 19.30 Uhr:
HG Oftersheim/Schwetzingen – TSV Neuhausen
TV Sandweier – SG Lauterstein
SG Pforzheim/Eutingen – VfL Pfullingen

10. Mai, 19.30 Uhr:
TSV Neuhausen – TSG Söflingen
SG Lauterstein – SG Heddesheim
VfL Pfullingen – TV Flein

Auch die Neuhausener werden gute Nerven brauchen, und auch sie werden wir bis zum Saisonende begleiten.

So, zum Schluss will ich nicht vergessen, den Frauen des TSV Neuhausen und den Männern des Team Esslingen zum Gewinn des Bezirkspokals zu gratulieren. Und ich möchte euch auf die Mittwochausgabe der EZ hinweisen, in der es ein schönes G’schichtle zu lesen gibt. Schaut mal rein.

Und nach den Reaktionen der vergangenen Tage läuft der Wahlkampf in Sachen EZ-Land-Trainer des Jahres auf Hochtouren 😉 . Aber auch dafür ist es noch etwas zu früh.