Baders Aus in Bietigheim

So sah man Ralf Bader an der Seitenlinie des Bundesligisten SG BBM Bietigheim. Foto: Baumann

„Wir haben eine längerfristige Lösung gesucht, die in unsere Strategie passt und freuen uns sehr, dass Ralf uns in den kommenden Jahren auf unserem Weg begleiten wird.“

Das waren im November 2017 die Worte von Bastian Spahlinger, dem Geschäftsführer des damaligen Handball-Zweitligisten SG BBM Bietigheim, zur Verpflichtung von Trainer Ralf Bader zur Saison 2018/2019. Bader betreute damals erfolgreich den Drittligisten TSV Neuhausen. Und weil die Bietigheimer unter dem jetzigen Göppinger Hartmut Mayerhoffer anschließend den Aufstieg in die Bundesliga schafften, machte Bader im Sommer darauf sogar einen Karrieresprung um zwei Spielklassen.


Und so hat man Ralf Bader an der Seitenlinie des Drittligisten TSV Neuhausen in Erinnerung. Foto: Rudel

Jetzt ist Bader nicht mehr Trainer der SG BBM. Dass der Rauswurf einer Posse gleichkommt, weil er schon einige Tage lang feststand, bevor er verkündet wurde, und weil er so kurz vor dem ersten Pflichtspiel der Jahres vollzogen wurde, wird irgendwann nur noch einen fahlen Nachgeschmack haben. Es ändert aber nichts daran, dass es eben nichts war mit der längerfristigen Lösung.

Als klar war, dass Bader die Bietigheimer in der Bundesliga übernehmen würde, hatte ich eher das Gefühl, dass das nicht so gut ist für seinen Start bei der SG. Vielleicht ging es ihm selbst ja auch so. Bader wurde geholt, um – längerfristig – eine Mannschaft zu formen, die mittelfristig in der Bundesliga bestehen sollte. Das ist als Aufsteiger innerhalb der Bundesliga deutlich schwerer als in der 2. Bundesliga, wo er die Mannschaft mit mehr Ruhe hätte aufbauen können. Mich erinnert das ein bisschen an Fußball-Trainer Robin Dutt, der zu früh und ohne dass er es verhindern konnte, vom SC Freiburg zu Bayer Leverkusen wechselte. Und dort scheiterte.

Es war klar, dass das (zweitliga-) erfolgsverwöhnte Bietigheimer Umfeld unzufrieden werden würde, wenn die Mannschaft im Oberhaus oft verliert. Es war aber auch klar, dass die Bietigheimer in der Bundesliga oft verlieren würden. Bader jedoch wurde, so habe ich es auch von ihm mitbekommen, von Vereinsseite versichert, dass er trotz der Schwere der Aufgabe die nötige Zeit bekommen würde. Selbst wenn die Mannschaft wieder absteigen sollte. Man darf nicht vergessen: Als Aufsteiger ist die SG automatisch eine Abstiegskandidat.

Doch es kam anders. Das Aus kam schon nach wenigen Monaten. Es habe zwischen Trainer und Mannschaft nicht gepasst, heißt es. Das kann sein. Und es kann auch sein, dass das auch so gekommen wäre, wenn Bader das Team in der 2. Bundesliga übernommen hätte. Und auch, wenn die Mannschaft in der Bundesliga mehr Spiele gewonnen hätte.

Es wird nun aber bemängelt, der 38-jährige ehemalige Bundesligaspieler sei ein junger und unerfahrener Trainer. Das wusste man schon vorher. „Nicht zuletzt durch seinen sportwissenschaftlichen Hintergrund zieht er moderne Trainingsmethoden heran, verfügt über ein hohes taktisches Verständnis und hat bewiesen, dass er die Spieler als Team und individuell weiterentwickeln kann“, hatte Bietigheims Geschäftsführer Spahlinger bei Baders Verpflichtung erklärt.

Es wird nun auch bemängelt, Bader sei kein harter Hund, sondern ein ruhiger, zu wenig kommunikativer Trainer. Auch das wusste man schon vorher. So habe ich ihn in Neuhausen erlebt, und dort ließ man ihn nur sehr ungern ziehen. Und steht heute deutlich schlechter da als mit Bader. Wobei ich persönlich mit seiner Art der offenen, sachlichen und freundlichen Kommunikation sehr gut zurecht kam.

Ob und wie viel Ralf Bader in Bietigheim falsch gemacht hat, kann ich nicht beurteilen. Dazu bin ich zu weit weg. Aber es muss für ihn nun bitter klingen, wenn Bietigheims Sportdirektor und Ex-Trainer Jochen Zürn, der bei Baders Amtsantritt noch nicht da war, nun das Anforderungsprofil an den neuen Trainer so formuliert: „Wir wollen einen erfahrenen, kommunikativen, offenen Trainer, der schon in der ersten oder zweiten Liga nachhaltig Ergebnisse abgeliefert hat.“

Einige Kandidaten – von denen wiederum einige auch schon im November 2017 im Gespräch waren – gibt es. Für Bader ist der Sprung in die Bundesliga daneben gegangen. Vielleicht war er zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere auch eine Spielklasse zu hoch, was ihm aber nicht vorzuwerfen ist. Ich bin mir aber ganz sicher, dass Baders Ruf nicht so sehr gelitten hat, dass er nicht schnell auf der Wunschliste des einen oder anderen Vereins auftauchen wird. Ralf Bader wird die Erfahrung Bietigheim mitnehmen. Ich halte ihn dennoch für einen guten Trainer. Und es wird wieder einen Verein geben, zu dem er und der zu ihm passt.


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