Erneuter Neustart in Deizisau

In der kommenden Saison ist Olaf Steinke nicht mehr Trainer des TSV Deizisau. Foto: Rudel

„Die Saison frisst ihre Trainer“, sagt Olaf Steinke. In der Württembergliga geht es in der laufenden Runde um die Qualifikation für die eingleisige Klasse ab der kommenden Spielzeit – und da ist der Druck besonders groß. Frank Ziehfreund musste bei der HSG Ostfildern bereits gehen und ist damit nicht allein in der Liga. Der TSV Deizisau und Steinke haben in dieser Woche bekanntgegeben, dass sie sich am Ende der Saison trennen werden. Hoffentlich nach geschaffter Qualifikation. Ich habe das in der heutigen Printausgabe der EZ kommentiert. Falls ihr es noch nicht gelesen habt, hier nochmal mein Kommentar:

Erneuter Neustart

Den Zeitpunkt früh zu wählen, wenn man die Zusammenarbeit zum Saisonende beenden möchte, ergibt Sinn. Daher haben die Handballer des TSV Deizisau und Trainer Olaf Steinke richtig gehandelt, die Trennung bereits jetzt zu verkünden. So können beide Seiten frühzeitig planen. Warum sich die Wege nach zwei Jahren überhaupt trennen, obwohl beide Seiten betonen, wie gut die Zusammenarbeit sei, ist dagegen nicht ganz leicht nachzuvollziehen.


Nach dem Abstieg aus der Baden-Württemberg Oberliga im Sommer 2018 wollten die Deizisauer einen Umbruch und vor allem Kontinuität. Nun muss der Verein in der neu geschaffenen, eingleisigen Württembergliga – falls die Qualifikation gelingt – erneut einen Neuaufbau starten. Offensichtlich ist das Vertrauen, sich im dann sportlich noch schwereren Umfeld zu behaupten, nicht allzu groß – dagegen aber die Befürchtung, dass die Mannschaft in Abstiegsgefahr geraten könnte, woraufhin dann fast zwangsläufig eine Trainerdiskussion beginnen würde. Wie zum Beispiel kürzlich beim Ligakonkurrenten HSG Ostfildern geschehen, der Frank Ziehfreund während der zweiten Saison der – bis dahin offensichtlich guten – Zusammenarbeit beurlaubt hat.


So handeln die Deizisauer und ihr Trainer irgendwie aus Angst vor der eigenen Courage. Und müssen nun hoffen, dass die Mannschaft vor dem erneuten Trainerwechsel zumindest so gut dasteht, dass Steinkes Nachfolger kein allzu großes Abenteuer eingehen muss. Eine Eingewöhnungsphase benötigt es dennoch, davon kann auch Steinke aus seiner Anfangszeit in Deizisau berichten. Nun sollte der Verein den Neuen zumindest so schnell finden, dass die momentanen Spieler und potenziellen Zugänge wissen, was auf sie zukommt. Sonst wird der Neustart noch schwerer.


Ostfilderner Happy End

So freuen sich die Ostfilderner nach dem Sieg bei den Berghandballern. Fotos: Paesler (2), Rudel (3)

Hinter den Handballern der HSG Ostfildern liegt eine alles andere als leichte Woche. Aber es gab ein gutes Ende – das bis am Freitagabend so um Viertel vor zehn kaum zu erwarten war.

Nach fünf Niederlagen in Folge hatten sich der Verein und Trainer Frank Ziehfreund sowie sein Assistent Michel Jäger getrennt. In gegenseitigem Einvernehmen, wie es so schön heißt. Wie es genau ablief, ist nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Offensichtlich hatten beide Seiten den Eindruck, dass es nicht so weitergehen konnte wie bisher. Dann kamen wohl ebenso beide Seiten zu der Erkenntnis, dass eine Trennung das Beste ist. Beiden Seiten fiel das offensichtlich nicht leicht.

Und mit etwas Bewegungsunschärfe.

Die Trennung kam überraschend und nicht überraschend zugleich. Überraschend, weil die Konstellation Ziehfreund-Ostfildern zu passen schien und ja auch die erste Saison nach dem Aufstieg – der noch unter Vorgänger Michael Schwöbel gelungen war – sehr gut war. (Intern) weniger überraschend war es möglicherweise, weil wohl neben den Niederlagen in den vergangenen Wochen schon durchschien, dass es nicht mehr so ganz passte. Böse Worte, auch das schien allen wichtig, gab es aber überhaupt nicht.

Nun ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Frank Ziehfreund und Michel Jäger werden noch eine Weile an der Sache zu knabbern haben und irgendwann wieder in das Thema Trainertätigkeit einsteigen. Und in Ostfildern wird weiterhin Handball gespielt.

In der ersten Hälfte schauen die Ostfilderner Wolfgang Zeh und der SG noch hinterher.

Wobei die HSG zunächst nicht in Ostfildern, sondern bei der SG Hegensberg/Liebersbronn gespielt hat. Und mit 30:28 gewonnen hat. Für das Interimstrainerduo Magnus Gründig/Marco Gassmann war es ein Einstand nach Maß. Die beiden gehen mit einer Mischung aus Demut und Selbstbewusstsein an die Sache ran. Die Traineryoungster – 23 und 24 Jahre alt –  wissen, dass sie die Mannschaft nur so lange betreuen, bis ein neuer Chefcoach gefunden ist. Und das ist für sie auch in Ordnung. Aber sie wissen auch, dass man in der Szene registrieren wird, wie sie ihre Sache machen. Irgendwann wollen sie den nächsten Schritt gehen.

Beim Derby auf dem Esslinger Berg sah es lang danach aus, dass ihr Debüt in die Hose gehen würde. In der ersten Hälfte liefen die Ostfilderner permanent hinterher. Dem Gegner, und was das Ergebnis betrifft. Dann kam ab der 40. Minute die für viele überraschende Wende. Die nicht für alle überraschende Wende. Gründig und Gassmann erklärten nach dem Spiel jedenfalls, dass sie darauf spekuliert hatten, dass die Akteure von Hegensberg/Liebersbronn aufgrund des dünneren Kaders nachlassen würden.

Im Derby gibt es viele (zu-) packende Szenen.

So kam es auch. Aber das erklärt nur teilweise, warum die HSG-Handballer dann auch wieder die passende Körpersprache und den Glauben an das eigene Können an den Tag legten, was sie beides zuvor und auch in den vergangenen Wochen nicht gezeigt hatten. „Wir haben in der Pause offensichtlich die richtigen Worte gefunden“, sagte Gassmann vergnügt.

Einer, der schon zuvor dabei war, und nun gemeinsam mit den beiden Interimstrainern auf der Bank saß, war besonders emotional. Während des Spiels und auch danach. Betreuer Matthias Dunz. „Diese kämpferische Leistung zu zeigen nach den vielen Niederlagen, dass muss man erst mal schaffen“, sagte er, „Hut ab vor der Mannschaft.“

Die muss nun zeigen, dass sie neben der richtigen Einstellung auch ihr spielerisches Potenzial wieder länger als gut zwanzig Minuten auf das Parkett bringen kann. Denn es ist kein Automatismus, dass es im letzten Spiel der Jahres  – und vermutlich unter Gründig/Gassmann – bei der SG Langenau/Elchingen wieder einen (glücklichen) Sieg gibt.

Die Vereinsführung muss derweil einen neuen Trainer suchen. Viele sind derzeit nicht ohne Verein, ein paar aber schon: Stefan Haigis, Ralf Rascher, Lars Schwend, Daniel Mayr, Jochen Masching, um einige zu nennen. Letzterer Name wurde am Rande des Derbys eifrig diskutiert – weil er eben zuletzt bei Hegensberg/Liebersbronn tätig war.

Bei Hegensberg/Liebersbronn hängt viel an Fabian Sokele.

Das Thema aus übergeordneter EZ-Handballland-Sicht war in den vergangenen Tagen die HSG Ostfildern. Aber am Freitagabend im Derby hat ja auch die SG Hegensberg/Liebersbronn mitgespielt. Und bei der SG macht man sich nach der Niederlage eigene Gedanken. Darüber vor allem, warum man dieses Spiel gegen einen sicherlich besonders motivierten, aber doch geschwächten Gegner verloren hat. Durch einen Sieg hätte die Mannschaft einen Satz Richtung Tabellenmittelfeld gemacht und den nun nach Pluspunkten gleichgezogenen Gegner auf Abstand gehalten.

So sehr sich die Mannschaft von Trainer Sinisa Mitranic nach dem schwachen Saisonstart – gegen starke Gegner allerdings – gefangen hat, diese Niederlage war ärgerlich. Was den Hauptgrund betrifft, so dürften die HSG-Coaches Gründig/Gassmann wahrscheinlich Recht haben: Der SG-Kader ist einfach zu dünn.

Wolfgang Zeh machte – vor allem in der ersten Hälfte – ein gutes Spiel, Arne Helms setzte Akzente, Henning Richter übernahm Verantwortung. Am Ende aber hängt zu viel von Fabian Sokele ab. Ostfildern stellte auf eine Sokeles Kreise einengende 5:1-Abwehr um – und hatte die SG fast schon geknackt. Dazu stand Sokele sehr lange auf dem Spielfeld und wurde am Ende, in der entscheidenden Spielphase, müde. Dass er zwei seiner vier Siebenmeter, davon einen ganz wichtigen kurz vor Schluss beim Stand von 28:29, verwarf, ist auch eine Sache der Konzentration.

Dass für Hegensberg/Liebersbronn die Saison schwer werden würde, war allerdings zu erwarten. Und insgesamt macht es die Mannschaft gut und hat allemal das Zeug dazu, eine ordentliche Runde mit zumindest der Qualifikation für die Verbandsliga zu spielen.

Von Ostfildern war mehr zu erwarten. Jetzt sind sie bei der HSG aber erst einmal froh, das Derby und damit das Spiel eins nach dem Trainerwechsel gewonnen zu haben. Frank Ziehfreund wird es vermutlich von daheim aus mitverfolgt und sich bei allem Frust über die Erlebnisse der vergangenen Woche gefreut haben.


Sechs Wochen bis zum EZ-Pokalfinale

So war es nach dem EZ-Pokalfinale 2019: Neuhausen jubelt, Wolfschlugen ist enttäuscht. Und einige Zuschauer haben sichtlich ihren Spaß. Foto: Rudel

Das Super-Handballwochenende ist Geschichte. Es war in diesem Fall fast schon Glück – rein aus Platzgründen natürlich –, dass die Fußballer unterhalb der Landesliga nicht gespielt haben. Denn so hatten wir in der Montagausgabe der EZ ausreichend Raum, um die Berichte der vielen EZ-Land-Handballteams unterzubringen. Ich glaube, das gab es noch nie, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern: Alle 17 Teams von der Landesliga aufwärts waren im Einsatz, dabei kein Derby – maximaler Handballumfang also. Allzu gut war die Bilanz allerdings nicht: Sieben Siege, zehn Niederlagen.

Auch die EZ-Reporter hatten Niederlagen zu beschreiben, bei den Drittligisten TV Plochingen (32:33 gegen TuS Dansenberg) und TV Nellingen (29:31 gegen HCD Gröbenzell) ging es spannend zu, der Frustfaktor war in den beiden Hallen jedoch sehr unterschiedlich.

So sah der Bildschirm in der EZ-Sportredaktion irgendwann am Freitagnachmittag aus: eine ganze Seite Handballvorschauen.

In der Dienstagausgabe haben wir wie immer die unteren Handballklassen im Blatt, in der Mittwochausgabe den Jugendhandball. Und diesmal: das Teilnehmerfeld des EZ-Pokals 2020!

Ich finde, wir haben ein sehr schönes Feld beisammen. Ich will noch nicht alles verraten. Aber: 14 Mannschaften sind am Start, der Titelverteidiger ist dabei, der Vorjahresfinalist, der Rekordsieger und ein Neuling mit einem bekannten Mann an der Seitenlinie. Heute in sechs Wochen ist Finaltag in der Neckarsporthalle.

Nach dem Jubiläumsturnier 2019 – wir haben 25 Jahre EZ-Pokal gefeiert – dürfen wir uns auch auf die Ausgabe 2020 freuen. Ich tu es jedenfalls. Die SG Esslingen, die diesmal unser Ausrichter-Partner ist, ist mit Feuereifer bei der Vorbereitung dabei, die Zusammenarbeit macht Spaß. Das wird!

Jetzt dürfen wir gespannt darauf sein, wie es sportlich wird. Denn es dürfte ein recht ausgeglichenes Turnier werden, in dem der Titelverteidiger diesmal von der Papierform her nicht der Top-Favorit ist. Das ligahöchste Team wird den Turniersieg aber auch nicht so im Vorbeigehen schaffen.

Bis es so weit ist, ist zum einen noch einiges an Vorbereitung nötig, bei der SG und bei der EZ. In Kürze nehmen wir die Gruppenauslosung vor und wir arbeiten an der Sonderbeilage zum Turnier. Denn nachdem wir das vor einem Jahr anlässlich des Jubiläums zum ersten Mal gemacht haben und das Heftle gut ankam, machen wir es wieder.

Zum anderen stehen für die Mannschaften bis zum Jahresende noch ein paar wichtige Spiele an. Zum Beispiel für die HSG Ostfildern, bei der in der Württembergliga gerade ziemlich der Wurm drin ist. Am Freitagabend geht es zum Derby auf den Berg zur SG Hegensberg/Liebersbronn. Zu Saisonbeginn und noch vor ein paar Wochen hätte ich vorausgesagt, die HSG ist da der Favorit. Jetzt reist Ostfildern aber als Drittletzter zum drei Plätze besseren Zehnten. Und steht unter Druck.

Ich werde am Freitag in der Halle sein und nach dem Spiel (Beginn 20.15 Uhr) Vollgas geben, um noch ein paar ordentliche Zeilen ins Blatt zu bringen.

Morgen schreibe ich aber erst einmal etwas zum EZ-Pokal.    


Plochingen ist wieder dabei

Puh, da müssen wir durch: Christos Erifopoulos. Fotos: Rudel

Ich weiß nicht, wer beim TV Plochingen am Ende am meisten geschafft war. Vielleicht war es Michael Schwöbel. Mental war das Spiel des Handball-Drittligisten gegen die TSG Haßloch anstrengend. Aber wie Schwöbel da an der Seitenlinie auf- und abgetigert ist und gestenreich Anweisungen gab –  da hat er schon ein paar Meter gemacht. Zumal sich die Spieler zwischendurch ja mal ausruhen durften. Der Trainer nicht.

Immer unter Strom: Michael Schwöbel.

Nun ist Schwöbel keiner, der stets ruhig auf seinem Bänkle sitzt, aber so wie am Samstag hab ich ihn noch nie erlebt. Es zeigt, wie wichtig dieses Spiel für die Plochinger war. Wie wichtig der Sieg am Ende war. Wie wichtig es war, die erste Krise in der dritthöchsten Spielklasse zu bewältigen. Nach drei Siegen aus den ersten fünf Spielen hatte der Aufsteiger sieben Niederlagen in Serie kassiert – jetzt sieht die Bilanz mit 8:18 Punkten schon besser aus. 8:18 Punkte haben in der Tabelle gleich vier Mannschaften. Zehn Teams sind besser, nur zwei schlechter. Da sieht man, wie eng es in der Liga zugeht. Und dass die Plochinger wieder dabei sind. Unten dabei, aber dabei.

Es war kein hochklassiges Spiel. Aber es war eine überzeugende Leistung. Bei der vor allem in der Anfangsphase einiges zugunsten der Plochinger lief. Das könnt ihr aber ausführlich in meinem EZ-Text nachlesen. Ich habe übrigens auch für die Kollegen der Rheinpfalz in Neustadt ein paar Zeilen geschrieben. Ähnlicher Text, ganz anderer Einstieg. Woran man sieht, wie nahe Jubel und Frust beieinanderliegen.

Ganz stark gegen Haßloch: Henrik Bischof.

Plochingens Christos Erifopoulos jedenfalls konnte mit den Haßlochern, die nach der nun dritten Niederlage in Folge vom TVP den vorletzten Tabellenplatz übernommen haben, nachfühlen: „So ist es uns in der Woche davor in Oppenweiler gegangen. Wenn man schlecht ins Spiel findet, wird es ganz schwer.“ Vor allem, wenn das Gewicht eines Negativlaufes auf einem lastet.

Verletzungsbedingt der Alleinunterhalter am Kreis: Philipp Gollmer.

Den haben die Plochinger nun erst einmal gestoppt. Sie haben es endlich wieder geschafft, die Leidenschaft an den Tag zu legen, ohne die es nicht geht, und gleichzeitig einen kühlen Kopf zu bewahren und taktisch die Linie zu halten. Dazu hat Erifopoulos seinen Beitrag geleistet. Der junge Deutsch-Grieche hat wieder ein gutes Spiel gemacht und damit gezeigt, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Henrik Bischof war zudem vor allem in der Anfangsphase stark. Bei ihm war da im Gegensatz zu seinen Kameraden keine Unsicherheit zu spüren. Neuzugang David Spiler braucht noch ein bisschen, zumal er noch angeschlagen war und Schwöbel seine Pause, nachdem er ihn  nach der Anfangsphase vom Spielfeld genommen hatte, verlängerte. Denn es lief auch ohne den Slowenen gut.

Am Samstag nicht viel im Einsatz: David Spiler.

Die Plochinger werden bis zum Saisonende kämpfen müssen. Die nächsten Rückschläge werden kommen. Man darf nicht vergessen, dass Haßloch ein Gegner war, der ebenfalls hinten drin steckt. Aber den muss man erst einmal schlagen und im Gegensatz zum TVP ist es eine gestandene und körperlich großgewachsene Drittligamannschaft, die vor zwei Jahren in der Liga noch oben mitgespielt hat. Und es hat ja jeder damit gerechnet – naja, nach dem super Start haben vielleicht ein paar geträumt -, dass der TVP gegen den Abstieg kämpfen wird.

3. Liga in Plochingen macht jedenfalls Spaß. Gut gefallen hat mir auch, dass die Halle trotz der Niederlagenserie gut gefüllt war. Am Ende waren nur die nicht gerade wenigen Gästefans nicht happy.

Am Samstag geht es für den TVP gleich mit dem nächsten Heimspiel weiter. Gegen Dansenberg. Das ist der Vierte. Aber mit der Außenseiterrolle haben die Plochinger in der laufenden Saison ja auch gute Erfahrungen gemacht. Gerne erinnern sie sich an den Auftaktsieg gegen Pfullingen mit Ex-Trainer Daniel Brack. Der VfL steht nach dem Sieg im Spitzenspiel gegen Balingen auf Platz zwei.   

Michael Schwöbel wird am Samstag wieder seine Meter machen.


Die Hornets machen wieder Spaß

Spielt jetzt schon eine wichtige Rolle im TVN-Gefüge: Chiara Baur. Fotos. Rudel

Es war fast wie in alten Zeiten. Ich sitze neben Hallensprecher Hans A. Schatz, die Spielfeldbegrenzung keine zwei Meter vor mir und es spielt ein Team des TV Nellingen mit einigen Eigengewächsen gut und um den Sieg. Naja, der Altersunterschied zu den Spielerinnen ist etwas größer als damals zu Zeiten von Steffi Urbisch, Sandra Faustka und Bäbel Lang. Vroni Goldammer aber ist noch da, nicht auf ihrem Stammplatz auf der Tribüne rechts neben mir. Mittlerweile ist sie Trainerin des ersten Nellinger Teams und steht gestikulierend auf der gegenüberliegenden Seite neben der Bank.

Aber die alten Zeiten sind vorbei. Es hat sich viel getan, seit der TVN in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga gegen Metzingen, Weibern oder Bensheim gespielt hat. Das Team ist in die Bundesliga aufgestiegen, und spielt nach dem Rückzug jetzt in der 3. Liga. Die vergangenen Wochen waren geprägt von Umbruch, von der Suche nach Spielerinnen. Von Unsicherheit. Der Start des jungen Teams in der 3. Liga war nicht prickelnd. Jetzt aber, nach ein paar Wochen, kann man festhalten: Der TV Nellingen ist in der Liga angekommen. Trotz 3:9 Punkten und Platz zehn von zwölf. So langsam kristallisiert sich heraus, wo das Team sportlich steht. Was es kann. Wo es besser werden muss. Und wo es hingehen kann.

Und vor allem: Die Hornets machen wieder Spaß.

Umkämpftes Derby: Marlene Kriessler (Mitte), Harriet Seckinger (links), Mara Seitzer (rechts).

Trotz der 25:28-Niederlage im Derby gegen den TSV Wolfschlugen bin ich mir sicher: Die Hornets werden das Ziel Klassenverbleib schaffen, sie werden in der laufenden Saison noch einige Spiele gewinnen. Und sie werden, wenn die Talente bleiben und vielleicht die eine oder andere Spielerin dazukommt, ihren Weg auch über den kommenden Sommer hinaus machen.

Denn: Es gibt eine Menge Unerfahrenheit, die noch zu Niederlagen führt. Aber es gibt eine Menge Talent, das zu Siegen führen wird. In den vergangenen Wochen gab es dafür einige Fingerzeige, viele auch im Spiel gegen Wolfschlugen. Nach dem schwachen Saisonstart und dem ersten Sieg gab es einen überraschenden Punkt gegen Spitzenreiter Regensburg und nun in Allensbach und gegen Wolfschlugen zwei Niederlagen nach einer verspielten Führung.

Starkes Spiel: Leonie Dreizler.

Das ist das typische Indiz dafür, dass es an Erfahrung und Cleverness fehlt. Deshalb bemängelte Trainerin Goldammer (das habe ich in meinem Text für die EZ nicht zitiert) nach dem Spiel auch: „Man sieht, was die Mannschaft im Stande ist zu leisten, aber ein Spiel dauert eben 60 Minuten.“

Was mich an den guten 45 Minuten vor allem beeindruckt hat, war die Abwehr. Zwischen 17 und 20 Jahre alt sind die Spielerinnen, die da im Mittelblock stehen – was sie abgeliefert haben war taktisch, läuferisch und kämpferisch erste Sahne. Es wirkte fast schon routiniert.

Die Konstante in Nellingen: Trainerin Veronika Goldammer.

Vorne fehlt noch die Durchschlagskraft, leichte Tore gibt es wenig. Aber vor allem Chiara Baur und Leonie Dreizler haben mich mit einer guten Wurftechnik und einem klasse Bewegungsablauf überzeugt. Aber alle anderen auch.

Nur eben in Phasen wie der nach der Pause, als Wolfschlugen aufgedreht hat, vor allem kämpferisch noch was draufgelegt hat, fehlt noch die Vorangeherin, die die Kohlen aus dem Feuer holt. Zu hektisch sind dann die Aktionen. Schwupps ist der Gegner vorbeigezogen. Und die Nellingerinnen finden zu spät wieder in die Spur. Stellen sich auch zu spät auf taktische Umstellungen des Gegners ein. Zumindest in Allensbach und gegen Wolfschlugen war das so. Ich glaube, Chiara Baur kann diese Vorangeherin werden. Sie wird ohnehin ihren Weg gehen.

Das sind die Dinge, bei denen es Woche für Woche einen Lernerfolg geben wird. Das Potenzial ist da. Und wenn jetzt auch wieder ein paar mehr Zuschauer kommen, die vielleicht mittlerweile mitbekommen haben, dass es sich lohnt, den TVN-Mädels zuzuschauen, dann könnte es fast wieder wie in alten Zeiten werden. In Liga drei halt. Aber das muss ja nicht ewig so bleiben.

Linda Leukert kämpft sich durch.

Ein paar Sätze zu Wolfschlugen müssen aber auch noch sein: Mich hat das Team schon gegen den schwächeren TV Möglingen überzeugt. Gegen Nellingen sind die Wolfschlugenerinnen nach einem Sechs-Tore-Rückstand (10:16) wieder ins Spiel zurückgekommen, haben sich reingekämpft. Sie glauben an sich und an das, was sie tun. In der Tabelle stehen sie auf Platz zwei. Man kann festhalten: So direkt nach dem Aufstieg ist Wolfschlugen schon ein richtiger Drittligist. Nellingen braucht noch ein bissle, aber bange ist mir da auch nicht.

So, kommt gut durch die Woche. Ich mache jetzt zwei Wochen Urlaub – eigentlich schon ab heute ;-).


Basis und Weltklasse

Derby zwischen Köngen und Reichenbach – müssen die Amateurvereine in Zukunft die Leistungssport-Förderung mitfinanzieren?

Gestern flatterte eine Pressemitteilung des Deutschen Handball-Bundes ins Email-Postfach der Sportredaktion. „Grundsatzbeschluss pro Strukturreform“, war sie überschrieben. Es stand nicht viel Konkretes drin, aber dass der DHB nun offiziell beschlossen hat, seine Strukturreform voranzutreiben, Arbeitsgruppen zu bilden und das Ding bis 2021 durchzuhaben.

Für Diskussionen sorgt die angepeilte Reform dennoch schon. Dass sie nötig ist, bestreitet wohl niemand. Dennoch sind nicht alle mit allem glücklich, was da geplant ist. Wobei, das Zauberwort soll auch hier „Mitnehmen“ heißen. Die Vereine und Landesverbände sollen mitgenommen werden. Und für den HVW ist Hans Artschwager ja vorne mit dabei.

Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es vor allem um drei Elemente: Die Zahl der Landesverbände soll auf zehn reduziert werden, es soll im Leistungssport in Trainer investiert werden, damit Deutschland international wieder nach ganz oben kommt – und für die Finanzierung soll eine so genannte Lizenzgebühr eingeführt werden. Da vor allem regt sich Widerspruch. Wenn es ums Geld geht, ist der Protest nicht weit.

Auch ich bin noch in der Meinungsfindung. Deshalb das Einfache zuerst: Dass es – unter anderem – die historisch gewachsene Aufteilung in einen württembergischen, einen badischen und einen südbadischen Landesverband in Zukunft nicht mehr geben soll, macht einfach nur Sinn. Andere Sport-Verbände haben das schon lange durch und spielen unter einem baden-württembergischen Dach. Wobei es auch da teilweise heftige Diskussionen gab und es einige auch nicht geschafft haben, die Tischtennisspieler etwa. Da haben sich die Südbadener quer gestellt.

Das anzupacken, halte ich für richtig und überfällig. Allerdings werden sich einige, die das auch so sehen, in ihrer Meinung bestätigt fühlen, dass der HVW mit seiner Strukturreform auf den übergeordneten DHB hätte warten können. Im Südwesten ist die Reform beschlossen und greift ab der kommenden Saison, was auf die laufende bereits mächtige Auswirkungen hat. Wir haben es ausführlich diskutiert.

Erst DHB-Reform, dann eine Spielklassenreform im neuen BW-Verband – das hätte schon Sinn gemacht. Vor allem, was die Einteilung der Ligen betrifft, die dann regional sinnvoller hätten gestaltet werden können. Aber das ist ums Eck, vielleicht gibt es ja irgendwann ein Reförmle der Reform.

Für nicht so einfach halte ich die Sache mit der Lizenzgebühr. Gut ist, dass der Leistungssport gestärkt werden soll. Und zwar nicht im Sinne der finanziellen Unterstützung der A-Nationalmannschaften, sondern bei der Nachwuchsförderung. Das würden wohl fast alle unterschreiben. Aber dass die Basis dafür bezahlen soll, dass es die Nationalteams wieder in die absolute Weltspitze schaffen, wird heftigen Widerstand hervorrufen.

10 Euro pro aktivem Spieler und Jahr – Jugend ausgenommen – sind angedacht. Wohin das Geld genau fließen soll, ist noch nicht klar (zumindest mir nicht). Auch zurück in den Breiten-, aber wohl vor allem in den Leistungssport. Gerecht ist das nicht. Beide Bereiche sollten sich selbst finanzieren können und eher die Vereine für die Ausbildung der Top-Talente entschädigt werden. Gehobenen Amateursport zu finanzieren, ist schwer genug. Das können die Macher bei den vielen Clubs im EZ-Land bestätigen.

Auf der anderen Seite ist die Frage, wo das Geld sonst herkommen soll. Von zusätzlichen Sponsoren? Durch einen Aufschlag auf die Eintrittspreise in der Bundesliga und der 2. Bundesliga – auch das wird diskutiert. Oder durch höhere Preise bei allen Spielen? Oder… Wenn die Nationalteams Erfolg haben, kann das auch eine Sogwirkung auf die Basis haben – so eine andere Argumentation.

Im Fußball ist es eher anders herum. Da gibt es Transferleistungen von der Bundesliga und dem DFB zu den Amateuren – auch wenn das teilweise eine Milchmädchenrechnung ist. Aber das ist von der Einnahmenseite nicht vergleichbar.

Handball ist Handball – und zumindest auf struktureller Ebene wird sich da einiges verändern. Hören wir uns an, wie die Diskussion weitergeht. Das Thema wird uns noch eine Weile beschäftigen.  


Ein Handball-Wochenende in Bildern

Drittligist Plochingen verliert gegen Hochdorf (Baden!), Ostfildern gewinnt überraschend das Württembergliga-Derby gegen Deizisau, Köngen setzt sich im Landesligaspitzenderby in Denkendorf durch und Neuhausen fegt schließlich Baden-Baden, noch besser bekannt als Sandweier, im Spitzenspiel der BWOL aus der Halle. Und dazu noch der Punktgewinn der Nellinger Drittliga-Frauen gegen Tabellenführer Regensburg. Was für ein Handball-Wochenende.

Die Analysen und Berichte sind in der EZ nachzulesen. Jakob de Santis (Neuhausen), Kerstin Dannath (Denkendorf), Max Bruns (Scharnhausen) und ich (Plochingen) waren in den Hallen vor Ort. Unser Fotograf Herbert Rudel musste am Samstagabend ganz schön Gas geben, denn drei der Spiele liefen parallel. Und weil er dabei schöne Fotos gemacht hat, gibt es nun hier statt viel Text ein Handball-Wochenende in Bildern. Viel Spaß damit.

Neuzugang David Spiler wird in Plochingen begrüßt. Fotos: Rudel
Marvin Fuß stemmt sich gegen die Niederlage.
Maximilian Schmid-Ungerer zeigt ebenfalls Normalform.
Spiler in seinem ersten Spiel für den TVP im Einsatz.
Neuhausens Leon Papst zieht ab.
Philipp Keppeler ist im Anflug.
Wo dieser Ball wohl hinfliegt, fragen sich Timo Durst und die Baden-Badener Verteidiger.
Hannes Grundler spielt nochmal ab.
Pascal Reitnauer zeigt im Derby vollen Einsatz.
Jonas Reinold hofft, dass der Ball reingeht.
Timo Flechsenhar (rechts) bringt seine Erfahrung ein.
Moritz Grimm kennt keinen Schmerz.
Die Denkendorfer Abwehr scheint in dieser Situation schwer überwindbar.
Routiniers unter sich: Lukas Taxis (links) und Frieder Gänzle
Christian Dobler überwindet Manuel Vogel im Köngener Tor.
Köngens Trainer Simon Hablizel – später darf er jubeln.


Es wird intensiv

Volle Ränge, viel Einsatz – das Derby zwischen Wolfschlugen und Deizisau hat es in sich.

Maximal sieben Spiele haben die EZ-Land-Teams in der immer noch jungen Saison absolviert. Insgesamt, das kann man konstatieren, sind sie ordentlich gestartet. Und es bestätigt sich schon jetzt der Eindruck, dass es in den Ligen, in denen es angesichts der Strukturreform des HVW um Qualifikationen geht, bereits besonders intensiv zugeht. Also in der Württemberg- und der Landesliga.

Mein Gefühl: Vor allem und gerade die Württembergliga hat es in sich. Und da kraxeln alle unsere Teams gerade so um den Qualifikationsstrich (zwischen sieben und acht) herum. 5. Wolfschlugen, 6. Deizisau, 7. Ostfildern, 9. Hegensberg/Liebersbronn. Noch Fragen?

Die Abwehrarbeit steht in dem Spiel im Mittelpunkt.

Viele Fragen. Ich habe in dieser Saison schon Deizisau gegen HeLi und Wolfschlugen gegen Deizisau gesehen. Am kommenden Samstag spielt Deizisau gegen Ostfildern. Wolfschlugen gegen Deizisau war bestimmt nicht eines der hochklassigsten, aber eines der intensivsten Spiele, die ich seit langem miterlebt habe. Es hat zwei Dinge gezeigt: Sieger Wolfschlugen muss sich jede Woche und gegen fast jeden Gegner strecken, um wirklich um den Aufstieg mitspielen zu können. Und Deizisau ist ein Kandidat für die eingleisige Württembergliga ab der kommenden Saison, wird aber von hinten gejagt. Am Sonntag gegen Langenau/Elchingen, noch das Spiel in Wolfschlugen in den Knochen, haben sich die Deizisauer gut gewehrt.

Und die Trikots müssen was aushalten.

Auch der nächste Gegner Ostfildern lauert hinter den Deizisauern, und ein bisschen vielleicht HeLi. Naja, auf dem Berg sind sie nach dem grottigen Saisonstart erstmal froh, dass die Mannschaft wieder in der Spur ist. Oder überhaupt erst in der Spur. Das aber richtig. Nach der Schlappe in Deizisau hätte ich ehrlich gesagt nicht gedacht, dass die SG anschließend zwei Mal gewinnen – unter anderem in Wangen – und Tabellenführer Lauterstein den ersten Punkt abnehmen würde. Chapeau!

Gegen HeLi tun sich die Deizisauer leichter, aber danach drehen die Handballer vom Berg auf.

Die jüngste Klatsche von Ostfildern in Albstadt wundert mich ein bisschen. Aber auch das zeigt: Ausruhen geht kein bisschen.

Die Derbywochen für Deizisau gehen am kommenden Samstag weiter.

Es geht spannend weiter. Das kommende Wochenende etwa bietet eine große Fülle an Handball-Highlights. Drittligist Plochingen spielt nach dem Super-Start und dem Doppel-Dämpferle gegen Kornwestheim und in Fürstenfeldbruck daheim gegen Hochdorf, Ostfildern wie erwähnt gegen Deizisau, die Nellinger Drittliga-Frauen gegen Regensburg, Neuhausen (nach dem Kantersieg gegen Köndringen) gegen Baden-Baden – und dann nicht zu vergessen das Landesligaspitzenderby zwischen Denkendorf und Köngen. Puh, wenn man nicht gerade den einen Herzensclub hat – oder der nicht spielt -, fällt die Entscheidung ganz schön schwer, wo man da hingehen soll. Auch uns von der EZ.     

Soweit ein paar Gedanken zum aktuellen Handball. Kommt gut durch die Woche, wir sehen uns in der Halle.


Glücksgefühle und Sorgenfalten

Klasse Spieler, klasse Bild: Deizisaus Moritz Friedel erzielt eines seiner neun Tore gegen HeLi. Fotos: Rudel

Habe ich mich falsch entschieden? Vielleicht. Drittliga-Aufsteiger TV Plochingen hat auch das dritte Saisonheimspiel gewonnen und sensationell den bisherigen Tabellenführer Rhein Neckar Löwen II geschlagen. Ich war nicht in der Halle. Unser Fotograf Herbert Rudel war da. Ich war (und Herbert Rudel auch) beim Württembergliga-Derby zwischen dem TSV Deizisau und der SG Hegensberg/Liebersbronn. Vielleicht habe ich mich doch richtig entschieden.

Plochingens Marvin Fuß sucht die Lücke im Löwen-Käfig.

Ich erkläre das immer wieder: Wir von der Sportredaktion können nicht bei allen unserer EZ-Land-Teams bei jedem Spiel vor Ort sein. Zwei Spiele pro Wochenende schaffen wir in der Regel, und diesmal haben wir uns für Deizisau gegen HeLi und das erste Heimspiel des TV Nellingen nach dem Rückzug aus der Bundesliga entschieden. Macht ja Sinn, oder? Eingeflossen in die Entscheidung ist auch, dass der TVP am kommenden Samstag gleich wieder ein Heimspiel hat und unsere Steffi Gauch-Dörre schon dafür eingeteilt ist.

Und hoffentlich von Heimsieg Nummer vier berichten kann.

Henrik Bischof macht gegen den bisherigen Tabellenführer ein ganz starkes Spiel.

Ich hätte Plochingen gerne gesehen. Gerne siegen gesehen. Und gerne gesehen, wie Christos Erifopoulos sich präsentiert, mit dem ich mich vergangene Woche unterhalten und über den ich dann ein Porträt geschrieben habe. Interessanter, netter Junge. Und mit 19 schon ein mächtig guter Handballer.

Aber Eindrücke von Deizisau gegen HeLi zu bekommen, war auch nicht schlecht. Deizisau wird oben mitspielen, das hat die Mannschaft auch in diesem Spiel gezeigt. Wobei, das muss man ehrlich sagen, HeLi kein Gradmesser war. Ich war in meinem Urteil in dem Text für die EZ vielleicht ein bisschen hart. Aber SG-Trainer Sinisa Mitranic war in seinen Aussagen direkt nach dem Spiel noch härter. Und die Leser erwarten – und dürfen erwarten – ein ehrliches Urteil vom Journalisten.

HeLis Fabian Sokele (links) versucht, Alexander Seibold aufzuhalten. Der Deizisauer macht im Derby acht Buden.

Zu HeLi muss man konstatieren: Die Mannschaft wird es in dieser Saison schwer haben. Wenn sie so auftritt wie gegen Deizisau, sehr schwer. Man sieht jetzt schon, dass jeder Ausfall die Mannschaft hart trifft. Und man kann für das Team hoffen, dass die taktischen Veränderungen, die Sinisa Mitranic als umfangreich beschrieben hat, schnell greifen.

Zumindest die Verbandsliga sollte HeLi für die kommende Saison schaffen.

Und das Schöne am Sport ist ja: Ich habe jetzt einen Eindruck vom Spiel der Berg-Handballer in Deizisau und habe diesen auch transportiert.

Aber schon in wenigen Tagen kann die Mannschaft einen anderen Eindruck von sich vermitteln. Einen besseren. Einen Mut machenden.

Die Deizisauer sind erst am 3. Oktober wieder dran. Es wird ein Spiel, auf das wir uns freuen dürfen, auch wenn es zu einem nicht nur für Zeitungsmacher blöden Termin am Feiertag um 18 Uhr angepfiffen wird: TSV Wolfschlugen gegen TSV Deizisau. Das Top-Derby im EZ-Land.

Um Plochingen müssen wir uns derweil wenig Sorgen machen. Schön.


Auf geht’s: die Am-Kreis-Saisonprognose

Der TV Plochingen und Neuzugang Frank Eisenhardt haben schon drei Saisonspiele hinter sich – zwei davon haben sie gewonnen. Fotos: Rudel

In der  Samstagausgabe haben wir die letzte Sonderseite zum Saisonstart der Handballer in der Eßlinger Zeitung. Es geht um die Landesliga der Männer. Das ist ein klares Zeichen: Die Sommerpause ist endgültig zu Ende, die Runde ist ab dem kommenden Wochenende in allen Ligen in vollem Gange.

Damit endet auch wieder die Sommerpause im Blog – und wie seit vielen Jahren starte ich mit meiner Saisonprognose.

Vorher will ich noch ganz schonungslos auf meine Prognose vom vergangenen Jahr zurückblicken. Ehrlich gesagt: Ich war schon besser. Manchmal war ich zu optimistisch, auch mal zu pessimistisch. Bei acht von 16 Teams lag ich komplett richtig, bei vier so halb richtig und bei vier daneben. Wobei ich damit sehr wahrscheinlich nicht alleine war. Wer hätte die Entwicklung bei den Nellinger (Ex-)-Bundesligafrauen vorhersagen können? Wer hätte gedacht, dass die Plochinger in die 3. Liga aufsteigen? Dass die Neuhausener den Klassenverbleib in der 3. Liga nicht schaffen würden, hatten einige in der Szene befürchtet. Ich hätte ihnen zugetraut, drinzubleiben. Bei den HeLi-Frauen habe ich die Abstiegsgefahr gesehen, war aber optimistischer als es dann gekommen ist.

Immer mit der Ruhe: Nellingens neue Cheftrainerin Veronika Goldammer.

Auch diesmal werde ich mich nicht um klare Aussagen drücken. Also:

In der 3. Liga sind jetzt die Frauen des TV Nellingen und des TSV Wolfschlugen sowie die Männer des TV Plochingen vertreten. Bei den Nellingerinnen gibt es viele Fragezeichen. Ich sage: Sie werden das Ziel Klassenverbleib irgendwie erreichen. Mehr aber auch nicht. Was die Wolfschlugenerinnen betrifft, so tue ich mich wahrscheinlich genauso schwer, wie sie selbst. Die Liga ist für Team und Verein Neuland, aber ich glaube, der Niveauunterschied zwischen vierter und dritter Liga ist nicht ganz so groß wie bei den Männern. Also, nur Mut, das klappt schon – ganz knapp, oder auch nicht so knapp – mit dem Klassenverbleib. Der dann mindestens so gefeiert werden kann wie der Aufstieg.

Bei den Plochingern kommt mir klar zugute, dass sie schon drei Spiele absolviert – und davon zwei in überzeugender Manier gewonnen haben. Ohne diese Eindrücke hätte ich wahrscheinlich vermutet, dass es die Mannschaft im Kampf um den Klassenverbleib ganz, ganz schwer haben würde. Leicht wird es trotzdem nicht und es kann auch sein, dass es bittere Phasen in der Saison gibt. Aber: Der TVP schafft es. So.

TVP-Coach Michael Schwöbel ist gespannt, was die Saison noch bringt.

Absteiger TSV Neuhausen und Aufsteiger TV Nellingen II spielen in der BWOL. Wenn eine Mannschaft den direkten Wiederaufstieg schaffen kann, dann ist es Neuhausen – das zeigt allein die Historie. Aber es wird knüppelhart. Sorry, oben auf den Fildern, aber ich will mich ja festlegen: Die MadDogs spielen vorne und um den Aufstieg mit, schaffen es aber nicht ganz. Das hat auch nichts mit dem Abgang von Lukas Fischer und der noch nicht geklärten Situation um Louis Mönch zu tun, die ein eigenes Thema sind. Dass es die Mannschaft auch ohne die beiden ganz gut kann, hat sie bei ihrem Auftaktsieg gezeigt.

Auch Moritz Hipp und der TSV Neuhausen waren bereits im Einsatz – der Saisonstart ist geglückt.

Bei der Nellinger Zweiten muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass das Team in der vorhandenen Konstellation auch in der kommenden Saison in der vierthöchsten Spielklasse dabei ist. Viele Spielerinnen, die den Aufstieg geschafft haben, spielen jetzt im Drittligateam. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, aber das wird wahrscheinlich nicht reichen.

In der Württembergliga muss ich mich bei der Prognose in diesem Jahr auf drei Punkte konzentrieren: Aufsteiger, Absteiger und Qualifikation für die eingleisige Staffel ab der Saison 2020/2021. Erklären muss ich das ganze Prozedere nicht mehr, ihr könnt es auf den Vorschau-Seiten der Männer und Frauen nochmal nachlesen. Also, kurz und knackig: Bei den Männern wird der TSV Wolfschlugen Meister und steigt in die BWOL auf, der TSV Deizisau und – etwas überraschend – die HSG Ostfildern qualifizieren sich für die eingleisige WL, die SG Hegensberg/Liebersbronn kämpft gegen den Abstieg in die Landesliga, schafft es aber in die neu geschaffene Verbandsliga. Passt, oder?

Bei den Frauen ist es schwieriger. Der TV Reichenbach ist einfach mal dran mit dem Aufstieg. Keine Ahnung, was da am Ende der vergangenen Saison los war, dass es das Team noch versemmelt hat. Die Konkurrenz ist wohl noch stärker geworden, aber ich traue es dem Team zu, diesmal gefestigter zu sein und es zu packen. Bei der HSG Deizisau/Denkendorf und dem TSV Köngen wird es bis zum Schluss ein Zittern, ob es mit der Qualifikation für die eingleisige Staffel hinhaut. Aber beide Teams dürften, wenn verletzungsmäßig und so nichts passiert, stark genug sein. Es wird jedoch eng.

In der Landesliga geht es um die Qualifikation für die Verbandsliga, einen Aufsteiger in die Württembergliga gibt es nicht. Ich traue es allen vier EZ-Land-Teams zu: Für das Team Esslingen wäre alles andere eine Enttäuschung und die Mannschaft ist auch gut genug, der TV Reichenbach eh – das Team spielt um die Meisterschaft mit, auch wenn die nichts bringt. Leider in der anderen Staffel wie die anderen Teams. Der TSV Köngen kann es auch schaffen, muss es aber wohl nicht. Beim TSV Denkendorf habe ich einfach ein gutes Gefühl. Die Mannschaft ist als Aufsteiger natürlich der größte Wackelkandidat, aber da geht was und die Verbandsliga ist drin.

In der Landesliga der Frauen haben wir nach einem Jahr ohne EZ-Land-Team wieder einen Vertreter: Württembergliga-Absteiger SG Hegensberg/Liebersbronn. Den Wiederaufstieg müssen wir hier nicht thematisieren –  es gibt auch hier diesmal keinen Aufsteiger. Deshalb ist es in diesem Fall mit der Prognose besonders leicht: Die ersten vier oder fünf Teams sind in der Runde darauf in der Verbandsliga dabei – und HeLi wird darunter sein.

A propos HeLi und Frauen-Landesliga: Wer es mit dem Lesen bis hierhin geschafft hat (die nächsten Blog-Beiträge werden wieder kürzer), dem möchte ich noch eine Änderungen in der Handball-Berichterstattung der EZ mitteilen: Bisher haben wir bei den Frauen ja erst ab der Württembergliga regelmäßig berichtet. Jetzt nehmen wir auch die Landesliga – und damit in diesem Fall eben HeLi – dazu, und zwar in der Dienstagausgabe.

Wir haben so viele Teams wie noch nie in der Zeitung unterzubringen. Das ist toll und spricht für eine super Handball-Szene. Aber braucht Platz, der auf den Lokalsportseiten in der Montagausgabe einfach knapp wird. Ich habe hin- und herüberlegt, etwa, ob wir die Landesliga der Männer auch in der Dienstag-Ausgabe fahren sollen, statt sie auf die Montag-Seiten zu „quetschen“. Denn wir wollen auch in Zukunft bei Spielen selbst mit Reporter und Fotograf vor Ort zu sein – auch das braucht Platz in der Zeitung. Es kann sein, dass das mit der Landesliga in der Dienstagausgabe mal so kommt, ansonsten habe ich beschlossen, wenn nötig und wenn möglich lieber in der Montagausgabe etwas Platz von den überregionalen Seiten abzuknapsen und dort noch EZ-Land-Handball zu bringen.

Wie bisher werden wir auch online first berichten und die Texte werden in der Regel einen Tag vor dem Erscheinen in der Zeitung bei www.esslinger-zeitung.de und im ePaper zu finden sein.

Ab der Saison 2020/2021 wird eh vieles anders. Aber jetzt freuen wir uns erstmal auf die jetzt beginnende oder gerade begonnene Runde.

Ich wünsche allen eine Top-Saison, habt Erfolg und bleibt von Verletzungen verschont!