Köngen – da geht was

Frieder Gänzle (Mitte) und Moritz Eisele (rechts) sind mit dem TSV Köngen auf einem guten Weg. Fotos: Rudel

Zu Köngen und Sport fallen einem einige Dinge ein. Kunstradfahren zum Beispiel. Oder Leichtathletik. Zurzeit auch die Tatsache, dass die Köngener Fußballer in der Landesliga in Abstiegsgefahr schweben und dass, falls es sie erwischt, im Verbreitungsgebiet der EZ Bezirksliga die höchste Spielklasse ist, in der gegen das runde Leder mit dem Fuß getreten wird. Traurig.

Im TSV Köngen wird aber auch mit der Hand am Ball Sport getrieben. Und das im Gegensatz zu den Fußballern immer erfolgreicher. Vor knapp einem Jahr haben die TSV-Handballer einen Doppelaufstieg gefeiert – die Männer in die Landesliga und die Frauen in die Württembergliga. Und damit beide Teams in den Bereich, in dem sie in der EZ regelmäßig mit eigenen Texten begleitet werden. Ein Anlass für mich, mal Bilanz zu ziehen.

Köngen steht mehr im Blickfeld der Handballbegeisterten im EZ-Land. Das haben sie sich beim TSV auch gewünscht. Spätestens als Moritz Eisele und Frieder Gänzle zu ihrem Heimatverein zurückgekehrt sind, dachte man sich: Da geht was in Köngen. Ähnlich, wie man es zuvor und zurecht über die HSG Hegensberg/Liebersbronn gesagt hatte, als dort einige Ehemalige zurückkamen und halfen, ihren Club nach vorne zu bringen.

Bejubelt Miriam Panne bald den Klassenverbleib?

Und die Köngener Frauen holten in Trainer Armin Dobler einen, von dem man auch weiß, was er kann – übrigens einer mit dicker HeLi-Vergangenheit.

Knapp ein Jahr nach dem Aufstieg stehen die Köngener Männer super da und der Klassenverbleib ist nur noch Formsache. Das zweite Jahr ist immer das schwerste, sagt man. Ich glaube aber eher, dass der Mannschaft in der kommenden Runde zugute kommen wird, dass die Spieler mit zuvor wenig Erfahrung einen Schritt nach vorne gemacht haben. Eisele sieht das, bei allem Respekt vor der Aufgabe, auch so.

Meine Köngen-Bilanz fällt positiv aus, obwohl die Frauen Vorletzter sind. Ich kann’s erklären: Vor zwei Jahren stand das Team noch an der Schwelle zur Bezirksliga, dann folgte der Aufstieg – es war klar, dass es schwer werden würde. Zudem hat das Team noch eine gute Chance, in den verbliebenen zwei Spielen den vorletzten Platz zu verlassen – alles drüber ist sicher. Am Sonntag geht es gegen das abgeschlagene Schlusslicht Weingarten, während die punktgleiche Konkurrenz aus Lehr eine schwere Aufgaben gegen den Zweiten Leinfelden-Echterdingen zu lösen hat. Und klappt es nicht, gibt es immer noch die Chance in der Relegation. Eines wünscht sich Armin Dobler jedenfalls überhaupt nicht: Dass es am letzten Spieltag noch zum Abstiegs-Endspiel gegen sein HeLi geht.

Morgants Wechsel nach Neckarsulm

Bleibt in der Frauenhandball-Bundesliga bei einem Verein, der mit „N“ beginnt: Pascal Morgant, noch in Nellingen, aber bald in Neckarsulm. Foto: Rudel

Eine Überraschung war diese Nachricht nicht mehr: Pascal Morgant wechselt als Trainer innerhalb der Handball-Bundesliga der Frauen vom TV Nellingen zur Neckarsulmer SU. Nur auf den ersten Blick ist dies ein Rückschritt. Die Neckarsulmerinnen, die vor zwei Jahren gemeinsam mit den Hornets den Aufstieg ins Oberhaus geschafft haben, sind Vorletzter und stehen damit zwei Plätze und drei Punkte schlechter als Morgants Noch-Arbeitgeber da. Wenn die Tabellensituation so bleibt, steigt die NSU – wie vor einem Jahr die Nellingerinnen – nur deshalb nicht ab, weil es nur einen Absteiger gibt und Rödertal abgeschlagen Letzter ist.

Nellingen hätte womöglich gerne mit Morgant weitergearbeitet. Neckarsulm hat eine gute Wahl getroffen. Beim TVN hat Morgant nach einer gewissen Eingewöhnungszeit gezeigt, dass er ein guter Trainer und ein guter Frauen-Bundesliga-Trainer ist. Er hat das Team mit bescheidenen Mitteln in die Bundesliga geführt, dort im ersten Jahr mit Glück und im zweiten mit Geschick und erstaunlich sicher gehalten. Es war eine klare positive Entwicklung zu erkennen.

Für ihn ist es der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. Er hat etwas aufgebaut, übergibt das Nellinger Team in der Bundesliga.

Neckarsulm steht im Moment schlecht da, hat aber auf mittlere Sicht Potenzial. Das auszuschöpfen soll Morgant mithelfen. Zunächst aber muss die NSU die Scherben zusammenkehren, die in dieser Saison produziert wurden und denen zunächst Emir Hadzimuhamedovic und dann Annamaria Ilyes zum Opfer gefallen sind. Ob Morgant in Neckarsulm Erfolg haben wird, wird nicht zuletzt davon abhängen, ob dem Verein das gelingt. Und auch davon, wie Morgant und Hadzimuhamedovic, jetzt „nur“ noch Sportlicher Leiter, miteinander zurechtkommen. Beide haben ihren eigenen Kopf und eine eigene Vorstellung von Handball. Aber sie werden in den Gesprächen eine Ahnung davon bekommen haben, ob das zusammenpasst.

Die kommende Saison wird spannend, da muss die NSU den Umbruch hinkriegen und einen Schritt nach vorne machen. Helfen wird dabei Louisa Wolf, die schon zum zweiten Mal von Nellingen nach Neckarsulm wechselt.

Und Nellingen? Morgants Aussagen, indirekt ins Stammbuch der Nellinger diktiert (und in der Dienstagausgabe der EZ nachzulesen), sind deutlich. Er könne in Neckarsulm auf ein funktionierendes Organisationsteam zurückgreifen, sagt er. „Und ich kann mich wieder auf meine Trainertätigkeit fokussieren.“

Auf auf die TVN-Verantwortlichen wartet viel Arbeit. Zuerst einmal brauchen die Hornets einen neuen Trainer.

Ungewisse Zukunft beim TV Nellingen

Pascal Morgant hat beim TV Nellingen viel bewegt. Am Ende der Saison verabschiedet er sich von den Fildern.

Frauenhandball-Bundesligist TV Nellingen und Trainer Pascal Morgant trennen sich am Ende der Saison. Ich habe das für die Print-Ausgabe der EZ kommentiert. Für euch schon hier zu lesen:

Ungewisse Zukunft
Es ist eine Zäsur: Trainer Pascal Morgant sowie die beiden wichtigsten Spielerinnen, Louisa Wolf und Annika Blanke, verlassen den Frauenhandball-Bundesligisten TV Nellingen. Es ist ihnen nicht zu verdenken, dass sie eine neue Herausforderung suchen. Durch ihre Arbeit in Nellingen haben sie auf sich aufmerksam gemacht und nun die Chance, einen Schritt nach vorne zu machen. Zumindest für Blanke, die zu Frisch Auf Göppingen wechselt, gilt das. Und wahrscheinlich auch für Morgant, dessen Ziel nach fünf Jahren noch nicht bekannt ist.
Es zeigt aber auch: Nellingen tut sich mit Bundesliga-Handball immer noch schwer und kann weniger gute Perspektiven bieten als manche Konkurrenten. Strukturell wie finanziell. Damit ist der Verein jedoch nicht alleine, was man etwa daran erkennt, dass aus der 2. Bundesliga nur ein einziges Team aufsteigen möchte. Weshalb es im Oberhaus nur einen Absteiger gibt. Die Bundesliga ist für die meisten Vereine kein Ziel mehr, sondern ein zu großes Risiko.
Die Nellinger haben es jedoch auch verpasst, rechtzeitig professionellere Strukturen zu schaffen. Vom Konzept mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer hat man sich – aus Kostengründen – verabschiedet. Heute ist Bernd Aichele praktisch ein Einzelkämpfer, beziehungsweise Morgant füllt viel mehr aus als nur die Aufgabe eines Trainers. Das zermürbt auf Dauer. Dazu kommt die leidige Problematik mit der maroden Sporthalle 1. Klar ist im Moment nur, dass die Nellingerinnen im Sommer in ihre dritte Bundesligasaison gehen. Ansonsten steht der TVN vor einer ungewissen Zukunft.

Entscheidungen im EZ-Handball-Land

So kennen sie ihn in Neuhausen auf den Fildern und an der Erms. in der kommenden Saison wirft Dominik Eisele Tore für den TV Plochingen. Fotos: Rudel

Man merkt: Im Handball wird es intensiver. Immer mehr Entscheidungen fallen – oder werden vertagt. Sowohl, was Auf- und Abstiege betrifft, als auch Personen. Die Knaller-Meldung heute: Trainerin Silke Zindorf verlässt am Ende der Saison nach drei Jahren die Frauen der SG Hegensbgerg/Lieberbronn. Alles dazu in der EZ nachzulesen natürlich. Und möglicherweise könnte ihr HeLi-Männertrainer Jochen Masching folgen. Nicht nach Remshalden, sondern weg von der SG. Ich bin mal gespannt.

Zindorf hat auf dem Berg Spuren hinterlassen. Handballerisch und persönlich. Sie hat das Team in die Württembergliga geführt und dort etabliert. Naja, so gut wie jedenfalls. Zurzeit wackelt es ein bisschen, ich bin mir aber sicher, dass das Team stabil genug ist, die letzten Zweifel am Klassenverbleib auszuräumen. Und wer über die Saison hinweg so auf die Tabellen dieser Handballwelt schaut, der weiß: Ganz ohne Abstiegsgefahr gibt es fast nicht.

Silke Zindorf plus Co-Trainer und fünf Spielerinnen gehen im Sommer von Hegensberg/Liebersbronn nach Remshalden.

Zindorfs Nachfolger Markus Weisl, ein erfahrener Mann im Frauenbereich, wird es aber nicht leicht haben. Denn Zindorf folgen gleich fünf Spielerinnen nach Remshalden, fast alles Leistungsträgerinnen, plus der Co-Trainer. Auch hier gilt: Ich bin gespannt, wie sie das bei der SG lösen. Andererseits hat sich die Spielgemeinschaft mittlerweile so einen guten Namen erarbeitet, dass sich Spielerinnen finden lassen werden.

Ungewiss ist nach wie vor die Zukunft des TSV Deizisau. Zum Glück, muss man fast sagen. Denn hätte die Mannschaft das Kellerduell gegen Schwäbisch Gmünd verloren, wäre es das wohl fast schon gewesen mit der realistischen Chance auf den Klassenverbleib in der BWOL. Unser Weltreisender Jan Geißler ist wieder für die EZ im Einsatz und hat sich den wichtigen 28:26-Sieg angeschaut. „Deizisau kann Abstiegskampf“ steht über seinem Text. Daran hatte man während der Saison schon Zweifel. Aber vielleicht kam die Wende zum Guten ja rechtzeitig, immerhin hat es die Mannschaft noch mit drei direkten Konkurrenten zu tun.

Und in der Vergangenheit war es ja immer die Stärke der Deizisauer, dass sie im Saisonendspurt die wichtigen Spiele gewonnen haben.

Moritz Friedel hat beim Sieg der Deizisauer gegen Schwäbisch Gmünd überzeugt.

Ja, zurzeit sind wir öfter in der Halle in Deizisau vor Ort als in Plochingen. So böse werden sie auf der anderen Neckarseite aber nicht sein, denn es ist ein klares Indiz dafür, dass die Plochinger weder in Auf-, und vor allem auch nicht in Abstiegsgefahr schweben. Wir müssen also nicht darüber berichten, ob die Mannschaft noch eine Chance aufs Drinbleiben hat.

Berichten kann man nach dem nicht ganz erfreulichen Abgängen beim TVP jetzt aber über erfreuliche Zugänge. Allen voran Dominik Eisele, der vom Drittligisten TSV Neuhausen kommt. Stark. Jetzt haben die Plochinger nicht nur einen Mann mit Bundesliga-Erfahrung auf der Bank sitzen, sondern bald auch wieder einen auf dem Spielfeld. Trainer Daniel Brack, mit dem ich gerade telefoniert habe, freut sich jedenfalls mächtig über den Coup mit Eisele. Gut, was sie da machen beim TVP. Und auch, wie sie in der schwierigen Phase zuletzt ruhig geblieben sind. Auch hier bin ich sehr gespannt über die weitere Entwicklung. In der kommenden Saison dann. Geschichte in der EZ folgt.

Wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht? Die HSG Ostfildern und die Schwöbel-Brüder sind auf Relegationskurs.

… und heimlich, still und leise pirscht sich die HSG Ostfildern in der Landesliga auf den Relegationsplatz. Da kann der Sieg kürzlich im Spitzenspiel gegen Ober-/ Unterhausen noch so richtig wertvoll werden. Durch den Patzer der SGOU im Derby bei der TSG Reutlingen ist die HSG vorbeigezogen und steht jetzt auf dem Relegationsplatz. Es wäre ja auch ganz ungewöhnlich, wenn Ostfildern mal nicht Relegation spielen würde. Auf den Fildern erinnern sie sich schon gar nicht mehr daran, wann das mal nicht der Fall war.

Und es wäre ja echt eine Geschichte: Die Schwöbel-Brüder verabschieden sich mit dem erneuten Aufstieg in die Württembergliga von der HSG-Bank.

Es war noch viel mehr los im EZ-Handball-Land. Aber jetzt mach ich auch mal Feierabend. Gute Woche allen.

Ende der Rechenspiele

Neuhausens Leon Papst auf dem Weg zu einem seiner fünf Tore gegen Pfullingen. Fotos: Rudel

Das Warnen hat ein Ende. Zumindest bei einigen Mannschaften. In den vergangenen Wochen glichen sich die Aussagen bei den EZ-Land-Vereinen, die uns in dieser Saison wenig Sorgen bereitet haben. „So lange wir rechnerisch noch nicht gesichert sind . . .“, begannen die Sätze. Da steckt immer auch ein bisschen Understatement drin. Aber auch die Erfahrung, dass man sich in diesem Sport nie zu sicher sein sollte.

Alexander Trost war – nach seinem Ausflug nach Göppingen – gegen seinen Ex-Club Pfullingen auch im Einsatz.

Nach dem vergangenen Handball-Wochenende und pünktlich vor der Osterpause verkünden aber gleich drei Clubs: Klassenverbleib gesichert. Der TSV Neuhausen (34:28 gegen Pfullingen) als Aufsteiger in der 3. Liga – klasse Saison, momentan auf Platz zehn. Der TV Plochingen in der BWOL – klasse Saison trotz zuletzt einiger Turbulenzen und momentan auf Platz sieben. Und das Team Esslingen in der Landesliga – es hätte ein bisschen mehr sein dürfen, aber Platz vier – mit großem Abstand zum Spitzentrio allerdings – ist sehr ordentlich (und sieht so gar nicht nach der Aussage „Klassenverbleib gesichert“ aus) und die Mannschaft hat gerade eine starke Phase. Nächste Saison wird ja auch wieder Handball gespielt. Und ich bin mir sicher, dass das Team da richtig angreifen will.

Die Reichenbach Offensive funktioniert im Spiel gegen Feldkirch: Zwölf Tore Max Liegat. . .

Also insgesamt läuft es für die EZ-Land-Teams ganz okay in dieser Runde. Auch beim TV Reichenbach, wobei sowohl die Männer als auch die Frauen in einer etwas undankbaren Rolle sind. Beide sind zurzeit Dritter, stehen damit gut da – werden aber mit dem Aufstieg nichts zu tun haben. Unbedingt das Ziel war es nicht – zumindest nicht öffentlich. Aber die Männer (38:28 gegen Feldkirch) als Absteiger hätten sich schon nicht gewehrt, wenn es doch gleich wieder hoch in die Württembergliga gegangen wäre. Und die Frauen haben ja in der vergangenen Runde schon auf Platz zwei an der BWOL geschnuppert, durften aber nicht einmal Relegation spielen – ihr kennt die Geschichte. Für beide Mannschaften gilt: siehe oben beim Team.

. . . und neun Alexander Stammhammer.

Ja und Deizisau? So langsam glaube ich auch nicht mehr so richtig an den Klassenverbleib. Hier sind die Rechenschieber jedenfalls noch im Einsatz. Wobei es einfach ist: Punkte müssen her. Ich hab die Mannschaft bei der knappen Niederlage gegen Tabellenführer Baden-Baden gesehen. Aber irgendwie müsste ein kräftigerer Ruck durch Mannschaft und Verein gehen, damit es noch klappt mit dem Verbleib in der BWOL. Der Abstieg wäre echt schade. Nach der Osterpause (8. April, 17 Uhr) steht das „Abstiegsendspiel“ an: Letzter Deizisau gegen den Drittletzten Schwäbisch Gmünd, drei Punkte Abstand. Großes Aber: Momentan stehen beide auf einem Abstiegsplatz.

Ein Handball-Wochenende in Bildern

Dennis Prinz und der TSV Deizisau stemmen sich auch im Duell mit Baden-Baden gegen den Abstieg aus der BWOL. Gegen den Tabellenführer gab es die 16. Saisonniederlage – es wird eng für das Schlusslicht. Fotos: Rudel

So viel wie gestern war ich an einem Sonntag schon lange nicht mehr unterwegs. Drei Termine, drei Sportarten, drei Texte. Zuerst bei den Basketballern von Hellas Esslingen, MTV Stuttgart und VfL Kirchheim, die eine Jugendspielgemeinschaft gegründet haben. Es gibt da ein paar Parallelen mit den Handballern des TSV Neuhausen und der HSG Ostfildern, die ja auch gerade beim Nachwuchs zusammengefunden haben. Es ist wieder eine JSG, die nicht entsteht, weil die Vereine zu wenige Jugendliche haben, sondern weil sie an Kapazitätsgrenzen stoßen und gemeinsam höher spielen wollen als einer alleine in der Lage ist. Ein interessantes Projekt.

Dann war ich bei den Wasserballern des SSV Esslingen und habe mir das Spiel gegen Champions-League-Teilnehmer Waspo 98 Hannover angeschaut, mach ich auch immer gerne. Am Mittwoch beginnen für den SSVE schon Viertelfinal-Playoffs um die deutsche Meisterschaft. 19 Uhr, Inselbad Untertürkheim, gegen den ASC Duisburg. Kann ich auch Handball-Fans empfehlen.

Kaum hatte ich den Text fertig, ging es ab nach Deizisau. Handball. Was soll man nach diesem Spiel noch sagen? Gegen den Tabellenführer Baden-Baden – den meisten noch als Sandweier bekannt – knapp mit 37:39 verloren. Das ist kein großes Wunder, wenn man ganz am anderen Ende der Tabelle steht. Aber die Deizisauer brauchen halt dringend Punkte, egal gegen wen.

Lassen wir heute doch einfach mal Bilder sprechen von den drei Spielen, bei denen unsere Fotografen am Wochenende vor Ort waren.

Yannik Taxis macht ein ganz starkes Spiel. Ihm gehört in Deizisau die Zukunft – egal, in welcher Liga die Mannschaft in der kommenden Saison spielt.

Patrick Kleefeld hat gegen Baden-Baden auch überzeugt – diesmal auf der Mitte-Position.

Auch Robin Brandner und der TV Plochingen haben verloren. 28:29 gegen den TV Weilstetten. Das tut weh, aber tabellarisch kann es der TVP im Gegensatz zu den Deizisauern verkraften.

Philipp Gollmer zum Ersten…

… und Philipp Gollmer zum Zweiten.

Landesligist Ostfildern und Tobias Grimm bleiben durch den wichtigen 28:21-Sieg gegen den Zweiten Ober-/Unterhausen im Aufstiegsrennen.

Jannik Schlemmer steuert drei Tore zum HSG-Sieg bei.

Die Schwöbel-Brothers würden sich sehr gerne mit dem Aufstieg aus Ostfildern verabschieden.

Neue Deizisauer Bescheidenheit

Olaf Steinke soll beim TSV Deizisau seine Erfahrung einbringen. Foto: Steinemann

Kommentar zum Trainerwechsel beim TSV Deizisau

Die Handballer des TSV Deizisau stehen vor einem Neuanfang. Schon wieder. Und diesmal könnte es ein besonders schmerzhafter werden. Ein Jahr, nachdem die Ära Mike Wolz vor dem Ende stand und Ralf Rascher neuen Schwung ins Team des Baden-Württemberg-Oberligisten bringen sollte, verkündet der Verein den dritten neuen Trainernamen. Veit Wager als Nachfolger des gescheiterten Rascher, Daniel Mayr als Nachfolger von Interimslösung Wager und ab Sommer nun Olaf Steinke als Nachfolger von Mayr.

Noch ist nicht klar, ob Mayr die Mannschaf in der BWOL übergeben wird – aber danach sieht es im Moment nicht aus, so eng in der Tabelle auch alles beieinander ist. Deizisau steht ganz unten. Der Realismus im Verein ist groß genug, um sich sehr ernsthaft mit der Württembergliga zu beschäftigen. Deshalb kann man die kurze Phase von Mayrs Trainertätigkeit auch noch nicht endgültig bewerten. Klar ist aber, dass Mayr nicht für den Neuanfang stehen wird. Weil er so kurz da war und weil er von sich aus sagt, dass ein Cut her muss. Zu dem auch ein neuer Trainer gehört.

Daniel Mayr wird am Ende nur ein halbes Jahr für die Deizisauer Mannschaft verantwortlich gewesen sein. Foto: Rudel

Jetzt kommt Steinke. Nach Mayr, der in Reichenbach erfolgreich war, aber noch nie in der BWOL gearbeitet hat, ein sehr routinierter Trainer. Einer, der schon viele Stationen hatte, zuletzt in Weinstadt aber immerhin vier Jahre war. Einer, der schon viel mitgemacht hat – vermutlich auch Situationen wie die, die er nun vorfindet: Ein Verein, der mal das Handball-Aushängeschild seiner der Region war, in der dritthöchsten Liga gespielt hat – und jetzt droht, in Liga Nummer fünf abzurutschen. Mit der Gefahr, nicht gleich wieder nach oben zu kommen.

So jedenfalls lautet die Selbsteinschätzung in Deizisau. Der Club ist von anderen abgehängt worden, sportlich wie finanziell. In der direkten Umgebung vom TSV Neuhausen und dem TV Plochingen, im weiteren Umkreis auch von anderen. Eine gute Portion Frust ist bei den Machern und im Umfeld dabei. Auch da kann einer gut tun, der mit dieser Entwicklung nichts zu tun hat und gleichzeitig engagiert und unaufgeregt die Sache angeht.

Die Deizisauer tun gut daran, erst einmal kleinere Brötchen zu backen. Sie tun auch gut daran, nicht in der Vergangenheit zu schwelgen und sich mit anderen zu vergleichen. Sie müssen sich schütteln, einige Dinge hinterfragen und langsam den besagten Neuanfang angehen. Die neue Deizisauer Bescheidenheit. Das vorhandene, in der Tradition verankerte Umfeld kann da durchaus helfen.

Das alles gilt übrigens auch, wenn der Klassenverbleib doch noch gelingt. Denn realistisch betrachtet würde es dann auch in der kommenden Saison wieder nur um den Klassenverbleib gehen.

Endspurt

Nellingens Roxana-Alina Ioneac weiß, wo die Mitspielerin steht. Fotos: Rudel

Ja, ist es schon wieder so weit? Mir ist eigentlich erst gestern während des Gesprächs mit Deizisaus Trainer Daniel Mayr so richtig aufgefallen, dass es mit Tempo Richtung Saisonende geht. Endspurt. Die Aussagen ähneln sich. „Es sind noch soundsoviele Spiele“, sagen die Trainer und Verantwortlichen. Manchmal verbunden mit einem „nur“. Bei den Deizisauern sind es (nur noch) sieben Spiele, in denen sie in der BWOL noch vom letzten auf einen sicheren Platz klettern wollen. Das ist nicht unmöglich, wird aber schwer. Bis zu fünf Absteiger sind schon hart.

Es ist jedenfalls eine gute Gelegenheit, um mal zu schauen, wo die EZ-Land-Teams denn so stehen. Für einige geht es noch um was, einige andere stehen relativ sicher im Mittelfeld – was wiederum einige mehr freut als andere.

Unsere beiden Top-Teams TV Nellingen und TSV Neuhausen sind so Teams, die sich relativ wenig Sorgen machen müssen. Bei den Nellinger Bundesliga-Frauen muss man ehrlich sagen: wer hätte das gedacht. Ich habe das ja vergangene Woche ausführlich beleuchtet: Durch die Lizenzgeschichte haben die Hornets kaum noch Abstiegssorgen. Sie haben sich aber vorgenommen, die Saison in jeden Fall auf einem Platz abzuschließen, der auch bei der vollen Zahl der Absteiger den Klassenverbleib bedeuten würde. Beim 28:26-Sieg gegen den VfL Oldenburg haben sie das eindrucksvoll gezeigt. Chapeau!

Und die Neuhausener haben beim 30:30 gegen Pforzheim in der 3. Liga auch bewiesen, dass sie bis zum letzten Spieltag Vollgas geben wollen. Richtig gut muss das gewesen sein, wenn man liest, was in der Montagausgabe der EZ steht.

Abwehrarbeit in Neuhausen.

Kurz zur BWOL: Der TV Plochingen bereitet als Siebter mal wieder keine Sorgen – alles gut beim TVP. In Deizisau sieht es wie erwähnt schlechter aus. Bei den Frauen hat der Dritte TSV Wolfschlugen im Kampf um die ersten beiden Plätze beim 24:24 gegen Heidelsheim/Helmsheim – was für ein Name – einen Rückschlag erlitten. Hier bleibt es richtig spannend.

In der Württembergliga der Männer heißt es für Wolfschlugen und Hegensberg/Liebersbronn: Mittelfeld, alles im grünen Bereich. Aufsteiger HeLi muss als Neunter noch ein paar Punkte sammeln. Aber das werden die Männer vom Berg auch. Bei den Frauen – sorry, da fehlt heute die Tabelle in der EZ – sieht es aus EZ-Land-Sicht so aus: Zwei oben (TV Reichenbach, TV Nellingen II), zwei in der Mitte (HSG Deizisau/Denkendorf, HeLi), einer unten (TSV Köngen).

Wobei für den Dritten Reichenbach bei zwei Pluspunkten Rückstand auf Tabellenführer Leinfelden-Echterdingen und einem Spiel weniger wahrscheinlich nicht mehr allzu viel in Richtung Aufstieg gehen wird. Vor allem, weil LE einigermaßen souverän ist und weil es nur einen Aufsteiger gibt.

Was ich von den unterschiedlichen Auf- und Abstiegsregelungen halte, hab ich hier ja schon ein paar Mal geschrieben. Die TVR-Frauen haben es in der vergangenen Saison leidvoll erfahren. Platz zwei – aber nicht einmal die Chance in der Relegation.

Auch für die Reichenbacher Männer in der Landesliga geht wohl nichts mehr nach oben. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Mannschaft im Jahr zwei nach dem Abstieg aus der WL richtig angreifen will. Diesmal sind die Jungs einfach froh, dass sie mal wieder ein paar Mal gewonnen haben. 13 von bislang 20 Spielen waren es immerhin, in Lauterstein hat es am Wochenende allerdings nicht geklappt.

Die HSG Ostfildern hat in der anderen Staffel (2) einen Rückschlag erlitten. Man kann nicht immer gewinnen, aber die Niederlage in Pfullingen nach zuvor acht Siegen tut richtig weh. Vier Punkte beträgt der Rückstand nun auf Ober-/Unterhausen auf dem Relegationsplatz und Tabellenführer Böblingen/Sindelfingen.
Bei – ich muss mal nachschauen – noch sechs ausstehenden Spielen.

Frauenhandball und der 1. März

Das Bundesliga-Derby Göppingen gegen Nellingen wird es sehr wahrscheinlich auch in der kommenden Saison geben. Foto: Rudel

Die Bundesliga-Handballerinnen des TV Nellingen haben bei Frisch Auf Göppingen wie erwartet verloren. „Starker Derby-Auftritt des TVN“, steht aber über dem Text meiner Kollegin Karla Schairer zum 28:31. Bemerkenswert ist vielleicht das falsche Wort, um das zu beschreiben. Aber erwähnenswert ist es auf jeden Fall.

Denn seit der vergangenen Woche steht fest, dass die Nellingerinnen praktisch nicht mehr absteigen können. Die Vereine mussten bis zum 1. März die Lizenzunterlagen für die kommende Saison abgeben. Und was ist passiert? Aus der 2. Bundesliga hat der Erste keinen Antrag für die Bundesliga gestellt, der Zweite auch nicht, der Dritte auch nicht – nur der Vierte Union Halle-Neustadt. Den anderen ist das Risiko zu groß – auch begründet in Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Das bedeutet: Aus dem Oberhaus gibt es nur einen Absteiger. Wenn überhaupt. Denn Halle-Neustadt muss mindestens Dritter werden, um nachrücken zu dürfen. Das ist bei momentaner Punktgleichheit zu schaffen, aber alles andere als sicher. Der punktlose Bundesliga-Letzte HC Rödertal ist übrigens sieben Punkte von den Nellingerinnen entfernt.

Es ist jedes Jahr das gleiche Theater und das nimmt einem wirklich ein bisschen den Spaß am Spitzen-Frauenhandball. Vor einem Jahr sind die Hornets nur dringeblieben, weil nach langem Hin- und Her ein Platz mehr frei war. Die Einzelheiten waren in der EZ nachzulesen. Sportlich waren sie abgestiegen. Ich habe das schon ein paar Mal geschrieben: Ich kann ihnen nicht verdenken, dass sie die Chance wahrgenommen haben. Sehr gut finde ich, dass sie sich jetzt fest vorgenommen haben, auf jeden Fall auf einem Platz zu landen, der auch unter normalen Umständen reichen würde.

Denn normal sind die Umstände im Frauenhandball schon lange nicht mehr. Das Hauptproblem ist: Der finanzielle Unterschied zwischen der 2. Bundesliga und der Bundesliga ist zu groß. Und innerhalb des Oberhauses zwischen der oberen und der unteren Hälfte auch.

Deshalb ist es wichtig für die Nellingerinnen, dass sie nun ziemlich sicher ein drittes Jahr oben vor sich haben. Denn zwei bis drei Jahre braucht es normalerweise, um sich finanziell einigermaßen zu etablieren – das heißt konkret: den Etat mindestens zu verdoppeln. Dazu braucht man finanzielles sowie sportliches Geschick und auch eine gute Portion Glück.

Wer wieder runterrasselt, hat es schwer. Dafür gibt es viele, viele Beispiele.

Die Hornets müssen jetzt ein paar Hausaufgaben machen, sie können aber deutlich früher als erwartet planen.

Eine Lösung für das Problem des Frauenhandballs zu finden, ist nicht einfach. Denn man müsste eine Entwicklung bremsen, die zu bremsen schwer ist. Vielleicht, das ist nur ein Ansatz, war es im Nachhinein doch keine so gute Idee, eine eingleisige 2. Bundesliga einzuführen. Es klang am Anfang attraktiv und es sollte sozusagen die Verhältnisse angleichen. Aber das Ergebnis für die Zweitligisten war, dass sie oft Gegner hatten, die kaum Zuschauer mitgebracht haben und dass sie die Hälfte – oder sogar mehr – ihres Etats für Reisen ausgeben. Ich erinnere mich an Teams wie Harrislee direkt an der dänischen Grenze oder Allensbach am Bodensee. Beide sind nicht mehr da, nachdem sie jahrelang Kilometer um Kilometer abgespult haben.

Hier anzusetzen reicht natürlich bei weitem nicht. Und mir fehlen auch Fakten und Einblicke, um Ratschläge zu geben. Eines aber sollte klar sein: Es muss sich etwas ändern. Schlaue Köpfe müssen sich was Schlaues einfallen lassen. Sonst fallen die Entscheidungen über Auf- und Abstieg weiter nicht am Saisonende, sondern am 1. März.

Dem Nachwuchs eine Chance

Das Duell TSV Wolfschlugen gegen HSG Ostfildern, wie hier am vorletzten Wochenende, wird es in der kommenden Saison in der A-Jugend-Bundesliga nicht geben. Foto: Rudel

So, Olympia ist vorbei und wir können in der Redaktion ein bisschen durchschnaufen. Aber nur ein bisschen, es gibt genug zu tun. Unsere Eishockey-Cracks und die Stimmung, die um die Silberjungs herrscht, haben mich irgendwie an glorreiche Zeiten unserer Handball-Nationalmannschaft erinnert. Das ist noch gar nicht so lange her.

Wer im Sport, und nicht nur da, Erfolg haben will, muss früh anfangen. Im EZ-Land tun das viele Handballer und sie tun das sehr erfolgreich. Zwei Teams haben wir in der A-Jugend-Bundesliga. Aber so wird es nicht bleiben. Die HSG Ostfildern ist ohne Punkt Letzter. Und der TSV Wolfschlugen wird, obwohl die Mannschaft auf Platz vier richtig gut dasteht, in der kommenden Runde nicht mehr antreten.

Viele aus dem Wolfschlugener Team kommen aus der Jugend (und einige werden wechseln) und es wird wohl keine Mannschaft mehr zur Verfügung stehen, die mithalten kann. Deshalb, so hat mir Abteilungsleiter Wolfgang Stoll erklärt, diese Entscheidung. Ostfildern gilt da durchaus als abschreckendes Beispiel.

In der kommenden Saison starten die Ostfilderner aber wieder richtig durch, und zwar mit der gesamten (männlichen, denn weiblich gibt es nur in Neuhausen) Jugend: Die Spielgemeinschaft mit dem TSV Neuhausen ist beschlossene Sache. Und das Konstrukt hat nun auch einen Namen und einen Chef.

„JANO Filder“ werden wir ab September auf den Trikots und in den Tabellen lesen. Das ist eine Abkürzung für „Jugendhandball-Akademie Neuhausen/Ostfildern“. Nur einfach JSG war den Machern auf den Fildern irgendwie nicht passend. Sportlicher Leiter wird Jan Pabst, der im Hauptberuf Leistungssportkoordinator des HVW ist. Ich wünsche einen guten Start.

In der morgigen Mittwochausgabe der EZ haben wir wie immer unsere Rubrik „Jugendhandball“ mit den Spielberichten der Nachwuchsteams auf Verbandsebene. Naja, diesmal haben wir nur zwei Texte drin – wenn auch von den oben erwähnten höchstens Teams. Ich verstehe nicht so ganz, warum die Vereine in jüngster Zeit diese Möglichkeit weniger nutzen, ihre Teams zu präsentieren. Schade. Wir können die Texte nur abdrucken, wenn die Vereine mitspielen, eine gute Pressearbeit machen und sie uns schicken. Darüber habe ich heute übrigens auch mit Wolfgang Stoll gesprochen, in diesem Fall in seiner Funktion als Bezirkschef.

Ich kenne keine Zeitung, die so eine Rubrik hat und den Jugendhandball so präsentiert. Also: macht mit! Ich weiß, es war schon anders. Wir haben nie von allen Vereinen Texte bekommen, aber acht bis zehn waren es oft. Deshalb hoffe ich, dass es auch wieder mehr wird. Für die Leser und für die Nachwuchshandballer.

So, jetzt mach ich meine Seiten fertig. Eine gute Woche allen.