Gemischtes Doppel

Erfolgreich: Die Drittliga-Frauen des TSV Wolfschlugen. Fotos: Rudel / Kehle (1), SG HeLi (1)

Der TV Reichenbach macht es, der TSV Denkendorf, der TSV Köngen und die SG Hegensberg/Liebersbronn auch – am erfolgreichsten mit diesem Modell ist zurzeit aber der TSV Wolfschlugen. Alle diese Vereine sind im Handball sowohl mit ihrem Männer- als auch mit ihrem Frauenteam auf hohem Amateurniveau unterwegs, mindestens in der Landesliga. Ein gemischtes Doppel der besonderen Art.

3. Liga Frauen und Württembergliga Männer können im EZ-Land aber eben nur die Wolfschlugener bieten. Dazu kommt noch, dass sie in beiden Ligen ganz oben mitspielen und so sogar die Aussicht besteht, dass das Niveau noch besser wird. Die Frauen sind in der dritthöchsten deutschen Spielklasse Vierter, die Männer in der Top-Liga Württembergs sogar Spitzenreiter, was seit der Einführung der Eingleisigkeit wirklich was heißt.

Erfolgreich: Philip Toth und die Wolfschlugener Württembergliga-Männer.

Die beiden Teams haben es in der Montagausgabe der EZ zum Aufmacher auf den beiden Lokalsportseiten geschafft. Die Männer mit dem Pflichtsieg gegen den HV Laupheim – wobei das mit der Pflicht so eine Sache ist, die schiefgehen kann, wie die beiden Konkurrenten VfL Waiblingen und TSV Deizisau eine Woche zuvor erlebt haben. Die Frauen haben sogar den Tabellenführer TSV Haunstetten geschlagen und damit die Nellinger Hornets auf der Seite 13 als Aufsetzer, wie man in der Zeitungssprache sagt, runterrücken lassen.

Nellingen ist übrigens ein Beispiel für ein anderes Konstrukt: Innerhalb einer Kommune teilen sich die Vereine den Spitzenhandball bei den Männern (TSV Neuhausen und HSG Ostfildern) und den Frauen (TV Nellingen) auf. Die Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen – bei immerhin in der 3. Liga – war in den vergangenen Jahren allerdings nicht (mehr) sehr ausgeprägt. Neuhausen und Ostfildern dagegen sind im männlichen Bereich durch die Jugendspielgemeinschaft JANO enger zusammen gerückt.

Durchsetzungsstark: Wolfschlugens Harriet Seckinger.

Kleiner Nebenaspekt: Wolfschlugen befindet sich ja am Rand des Verbreitungsgebietes der EZ. Wir haben uns in der Redaktion aber entschieden, die Teams dort genauso abzubilden wie alle anderen. Und ich glaube, das passt auch, denn es ist interessant, was dort passiert.

Das Erfolgsrezept in Wolfschlugen ist neben einer gehörigen Professionalität, einer guten Personalpolitik und bestimmt auch dem einen oder anderen Sponsoren-Euro das Gleiche wie in Reichenbach, Denkendorf und in den anderen Clubs, die zweigleisig fahren: Die Teams laufen nicht nebeneinander her, so wie es auch schon war. Von Abteilungsseite, in diesem Fall in Person von Wolfgang Stoll, gibt es keine Priorisierung, auch wenn ich glaube, dass ihm persönlich die Männer noch ein bisschen näher sind. Die Trainer tauschen sich aus. Die SpielerInnen kennen sich. Wenn Doppelspieltag ist, was nicht immer gelingt, feuern die Frauen die Männer an und die Männer die Frauen.

Was man am vergangenen Samstag gesehen hat: In Wolfschlugen sind die Männer sozusagen der Opening Act für die Frauen. Meistens ist das historisch gewachsen ja anders herum. Aber Liga drei ist nunmal Liga drei!

Wo geht die Reise hin in Wolfschlugen? Die Frauen, das hat mir Trainer Marco Melo erzählt, fühlen sich in der Liga sehr wohl. Aufstieg? Vielleicht irgendwann, aber im Moment würde das der Verein nicht packen. Wobei so ein Derby gegen die TG Nürtingen schon was hätte. Bei den Männern sieht es anders aus, die würden ganz gerne in die BWOL hoch gehen. Und für die Region wäre es auch gut.

Denn das EZ-Land ist in Liga vier im Moment nicht vertreten. Zizishausen ist ein bisschen außerhalb – und gerade eher unterwegs in Richtung Württembergliga.

Sven Strübin, ab dem Sommer Trainer der Berghandballer.

Heli hatte ich am Anfang auch kurz erwähnt. Die SG kommt in den vergangenen Wochen überproportional häufig in der EZ vor. Selbst verschuldet sozusagen. Aber die Art der Geschichten ändert sich: Der Rücktritt von Trainer Olaf Steinke sorgte für eine Negativ-Schlagzeile, dann übte Co-Spieler-Interimstrainer Henning Richter Kritik. Nach dem Jahreswechsel kam dann die Nachricht, dass Armin Dobler bis zum Saisonende bei seinem Herzensclub einspringt und auch die vom bevorstehenden – völlig reibungslosen – Wechsel bei den Frauen von Frank Haas zu Manfred Haase. Und jüngst der Coup mit der Verpflichtung von Sven Strübin als Männercoach für die kommende Runde. Den Mann werde ich im Laufe der Woche noch ein bisschen näher vorstellen.  


Von 0 auf 100

Das tat weh. Roman Fleisch und der TSV Neuhausen holen gegen Blaustein nur ein Unentschieden. Fotos: Rudel

Der Handball hat uns wieder – und zwar so was von. Die EM läuft, aber auch und gerade im EZ-Land war es fast ein Start von 0 auf 100. Mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen.

Mir gefällt jedenfalls heute der Blick in eine bunte EZ-Ausgabe mit vier Handball- und einem Wasserball-Bild auf zwei Seiten.

In der Verbandsliga gab es wieder einmal den Beweis, wie ausgeglichen die Liga ist. Da kann schon mal der Tabellenführer – HSG Ostfildern – gegen den Dritten – MTG Wangen – verlieren. Der HSG tat die Niederlage in Spiel eins nach der Verkündung des Manuel-Späth-Coups weh, aber sie wussten dort, dass der angestrebte Aufstieg kein Selbstläufer wird und es ist ja auch jetzt alles andere als Trübsal blasen angesagt.

Auszeit Denkendorf…

Auch unten bleibt es eng, so wie im Spiel zwischen dem TSV Köngen und dem TSV Denkendorf – in dem wieder mal das Team, das schlechter dasteht, knapp verloren hat. Und das durchaus unverdient, wie auch Trainer Ralf Wagner von den siegreichen Denkendorfern sagt. „Vom verdienten Sieg der besseren Mannschaft zu sprechen, wäre gelogen“, sagte Wagner.

… und Auszeit Köngen.

Besonders verrückt waren die Ergebnisse in der Württembergliga. Tabellenführer VfL Waiblingen verliert beim Kellerteam SKV Unterensingen, der TSV Deizisau patzt gegen die SG Schozach/Bottwartal – und beim TSV Wolfschlugen, der seine eigene Aufgabe beim Schlusslicht TSV Alfdorf/Lorch (mit Trainer Steffen Klett im Trikot) souverän gelöst hat, freuen sie sich. Wolfschlugen neuer Tabellenführer – das sieht gut aus. Ach, wie gerne hätten die Deizisauer auch profitiert. Jetzt spielen sie selbst gegen Waiblingen, in Waiblingen.

In Deizisau war die EZ am Wochenende mit Kerstin Dannath vertreten, in Neuhausen bei der Drittliga-Partie gegen den TSV Blaustein mit Steffi Gauch-Dörre, ich durfte vom Spiel der Plochinger gegen Konstanz berichten. Die Ausgangs- war so unterschiedlich wie hinterher die Gefühls-Lage in Neuhausen und Plochingen. Für die Neuhausener war es eines der wenigen Spiele, in denen sie Favorit waren – aber es hat nur zu einem Unentschieden gereicht. Immerhin stehen die MadDogs im direkten Vergleich besser da als die Blausteiner, was wichtig werden könnten, wenn die beiden Teams gemeinsam in eine Abstiegsrundengruppe gehen. Wie das dann genau abläuft – damit befasse ich mich, wenn es so weit ist und erkläre das dann auch mal. Nicht ganz unkompliziert, das alles.

Bei allem Kampf verliert Deizisau zum Jahresauftakt gegen Schozach/Bottwartal.

Eines ist klar: Plochingen und Konstanz werden nicht in eine gemeinsame Abstiegsrundengruppe gehen. Konstanz, da lege ich mich fest, wird aufsteigen. Für die Konstanzer, das erklärte Trainer Jörg Lützelberger hinterher, ist es eine komische Situation, dass sie immer wieder gegen Mannschaften spielen, für die das Ergebnis gegen sie nicht von Belang ist – der Modus bringt das mit sich. Sie selbst aber brauchen die Punkte im Rennen um den Aufstieg. Bei der HSG sind es 30:0, dahinter ist es seit dem Sieg von Daniel Bracks VfL Pfullingen gegen TuS Fürstenfeldbruck ganz schön spannend. Pfullingen ist mit jetzt 24:6 Punkten auf Platz zwei vorbeigezogen.

Der ist drin – Neuhausens Luis Sommer.

Aber hier interessiert Plochingen natürlich mehr. Was nehmen sie dort aus diesem komischen Spiel mit? 12:19 zur Pause mit allem, was aus TVP-Sicht nicht gewollt, aber auch nicht ganz unerwartet war: Die Mannschaft war in allen Belangen unterlegen. Die zweite Hälfte aber gewannen die Plochinger mit 17:14 – wobei diese Ausdrucksweise natürlich mit Vorsicht zu betrachten ist, denn man kann bei einem Endergebnis – 33:29 in diesem Fall – nicht beide Spielhälften getrennt voneinander betrachten.

Axel Goller gibt ein ordentliches Debüt für Plochingen.

Aber: Die Plochinger haben 30 Minuten lang ihr Herz in die Hand genommen. Sie haben in der Abwehr endlich so gearbeitet, dass Trainer Christian Hörner einiges von dem wiedererkannt hat, was er seit Ende Oktober im Training erarbeiten wollte. Und vorne war das auch nicht schlecht. Oskar Neudeck ging aus sich heraus wie noch nie im TVP-Trikot. Julian Mühlhäuser am Kreis hat mir gefallen und Zugang Axel Goller hat auch Akzente gesetzt. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass das alles daran lag, weil die Konstanzer etwa mächtig nachgelassen hätten. Sie mussten sich wirklich strecken.

Vor allem aber hat man das gesehen, was mich an ein Zitat von Hörner im Interview erinnert hat, das er mir in der vergangenen Woche gegeben hat und das in der Samstag-Ausgabe erschienen ist. Frage: Sie sagten bei ihrem Amtsantritt, die Qualität im Kader würde für den Klassenverbleib ausreichen. Sagen Sie das heute immer noch? Antwort: Ja, wenn man die Spieler einzeln betrachtet. Aber das muss natürlich auch im Kollektiv funktionieren.

Nachdenklich: TVP-Coach Christian Hörner.

Es war übrigens ein sehr interessantes Gespräch, bei dem auch ich den immer noch recht neuen Plochinger Trainer ein bisschen besser kennenlernen konnte. Der Mann macht sich Gedanken und hat Ahnung, so mein Eindruck.

So gut das war in Hälfte zwei gegen Konstanz: Die Plochinger bleiben in der laufenden Saison ohne Sieg. Nun in Fürstenfeldbruck sind sie wieder klarer Außenseiter und die TuS wird nach der Schlappe gegen Pfullingen entsprechend bissig auftreten. Dann aber geht es gegen Blaustein. Dann gilt es gegen Blaustein. Und ohne etwas herbeireden zu wollen, wäre es nicht das erste Mal, dass man nach so einem Spiel sagen müsste: Warum um alles in der Welt haben sie nicht eine ähnlich gute Leistung gezeigt wie in der zweiten Hälfte gegen Konstanz?

Yannik Schopp beim Torwurf.

Aber vielleicht sagen wir ja auch: Da war er, der Befreiungsschlag. Entsprechende Konzentration im Training und im Spiel wird Christian Hörner einfordern. Ein guter Zeitpunkt wäre es jedenfalls. Denn das Unentschieden im Hinspiel war der Knackpunkt der Hinrunde. „Von diesem Spiel an ging es in die Abwärtsspirale, die wir erst einmal nicht auffangen konnten“, sagte der TVP-Trainer im Interview. Ein Anfang zumindest ist gemacht.

Und habt ihr’s gemerkt? Ein ganzer Blog-Beitrag ohne Corona. Lassen wir es dabei. Alles Gute und bleibt gesund!


Sechs Themen zum Jahresabschluss

Eines der Themen der Woche: Olaf Steinke jubelt nicht mehr als HeLi-Trainer. Fotos: Rudel, Bulgrin (1)

Kurz vor dem Ende des Handball-Jahres, das im EZ-Land am Wochenende mit Jugendspielen endet, will ich hier noch ein paar Themen abarbeiten. Von wegen im Sport ist nichts mehr los. Also, auf sechs Punkte komme ich:

  1. EZ-Pokal ist abgesagt
  2. Unterbrechung der Amateursaison
  3. HeLi ist auf Trainersuche
  4. Plochingen ist auf Formsuche
  5. Manuel Späth ist auf Vereinssuche:
  6. Elf Jahre Blog

EZ-Pokal ist abgesagt: Heute früh habe ich auf Facebook gesehen: Das Tagblatt-Turnier Anfang Januar in der Mössinger Steinlachhalle fällt aus. Dass mich das berührt, hat persönliche Gründe. Bevor ich vor einundzwanzigeinhalb Jahren zur EZ gekommen bin, war das Hallenfußballturnier meiner damaligen Zeitung eines der Highlights im Jahr. Tübingen und Region ist Fußball-Hochburg, die Region Esslingen Handball-Hochburg. Seither gehört Anfang Januar für mich also fest dem Handball. Aber nun zum zweiten Mal in Folge nicht. 26 Mal hat der EZ-Pokal ohne Unterbrechung stattgefunden, jetzt müssen wir auf 2023 hoffen. Die Absage war eine schwere Entscheidung, aber eine der Marke „unausweichlich“.

Die Pokale müssen ein weiteres Jahr auf die Sieger warten.

Auch die EZ hat ja ein Fußball-Turnier, das ist sogar älter als der Handball-Pokal, fiel aber zwischenzeitlich schon ein paar Mal aus. Im Sommer 2021 haben wir gespielt – und es war ein Erfolg. Aber die Situation war eine ganz andere als jetzt: Es war Sommer, die Corona-Zahlen gingen nach unten, es war eine Aufbruchstimmung. Jetzt hätte kaum jemand verstanden, wenn wir ein Turnier ausgerichtet hätten. Deshalb waren die Reaktionen auch ausnahmslos: Sehr schade, aber richtig.

Vielen Dank an dieser Stelle noch mal dem Team Esslingen und der SG Hegensberg/Liebersbronn, die als unsere Partner-Clubs schon einiges investiert hatten und ein super Ausrichter gewesen wären. Aber die Pläne bleiben in der Schublade und werden wieder gebraucht! Das haben wir uns alle versprochen.

Unterbrechung der Amateursaison: Leider: Corona ist auch in der Sportberichterstattung wieder DAS Thema. Über Für und Wider der Saisonunterbrechung und ob es etwa sinnvoll ist, dass die BWOL spielt, die Ligen drunter aber nicht, möchte ich gar nicht mehr viel schreiben. Dazu gab und gibt es in der EZ ausreichend zu lesen, auch heute und morgen. Was mir daneben aber auffällt: Es haben nicht nur die verschiedenen Sportverbände unterschiedlich entschieden, auch die Reaktionen bei der jeweiligen Klientel sind sehr unterschiedlich. Die Freiluftsportler aus dem Fußball sind – zumindest in der Region – mehrheitlich für die Unterbrechung und hätten sie eher gerne noch früher gehabt, die Hallensportler aus dem Handball aber sind zum größten Teil dagegen.

Nellingen, hier im Derby gegen Wolfschlugen, spielt in der 3. Liga – und damit weiter.

Vielleicht liegt es daran, dass sich die Handballer eben aufgrund der Indoor-Situation länger und intensiver mit Hygienekonzepten befasst haben als die Fußballer. Und dass sie dabei gemerkt haben, dass es funktioniert. Und dass sie auch etwas von ihren Mühen haben wollen.

Aber es ist jetzt, wie es ist (auch diese Reaktion habe ich ein paar Mal gehört). Lasst uns die Regeln durchziehen und hoffen, dass es Mitte Januar wirklich wieder weitergeht. Der Lokalsport der EZ geht am Dienstag auch ein bisschen in die Weihnachtspause – eine Sonderbeilage zum EZ-Pokal muss ich ja auch nicht produzieren. Das Interessante: Ich gehe am Wochenende noch mal zum Handball, und zwar zum Jugendhandball. Mehr ist nicht mehr im EZ-Land. Mehr dazu in der Montagausgabe der EZ.

HeLi ist auf Trainersuche: Das war ein Montag. Ich hatte vor, etwas über die Bewegungs-Offensive von Stadt und Sportverband Esslingen zu schreiben – hab ich auch. Ich wollte noch etwas machen über die Abmeldung der Kreisliga-B-Fußballer der SV 1845 Esslingen – die Geschichte wurde heißer und damit umfangreicher als gedacht. Das würde eigentlich mehr als für einen Arbeitstag reichen, zumal ja noch das eine oder andere dazu immer anfällt. Aber dann hat sich auch noch Olaf Steinke von den Handballern der SG Hegensberg/Liebersbronn verabschiedet. Auch ein intensives und emotionsgeladenes Thema, das ich seriös darstellen wollte. Und zu dem ich für die morgige Ausgabe auch noch nachdrehe mit interessanten Aussagen von Co-Spieler- und Interimstrainer Henning Richter.

Henning Richter (Mitte) springt auf dem Berg mal wieder als Interimstrainer ein. Achtet in der morgigen EZ-Ausgabe auf dieses Bild.

Ich denke, es werden sich alle ihr eigenes Urteil darüber bilden, was da oben auf dem Berg passiert ist. Es ist jedenfalls Thema in der Szene, das habe ich mitbekommen. Deutlich wurde aber auf jeden Fall, dass es auch eine Frage der Kommunikation ist – während der zurückliegenden Monate und auch in der Situation, die erst zur angekündigten Trennung zum Saisonende (ausgehend vom Verein) und dann zur sofortigen (ausgehend vom Trainer). Und was auch klar ist: Nachdem einige Spieler jetzt nicht mehr mit dem Trainer zusammenarbeiten, mit dem sie nicht so gerne zusammengearbeitet haben, sind sie auf dem Spielfeld ganz schön gefordert. Denn sportlich war in der laufenden Saison nicht viel mehr rauszuholen als alle Beteiligten – inklusive Steinke – rausgeholt haben. Die Suche nach einem Nachfolger wird keine leichte sein.

Plochingen auf Formsuche: Zuletzt haben neben den höchsten Jugendhandballern nur noch die Drittligisten gespielt. Die Frauen des TV Nellingen bleiben bislang unter ihren Erwartungen. Das große Sorgenkind im EZ-Land aber ist der TV Plochingen. Auch beim Jahresabschluss in Pfullingen gab es – in diesem Fall so zu erwarten – eine Niederlage, womit das Team in der laufenden Saison ohne einen einzigen Sieg bleibt. Und das Mittel des Trainerwechsels wurde schon eingesetzt. Christian Hörner konnte den Bock bislang nicht umstoßen. Ich habe die Klatsche gegen Neuhausen gesehen und das war erschreckend. Aber: Alle in Plochingen beteuern, dass das Training super sei, das Hörner ein Guter sei und dass sich der Erfolg schon noch einstellen werde. Wir werden es beobachten.

Für Trainer Christian Hörner und die Plochinger wird es schwer. Aber der Modus könnte ihr Glück sein.

Das große Glück für die Plochinger könnte sein, falls die Suche nach der Form doch irgendwann erfolgreich sein wird: Durch den etwas merkwürdigen Modus in dieser Saison werden sie vermutlich „nur“ mit der Bürde von zwei Minuspunkten in die Abstiegsrunde gehen und dort könnten die Gegner etwas leichter sein. Alle Hoffnung ist also noch nicht verloren.

Manuel Späth ist auf Vereinssuche: Eher muss es heißen: Das Rennen um Manuel Späth hat begonnen. Wir als EZ und ich persönlich verfolgen den Weg von Manuel Späth schon lange. Ich erinnere mich, dass er so 15 Jahre alt gewesen sein muss, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. Später hat er ja auch seine Kolumne „Späthlese“ in der EZ geschrieben und zu seiner Zeit in Porto war er so nett, virtuell Gast in meinem Lokalsportjournalismus-Seminar zu sein. Im Sommer wird er seine großartige – ja, ich bin vorsichtig mit Superlativen – Profikarriere beenden. Ostfildern, Neuhausen, Göppingen, Stuttgart, Porto, Hamburg und ?.

Immer voller Einsatz: Manuel Späth (rechts) arbeitet an seinem Kreis.

Klar ist: Manu verabschiedet sich aus der Bundesliga. Und er will neben dem Start ins bürgerliche Berufsleben noch ein bisschen spielen. Natürlich bietet sich da eine Rückkehr zum TSV Neuhausen an. Aber es werden ganz sicher alle Vereine anfragen, deren Hallen er mit einem vertretbaren Aufwand von Esslingen aus erreichen kann. Ich freue mich jedenfalls, ihn noch mal eine Weile in der Region Handballspielen zu sehen und bin damit ganz sicher nicht alleine. Bis dahin wünsche ich ihm aber noch ein paar schöne Spiele mit dem HSV und einen würdigen Abschied aus Hamburg – als er aus Stuttgart weggegangen ist, war das ja coronabedingt schon nicht möglich. Mal sehen, wo man sich sieht.

Ja, er ist es. Manuel Späth im Jahr 2004 im Trikot des TSV Neuhausen. Die Frage lautet: Wo spielt er in der kommenden Saison?

Elf Jahre Blog: Ja, es sind schon elf Jahre, dass ich hier am Kreis schreibe. Zum zweiten Mal kann ich um diese Jahreszeit nicht meine Standard-Überschrift „Wer gewinnt den EZ-Pokal“ schreiben, mit der alles begann. Seit ich hier bei der EZ ein paar Aufgaben mehr habe, komme ich nicht mehr so regelmäßig zum Schreiben. Das weiß ich. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Lust, ganz aufzuhören. Es macht Spaß und so lange ich vom einem oder anderen von euch auch höre, dass sie oder er gerne mitlest, mache ich weiter. Auch im zwölften Jahr. Halt nicht immer fast automatisch am Montagabend. Schaut halt regelmäßig rein, bleibt tuned auf Facebook. Und schreibt mir ruhig, was euch im Handballleben so bewegt. sigor.paesler@ez-online.de

Das war es für dieses Jahr. Bleibt oder werdet gesund, feiert schön Weihnachten und ein böllerfreies Silvester. Und ich bin gespannt, was es 2022 für Themen im Handball gibt. Alles Gute!       


2G+ und mehr

Timo Durst wirft, Marvin Fuß schaut zu. Fotos: Rudel/Paesler

Macht es Sinn, heute über Handball zu schreiben? Also über den, so wie er auf dem Feld gespielt wird? Warum nicht, immerhin wird ja gespielt. In den Klassen von der 3. Liga aufwärts. Ob auch darunter der Ball wieder in die Hand genommen wird, entscheidet sich morgen. Ich kann es mir nicht vorstellen. Die Handballer wären wohl die einzigen, die es tun.

Aber selbst bei den Spielen, die gespielt werden, spielt Corona immer mit. Zum Glück im übertragenen Sinne. So wie ich nun monatelang kaum einen Text geschrieben habe, in dem das Wort „Corona“ nicht vorkam, gibt es zurzeit keinen ohne die Kombination „2G+“.

Ein Gläschen in Ehlen – Denise Kunicke (links), Stephanie Frick (rechts).

Es war ein Zufall, dass beide Drittliga-Derbys im EZ-Land innerhalb weniger Tage über die Bühne gingen. Zunächst Nellingen gegen Wolfschlugen bei den Frauen und dann Plochingen gegen Neuhausen bei den Männern. Und natürlich war 2G+ ein Thema. In Nellingen, weil es der allererste Tag war, an dem die Regel galt, und in Plochingen, weil es der allererste Tag war, an dem in allen anderen Hallen der Region nicht mehr gespielt wurde.

Ich war bei beiden Spielen in der Halle. Und zu beiden Spielen kann man sagen: Chapeau dem ausrichtenden Verein und den Zuschauern. Es hat alles geklappt und alle haben sich an alles gehalten. Zumindest soweit, wie ich es gesehen habe.

Über Sinn und Unsinn der Regeln und ob weitergespielt werden soll, will ich mich jetzt nicht auslassen. Vielleicht ein andermal an dieser Stelle.

Der Gesichtsausdruck von Plochingens Trainer Christian Hörner sagt alles.

Deshalb noch kurz zum Sportlichen. Ich habe mich ja bemüht, das alles in der EZ darzustellen. In Nellingen hatte das Spiel den realistischerweise zu erwartenden Ausgang, Wolfschlugen ist zurzeit das bessere Team und hat verdient gewonnen. Ein Bild hat mir gefallen, das ich nach dem Spiel auch mit meinem alten Fairphone aufgenommen habe: Die Spielführerinnen Denise Kunicke und Stephanie Frick hatten im Gespräch mit mir angekündigt, dass sie hinterher noch ein Gläsle Sekt miteinander trinken würden, egal, wie es ausgeht. Ich weiß nicht, warum ich dabei einen Rosé-Sekt im Kopf hatte.

Und was sehe ich, nachdem ich mit Stimmenholen und Online-First und allem fertig war? Kunicke, Frick und einige andere Spielerinnen standen mit einem Gläsle Rosé-Sekt im Foyer der Sporthalle 1.

So sehen Sieger aus.

In Plochingen ein paar Tage später wurde Bier getrunken. Den Neuhausenern hat es besonders gut geschmeckt. Was soll man dazu sagen oder schreiben? Dass es in dieser Saison für beide Mannschaften schwer werden würde, war klar. Aber, so hab ich es ja schon in der EZ-geschrieben, die Neuhausener zeigen halt meistens, was sie können, und die Plochinger meistens nicht. Das 21:37 war ein Debakel für sie.

Wir sind schon in Rückrunde und der TVP hat kein einziges Spiel gewonnen. Und wer gesehen hat, wie die Mannschaft am Samstag gespielt hat, kann sich kaum vorstellen, wie das noch passieren soll. So hart muss man das ausdrücken. Es fehlt an Struktur im Team, es fehlt an Spirit, es fehlt an einem, der das Heft in die Hand nimmt. Die Jungen, vor allem Yannik Leichs, können einem leid tun. Sie versuchen es, bekommen aber kaum Unterstützung.

Umkämpfte Szenen gibt es für ein Derby wenige.

Ganz anders war das bei den MadDogs. Man merkt zwar, wie abhängig sie von Hannes Grundler und Timo Durst sind. Man merkt aber auch, wie es passt, wenn die beiden da und fit sind. Klar, das war nicht immer so in dieser Saison. Und klar, die Plochinger können die Hoffnung haben, dass sie bis zur Abstiegsrunde leistungsmäßig die Kurve kriegen.

2G+ und Masken auf den Rängen – alles funktioniert.

Am kommenden Wochenende ist bei beiden die Chance gering, dass sie etwas holen. Die Plochinger spielen bei Ex-Trainer Daniel Brack in Pfullingen, die Neuhausener beim Spitzenreiter in Konstanz.

Das war’s für heute. Jetzt warten wir mal ab, wie es weitergeht im Handball.


Top-Teams aus dem EZ-Handballland

HeLi läuft zu großer Form auf. Fotos: Herbert Rudel

Ich erinnere mich noch gut an den Vesalius-Cup in Köngen im September. Ich war dort, um mir die vielen EZ-Land-Mannschaften anzuschauen, die sich da auf die nahende Runde vorbereiteten. Und um den Block mit Stimmen für die Saisonvorschau voll zu bekommen. Das hat sehr gut geklappt. Direkt hintereinander habe ich mich – bei herrlichem Sonnenschein vor der Halle – mit Trainer Olaf Steinke von der SG Hegensberg/Liebersbronn und seinem Kollegen Marco Gassmann von der HSG Ostfildern unterhalten.

Steinke klang damals, unter dem Eindruck des erneuten Umbruchs, relativ skeptisch. Auch bei den Spielen selbst war HeLi nicht so gut, was ja bei einem Vorbereitungsturnier an sich nicht so schlimm ist. Die HSG dagegen hat die Konkurrenten schon in der Burgschulhalle beeindruckt.

Die Zuschauer – wie immer weit über dem Geschehen – sehen an der Römerstraße ein spannendes Derby.

Und was sagte Gassmann? Er sprach voller Respekt von der SG und drückte seine Erwartung aus, dass Steinkes Team einer der Hauptkonkurrenten im Kampf um den angestrebten Aufstieg sein werde. Steinke winkte damals noch ab, allerdings nicht ohne zu erwähnen, dass er schon um die Qualität und nicht zuletzt die individuelle Stärke der Mannschaft wisse.

Und jetzt, gut zwei Monate später? Man muss konstatieren, dass das mit der Mannschaftswerdung bei HeLi schneller und besser geklappt hat, als manche – Steinke wohl eingeschlossen – erwartet hatten, der 32:31-Sieg im Spitzenspiel gegen die HSG war jedenfalls beeindruckend. Von beiden Mannschaften, aber HeLi hat eben knapp gewonnen.

Das Team von HSG-Coach Marco Gassmann spielt eine starke Saison und steht trotz der Niederlage in der Tabelle immer noch oben,

Gefühlt sind die Berghandballer jetzt schon Tabellenführer. Sie hatten das Pech, dass gleich zwei ihrer Spiele hintereinander aufgrund der Schiedsrichter-Problematik ausgefallen sind. Insgesamt haben sie sogar drei Spiele weniger als Ostfildern. Zwar müssen sie die Nachholspiele erst mal gewinnen, aber wenn sie das tun, sind sie ganz vorne. Zwei Minuspunkte haben sie und damit zwei weniger als die HSG, die noch ganz oben im Tableau steht. Und eben weil die SG den Ostfilderner den dritten und vierten Minuspunkt der Spielzeit zugefügt haben.

Ich war ja leider nicht beim Derby, das hat mein Kollege Dominic Berner übernommen. Er hat von einer durchschnittlichen ersten und einer starken und sehr spannenden zweiten Hälfte erzählt. Und von einer super Stimmung in der Halle. Mal sehen, wie lange wir so etwas noch genießen dürfen – aber das ist ein anderes Thema.

Etwas weniger spannend war es beim Duell zwischen Köngen und Reichenbach.

Das zweite Derby zwischen dem TSV Köngen und dem TV Reichenbach stand am Wochenende ein bisschen im Schatten von dem an der Römerstraße. Köngen hat deutlich gewonnen – und hier kann man feststellen: Die Mannschaft des neuen Trainers Alen Dimitrijevic hat den schwachen Saisonstart, bei dem auch viel Pech dabei war, abgeschüttelt und ist in der Spur.

Das nächste Derby steht schon an diesem Dienstagabend an, HeLi gegen Denkendorf ist eben eines der erwähnten Nachholspiele. Die unerwartet schwächelnden Denkendorfer sind klarer Außenseiter. Die SG-Spieler aber müssen aufpassen, dass sie sich nicht zu sicher fühlen. Dazu besteht jedenfalls kein Anlass, wenn man weiß, was die Denkendorfer (eigentlich) können. Macht jedenfalls mächtig Spaß, diese Verbandsliga.

SG-Torhüter Dominic Wolf ist seit Wochen in guter Form.

Es sieht ganz danach aus, dass Ofi und HeLi, und damit zwei Teams aus dem EZ-Land, ein gehöriges Wort im Rennen um den Aufstieg in die Württembergliga mitsprechen werden, wo jetzt schon der TSV Deizisau eine ordentliche und der TSV Wolfschlugen eine sehr gute Rolle spielt.  

Derbysiege machen einfach noch ein bisschen mehr Spaß.

Wolfschlugen – Achtung Übergang – ist so etwas wie der Verein der Stunde. Die Männer sind in der Württembergliga Zweiter. Man hört und liest immer wieder den Namen Marcel Rieger, wenn es um den Lauf der Mannschaft geht, auch in der Überschrift der Montag-EZ. Und die Frauen stürmen die 3. Liga, ganz im Gegensatz und ziemlich überraschend zum TV Nellingen. Am Mittwoch treffen die beiden Teams im Drittliga-Derby aufeinander – es ist ebenfalls eine Nachholspiel. Jetzt, da ich das hier schreibe, warte ich auf ein – virtuell geführtes – Gespräch mit den Spielführerinnen Denise Kunicke und Stephanie Frick. Ich bin gespannt, das Ergebnis könnt ihr in der Mittwochausgabe lesen. Und wie es ausgegangen ist, am Donnerstag.

Gute Woche allen – und vor allem: passt auf euch auf und bleibt gesund!


Reichenbach, Nellingen und EZ-Pokal

Jochen Masching wird man in der kommenden Saison wieder in einer höheren Handballklasse sehen. Fotos: Rudel

Es war ein ereignisreiches Sport-Wochenende – nicht nur im Handball. Wir haben den Eßlinger Zeitung Lauf erfolgreich über die Altstadtbühne gebracht, ich habe mir den Saisonauftakt des SSV Esslingen in der Wasserball-Bundesliga angeschaut, war beim Spiel der Nellinger Drittliga-Handballerinnen (dazu später mehr) und habe mit meinen Mitarbeitern den Rest des regionalen Sportgeschehens ins Blatt gehievt. Und in der Dienstagausgabe haben wir auch einen großen Aufmacher zum Thema Handball – jetzt schon online.

Reichenbach: Für Buchmacher spielt die Handball-Verbandsliga keine Rolle. Aber würde sie das, hätte es für die Nachfolgeregelung beim TV Reichenbach keine gute Quote gegeben. Oder was hättet ihr auf die Frage geantwortet, wer wohl neuer Cheftrainer würde, wenn Volker Haiser seine erfolgreiche Arbeit in der Brühlhalle beendet? Klar, Jochen Masching, wer sonst.

Der TVR ist ein Verein, in dem es familiär zugeht, wie auch bei einigen anderen im EZ-Land. Es gibt selten Ärger. So wird auch der Übergang von Haiser zu Masching harmonisch abgehen, da bin ich mir sicher. Trotzdem ist es interessant und nicht ganz üblich, wie es dazu kam.

Wie etwa auch Ralf Wagner beim TSV Denkendorf, der noch viel länger im Amt ist, hat Haiser immer mal wieder darüber nachgedacht, ob fünf Jahre nicht genug sind bei einem Verein. Oder auch schon vier. Oder dann sechs? Jedenfalls hat er sich Gedanken gemacht, hat die Vereinsverantwortlichen gefragt, was sie denken und gleichzeitig angedeutet, auch weiterzumachen. So, wie er es formuliert hat, musste er aber auch damit rechnen, dass die Entscheidung so fällt, wie sie gefallen ist. Nämlich, dass es einen Wechsel gibt. Ich kenne Volker Haiser mittlerweile gut genug, um ihm abzunehmen, dass das für ihn nun völlig in Ordnung ist.

Sein Feuer für den Handball aber brennt. Und was er kann, hat sich herumgesprochen. Deshalb bin ich mir ganz sicher, dass er auch in der kommenden Saison irgendwo an der Seitenlinie stehen wird. Vielleicht im EZ-Land, wohin sein Ruf nach seinem Wechsel im Jahr 2017 von Bartenbach nach Reichenbach geeilt ist.

Zu Jochen Masching muss man nicht viel sagen. Was er als Spieler geleistet hat, ist bekannt. Was er als Trainer kann, hat er bei HeLi gezeigt. Dass er nun bei seinem Heimatverein übernimmt, wo er jetzt schon die „Zweite“ trainiert, ist logisch. Sowas muss nicht immer gut gehen. Aber in diesem Fall hab ich wenig Zweifel. Bis es soweit ist, sind ja noch ein paar Spiele. Ich erachte auch die Gefahr als nicht allzu hoch, dass die Ablösung früher kommt, weil ja schon klar ist, dass der eine geht und der andere schon im Verein ist. Dass sind sie Volker Haiser auch schuldig, der nach dem Abstieg damals aus der Württembergliga viel Aufbauarbeit gemacht hat. Und das sehr gut.

Veronika Goldammer ist in Nellingen gefordert wie schon lange nicht mehr.

Nellingen: Was soll ich schreiben? Wenn ich hochrechne, dürfte wahrscheinlich die Sporthalle 1 die Handball-Spielstätte sein, in der ich in meinen 21 Jahren bei der EZ am häufigsten war. Aber so einen schwachen Auftritt eines Teams des TV Nellingen wie der bei der 29:36-Niedlerlage gegen die HSG Würm-Mitte habe ich selten gesehen. Vielleicht noch nie. Der absolute Tiefpunkt war damals gegen Metzingen in der Bundesliga, aber in Tübingen.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was da los ist im Team. Die Hornets waren in der 3. Liga vorne erwartet worden. Nach einigen Verletzungen nicht mehr ganz vorne. Nun aber schlittern sie in Richtung Abstiegsrunde, wofür sie eigentlich viel zu stark sind. Trainerin Veronika Goldammer versucht es genau damit zu erklären, dass die Spielerinnen Angst haben, unten reinzurutschen. So aber haben sie zwei Mal in Folge gegen ein Team verloren, das eigentlich schwächer ist und gegen das man gewinnen muss, um es hinter sich zu lassen. Und sind genau deshalb unten reingerutscht. Wo sie nicht hinwollten. Genau gesagt auf Platz zehn. Sechs ist mindestens nötig, um sicher zu sein.

Vor dem Spiel gegen Würm-Mitte war eine Reaktion erwartet worden. Sie blieb aus. Jetzt muss sie kommen. Am Samstag habe ich keine Anhaltspunkte dafür gesehen, dass es gelingt. Es war so viel Verunsicherung zu spüren. Bei Spielerinnen, bei denen schon jeder zumindest der Heimzuschauer in der Halle gesehen hat, dass sie es viel besser können. Krass. Es kommt ganz selten vor, dass ich in meinem Bericht die Rubrik „Beste Spielerinnen“ leer lasse.

Aber es wäre nicht das erste Mal, dass ein Team eine Kurve genau dann kriegt, wenn man es nicht erwartet. Ich bin gespannt. Auf jeden Fall stehen Team und Trainerin vor einer mächtigen Herausforderung.

Im Januar geht es endlich wieder um diese Pokale.

EZ-Pokal: Wie erwähnt haben wir den EZ-Lauf erfolgreich absolviert. Ich hoffe, dass uns die vierte Corona-Welle beim EZ-Handballpokal keinen Strich durch die Rechnung macht. Aber ich bin zuversichtlich. Gemeinsam mit dem Team Esslingen und der SG Hegensberg/Liebersbronn sind wir schon kräftig am planen. Auch was das Teilnehmerfeld betrifft, bin ich schon sehr weit. Es ist fast voll, ein bisschen muss noch daran gebastelt werden. Aber ich bin optimistisch, dass ich es bis Ende der Woche verkünden kann. Nur so viel sei schon verraten: Es sind die Top-Teams des EZ-Landes dabei, wenn vom 7. bis 9. Januar zum ersten Mal im Sportpark Weil gespielt wird. Ich bin sehr gespannt auf die Atmosphäre in der Halle, die viele Vorteile gegenüber der Neckarsporthalle hat, aber eben auch größer ist.

Bis es soweit ist, stehen aber noch jede Menge Ligaspiele an. In Reichenbach, in Nellingen und in vielen anderen Hallen.


Schiedsrichtermangel – eine einfache Lösung gibt es nicht

Ich hab mich in diesen Tagen an die „Keine-Pfiffe-gegen-Pfiffe-Aktion“ hier am Blog, in der Eßlinger Zeitung und in den Hallen der Region erinnert. Neun Spiele wurden auf Verbandsebene am vergangenen Wochenende abgesagt, weil die Schiedsrichter ausgefallen sind und der HVW seiner aktuellen „Notfallverordnung“ folgend keinen Ersatz gesucht hat. Anfang der Woche war für mich schon klar, dass das der Aufmacher für die Samstagausgabe sein würde. Mein Kollege Andreas Pflüger hat den Text „Brötchenverkäufer statt Unparteiische“ geschrieben, ich habe kommentiert. Und zwar so:

Eine einfache Lösung gibt es nicht

Der Schiedsrichtermangel kann nur aus den Vereinen heraus behoben werden.

Man kann darüber streiten, ob die „Notfallverordnung“, mit der der Handballverband Württemberg auf den eklatanten Mangel an Schiedsrichtern reagiert, Sinn macht. Die Vereine fühlen dadurch die Pistole auf der Brust und der Verband bereitet auch sich selbst durch die daraus resultierenden, zahlreichen Spielverlegungen Probleme. Was unstrittig ist: Es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, bei denen Verband und Vereine nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten.
Noch herrscht ein Teufelskreis: Die wenigen Schiedsrichter müssen immer mehr Spiele leiten, steigen immer schneller in höhere Ligen auf, weil auch dort Unparteiische fehlen. Spieler und Trainer wiederum beschweren sich dann darüber, dass die Leistung nicht immer der Spielklasse entspricht. Das Geschimpfe von den Tribünen, gegen das die Clubs nach wie vor zu wenig unternehmen, tut ein Übriges dazu, dass viele Schiedsrichter irgendwann keine Lust mehr haben.
Aber ohne sie geht es nicht. Gelöst werden kann das Problem nur aus den Vereinen heraus, denn sie alleine rekrutieren die Schiedsrichter. Es gibt keine einfache und schon gar keine schnelle Lösung. Deshalb müssen weiterhin kleine Schritte hin zu einer Verbesserung gegangen werden: In den Vereinen nicht nur nach Talenten beim Torewerfen, sondern auch beim Pfeifen suchen, die Stellung der Unparteiischen in den Clubs stärken und nicht müde werden, um Schiedsrichternachwuchs zu werben.

Wie ist eure Meinung?


TVP – es wird nicht leichter

Nein, der Schiedsrichter ist ganz sicher nicht schuld am schlechten Plochinger Saisonstart – das weiß auch Ex-Trainer Michael Schwöbel. Foto: Rudel.

Vorab: Wenn ihr euch gewundert habt, dass ich hier zwei Wochen lang nichts geschrieben habe, obwohl sich das Rad im EZ-Handball-Land sowas von gedreht hat – auch ein Sportredakteur hat mal Urlaub. Aber ich habe natürlich mitverfolgt, was so passiert ist und den Rest nachgelesen. Vor allem, was mein Kollege Andreas Pflüger in der vergangenen Woche verfasst hat, war interessant: Der TV Plochingen hat einen neuen Trainer.

Beim Blick auf die Ergebnisse wundert es vielleicht nicht, dass sich der TVP von Michael Schwöbel getrennt hat. Es haben angesichts von 2:12 Punkten die berühmten Mechanismen des Geschäfts gegriffen. Wenn man aber bedenkt, dass die Plochinger nicht gerade als Chaosclub bekannt sind, wundert es schon ein bisschen mehr, zumal es menschlich zwischen den Verantwortlichen und Schwöbel offensichtlich gepasst hat.

War der Schritt richtig? Das ist nicht leicht zu beantworten. Schaut man nur auf das Spiel gegen den TV Willstätt, bei dem durch ein heftiges 26:39 die nächsten zwei Minuspunkte dazukamen, wohl erst mal nicht. Aber das wäre viel zu einfach und schon zu sagen, dass es Christian Hörner, der Neue, nicht reißt, ist auch viel zu früh. Der Mann hatte erst zwei Einheiten mit der Mannschaft und hat wohl erst in diesem Spiel gesehen, was alles zu tun ist. Aber 26:39 im ersten Spiel nach dem Wechsel ist schon ein Brett.

So stellen die Plochinger Christian Hörner vor. Foto: TV Plochingen

Auch das Startprogramm der Liga ist nicht Schwöbel anzulasten. Es war hammerschwer und dadurch war klar, dass die Mannschaft gleich mal die eine oder andere Niederlage einfahren würde. Aber: Es war auch noch kein Sieg dabei, nicht im Derby bei Aufsteiger TSV Neuhausen und auch nicht gegen den TSV Blaustein. Es gab jeweils ein Unentschieden und das war zu wenig, vor allem gegen Blaustein.

Es geht beim TVP ohne Schwöbel weiter – besser: ohne die Schwöbels, denn Marc ist mit seinem Bruder gegangen. Es muss aber dennoch festgehalten werden: Diejenigen, die vermutet hatten, dass Michael Schwöbel nur HSG Ostfildern und schon gar nicht 3. Liga kann, haben nicht recht behalten.

Erinnern wir uns daran: Als klar war, dass Schwöbel Daniel Brack beerben würde, war noch nicht abzusehen, dass er die Mannschaft in der 3. Liga übernehmen würde. Der Aufstieg kam ziemlich überraschend. Dann kamen zwei Corona-Spielzeiten, in denen es nicht einfach war. In denen Schwöbel aber seine Qualitäten gezeigt hat und auch, dass er sich in die Liga fuchsen kann. Natürlich musste auch er lernen. Das haben ihm die Verantwortlichen des Vereins zugestanden und das war auch nicht das Problem.

Was war es dann? Zu sagen, Michael Schwöbel sei zu ruhig oder zu nett, greift zu kurz. Seine Art kannte man, es macht auch aus seiner Sicht keinen Sinn sich zu verstellen und lange ist der Verein damit auch gut gefahren. Es war klar, dass der Kader an der Grenze des Drittliganiveaus ist, mehr ist für einen Verein wie den TV Plochingen auch nicht drin. Vor allem, wenn er weiterhin seriös wirtschaften will. Dazu kommt, dass es nach dem Abgang von Christos Erifopoulos – trotz seiner Jugend – und Routinier Dominik Eisele wenig Spieler mit Leaderpotenzial in der Mannschaft gibt.

Breiter, aber schwächer in der Spitze ist der Kader nach der Selbsteinschätzung des Vereins im Vergleich zur vergangenen Saison. Das kann man nun bestätigen, aber die Spitze vor allem in Person von Erifopoulos fehlt eben doch schmerzlicher als gedacht.

Die Kooperation mit Bundesligist Frisch Auf Göppingen ist Hilfe und Belastung zugleich. Es kommt dadurch spielerische Qualität in die Mannschaft, aber von den Jungen wie Oskar Neudeck kann man nicht erwarten, dass sie die Kohlen aus dem Feuer holen. Neudeck kommt gerade übrigens bei der Jugend-Nationalmannschaft auf andere Gedanken. Gleichzeitig wissen sie in Plochingen, dass sie Drittligist bleiben müssen, sonst ist die Kooperation weg. Das erhöht den Druck, und das in einer Saison, in der die Abstiegsregelung brutal ist. Auch das Umfeld, so vergleichsweise harmonisch es in Plochingen sein mag, erwartet eher, dass sich die Mannschaft in der 3. Liga etabliert.

Christian Hörner einzuschätzen, ist (noch) schwierig. Ihm eilt ein guter Ruf voraus. Den Beobachtungen meines Kollegen Pflüger zufolge ist auch er nicht der ganz emotionale Coach am Spielfeldrand. Das würde auf Dauer auch nicht helfen, der Typ Feuerwehrmann funktioniert im Handball noch weniger als im Fußball. Mit Sachverstand an die Geschichte zu gehen ist angebracht, andererseits fehlt mit jeder Niederlage mehr Zeit, die Wende zu schaffen und die nötigen Punkte zu holen. Es wartet viel Arbeit auf Hörner.

Schwer wird es auf jeden Fall für die Plochinger, den Klassenverbleib zu schaffen. Noch schwerer, als viele, inklusive mir, vor der der Saison erwartet haben. Immerhin: Der Modus bringt so etwas wie die Chance eines partiellen Neustarts in der Abstiegsrunde.

Zurück zur Frage nach der Richtigkeit des Trainerwechsels: Sie kann wohl erst in einigen Wochen beantwortet werden. Aber selbst Michael Schwöbel hat – auch wenn er die nächsten Spiele gerne noch gehabt hätte – mit einem gewissen Verständnis reagiert.


Da muss man sich erst mal wieder dran gewöhnen

Sowas hat man lange nicht gesehen . . . Die Fans an der Römerstraße haben gute Laune. Fotos: Rudel

Der Handball ist wieder voll da und vor allem die Verbandsliga zeigt, dass sie zurecht als Derby- oder EZ-Land-Liga bezeichnet wird. Und, dass sie voller Spannung steckt. Der frühe Blick auf die Tabelle bringt Überraschungen – positive wie negative.

Oben sieht es jedenfalls gut aus. Das Team Esslingen ist mit 4:0 Punkten schon mal Tabellenführer, die HSG Ostfildern mit 4:2 Zählern Zweiter. Die knappe Niederlage in Donzdorf tat dem selbst ernannten Titelfavoriten weh, zeigt aber auch, dass der Weg an die Spitze ein steiniger ist und dass eben dieser Gegner als möglicher Stolperstein erwartet worden war. Immerhin: Den einen Top-Gegner Wangen hat die HSG geschlagen und jetzt war es beim 24:25 auch knapp und ein bisschen unglücklich.

Fabian Sokele und HeLi sind im Derby deutlich überlegen . . .

Die Ostfilderner jedenfalls erfüllen bisher insgesamt die Erwartungen. Offensichtlich auch, was ihre Spielweise betrifft. Für die SG Hegensberg/Liebersbronn und den TV Reichenbach gilt das teilweise. Erstes Spiel gut, zweites schlecht heißt es bei den Reichenbachern, bei der SG genau umgekehrt. Ich war am Samstag beim Derby in der Halle an der Römerstraße. Und ich hätte wie wohl alle Zuschauer ein deutlich engeres Spiel erwartet. Die Reichenbacher waren chancenlos und mit dem 25:30 gut bedient.

Solche Spiele gibt es, in die man einfach nicht reinkommt. Die Floskel vom „gebrauchten Tag“ fällt einem da ein. Beim TVR werden sie das schnell abhaken und ich bin mir sicher, dass die Mannschaft von Trainer Volker Haiser eine gute Runde spielen wird. Bei Hegensberg/Liebersbronn glaube ich das auch, zumindest angesichts dessen, was ich am Samstag gesehen habe. Die Mannschaft hatte für mich im Vorfeld den größten Unsicherheitsfaktor. Was auch ein bisschen davon befeuert wurde, dass Trainer Olaf Steinke mächtig auf Understatement gemacht hat. Andererseits hatte Ostfilderns Coach Marco Gassmann die SG als – neben Wangen und WinzWiDo – größten Konkurrenten im Aufstiegsrennen bezeichnet.

. . . was Reichenbachs Trainer Volker Haiser natürlich nicht gefällt.

Natürlich war auch das eine Momentaufnahme. Aber ich habe, und das ist nicht übertrieben, seit Jahren kein so gutes Spiel der Mannen vom Berg gesehen. Vor allem keines, in dem sie so frisch im Kopf aufgetreten sind. Das macht eine Menge. Die Jungs hatten richtig Spaß. Henning Richter etwa habe ich schon lange nicht mehr so befreit aufspielen sehen. Und damit so stark. Und von wegen das Zusammenspiel mit Zugang Marcel Planitz braucht noch. Das sah schon richtig gut aus und mit der Rückraumachse Richter-Planitz-Sokele hat die Mannschaft eine, vor der wohl noch viele Trainer warnen werden, wenn sie vor einem Spiel nach den Stärken der SG gefragt werden.

Guter Transfer: Dominik Wolf überzeugt im HeLi-Tor.

Und dann ist da hinten noch der neue Torwart Dominik Wolf. Viele hatten sich gefragt, wie das wohl werden soll ohne Tobias Funk, der nach Altbach gewechselt ist. Alles gut, Wolf war gegen Reichenbach richtig klasse. Und der Kerl ist erst 19, hab ich mir sagen lassen. Auch da muss man Schwankungen einrechnen, aber Talent hat er eine ganze Menge. Und man merkt auch schon, dass es von Coach Steinke ein guter Move war, Alin Illi als Torwarttrainer zu holen. Die beiden kennen sich aus gemeinsamen Deizisauer Zeiten, Illi steht dort immer noch zwischen den Pfosten. Während des Spiels hat er von der Bank aus ständig mit Wolf kommuniziert und der hat aufmerksam zugehört – wenn er nicht mal eben einen Ball halten musste.

Die Stimmung in der Halle war prächtig – wenn man nicht zu genau in die Gesichter der Reichenbacher Fans geschaut hat. „Wie in alten Zeiten“ habe ich als Überschrift für meinen Text gewählt (für die gedruckte EZ, online war es eine andere). Damit meinte ich die Stärke der SG-Mannschaft. Aber auch die Atmosphäre auf den Rängen. Da muss man sich erst Mal wieder dran gewöhnen: Viele Menschen, lautstarke Kommentare. Dazu in der warmen Halle die heiße Luft unter der Maske. Aber: An die Sache mit Einlasskontrolle und Hygieneregeln hat man sich gewöhnt, das läuft. Und macht Mut, dass wir wieder eine komplette Saison erleben.


Den No-Look-Pass gibt’s nicht nur im Basketball: Marcel Planitz.

Also HeLi könnte in dieser Saison noch richtig Spaß machen. Wozu es reicht, ist aber immer noch schwer einzuschätzen. Sorgenkinder sind dagegen bislang der TSV Denkendorf und der TSV Köngen. Die Denkendorfer haben nach dem Derby-Auftaktsieg gegen Köngen zwei Mal verloren. Offensichtlich ist die Fehlerquote einfach zu hoch – eine Menge Arbeit also für Trainer Ralf Wagner.

Das kann man über Denkendorfs Coach Alen Dimitrijevic auch sagen. Da ist richtig der Wurm drin. Alle haben sich auf die Derbys in der Liga gefreut. Die Köngener haben schon zwei hinter sich. Genau genommen sogar drei, wenn man Kirchheim dazurechnet. Alle drei haben sie verloren, nach dem 33:37 in Denkendorf gegen das Team sogar nur mit 24:25. Und dann gab es in Kirchheim ein böses 25:33. Und – ja, ich verwende das Wort ausgerechnet – jetzt kommt am Freitag Hegensberg/Liebersbronn in die Burgschulhalle. Aber, gerade die Derbys sind immer für Überraschungen gut. Oder wer hätte gedacht, dass das am Samstag an der Römerstraße so eine klare Sache werden würde.         


Von 0 auf 16

Deizisaus Yannik Taxis zeigt im Spiel gegen Waiblingen Nervenstärke. Fotos: Rudel

Heute ist mal wieder so ein Montag, an dem einem das Wochenende noch in den Knochen steckt. Andere kennen das Gefühl vielleicht von einem Freitag am Ende einer langen Arbeitswoche. In einer Sportredaktion ist eben der Sonntag der forderndste Arbeitstag.

Als ich am Samstagabend in Deizisau in der Halle war, wurde ich gefragt, ob es mir in der spielfreien Zeit aufgrund von Corona nicht langweilig gewesen sei. Das war es tatsächlich nicht, weil erstaunlich viel zu tun war und es Spaß gemacht hat, immer wieder Lesestoff zu finden. Aber jetzt wieder in der Halle oder auf dem Sportplatz zu stehen, Spiele zu sehen, sich mit Sportlern treffen – das ist schon das, wofür man den Job macht. Das anschließend in der Redaktion zu E-Paper und Zeitungspapier zu bringen, gehört dazu.

Da stand Lukas Lohmann noch auf dem Spielfeld. Später sah er Rot – unberechtigt, wie in der EZ stand.

Das vergangene Wochenende war auch deshalb so intensiv, weil ich mich auch aus der Zeit vor Corona nicht daran erinnern kann, das mal alle, wirklich alle unsere Handballer gespielt haben. 16 Teams von der Landesliga aufwärts – macht nur deshalb 14 Spiele, die Platz in der Montagausgabe finden mussten, weil Drittligist TSV Neuhausen bereits am Freitagabend gespielt hat und sich die Verbandsligisten TSV Köngen und Team Esslingen zum Derby getroffen haben. Dazu kamen noch der Bundesliga-Wettkampf der KSV-Judoka und die Landesligakicker des TSV Deizisau, die auf die Nicht-Fußballseiten (also in Bezug auf die unteren Klassen) mussten. Lediglich die Köngener Fußballer waren spielfrei.

Das Spiel in Köngen ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir Woche für Woche auswählen müssen, wo wir Reporter und Fotografen hinschicken. In der Woche davor waren wir mit beidem beim Derby zwischen Denkendorf und Köngen, diesmal war in Köngen „nur“ unser Fotograf Robin Rudel, Reporter waren in Nellingen und in Deizisau.

Ja, er ist es wirklich. Angesichts der personellen Probleme beackert Deizisaus Manager Dennis Prinz wieder den Kreis.

In beiden Hallen haben wir spannende Spiele gesehen. Mein (neuer und junger) Kollege Dominic Berner durfte aus der Sporthalle 1 vom zweiten Heimsieg der Hornets berichten. Ich zeitgleich in Deizisau habe mir für meinen Online-First-Text, der ja wenige Minuten nach dem Spielende im Netz ist, schon Worte zurechtgelegt, mit denen ich einen Deizisauer Sieg beschreiben könnte. Dann aber wurde es nur ein Unentschieden gegen den VfL Waiblingen, und niemand bei dem Württembergligisten wusste so recht, warum. Es war ein hektisches Spiel, in dem sich die Deizisauer aber ziemlich ruhig und abgeklärt verhalten haben. Am Ende war aber wohl der Kopf zu leer und sie konnten das Unentschieden nicht mehr verhindern. Das aus Sicht der Waiblinger nicht völlig unverdient war, aber die Deizisauer hätten einen Sieg mehr verdient gehabt.

Es gibt einige Teams, die sich mit dem Saisonstart schwer tun. Die Männer der SG Hegensberg/Liebersbronn etwa oder die Württembergliga-Frauen aus Denkendorf und Nellingen. Die Männer-Drittligisten aus Plochingen und Neuhausen eh. Wobei die Neuhausener am Freitag einen Pflichtsieg in Blaustein eingefahren haben und die Plochinger ohne Erwartungen nach Konstanz gefahren sind. Die lange Pause fordert eben doch ihren Tribut.

Zweites Heimspiel, weiter Heimsieg für Linda Leukert und den TV Nellingen.

Man sieht: Für die Deizisauer wird es auch angesichts der personellen Probleme keine leichte Saison. Eine ordentliche Rolle werden sie trotzdem spielen. Man hat in dem Spiel auch schon gemerkt, dass man sich nach der langen Pause zwar wieder an den Ball und Laufwege gewöhnen kann, dass aber auch die mentale Belastung eines Handballspiels Routine braucht. Die fehlt zurzeit allen.

Das gilt auch für die Schiedsrichter, was man auch bei der Bewertung ihrer Leistung einfließen lassen muss. Wir haben gestern in der Redaktion lange diskutiert, denn gleich bei drei Spielen, bei denen wir vor Ort waren, haben die Unparteiischen eine Rolle gespielt: In Deizisau, in Nellingen und beim Fußball in Aichwald. Wir sind generell vorsichtig, was Kritik an Schiedsrichtern betrifft. Sind wir nicht selbst dabei und bekommen von Vereinsvertretern berichtet, lassen wir das Thema bei allem Vertrauen in unsere Zuarbeiter weg – das Wort „umstritten“ ist da oft die Formulierung der Wahl.

Packende Szene beim Derby zwischen Köngen und dem Team.

Die Schiris haben einen schweren Job und was sie sich von den Rängen anhören müssen, entbehrt teilweise jeglicher Kinderstube. Und wir haben viel zu wenige von ihnen. Aber es gehört auch zur Reporterpflicht, die Gänze eines Spiels abzudecken. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, nach dem Spiel in Deizisau zu erwähnen, dass die Rote Karte gegen Lukas Lohmann unberechtigt war und dass die Unparteiischen nicht ihren besten Tag hatten. Aber das war bei dem einen oder anderen Spieler auch der Fall. Zudem war es angesichts der Hektik und Ruppigkeit schon in der Anfangsphase kein leicht zu leitendes Spiel. Und die Beiden werden es vermutlich selbst wissen.

Wir sind jedenfalls wieder voll drin im Sport-Alltag. Wie die Handballer und fast alle anderen Sportler. Und das ist,  wie mein lieber Kollege und VfB-Stadionsprecher Holger Laser nach einem Tor immer so schön schreit, – auch – gut – so!