Archiv für Sigor Paesler

Neue Deizisauer Bescheidenheit

Olaf Steinke soll beim TSV Deizisau seine Erfahrung einbringen. Foto: Steinemann

Kommentar zum Trainerwechsel beim TSV Deizisau

Die Handballer des TSV Deizisau stehen vor einem Neuanfang. Schon wieder. Und diesmal könnte es ein besonders schmerzhafter werden. Ein Jahr, nachdem die Ära Mike Wolz vor dem Ende stand und Ralf Rascher neuen Schwung ins Team des Baden-Württemberg-Oberligisten bringen sollte, verkündet der Verein den dritten neuen Trainernamen. Veit Wager als Nachfolger des gescheiterten Rascher, Daniel Mayr als Nachfolger von Interimslösung Wager und ab Sommer nun Olaf Steinke als Nachfolger von Mayr.

Noch ist nicht klar, ob Mayr die Mannschaf in der BWOL übergeben wird – aber danach sieht es im Moment nicht aus, so eng in der Tabelle auch alles beieinander ist. Deizisau steht ganz unten. Der Realismus im Verein ist groß genug, um sich sehr ernsthaft mit der Württembergliga zu beschäftigen. Deshalb kann man die kurze Phase von Mayrs Trainertätigkeit auch noch nicht endgültig bewerten. Klar ist aber, dass Mayr nicht für den Neuanfang stehen wird. Weil er so kurz da war und weil er von sich aus sagt, dass ein Cut her muss. Zu dem auch ein neuer Trainer gehört.

Daniel Mayr wird am Ende nur ein halbes Jahr für die Deizisauer Mannschaft verantwortlich gewesen sein. Foto: Rudel

Jetzt kommt Steinke. Nach Mayr, der in Reichenbach erfolgreich war, aber noch nie in der BWOL gearbeitet hat, ein sehr routinierter Trainer. Einer, der schon viele Stationen hatte, zuletzt in Weinstadt aber immerhin vier Jahre war. Einer, der schon viel mitgemacht hat – vermutlich auch Situationen wie die, die er nun vorfindet: Ein Verein, der mal das Handball-Aushängeschild seiner der Region war, in der dritthöchsten Liga gespielt hat – und jetzt droht, in Liga Nummer fünf abzurutschen. Mit der Gefahr, nicht gleich wieder nach oben zu kommen.

So jedenfalls lautet die Selbsteinschätzung in Deizisau. Der Club ist von anderen abgehängt worden, sportlich wie finanziell. In der direkten Umgebung vom TSV Neuhausen und dem TV Plochingen, im weiteren Umkreis auch von anderen. Eine gute Portion Frust ist bei den Machern und im Umfeld dabei. Auch da kann einer gut tun, der mit dieser Entwicklung nichts zu tun hat und gleichzeitig engagiert und unaufgeregt die Sache angeht.

Die Deizisauer tun gut daran, erst einmal kleinere Brötchen zu backen. Sie tun auch gut daran, nicht in der Vergangenheit zu schwelgen und sich mit anderen zu vergleichen. Sie müssen sich schütteln, einige Dinge hinterfragen und langsam den besagten Neuanfang angehen. Die neue Deizisauer Bescheidenheit. Das vorhandene, in der Tradition verankerte Umfeld kann da durchaus helfen.

Das alles gilt übrigens auch, wenn der Klassenverbleib doch noch gelingt. Denn realistisch betrachtet würde es dann auch in der kommenden Saison wieder nur um den Klassenverbleib gehen.

Endspurt

Nellingens Roxana-Alina Ioneac weiß, wo die Mitspielerin steht. Fotos: Rudel

Ja, ist es schon wieder so weit? Mir ist eigentlich erst gestern während des Gesprächs mit Deizisaus Trainer Daniel Mayr so richtig aufgefallen, dass es mit Tempo Richtung Saisonende geht. Endspurt. Die Aussagen ähneln sich. „Es sind noch soundsoviele Spiele“, sagen die Trainer und Verantwortlichen. Manchmal verbunden mit einem „nur“. Bei den Deizisauern sind es (nur noch) sieben Spiele, in denen sie in der BWOL noch vom letzten auf einen sicheren Platz klettern wollen. Das ist nicht unmöglich, wird aber schwer. Bis zu fünf Absteiger sind schon hart.

Es ist jedenfalls eine gute Gelegenheit, um mal zu schauen, wo die EZ-Land-Teams denn so stehen. Für einige geht es noch um was, einige andere stehen relativ sicher im Mittelfeld – was wiederum einige mehr freut als andere.

Unsere beiden Top-Teams TV Nellingen und TSV Neuhausen sind so Teams, die sich relativ wenig Sorgen machen müssen. Bei den Nellinger Bundesliga-Frauen muss man ehrlich sagen: wer hätte das gedacht. Ich habe das ja vergangene Woche ausführlich beleuchtet: Durch die Lizenzgeschichte haben die Hornets kaum noch Abstiegssorgen. Sie haben sich aber vorgenommen, die Saison in jeden Fall auf einem Platz abzuschließen, der auch bei der vollen Zahl der Absteiger den Klassenverbleib bedeuten würde. Beim 28:26-Sieg gegen den VfL Oldenburg haben sie das eindrucksvoll gezeigt. Chapeau!

Und die Neuhausener haben beim 30:30 gegen Pforzheim in der 3. Liga auch bewiesen, dass sie bis zum letzten Spieltag Vollgas geben wollen. Richtig gut muss das gewesen sein, wenn man liest, was in der Montagausgabe der EZ steht.

Abwehrarbeit in Neuhausen.

Kurz zur BWOL: Der TV Plochingen bereitet als Siebter mal wieder keine Sorgen – alles gut beim TVP. In Deizisau sieht es wie erwähnt schlechter aus. Bei den Frauen hat der Dritte TSV Wolfschlugen im Kampf um die ersten beiden Plätze beim 24:24 gegen Heidelsheim/Helmsheim – was für ein Name – einen Rückschlag erlitten. Hier bleibt es richtig spannend.

In der Württembergliga der Männer heißt es für Wolfschlugen und Hegensberg/Liebersbronn: Mittelfeld, alles im grünen Bereich. Aufsteiger HeLi muss als Neunter noch ein paar Punkte sammeln. Aber das werden die Männer vom Berg auch. Bei den Frauen – sorry, da fehlt heute die Tabelle in der EZ – sieht es aus EZ-Land-Sicht so aus: Zwei oben (TV Reichenbach, TV Nellingen II), zwei in der Mitte (HSG Deizisau/Denkendorf, HeLi), einer unten (TSV Köngen).

Wobei für den Dritten Reichenbach bei zwei Pluspunkten Rückstand auf Tabellenführer Leinfelden-Echterdingen und einem Spiel weniger wahrscheinlich nicht mehr allzu viel in Richtung Aufstieg gehen wird. Vor allem, weil LE einigermaßen souverän ist und weil es nur einen Aufsteiger gibt.

Was ich von den unterschiedlichen Auf- und Abstiegsregelungen halte, hab ich hier ja schon ein paar Mal geschrieben. Die TVR-Frauen haben es in der vergangenen Saison leidvoll erfahren. Platz zwei – aber nicht einmal die Chance in der Relegation.

Auch für die Reichenbacher Männer in der Landesliga geht wohl nichts mehr nach oben. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Mannschaft im Jahr zwei nach dem Abstieg aus der WL richtig angreifen will. Diesmal sind die Jungs einfach froh, dass sie mal wieder ein paar Mal gewonnen haben. 13 von bislang 20 Spielen waren es immerhin, in Lauterstein hat es am Wochenende allerdings nicht geklappt.

Die HSG Ostfildern hat in der anderen Staffel (2) einen Rückschlag erlitten. Man kann nicht immer gewinnen, aber die Niederlage in Pfullingen nach zuvor acht Siegen tut richtig weh. Vier Punkte beträgt der Rückstand nun auf Ober-/Unterhausen auf dem Relegationsplatz und Tabellenführer Böblingen/Sindelfingen.
Bei – ich muss mal nachschauen – noch sechs ausstehenden Spielen.

Frauenhandball und der 1. März

Das Bundesliga-Derby Göppingen gegen Nellingen wird es sehr wahrscheinlich auch in der kommenden Saison geben. Foto: Rudel

Die Bundesliga-Handballerinnen des TV Nellingen haben bei Frisch Auf Göppingen wie erwartet verloren. „Starker Derby-Auftritt des TVN“, steht aber über dem Text meiner Kollegin Karla Schairer zum 28:31. Bemerkenswert ist vielleicht das falsche Wort, um das zu beschreiben. Aber erwähnenswert ist es auf jeden Fall.

Denn seit der vergangenen Woche steht fest, dass die Nellingerinnen praktisch nicht mehr absteigen können. Die Vereine mussten bis zum 1. März die Lizenzunterlagen für die kommende Saison abgeben. Und was ist passiert? Aus der 2. Bundesliga hat der Erste keinen Antrag für die Bundesliga gestellt, der Zweite auch nicht, der Dritte auch nicht – nur der Vierte Union Halle-Neustadt. Den anderen ist das Risiko zu groß – auch begründet in Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Das bedeutet: Aus dem Oberhaus gibt es nur einen Absteiger. Wenn überhaupt. Denn Halle-Neustadt muss mindestens Dritter werden, um nachrücken zu dürfen. Das ist bei momentaner Punktgleichheit zu schaffen, aber alles andere als sicher. Der punktlose Bundesliga-Letzte HC Rödertal ist übrigens sieben Punkte von den Nellingerinnen entfernt.

Es ist jedes Jahr das gleiche Theater und das nimmt einem wirklich ein bisschen den Spaß am Spitzen-Frauenhandball. Vor einem Jahr sind die Hornets nur dringeblieben, weil nach langem Hin- und Her ein Platz mehr frei war. Die Einzelheiten waren in der EZ nachzulesen. Sportlich waren sie abgestiegen. Ich habe das schon ein paar Mal geschrieben: Ich kann ihnen nicht verdenken, dass sie die Chance wahrgenommen haben. Sehr gut finde ich, dass sie sich jetzt fest vorgenommen haben, auf jeden Fall auf einem Platz zu landen, der auch unter normalen Umständen reichen würde.

Denn normal sind die Umstände im Frauenhandball schon lange nicht mehr. Das Hauptproblem ist: Der finanzielle Unterschied zwischen der 2. Bundesliga und der Bundesliga ist zu groß. Und innerhalb des Oberhauses zwischen der oberen und der unteren Hälfte auch.

Deshalb ist es wichtig für die Nellingerinnen, dass sie nun ziemlich sicher ein drittes Jahr oben vor sich haben. Denn zwei bis drei Jahre braucht es normalerweise, um sich finanziell einigermaßen zu etablieren – das heißt konkret: den Etat mindestens zu verdoppeln. Dazu braucht man finanzielles sowie sportliches Geschick und auch eine gute Portion Glück.

Wer wieder runterrasselt, hat es schwer. Dafür gibt es viele, viele Beispiele.

Die Hornets müssen jetzt ein paar Hausaufgaben machen, sie können aber deutlich früher als erwartet planen.

Eine Lösung für das Problem des Frauenhandballs zu finden, ist nicht einfach. Denn man müsste eine Entwicklung bremsen, die zu bremsen schwer ist. Vielleicht, das ist nur ein Ansatz, war es im Nachhinein doch keine so gute Idee, eine eingleisige 2. Bundesliga einzuführen. Es klang am Anfang attraktiv und es sollte sozusagen die Verhältnisse angleichen. Aber das Ergebnis für die Zweitligisten war, dass sie oft Gegner hatten, die kaum Zuschauer mitgebracht haben und dass sie die Hälfte – oder sogar mehr – ihres Etats für Reisen ausgeben. Ich erinnere mich an Teams wie Harrislee direkt an der dänischen Grenze oder Allensbach am Bodensee. Beide sind nicht mehr da, nachdem sie jahrelang Kilometer um Kilometer abgespult haben.

Hier anzusetzen reicht natürlich bei weitem nicht. Und mir fehlen auch Fakten und Einblicke, um Ratschläge zu geben. Eines aber sollte klar sein: Es muss sich etwas ändern. Schlaue Köpfe müssen sich was Schlaues einfallen lassen. Sonst fallen die Entscheidungen über Auf- und Abstieg weiter nicht am Saisonende, sondern am 1. März.

Dem Nachwuchs eine Chance

Das Duell TSV Wolfschlugen gegen HSG Ostfildern, wie hier am vorletzten Wochenende, wird es in der kommenden Saison in der A-Jugend-Bundesliga nicht geben. Foto: Rudel

So, Olympia ist vorbei und wir können in der Redaktion ein bisschen durchschnaufen. Aber nur ein bisschen, es gibt genug zu tun. Unsere Eishockey-Cracks und die Stimmung, die um die Silberjungs herrscht, haben mich irgendwie an glorreiche Zeiten unserer Handball-Nationalmannschaft erinnert. Das ist noch gar nicht so lange her.

Wer im Sport, und nicht nur da, Erfolg haben will, muss früh anfangen. Im EZ-Land tun das viele Handballer und sie tun das sehr erfolgreich. Zwei Teams haben wir in der A-Jugend-Bundesliga. Aber so wird es nicht bleiben. Die HSG Ostfildern ist ohne Punkt Letzter. Und der TSV Wolfschlugen wird, obwohl die Mannschaft auf Platz vier richtig gut dasteht, in der kommenden Runde nicht mehr antreten.

Viele aus dem Wolfschlugener Team kommen aus der Jugend (und einige werden wechseln) und es wird wohl keine Mannschaft mehr zur Verfügung stehen, die mithalten kann. Deshalb, so hat mir Abteilungsleiter Wolfgang Stoll erklärt, diese Entscheidung. Ostfildern gilt da durchaus als abschreckendes Beispiel.

In der kommenden Saison starten die Ostfilderner aber wieder richtig durch, und zwar mit der gesamten (männlichen, denn weiblich gibt es nur in Neuhausen) Jugend: Die Spielgemeinschaft mit dem TSV Neuhausen ist beschlossene Sache. Und das Konstrukt hat nun auch einen Namen und einen Chef.

„JANO Filder“ werden wir ab September auf den Trikots und in den Tabellen lesen. Das ist eine Abkürzung für „Jugendhandball-Akademie Neuhausen/Ostfildern“. Nur einfach JSG war den Machern auf den Fildern irgendwie nicht passend. Sportlicher Leiter wird Jan Pabst, der im Hauptberuf Leistungssportkoordinator des HVW ist. Ich wünsche einen guten Start.

In der morgigen Mittwochausgabe der EZ haben wir wie immer unsere Rubrik „Jugendhandball“ mit den Spielberichten der Nachwuchsteams auf Verbandsebene. Naja, diesmal haben wir nur zwei Texte drin – wenn auch von den oben erwähnten höchstens Teams. Ich verstehe nicht so ganz, warum die Vereine in jüngster Zeit diese Möglichkeit weniger nutzen, ihre Teams zu präsentieren. Schade. Wir können die Texte nur abdrucken, wenn die Vereine mitspielen, eine gute Pressearbeit machen und sie uns schicken. Darüber habe ich heute übrigens auch mit Wolfgang Stoll gesprochen, in diesem Fall in seiner Funktion als Bezirkschef.

Ich kenne keine Zeitung, die so eine Rubrik hat und den Jugendhandball so präsentiert. Also: macht mit! Ich weiß, es war schon anders. Wir haben nie von allen Vereinen Texte bekommen, aber acht bis zehn waren es oft. Deshalb hoffe ich, dass es auch wieder mehr wird. Für die Leser und für die Nachwuchshandballer.

So, jetzt mach ich meine Seiten fertig. Eine gute Woche allen.

Neuhausen – auf einem guten Weg

Dominik Eisele in Aktion gegen seinen Ex-Club. Fotos: Rudel

Diejenigen, die sich zuletzt schon Sorgen um die Drittliga-Handballer des TSV Neuhausen gemacht und am Samstagabend den 32:30-Derbysieg gegen den TV Neuhausen/Erms live miterlebt haben, dürften beruhigt sein. Nach fünf Spielen ohne Sieg nun zwei Erfolge hintereinander – alles wieder im Lot.

Es war ein begeisterndes Drittligaspiel vor vollen Rängen und mit zwei starken Mannschaften, die sich nur wenig Schwächen geleistet haben. Es hat richtig Spaß gemacht, das Spiel anzuschauen – und auch, darüber zu schreiben.

MadDogs-Kapitän Hannes Grundler zeigt im Derby wieder einmal eine starke Leistung.

Die Neuhausener sind auf einem guten Weg. Die Neuhausener? Selbst TV-Spielertrainer Daniel Reusch kam dabei etwas durcheinander, als ich mich mit ihm nach dem Spiel unterhalten habe. Er sprach von Neuhausen, hat mich dann kurz angegrinst und ergänzt: „Also, euer Neuhausen.“

Wobei das schon richtig ist: Die Neuhausener sind auf einem guten Weg. Denn das kann man über beide Mannschaften sagen. Das Filder-Team hat, nachdem der Abgang von Trainer Ralf Bader zum Saisonende feststand, die Kurve wieder bekommen. Und die Erms-Handballer hätten die Punkte zwar nötig gebraucht und schweben als Zweitliga-Absteiger auch in der 3. Liga weiterhin in Abstiegsgefahr. Aber die vielen Zuschauer, die am Samstag aus dem Ermstal angereist sind, haben auch viel Gutes und Mutmachendes gesehen. Der Meinung war auch mein Kollege Manfred Kretschmer vom Reutlinger General-Anzeiger, der auf der engen Tribüne neben mit saß und für seine Leser geschrieben hat.

Rund um das Spiel war auch Eckard Nothdurft ein Thema. „Taugt der was?“, hat mich jemand zum MadDogs-Trainer ab der kommenden Saison gefragt. Auch mit Co-Trainer Markus Locher und Kapitän Hannes Grundler habe ich kurz über den Neuen gesprochen. Natürlich sind sie von ihm überzeugt und sein Ruf ist ja auch sehr gut. Ich kenne ihn nur ein bisschen aus meiner journalistischen Zeit im Raum Tübingen/Reutlingen und habe ihn, seit ich bei der EZ bin, als Gästetrainer erlebt. Er wird sich die Tage in Neuhausen vorstellen, dann wissen wir etwas mehr. Alles andere werden wir dann ab dem Sommer beobachten.

Lucca Holder auf dem Weg zum Tor.

Ralf Bader hinterlässt Eckard Nothdurft jedenfalls eine gute Mannschaft, dazu hat der Verein schon zwei Talente für die kommende Saison geholt. Und, so viel weiß man auf jeden Fall schon, deren Ausbildung gilt als einer der Vorzüge von Nothdurft.

Es war ein eingeschränktes Handball-Programm am Wochenende. Aber das hatte es in sich. Der TV Plochingen hat das BWOL-Derby beim nun noch mehr abstiegsbedrohten TSV Deizisau mit 31:28 gewonnen. Ich selbst war noch bei einem weiteren Derby Augenzeuge: Weniger Zuschauer als in Neuhausen, etwas weniger Athletik – aber guten Handball-Sport habe ich beim Frauen-Württembergliga-Spiel TV Nellingen II gegen SG Hegensberg/Liebersbronn erlebt.

Die Spielerinnen von Nellingen II feiern nach dem Spiel gegen Hegensberg/Liebersbronn.

Ich bin natürlich sowas von neutral. Aber die SG-Frauen haben mir am Ende schon etwas leidgetan. Auch Nellingens Trainerin Veronika Goldammer hätte ein Unentschieden gerecht gefunden. HeLi hat als Außenseiter, der auch noch ein paar Punkte für den Klassenverbleib braucht, eine richtig starke Leistung gezeigt und lange geführt. Am Ende gab es eine 28:29-Niederlage. Kopf hoch, weitermachen.

Starke Leistung: SG-Torhüterin Svenja Melzer.

Bei den Nellingerinnen, die jetzt schon das nächste Derby gegen die HSG Deizisau/Denkendorf vor sich haben, fand ich zwei Dinge interessant: Agne Zukauskaite, früher für den TVN in der 2. Bundesliga und auch schon in der Bundesliga und für das litauische Nationalteam im Einsatz, hat am Ende den Unterschied gemacht. Agne unterstützt das Team seit dem Saisonbeginn, hat aber erst vier Spiele mitgemacht, weil sie oft verletzt war. Auch am Samstag war sie nur wenige Minuten im Einsatz und hat sich lange einen Eisbeutel an den Oberschenkel gehalten. Aber als sie auf dem Feld war, hat sie die jungen Mitspielerinnen geführt und am Ende auch die entscheidenden Tore erzielt.

Engagiert für den TVN-Nachwuchs: Vroni Goldammer.

Das andere Thema: Ich habe mich nach dem Spiel mit Vroni Goldammer darüber unterhalten, welche Perspektive die Spielerinnen ihres Team denn haben. Der Sprung ins Bundesliga-Team ist aus der Württembergliga (zu) groß. Sie hat aber noch einen anderen Aspekt genannt, warum das Team, das auch schon in der 3. Liga gespielt hat, in der kommenden Saison den Aufstieg zumindest wieder in die BWOL angehen will: Um den Spielerinnen aus der eigenen Jugend eine bessere Perspektive zu bieten. Kein Wunder, dass Goldammer beim TVN sowohl beim zweiten Team als auch beim Nachwuchs engagiert ist. Das ist ihr handballerisches Lebensthema.

Zum Thema Nachwuchs und Nellingen gibt es in dieser Woche übrigens noch einen Text in der EZ, darauf will ich schonmal hinweisen.

Ostfildern zieht durch

Michael Schwöšbel kann mit seiner HSG Ostfildern zurzeit sehr zufrieden sein. Fotos: Rudel

Am Wochenende hat wirklich alles Handball gespielt, was Handbälle auf Tore werfen kann. In der Montagausgabe der EZ wird es dann ganz schön eng. Ein Derby gab es – wie gefühlt jede Woche in der Württembergliga der Frauen – zwischen Köngen und Reichenbach. Macht 13 Spielberichte.

Etwas kürzer ist so der Text über Landesligist HSG Ostfildern geworden – ging halt nicht anders. Über die HSG muss man sich zurzeit aber auch wirklich keine Sorgen machen. Im Gegenteil, die Mannschaft macht richtig Spaß. Es herrschen sowas von geordnete Verhältnisse in Scharnhausen und Ruit: Michael Schwöbel hat angekündigt, am Ende der Saison als Trainer aufzuhören, in Frank Ziehfreund steht ein anerkannter Mann bereit. Und die Mannschaft gewinnt. Spiel für Spiel.

Zuletzt gab es ein sattes 36:23 gegen H2Ku II. Schwöbel war zufrieden. Nur acht Gegentore in Hälfte eins waren stark. Dass es in der zweiten bei klarem Siegkurs mehr waren, könne man verbessern, sagt er. Allerdings mit einem Lächeln. Deswegen wird es bestimmt kein Straftraining geben.

Frank Ziehfreund kann sich auf seinen neuen Club freuen.

Sechs Siege in Folge hat die HSG nun geholt, darunter die im Derby beim TSV Köngen und beim Team Esslingen. Schwöbel ist entsprechend glücklich, auch darüber, wie die Mannschaft seit seiner Abschiedsankündigung mitzieht. Ostfildern zieht durch. „Die Mannschaft hat einen riesen Charakter“, sagt Schwöbel. Und: „Die Spieler haben schon gut mitgezogen, als noch nicht klar war, dass ich aufhöre. Und seither tun sie es auch. Sie wollen etwas erreichen.“

Und was ist das? Schwöbel spricht davon, Platz drei festigen zu wollen. Naja, das ist der Goldene-Ananas-Platz. Vorerst Platz drei, behaupte ich. Und Schwöbel lässt sich auch entlocken, er habe „nichts dagegen“, sich mit dem Aufstieg zu verabschieden.

Das wäre ja auch was: Da spielt der Mann Jahr um Jahr mit der HSG in der Relegation – mal um den Auf- und mal gegen den Abstieg – und dann soll das in seiner letzten Saison anders sein? Die Fakten: Der Zweite SG Ober-/Unterhausen hat am Samstag gegen Weilstetten II verloren, dadurch beträgt der Rückstand der HSG nur noch vier Punkte. Das ist aufzuholen bei dem Lauf. Am 18. März kommt es zum direkten Aufeinandertreffen. Spitzenreiter HSG Böblingen/Sindelfingen ist nochmal zwei Punkte weiter weg.

Nochmal Fakten: Der Erste steigt direkt auf, der Zweite geht in die Relegation. Wie in der vergangenen Saison gibt es da die recht komfortable Situation, dass zwei von drei Mannschaften den Sprung in die Württembergliga schaffen. Die HSG war vor einem Jahr dabei. An den Ausgang erinnern sie sich auf den Fildern nicht so gerne – einer von drei schafft es eben auch nicht.

Im Moment sollten sie bei der HSG aber vor allem den guten Lauf genießen, konzentriert bleiben und weiter gewinnen. Am kommenden Wochenende haben sie aber erst einmal frei. Fasching. Da spielt aus dem EZ-Land nur Drittligist TSV Neuhausen. Bei den MadDogs läuft es weniger gut, seit auch dort bekannt ist, das Trainer Ralf Bader am Ende der Saison geht. Vier Niederlagen in Folge. Aber das ist ein anderes Thema. Und für alle anderen gilt: Genießt das handballfreie Wochenende.

Verlängern, schmeißen, warten

Das bleibt so: Rolf Brack an der Seitenlinie von Frisch Auf Göppingen. Fotos: Rudel


Eine erfreuliche Trainer-Verlängerung, ein Trainer, der hinwirft und einer, der im vierten Spiel den ersten Sieg mit seiner neuen Mannschaft holen will. Es ist ganz schön was los, in diesem Fall ein Mal direkt im EZ-Land und zwei Mal in der interessiert beobachteten Region – zudem mit Protagonisten, die von hier kommen.

Rolf Brack und Frisch Auf Göppingen. Da fand im vergangenen September zusammen, was irgendwie mal wieder zusammenfinden musste. Mich hat es echt gefreut, dass unser Scharnhausener Kult-Trainer viele, viele Jahre nach der SG Göppingen/Scharnhausen wieder in Göppingen angeheuert hat. Aus bis zum Saisonende wurde nun bis 2019. Super. Und viel Glück, lieber Rolf Brack.

Kurz vor dem EZ-Pokal wurde bekannt, dass Sinisa Mitranic, der Mann aus Neuhausen/Filder und in der Region schon umfangreich handballerisch unterwegs, den Drittligisten Neuhausen/Erms übernimmt. Nun, drei Niederlagen später, ist er schon wieder weg. Die ganze Geschichte hat meine liebe Kollegin Gabriela Thoma im Reutlinger General-Anzeiger aufgeschrieben. Überraschend ist das schon. Mal sehen, wo Mitranic wieder aufschlägt. Bisher war er ja A-Jugendbundesligatrainer in Wolfschlugen, Verbindungen gibt es zum Team Esslingen.

Glaubt an die Wende und spricht im EZ-Interview: Deizisaus Trainer Daniel Mayr.


Und damit zum TSV Deizisau. Ich habe diese Woche ein Interview mit dem neuen Trainer Daniel Mayr geführt, der auch noch ohne Sieg bei seinem neuen Club, im Gegensatz zu Mitranic aber weit davon entfernt ist, das Handtuch zu werfen. Er ist voller Optimismus, erklärt aber auch, dass er nicht begeistert davon war, in welchem Zustand die Mannschaft bei seiner Amtsübernahme war.

Das Interview erscheint in der Samstagausgabe in der EZ und ist jetzt schon online.

Und um die Kurve wieder zu Rolf Brack zu schlagen: Gut möglich, vor allem im Fall von sich einstellenden Erfolgen, dass es auch bei Daniel Mayr bald heißt: Aus bis zum Saisonende wurde nun bis 2019.

So weit für heute, ein schönes und erfolgreiches Wochenende allen.

Trainerwechsel und die Folgen (?)

Dominik Eisele und der TSV Neuhausen straucheln gerade ein bisschen. Fotos: Rudel

Mit Trainerwechseln ist das so eine Sache. Manche haben einen positiven Effekt, manche verpuffen. Meistens ist es aber nicht so einfach, eine sportliche Entwicklung direkt mit der Trainerfrage zu verbinden.

Im EZ-Land erleben wir das gerade. Drei Mannschaften stehen dabei für mich im Fokus. Eine, die den Trainer getauscht hat, und zwei Teams, bei denen im Sommer ein Wechsel ansteht. Die Entwicklungen bei der HSG Ostfildern, dem TSV Deizisau und dem TSV Neuhausen sind sehr unterschiedlich – was meine eben genannte These untermauert.

Am einfachsten ist es wohl in Ostfildern. Michael Schwöbel hört am Ende der Saison auf. Es war ein bisschen die Luft raus und ein neuer Impuls wird der Mannschaft gut tun. Und was macht die? Von wegen, nachlassen, weil der Chef ja bald weg ist. Die HSG, die in dieser Saison ja auch schon geschwächelt hat, hat eine richtig gute Phase. Die Jungs wollen Schwöbel, der viel für den Verein getan hat, ganz offensichtlich richtig ordentlich verabschieden. Jüngster Beweis war der 22:20-Sieg am Freitagabend im Landesliga-Derby beim ambitionierten Team Esslingen.

Ostfildern ist jetzt Dritter, allerdings mit sechs Punkte Rückstand auf das Führungsduo.

Für Lucca Holder und seine Kameraden heißt es: durchbeißen!

Und Neuhausen? Auch da steht fest, dass Ralf Bader im Sommer nicht mehr da sein wird. Bei den MadDogs läuft es aber zurzeit nicht so gut, beide bisherigen Spiele 2018 wurden verloren. Auf Platz zehn ist der eigentlich so starke Aufsteiger in der 3. Liga abgerutscht. Aber das ist eben so ein Fall: Ich glaube nicht, dass das was mit Baders bevorstehendem Abgang zu tun hat. Der Mann verbessert sich nach Bietigheim, der Nachfolger – Eckard Nothdurft – steht schon fest und wird auch beobachten, wer sich in den Fokus spielt. Die Jungs werden die Kurve schon kriegen. Allerdings müssen sie einiges anders machen als beim 18:23 gegen Oftersheim/Schwetzingen. Nur 18 Tore – mannomann.

Das Sorgekind im EZ-Land bleibt Deizisau. Und da klemmt’s vor allem auf der anderen Seite als bei den Neuhausenern. 40 Gegentore hat die Mannschaft in Weinsberg kassiert, mit 36:40 verloren. „Deizisauer Abstiegsnöte werden größer“ lautet die Überschrift in der EZ. Daniel Mayr hat noch nicht die Wende gebracht, unter ihm hat die Mannschaft alle drei bisherigen Spiele verloren. Drittletzter, punktgleich mit dem Letzten – das sieht wirklich nicht gut aus. Allerdings sind die Mannschaften davor nicht weit weg. Es braucht jetzt dringend ein Erfolgserlebnis, so wie Ende Dezember noch unter Interimscoach Veit Wager in Plochingen. Am Sonntag kommt Neckarsulm – als Elfter mit 14 Punkten in Reichweite.

Vielleicht lässt der Trainereffekt in Deizisau zumindest ergebnismäßig einfach ein bisschen länger auf sich warten. Schafft die Mannschaft irgendwie den Klassenverbleib, dann ist alles gut.

Allerhand los im und um
das EZ-Land herum

Lena Degenhardt und der TV Nellingen gewinnen das Kellerduell. Fotos: Rudel

Wer sich gewundert hat, dass es hier am Kreis so ruhig war – mich hat ein Erkältungs-Virus ein paar Tage lang flach gelegt. Wie ich gehört habe, ging es nicht nur mir so. Wen es also gerade jetzt erwischt hat: Gute Besserung! Dabei war in der Handball-Welt in diesen Tagen einiges los. Bei der WM in Kroatien, worüber uns auch Manuel Späth in seiner Späthlese wieder mit seinen Einsichten erfreut.

Und auch im EZ-Land hat sich was getan: Auf den Fildern machen sie jetzt auch eine Jugendspielgemeinschaft. Wie ich im Zusammenhang mit dem Team und der SG Esslingen kürzlich geschrieben habe: Eine JSG ist nicht die Lösung aller Probleme. Aber die Entscheidung des TSV Neuhausen und der HSG Ostfildern ist nicht nur naheliegend, sondern auch richtig. In der Jugend sind beide gut, die HSG spielt immerhin in der Bundesliga, und bei den Aktiven finden die Talente in Zukunft in der 3. Liga oder der Landesliga ihren Platz. Passt. Jetzt braucht das Ding nur noch einen Namen. Sie wollen es nicht einfach nur JSG Neuhausen/Ostfildern oder JSG Fildern oder so nennen.

Vielleicht habt ihr ja eine Idee. Die Macher der beiden Vereine lesen hier auch ab und zu rein, ansonsten gebe ich es gerne weiter. Ich bin gespannt.

Apropos Neuhausen: Ja, Eckard Nothdurft als Trainer für die kommende Saison zu verpflichten, ist schon ein Coup. Die Lochers haben mal wieder ihre Pfullingen-Connection spielen lassen. Prasolov, Bader, Nothdurft – alle haben VfL-Vergangenheit. So lange der Erfolg da ist, passt das. Und bei Prasolov und Bader sind sie ja richtig gelegen. Wie richtig gerade bei Bader zeigt auch der interessante Umstand, dass Nothdurft Respekt vor den Fußstapfen des Mannes hat, den er selbst in Pfullingen mal trainiert hat. Die Verpflichtung zeigt aber auf jeden Fall: Neuhausen hat einen guten Namen in der Szene weit über das EZ-Land hinaus und den Ruf, dass da noch mehr geht.

Saskia Hiller und der TSV Wolfschlugen verlieren das Spitzenspiel.

Für den Neuen heißt es im Jahr zwei nach dem Wiederaufstieg in die 3. Liga aber erst einmal: Niveau halten.

Der Aufstieg steht den BWOL-Frauen des TSV Wolfschlugen möglicherweise noch bevor, auch wenn sie das Spitzenspiel gegen die SG Kappelwindeck/Steinheim verloren haben. Ich wollte mir das Spiel ansehen, doch aus genannten Gründen konnte ich nicht – und bin froh, dass meine Kollegin Kerstin Dannath eingesprungen ist. Schön, wie sie in ihrem Text auch erklärt, wie die Aufstiegsregelung ist – die ist ja immer noch in jeder Liga anders – und wie die Wolfschlugener das Thema angehen.

Auch in Deizisau und Nellingen war die EZ am Samstagabend in der Halle. Ernüchterung da, Erleichterung dort. Mann, für den TSV Deizisau wird es echt schwer, in der BWOL zu bleiben. Die Nellinger Bundesliga-Frauen haben gegen Rödertal zwar „nur“ einen Pflichtsieg eingenfahren, aber einen deutlichen und es war eben der Sieg, den sie gebraucht haben, um weiter an den Klassenverbleib zu glauben.

Und Maxi Schmid-Ungerer und der TSV Dezisau haben sich das Abstiegsduell gegen Remshalden auch anders vorgestellt.

So, das war ja alles schon am vergangenen Wochenende. Das Neue steht schon vor der Tür.

Auch das ist übrigens ein Grund dafür, dass ich gerade knapp mit Zeit bin: Am Freitag gibt es die neue EZ. Da war ganz schön was zu tun, viel Finetuning in den vergangenen Tagen. Aber ich freu mich über das Ergebnis und hoffe, ihr tut es dann auch.

Zum Schluss noch ein Blick über den Tellerrand, etwas weg vom Handball: Ich schaue ja immer gerne, was andere so blogmäßig machen. Dazu, falls es jemanden interessiert, zwei Dinge: Den erfolgreichsten journalistischen Sport-Blog in Deutschland gibt es nicht mehr. Das Hamburger Abendblatt hat den HSV-Blog „Matz ab“ eigestellt, nachdem vor paar Jahren schon Namensgeber Dieter Matz in den Ruhestand gegangen und sich nun auch Nachfolger Marcus Scholz verabschiedet hat. Scholz macht es jetzt auf eigene Rechnung und schreibt den Blog „Rautenperle“. Viel Glück wünsche ich, lieber Kollege!

Dass man vom Bloggen leben kann, zeigen die Schreiber des Camping-Blogs „Camperstyle“. Ich habe mich mit zwei von ihnen auf der CMT getroffen und ein sehr interessantes Gespräch geführt. Entstanden ist dabei eine Seite-3-Geschichte in der EZ, die ich euch an dieser Stelle auch nochmal ans Herz legen will. Man muss ja nicht immer nur über Handball lesen.

______________________________________

Hornets – mittlerweile konkurrenzfähig

Auch der Auftritt von Annika Blanke war gegen Metzingen stark. Zum Sieg hat es am Ende ganz knapp nicht gereicht. Foto: Rudel


Heute habe ich mal wieder einen Gastbeitrag. Meine Kollegin Karla Schairer war beim knappen 22:23-Pokalaus der Nellinger Hornets gegen die Tussies aus Metzingen. Und sie hat einiges zu erzählen.

Hier Karlas Eindrücke:

Kein Kanonenfutter

So so schade. Das dachte wohl die ganze Sporthalle 1 (bis auf die Metzinger Ecke), als die Schlusssirene trötete und die Nellingerinnen nur wegen eines Tores das Final Four des DHB-Pokals verpassten. Es wäre neben einer guten Geschichte für die Zeitung und online auch DIE für die Nellingerinnen Motivation im Kampf um den Klassenverbleib gewesen.

Dass es gegen ein Top-Drei-Team, das die Favoritenrolle quasi automatisch innehat, so knapp und spannend am Schluss wurde, liegt an zwei Dingen. Metzingen war nicht gut. Schlecht sogar über Phasen. Überzahlsituationen nutzte die TuS nicht, deutliche Führungen waren plötzlich weg. Diese Probleme haben die Tussies schon ein paar Wochen, ihre Tabellensituation sieht besser aus, als sie sich derzeit präsentieren. Und sie werden diese Baustellen nicht los. Schon beim Ligaspiel am 27. Dezember waren sie gegen die Hornets nicht so überlegen wie erwartet. 31:35 ging das Spiel damals aus. Dieses Mal war es noch enger. Metzingen musste ackern für den Sieg, Nellingen war kein Kanonenfutter. Nicht mehr.

Und das ist der zweite Grund: die Nellinger Entwicklung. In der vergangenen Saison war es nicht mal eine Handvoll Gegner, gegen die Nellingen eine reelle Chance hatte. Der TVN musste gegen die Tabellenschlusslichter punkten, die Spiele gegen Teams der oberen Tabellenhälfte mussten sie eben überstehen. In dieser Saison ist es anders. Wenn Teams wie die Metzingerinnen im Formtief stecken, dann schlägt die Stunde für die zähen, wehrhaften Nellingerinnen. Denn mittlerweile bewacht eine 18-jährige Jugendspielerin wie Elisa Stuttfeld abgebrüht die Kapitänin der Nationalmannschaft, Anna Loerper. Ein Youngster wie Lena Degenhardt springt wie Jack-in-the-Box plötzlich in die Lücken und trifft aus dem Rückraum. Louisa Wolf behält bei nahezu jedem Siebenmeter die Nerven (gut, die waren auch schon in Bundesliga-Saison eins stark). Szimonetta Gera und Roxana-Alina Inoeac laufen und laufen. Und Annika Blanke riskiert die dritte Zwei-Minuten-Strafe im Sinne des Teams. Wenn es aus der knappen und so unglücklichen Niederlage ein positives Resümee zu ziehen gibt, dann dieses, wie TVN-Trainer Pascal Morgant sagte: „Wir sind absolut konkurrenzfähig.“